Auslandsexposure österreichischer Banken relativ gering

Auslandsexposure österreichischer Banken relativ gering (Statistiken Q4/10)

Engagement österreichischer Banken in ausgewählten Ländern im internationalen Vergleich

Wien, 12.10.2010 (Mag. Stephan Binder1)

Die starke Konzentration österreichischer Banken auf mittel- bis langfristige Wachstumsmärkte in CESEE-Staaten2) führte zu einem geringen Engagement in westlichen Ländern wie Griechenland, Irland, Italien, Portugal oder Spanien. Wie sich im internationalen Vergleich zeigt, sind österreichische Banken in diesen Staaten im Gegensatz zu französischen oder deutschen Banken nur marginal exponiert.



1 Einleitung

Die vorliegende Analyse bietet eine statistische Darstellung des Auslandsengagements österreichischer Banken im internationalen Vergleich mit ausgewählten westlichen Ländern.

 

Kapitel 2 beschreibt den Aufbau der speziellen Datenbasis dieser Analyse – die konsolidierte Bankenstatistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – anhand eines kurzen Streifzugs durch die Geschichte der Erhebung. Hier finden sich Beschreibungen von Auswirkungen besonderer BIZ-Vorgaben auf die Daten zum österreichischen Bankensektor. In den Kapiteln 3 und 4 werden die Daten österreichischer Banken in einen internationalen Vergleich3) mit jenen ausgewählter anderer Industrieländer gesetzt – mit einer Schwerpunktbetrachtung der Engagements in Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien.



2 Datenbasis

2.1 Konsolidierte Bankenstatistik der BIZ liefert Informationen zum Länderrisiko

Als Datenbasis dieser Analyse diente vor allem die konsolidierte Bankenstatistik der BIZ4), deren Daten zu Österreichs Banken durch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) im Rahmen der Restlaufzeiten- und Länderrisikostatistik erhoben werden. Da die konsolidierte BIZ-Bankenstatistik – vor allem im Fall von Österreich – eine Datenbasis liefert, die große Unterschiede zu herkömmlichen Datenquellen aufweist, wird diese im Folgenden kurz beschrieben.

 

Die konsolidierte BIZ-Bankenstatistik liefert international vergleichbare Messgrößen des vom Bankensektor der einzelnen Länder eingegangenen Länderrisikos. Sie ist eine von mehreren Statistiken, die für die BIZ erhoben werden, um die Entwicklung im internationalen Bankengeschäft wiederzugeben und entstand als Reaktion auf die Ausweitung des internationalen Bankengeschäfts in der Karibik und an anderen Offshore-Finanzplätzen in den 1970er-Jahren. Die älteste Datenerhebung der BIZ, die standortbezogene Statistik, beruht auf dem Sitzland der berichtenden Bank und erfasst auch die Positionen von Banken gegenüber ihren eigenen Auslandsniederlassungen. Die konsolidierte BIZ-Bankenstatistik hingegen beruht auf der Nationalität der berichtenden Bank und klammert Positionen zwischen verbundenen Bankniederlassungen aus. Genauer gesagt basiert die konsolidierte Bankenstatistik auf jenem Land, in dem der Hauptsitz der berichtenden Bank – die Konzernmutter – angesiedelt ist. Im Fall der UniCredit Bank Austria AG veranschaulicht, bedeutet dies, dass ihre Werte in jenen der konsolidierten Daten der berichtenden, italienischen Konzernmutter, der UniCredit Group, enthalten sind. Im Fall der BAWAG P.S.K. werden die Daten dem österreichischen Bankensektor zugerechnet, da der US-amerikanische Mehrheitseigentümer Cerberus Capital Management (Investmentfonds-Managementunternehmen) keine Bank ist und somit die BAWAG P.S.K. die erste Bank im Konzern ist und deren Hauptsitz in Österreich liegt.

 

Wichtig bei der Verwendung der konsolidierten Bankenstatistik ist die Beachtung des Unterschieds zwischen Auslandsaktiva auf Basis des unmittelbaren Kreditnehmers und Auslandsaktiva auf Basis des Letztrisikos5). Letzteres entspricht der Summe der Auslandsaktiva auf Basis des unmittelbaren Kreditnehmers zuzüglich des Saldos (Nettobetrag) eines Risikotransfers, bestehend aus Garantien, Sicherheiten und sonstigen Risikotransfers. Die Nettorisikotransfers entsprechen der Differenz zwischen den Risikotransfers in das Land des letztlichen Schuldners und den Risikotransfers aus dem Land des unmittelbaren Kreditnehmers. Da also nur eine Risikoübertragung von einem Land in ein anderes Land stattfinden kann, wäre die Summe der Aktiva gegenüber allen Ländern (inklusive Heimatland) auf Basis des unmittelbaren Kreditnehmers gleich der Summe der Auslandsaktiva gegenüber allen Ländern (inklusive Heimatland) auf Basis des Letztrisikos. In der konsolidierten BIZ-Bankenstatistik kann diese Äquivalenz jedoch nicht nachvollzogen werden, da Werte gegenüber dem Heimatland nicht gemeldet werden.

 

Die Daten auf Basis des unmittelbaren Kreditnehmers sind am ehesten mit den herkömmlichen Messgrößen für Auslandsverschuldung vergleichbar. Risikotransfers bzw. Daten auf Basis des Letztrisikos können jedoch hilfreiche zusätzliche Informationen liefern. Nach Verbesserungen im Jahr 2000, resultierend aus einer Empfehlung des Ausschusses für das weltweite Finanzsystem (Committee on the Global Financial System – CGFS), werden in der Statistik zusätzlich Werte zu Derivativgeschäften, gegebenen Garantien und Kreditzusagen gemeldet. Somit ist der Aufbau der Statistik auch im Einklang mit üblichen Risikomanagementpraktiken in Banken.

Ein sehr wertvolles Element der konsolidierten BIZ-Bankenstatistik ist die vollständige Länderaufgliederung der von den Banken inklusive ihrer Niederlassungen weltweit verbuchten Auslandsforderungen. Die Länderaufgliederung beruht auf dem Sitzland des Schuldners und nicht auf seiner Nationalität.


2.2 Erhebung der Daten in Österreich im Rahmen des VERA

Die Daten zu Österreichs Banken in der konsolidierten BIZ-Bankenstatistik werden – wie erwähnt – im Rahmen der im Vermögens-, Erfolgs- und Risikoausweis (VERA) enthaltenen Restlaufzeiten- und Länderrisikostatistik erhoben. Diese Statistik gibt einen Überblick über das Auslandsengagement aller Kreditinstitute, die im geprüften, unkonsolidierten Jahresabschluss Auslandsaktiva über 100 Mio EUR aufweisen. Bei Vorliegen eines Konzerns besteht die Meldepflicht auf konsolidierter Basis.



3 Konsolidiertes Auslandsengagement österreichischer Banken

3.1 Konsolidierte Auslandsforderungen österreichischer Banken im internationalen Vergleich relativ gering

Die konsolidierten Auslandsforderungen österreichischer Banken weltweit beliefen sich auf 390,18 Mrd EUR oder 142,2%des BIP (Stand: Q1 10). Im Vergleich entspricht dies ungefähr den Auslandsforderungen französischer Banken (140,1%des nationalen BIP). Das Auslandsengagement niederländischer Banken (204,2%des BIP) war rund 1,5-mal so hoch und die Schweizer Banken hatten sogar 342,3%des BIP an konsolidierten Forderungen gegenüber dem Ausland.

 

Die österreichischen Banken sind stark auf die CESEE-Staaten (210,21 Mrd EUR) konzentriert. Auf den derzeit schwierigeren Märkten, wie Griechenland, Irland, Italien, Portugal oder Spanien, sind die österreichischen Banken mit insgesamt 35,70 Mrd EUR im Gegensatz zu französischen (627,20 Mrd EUR), deutschen (483,75 Mrd EUR), britischen (296,93 Mrd EUR) oder niederländischen Banken (154,56 Mrd EUR) nur marginal exponiert.


Vergleich der konsolidierten Auslandsforderungen westlicher Banken

3.2  Österreichisches CESEE-Engagement regional breit gestreut

Österreichische Banken hatten Ende März 2010 in den CESEE-Staaten Forderungen im Ausmaß von 210,21 Mrd EUR (Ende September 2008: 201,93 Mrd EUR). 71,7%dieser Forderungen bestanden gegenüber Ländern, die Mitglied der EU (und teilweise – Slowenien und Slowakei – sogar des Euroraums) sind. Die bedeutendsten Forderungen waren gegenüber den EU-Mitgliedern Tschechische Republik (45,3 Mrd EUR bzw. 21,5%der gesamten CESEE-Forderungen österreichischer Banken), Rumänien (29,52 Mrd EUR bzw. 14,0%) und Ungarn (27,23 Mrd EUR bzw. 13,0%) zu verzeichnen. Auf Nicht-EU-Staaten der Region CESEE entfielen damit nur 28,3%bzw. 59,43 Mrd EUR. Diese bestanden großteils gegenüber Kroatien (26,01 Mrd EUR bzw. 12,4%) und Russland (10,22 Mrd EUR bzw. 4,9%).

 

Das Engagement österreichischer Banken in CESEE-Staaten ist regional sehr breit gestreut – breiter als jenes der Banken der meisten anderen Länder – und daher ist das Risiko stärker diversifiziert. Des Weiteren besitzen österreichische Banken 68 Tochterbanken in 19 verschiedenen CESEE-Staaten. Der IWF bestätigt daher auch, dass die österreichischen Banken von allen Auslandsbanken im CESEE-Raum das regional am meisten diversifizierte Kreditportfolio haben.


Regionale Diversifikation der konsolidierten CESEE-Forderungen österreichischer Banken
Konsolidierte Forderungen

Tabelle 1Konsolidierte Auslandsforderungen
österreichischer Banken gegenüber …
31.Mär.10 
 in Mrd EUR
 
CESEE210,21
 
Euroraum33,11
Slowakei21,71
Slowenien11,40
 
Sonstige EU−Staaten117,67
Bulgarien4,18
Estland0,11
Lettland0,43
Litauen0,18
Polen10,74
Rumänien29,52
Tschechische Republik45,28
Ungarn27,23
 
Sonstige Staaten59,43
Albanien1,76
Armenien0,01
Aserbaidschan0,04
Bosnien und Herzegowina5,09
Belarus (Weißrussland)1,17
Georgien0,00
Kroatien26,01
Kirgisistan0,00
Kasachstan0,25
Moldau, Republik0,20
Republik Montenegro0,74
Mazedonien0,24
Republik Serbien5,90
Russische Föderation10,22
Tadschikistan   vertraulich
Turkmenistan   vertraulich
Türkei0,69
Ukraine7,10
Usbekistan0,01
 
Ausgewählte Staaten Westeuropas 
Deutschland39,60
Frankreich7,90
Griechenland3,69
Vereinigtes Königreich19,97
Irland5,15
Italien18,24
Niederlande13,45
Portugal1,91
Schweden1,42
Schweiz9,48
Spanien6,71
 


3.3  Rund ein Fünftel des Ost-Exposures von Banken aus den EU-15 entfiel auf Österreichs Banken

Banken aus den EU-15 (darunter Österreich) hielten Ende März 2010 in Summe 984,08 Mrd EUR an Forderungen gegenüber CESEE-Staaten. Somit entfiel im internationalen Vergleich ein Anteil von 21,4%auf Österreichs Banken. Italiens Banken hielten einen Anteil von 16,3%(160,2 Mrd EUR), Frankreichs Banken 13,7%(135,13 Mrd EUR) und Deutschlands Banken 13,3%(131,27 Mrd EUR).



4  Österreichs Engagement gegenüber ausgewählten Ländern im internationalen Vergleich

4.1 Methodenbeschreibung

Im Folgenden wird das Engagement österreichischer Banken in ausgewählten Ländern – Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien – mit jenem anderer westlicher Staaten verglichen. Zur umfassenden Darstellung erfolgt an dieser Stelle auch eine Beschreibung des Schuldennetzwerks zwischen den ausgewählten fünf Ländern. Als Datenbasis dient auch hier die konsolidierte BIZ-Bankenstatistik. Darin finden sich beschriebene konsolidierte Auslandsforderungen von Banken aus meldenden Staaten gegenüber Kreditinstituten und Nichtbanken in einzelnen Ländern. Zum Zweck der Schuldendarstellung werden diese als Verbindlichkeiten der Schuldnerländer (Kreditinstitute und Nichtbanken) bei Kreditinstituten und Bankkonzernen aus meldenden Staaten interpretiert.



4.2 Forderungen österreichischer Banken relativ gering

Die starke Konzentration auf die europäischen Wachstumsmärkte in der CESEE-Region führte – wie erwähnt – zu einem geringen Engagement österreichischer Banken auf westlichen Krisenmärkten. So beliefen sich Ende März 2010 die Forderungen gegenüber Irland nur auf 5,90 Mrd EUR (1,5%der Auslandsforderungen österreichischer Banken), gegenüber Italien auf 17,62 Mrd EUR (4,5%), gegenüber Spanien auf 6,12 Mrd EUR (1,6%) und gegenüber Portugal auf 1,94 Mrd EUR (0,5%). Darüber hinaus waren Österreichs Banken mit 3,23 Mrd EUR (0,8%) nur marginal in Griechenland exponiert. In Summe hielten Österreichs Banken gegenüber diesen Staaten 35,70 Mrd EUR. Alle BIZ-Melder hielten 2.748,39 Mrd EUR ihrer konsolidierten Auslandsforderungen gegenüber diesen Ländern – der Anteil Österreichs belief sich somit auf geringe 1,3%.



4.3 Starke Vernetzung der ausgewählten Länder

Die Auslandsverbindlichkeiten Griechenlands (165,99 Mrd EUR bzw. 69,9%des nationalen BIP) bei BIZ-meldenden Ländern waren Ende März 2010 relativ gering im Vergleich zu jenen Spaniens (784,71 Mrd EUR bzw. 74,5%) oder Irlands (163,54 Mrd EUR bzw. 377,3%). Griechenlands höchste Verbindlichkeiten gegenüber Banken aus einem der ausgewählten Länder beliefen sich auf 8,67 Mrd EUR bzw. 5,2%der gesamten Auslandsverbindlichkeiten Griechenlands und bestanden gegenüber portugiesischen Kreditinstituten und Bankkonzernen.

 

Portugals höchste Verbindlichkeiten waren wiederum bei spanischen Banken (63,10 Mrd EUR bzw. 31,2%der gesamten Auslandsverbindlichkeiten Portugals) und Spaniens höchste Verbindlichkeiten wurden gegenüber italienischen Kreditinstituten und Bankkonzernen festgestellt (21,42 Mrd EUR bzw. 2,7%). Italiens Verbindlichkeiten bei irischen und spanischen Banken befanden sich auf annähernd gleichem Niveau (31,65 Mrd EUR bzw. 28,69 Mrd EUR).



4.4 Ausgewählte Länder vor allem bei Banken in Frankreich und Deutschland verschuldet

Die ausgewählten Länder – Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien – hatten sowohl jeweils als auch in Summe hohe Verbindlichkeiten bei französischen und deutschen Banken. Auf deutsche Banken entfielen 483,75 Mrd EUR bzw. 17,6%aller Verbindlichkeiten dieser Länder und auf französische Banken 627,20 Mrd EUR bzw. 22,8%.

 

Relativ zu französischen, deutschen, britischen oder niederländischen Banken sind österreichische Banken kaum in den ausgewählten Ländern engagiert. So hatten Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien in Summe 35,70 Mrd EUR bzw. 1,3%ihrer gesamten Verbindlichkeiten bei österreichischen Banken. Rund die Hälfte des Engagements österreichischer Banken in den ausgewählten Ländern entfiel Ende März 2010 auf das Nachbarland Italien (18,24 Mrd EUR).

 

Der Anteil an Verbindlichkeiten der öffentlichen Sektoren an den gesamten Verbindlichkeiten eines der ausgewählten Länder bei Deutschlands und Frankreichs Banken war überdurchschnittlich hoch. Beispielsweise belief sich der Anteil an den Verbindlichkeiten aller Banken und Nichtbanken der ausgewählten Länder bei französischen Banken auf 22,8%. Wurden nur die Verbindlichkeiten der öffentlichen Sektoren der ausgewählten Länder betrachtet, erhöhte sich dieser Anteil auf 27,0%.

 

Die höchsten Verbindlichkeiten der öffentlichen Sektoren bei Banken aus BIZ-meldenden Ländern wies Italien auf (291,71 Mrd EUR), gefolgt von Spanien (85,13 Mrd EUR), Griechenland (71,52 Mrd EUR), Portugal (40,45 Mrd EUR) und Irland (16,68 Mrd EUR).


Schuldennetzwerk von Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien

1) Oesterreichische Nationalbank, Abteilung für Aufsichts- und Monetärstatistik, stephan.binder@oenb.at.

2) Mit CESEE-Staaten sind die Länder Zentral-, Ost- und Südosteuropas gemeint. Sie umfassen die jene EU-Mitgliedstaaten, die in den Jahren 2004 und 2007 beigetreten sind sowie andere Staaten Südosteuropas und die Mitglieder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

3) Stand: Ende März 2010 (geprüfte Daten).

4) Die konsolidierte BIZ-Bankenstatistik wird vierteljährlich in einer Pressemitteilung und unter www.bis.org mit einer Verzögerung von rund vier Monaten veröffentlicht. Siehe dazu Ausweisrichtlinien der BIZ zur konsolidierten Bankenstatistik sowie McGuire, P. und P. Wooldridge im BIZ-Quartalsbericht, September 2005.

5) Tabellen 9A bis 9D der konsolidierten BIZ-Bankenstatistik; verfügbar unter www.bis.org/Statistics/Banking/ Consolidated.