Entwicklung des Kreditvolumens an Nichtbanken im Euroraum (Statisiken Q3/10)

Entwicklung des Kreditvolumens an Nichtbanken im Euroraum (Statisiken Q3/10)

Wien, 13.7.2010 (Mag. Martin Bartmann)1)

Die durchschnittliche Jahreswachstumsrate des Kreditvolumens an Nichtbanken im Euroraum lag im Jahr 2007 noch deutlich über 10 % und fiel in der Folge bis auf –0,8 % im Oktober 2009. Ab diesem Zeitpunkt war eine Erholung der durchschnittlichen Jahreswachstumsrate im Euroraum zu beobachten, die sodann im April 2010 mit 0,1 % wieder einen positiven Wert aufwies. Während das Kreditvolumen an nichtfinanzielle Unternehmen im Euroraum seit September 2009 negative Jahreswachstumsraten auswies, verbesserte sich jenes an private Haushalte im Euroraum und erreichte mit einer Wachstumsrate von 2,5 % im April 2010 den höchsten Wert seit November 2008.



1 Einleitung

Die Weltfinanzkrise zeigte sich erstmals im April 2007, als der Hypothekenfinanzierer New Century Financial Insolvenz beantragte. Danach kamen jeden Monat weitere Meldungen, die die Unruhen auf den Weltfinanzmärkten schürten. Im September 2008 erreichte die Krise mit der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers ihren Höhepunkt. Rettungspakete in Milliardenhöhe wurden von mehreren Staaten angekündigt, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Die Notenbanken stellten den Märkten vermehrt Liquidität zur Verfügung und begannen die Hauptrefinanzierungssätze dramatisch zu senken, um die Wirtschaft zu stützen und um das Auftreten einer Kreditklemme zu verhindern.

Dieser Beitrag betrachtet in diesem Zusammenhang die Entwicklung des aushaftenden Kreditvolumens an Nichtbanken im Euroraum. Zusätzlich zu Österreich werden die Entwicklungen in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien miteinander verglichen.2) Diese Länder haben insgesamt einen Anteil von rund 77 % am aushaftenden Kreditvolumen an Nichtbanken im Euroraum. Der betrachtete Zeitraum (März 2007 bis April 2009) ermöglicht einen Vergleich der Veränderungen des Kreditvolumens in den angeführten Ländern des Euroraums während der Finanzkrise. Weiters wird die Entwicklung von Fremdwährungskrediten in Österreich betrachtet, die im Vergleich zu den anderen Ländern des Euroraums einen sehr hohen Stellenwert haben.



2 Entwicklung des Kreditvolumens im Euroraum

Wie bereits erwähnt, wurde die Finanzkrise zum ersten Mal im April 2007 spürbar. Zu diesem Zeitpunkt wiesen die Jahreswachstumsraten der Kreditvolumina an Nichtbanken im gesamten Euroraum deutlich positive Werte auf (Grafik 1). Zu den Nichtbanken zählen nichtfinanzielle Unternehmen, private Haushalte, Finanzintermediäre, Versicherungen und Pensionskassen. Von den größten Euroraum-Ländern hatte Spanien im April 2007 mit 22,7 % die mit Abstand höchste Jahreswachstumsrate in diesem Segment, während sich der Durchschnitt des Euroraums zu diesem Zeitpunkt bei 10,4 % befand. Den Höhepunkt des Kreditwachstums an Nichtbanken hatte Spanien bereits im September 2006 mit 26,2 % erreicht. Ausgehend von diesem Wert reduzierte sich die Jahreswachstumsrate der Kreditvolumina an Nichtbanken in Spanien auf –1,7 % im Jänner 2010.

Spaniens Anteil am gesamten aushaftenden Volumen von Krediten an Nichtbanken im Euroraum ist mit 17,1 % am ehesten mit Frankreich, das 18,3 % besitzt, zu vergleichen. In Frankreich begannen die Wachstumsraten jedoch erst ab Ende März 2008 von 15,1 % auf –1,6 % im November 2009 zu sinken. In Österreich und Deutschland verlangsamte sich die Wachstumsdynamik von Krediten an Nichtbanken erst ab Mitte des Jahres 2008. Österreich erreichte jedoch mit 9,7 % im Juni 2008 einen wesentlich höheren Wert als Deutschland, dessen höchste Jahreswachstumsrate im Juli 2008 6,2 % betrug. In weiterer Folge sanken die Wachstumsraten der größten Euroraum-Länder immer weiter, sodass es in den meisten Ländern sogar zu einem Schrumpfen der aushaftenden Kreditvolumina an Nichtbanken gekommen ist. Der Durchschnitt der Jahreswachstumsraten im Euroraum, der von März 2007 bis Mai 2008 immer über 10 % gelegen war, fiel in der Folge auf –0,8 % im Oktober 2009. Ab diesem Zeitpunkt war eine Erholung der durchschnittlichen Jahreswachstumsrate im Euroraum zu beobachten, die sodann im April 2010 mit 0,1 % wieder einen positiven Wert aufwies.


Wachstumsraten der Kredite an Nichtbanken im Euroraum

2.1 Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen im Euroraum

Das Volumen von Krediten an Nichtbanken im Euroraum betrug im April 2010 10.800 Mrd EUR, wobei der Großteil auf private Haushalte (5.000 Mrd EUR) und nichtfinanzielle Unternehmen (4.700 Mrd EUR) entfiel. Betrachtet man die Entwicklung der Kredit volumina an nichtfinanzielle Unternehmen im Euroraum (Grafik 2), so zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei der Entwicklung der Kredite an Nichtbanken im Euroraum. Wie im vorangegangenen Beispiel erreichte die Jahreswachstumsrate Spaniens mit 32 % bereits im November 2006 ihren Höhepunkt, um schlussendlich auf –4,6 % im April 2010 zu fallen. Auch in Frankreich sah man im April 2008 mit 16 % ein Überhitzen der Wachstumsrate an nichtfinanzielle Unternehmen und einen darauf folgenden steilen Rückgang auf –2,8 % im Jänner 2010. Österreich und Deutschland wiesen zu Beginn des Jahres 2007 noch ansteigende Jahreswachstumsraten bei Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen auf, jedoch erreichten Österreich mit 12,7 % im April 2008 und Deutschland mit 10,9 % im November 2008 deutlich geringere Höchstwerte ihrer Jahreswachstumsraten an nichtfinanzielle Unternehmen als die anderen erwähnten Länder. Italien hat sich in diesem Segment genauso wie der Durchschnitt des Euroraums verhalten. Betrachtet man die durchschnittliche Entwicklung im Euroraum, so zeigt sich ein deutlicher Rückgang der Wachstumsrate von 14,9 % im April 2008 auf –2,7 % im Jänner 2010. Auffällig ist, dass alle betrachteten Länder seit Dezember 2009 negative Jahreswachstumsraten beim Kreditvolumen an nichtfinanzielle Unter nehmen aufwiesen.


Wachstumsraten der Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen im Euroraum

2.2 Kredite an private Haushalte im Euroraum

Die Jahreswachstumsraten von aushaftenden Krediten an private Haushalte im Euroraum haben sich während der Finanzkrise ebenfalls reduziert. Auch in diesem Fall war Spanien mit einem Rückgang von 19,2 % im März 2007 auf –0,2 % im Dezember 2009 am stärksten betroffen und Frankreich wies in diesem Segment mit einer Jahreswachstumsrate von 11,5 % im März 2007 ebenfalls einen überdurchschnittlichen Wert auf. Ganz unterschiedlich zu den anderen betrachteten Ländern haben sich die Wachstumsraten der Kreditvolumina an private Haushalte in Deutschland verändert. Von März 2007 bis August 2009 kam es in Deutschland zu geringen negativen Wachstumsraten, während es in den darauf folgenden Monaten zu leichten Anstiegen kam. Es zeigt sich sehr deutlich, dass in allen beschriebenen Ländern der Abschwung der Kreditdynamik bei privaten Haushalten bei einem niedrigeren Niveau einsetzte und geringer war als bei nichtfinanziellen Unternehmen. Im Gegensatz zu den Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen befanden sich die Wachstumsraten bei den Krediten an private Haushalte seit Jänner 2010 in allen beobachteten Ländern wieder im positiven Bereich. Überdurchschnittlich stark stiegen die Volumina in Italien an, die im April 2010 wieder eine Jahreswachstumsrate in Höhe von 7,8 % erreichten. Österreich verhielt sich während des gesamten Zeitraums ähnlich wie der Euroraum-Durchschnitt und erreichte im September 2009 mit 0,4 % seine geringste Wachstumsrate von aushaftenden Krediten an private Haushalte.

Vergleicht man die Wachstumsraten von Krediten an private Haushalte im Euroraum (Grafik 4) nach ihrem Verwendungszweck, so fällt auf, dass Wohnbaukredite während der Finanzkrise am stärksten an Dynamik verloren haben und im September 2009 mit einer Jahreswachstumsrate von –0,6 % ihren Tiefpunkt erreichten. Auch in diesem Segment wiesen Spanien und Frankreich mit Jahreswachstumsraten von 20,2 % bzw. 14,6 % im März 2007 überdurchschnittliche Werte auf. Seit September 2009 gab es bei Wohnbaukrediten wieder steigende Wachs-tumsraten, wobei es vor allem in Italien und Frankreich zu einer schnellen Erholung kam. Im April 2010 wies Italien mit 8,0 % vor Frankreich (4,9 %) und Österreich (2,5 %) die höchste Wachstumsrate der beobachteten Länder auf.
Die jährliche Veränderung der aushaftenden Volumina von Konsumkrediten an private Haushalte im Euroraum nahm seit April 2009 stetig ab und konnte sich nicht wieder erholen. In Spanien ging die Wachstumsrate der aushaftenden Volumina von Konsumkrediten auf –7,6 % im Dezember 2009 zurück, während Italien und Deutschland keine negativen Wachstumsraten über den gesamten Zeitraum verzeichneten.
Die Wachstumsraten des aushaftenden Volumens sonstiger Kredite an private Haushalte im Euroraum veränderten sich am geringsten im Vergleich zu den beiden anderen Verwendungszwecken. Mit Ausnahme von Deutschland befanden sich alle Wachstumsraten in den beobachteten Ländern durchwegs im positiven Bereich, wobei vor allem Italien und Frankreich mit 8,2 % bzw. 8,1 % (April 2010) die höchsten Wachstumsraten in diesem Bereich aufwiesen.


Wachstumsraten der Kredite an private Haushalte im Euroraum
Wachstumsraten der Kredite an private Haushalte im Euroraum nach Verwendungszweck

2.3 Anteil Österreichs an Fremdwährungskrediten im Euroraum sinkt

Der Anteil Österreichs an Fremdwährungskrediten privater Haushalte im Euroraum war immer schon außerordentlich hoch. Während der Finanzkrise ist dieser Anteil von 48,0 % auf 41,6 % gefallen. Zum Vergleich: Der Anteil Österreichs am gesamten aushaftenden Kreditvolumen privater Haushalte im Euroraum lag im April 2010 bei 2,6 %.

Bei Fremdwährungsausleihungen nichtfinanzieller Unternehmen kam es ebenfalls zu einem Rückgang, jedoch ausgehend von einem viel niedrigeren Niveau. Im Jänner 2007 hatte Österreich noch einen Anteil von 8,1 % an Fremdwährungskrediten nichtfinanzieller Unternehmen im Euroraum; dieser fiel bis April 2010 auf 6,3 %. Zum Vergleich: Der Anteil Österreichs am gesamten aushaftenden Volumen von Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen betrug im April 2010 3,2 %.


Anteil Österreichs an Fremdwährungausleihungen privater Haushalte im Euroraum

1) Oesterreichische Nationalbank, Abteilung für Aufsichts- und Monetärstatistik, Martin.Bartmann@oenb.at

2) Als Datenquelle dienen die von der EZB erhobenen, harmonisierten Monetärstatistikdaten von Einzelländern des Euroraums.