Auch im 2. Quartal 2005 zeigten sich die Kreditzinsen in Österreich rückläufig, wobei der deutlichste Rückgang bei den neu vergebenen Konsumkrediten in Euro festzustellen war. Nominell lag der entsprechende Durchschnittszinssatz im Juni 2005 am historischen Tiefststand von 4,88% (–0,15%-Punkte gegenüber März 2005), effektiv (unter Einbeziehung aller Gebühren) bei 5,75%. Damit wurden die vergleichbaren Durchschnittswerte des Euroraums (6,91% bzw. 7,72%) sehr deutlich unterschritten. Bei Wohnbau- bzw. Unternehmenskrediten gab es in Österreich gegenüber dem Vorquartal Reduktionen (um 0,04 bis 0,09%-Punkte), die Zinssätze lagen generell unter den Euroraumdurchschnitten. Im Fremdwährungskreditbereich reduzierte sich der relative Zinsvorteil des CHF-Kredites gegenüber dem Euro-Kredit erneut, und zwar auf nur mehr 1,34%-Punkte.
Bei den Zinssätzen für neue Einlagen von privaten Haushalten gab es im zweiten Quartal 2005 bei Laufzeiten von mehr als 1 Jahr ebenfalls Rückgänge zu verzeichnen. Bei Laufzeiten von 1–2 Jahren lag der Durchschnittszinssatz im Juni mit 2,09% unter dem Vergleichswert des Euroraumes (2,21%). Bei Laufzeiten von mehr als 2 Jahren waren allerdings die nach wie vor vergleichsweise gut verzinsten langfristigen Kapitalsparbücher in Österreich hauptverantwortlich dafür, dass der Zinssatz des Neugeschäftes in Österreich im Juni trotz eines Rückganges (um 0,07%-Punkte) im zweiten Quartal 2005 mit 2,74% sehr deutlich über dem Durchschnittswert des Euroraums (2,20%) lag.
Obwohl die EZB nun bereits zwei Jahre lang keine zinspolitischen Impulse gesetzt hat, gab es im zweiten Quartal 2005 bei den Kundenzinssätzen der Banken (wie auch im Zwischenbankbereich) im Neugeschäft weiterhin Rückgänge zu beobachten.
Die stärksten Rückgänge gab es dabei im Konsumkreditbereich. Der entsprechende Durchschnittszinssatz über sämtliche neu vereinbarte Kredite mit privaten Haushalten für Konsumzwecke sank zwischen März und Juni 2005 nominal um 0,15%-Punkte auf den historischen Tiefststand von 4,88%, was gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres einem Rückgang von 0,35%-Punkte entsprach. Auch effektiv gesehen (unter Einbeziehung sämtlicher Gebühren) wurde mit durchschnittlich 5,75% der niedrigste Wert seit der Erhebung von Zinssätzen ermittelt. Ein Vergleich mit den durchschnittlich im gesamten Euroraum ermittelten Durchschnittszinssätzen (im Juni: 6,91% nominal bzw. 7,72% effektiv) ergab einen deutlichen Vorteil für Österreichs private Haushalte. Ein wesentlicher Grund für diesen Umstand war allerdings, dass in Österreich der überwiegende Großteil des Neugeschäfts (im Juni rund 84%) mit variabel oder nur bis zu einem Jahr fix vereinbarten Zinssätzen abgeschlossen wurde. Im Euroraum hingegen wurden in diesem Kreditsegment die meisten Kontrakte (rund 75% des Neugeschäftsvolumens) mit Fixzinsbindung von mehr als einem Jahr abgeschlossen.
Auch in den übrigen Kreditkategorien des Neugeschäfts zeigten die Zinssätze in Österreich im abgelaufenen zweiten Quartal 2005 rückläufige Tendenzen. Den stärksten Rückgang gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres (–0,39%-Punkte) gab es bei Wohnbaukrediten, die insbesondere durch Aktionen von Bausparkassen im Zwischenfinanzierungsbereich auf 3,54% im Juni 2005 sanken und damit ebenfalls den Vergleichswert im Euroraum (3,64%) unterschritten.
Bei Fremdwährungskrediten setzte sich der Rückgang des relativen Zinsvorteils der CHF-Kredite gegenüber dem Euro-Kredit in Österreich weiter fort. Der entsprechende Durchschnittszinssatz über das Neugeschäft an Unternehmen und private Haushalte blieb bei CHF-Krediten im 2. Quartal 2005 unverändert bei 1,88%, der vergleichbare Durchschnittszinssatz über alle neu vergebenen Euro-Kredite sank zwischen März und Juni 2005 hingegen um 0,05%-Punkte auf 3,22%. Im Laufe der letzten 12 Monate sank der relative Zinsvorteil von CHF-Krediten gegenüber dem Euro-Kredit somit von 1,73 auf 1,34 Prozentpunkte.
Bei den Einlagenzinssätzen mussten die privaten Haushalte beim Neugeschäft im abgelaufenen Quartal bei Einlagen mit mehr als einem Jahr Laufzeit Reduktionen in Kauf nehmen. Je nach Bindungsfrist lagen bei neu vereinbarten Einlagen die Zinssätze im Juni 2005 um 0,06 (bei 1 bis 2 Jahren Bindungsfrist) bzw. 0,07 (bei über 2 Jahren Bindungsfrist) %-Punkte unter den durchschnittlich im März 2004 verrechneten Konditionen bei 2,09 bzw. 2,74%. Im Vergleich zum Durchschnittszinssatz für den gesamten Euroraum (2,20%) lag der Zinssatz in Österreich bei Bindungsfrist von mehr als 2 Jahren im Juni 2005 deutlich höher. Ein Hauptgrund dürfte die nach wie vor in Österreich vergleichsweise sehr hohe Bedeutung von Spareinlagen sein. Insbesondere die relativ gut verzinsten Kapitalsparbücher mit längerer Bindungsfrist beeinflussten das Österreich-Ergebnis nach oben. Bei Bindungsfrist von 1 bis 2 Jahren waren die Einlagenzinssätze hingegen im Euroraum im Schnitt mit 2,21% etwas höher als in Österreich (2,09 %). Bei Zinssätzen mit Bindungsfrist von bis zu 1 Jahr gab es in Österreich im abgelaufenen 2. Quartal nur eine marginale Veränderung (+0,01%-Punkte). Der in Österreich ermittelte Durchschnittszinssatz von 1,95% entsprach genau jenem, der sich im Durchschnitt für den Euroraum errechnete.
Auch die neu vergebenen Zinssätze an Unternehmen, die nahezu ausschließlich mit Laufzeit von bis zu einem Jahr vereinbart wurden, veränderten sich im zweiten Quartal 2005 in Österreich kaum (um –0,02%-Punkte). Mit 2,02% war auch hier der Zinssatz im Juni fast identisch mit jenem im Euroraum (2,03%).