Erstmals seit Ende 2008 wieder Bilanzsummenanstieg

Erstmals seit Ende 2008 wieder Bilanzsummenanstieg (Statistiken Q4/10)

Wesentliche Entwicklungen im inländischen Finanzwesen im ersten Halbjahr 2010

Wien, 12.10.2010 (Mag. Peter Steindl)1)

Im ersten Halbjahr 2010 gab es erstmals seit Ende 2008 wieder einen Anstieg der Bilanzsumme der Banken in Österreich. Hauptverantwortlich dafür waren die Auslandsforderungen und -verbindlichkeiten. Die Kredite an private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen stabilisierten sich. Für das Gesamtjahr 2010 erwarten die Banken einen deutlichen Rückgang des Wertberichtigungsbedarfs.



1 Erstmaliger Bilanzsummenanstieg seit Ende 2008

Bei der unkonsolidierten Bilanzsumme wurde erstmals seit Ende 2008 wieder ein Anstieg (+4,03 Mrd EUR im ersten Halbjahr 2010) verzeichnet, der großteils auf Forderungen an ausländische Kreditinstitute und Verbindlichkeiten gegenüber ausländischen Kreditinstituten zurückzuführen war. Der Stand Ende Juni 2010 erreichte jedoch nicht das Niveau und den Höchststand (1.071,10 Mrd EUR) zum Zeitpunkt des Beginns der Wirtschaftskrise (Ende September 2008).

 

Ende Juni 2010 belief sich die unkonsolidierte Bilanzsumme der in Österreich meldepflichtigen Kreditinstitute auf 1.037,98 Mrd EUR; das entsprach einem Anstieg um 4,03 Mrd EUR oder 0,4%im ersten Halbjahr 2010.


Unkonsolidierte Bilanzsumme der in Österreich meldepflichtigen Kreditinstitute

2 Anstieg im Auslandsgeschäft

Der Stand der Auslandsforderungen erhöhte sich im ersten Halbjahr 2010 um 14,89 Mrd EUR, jener der Auslandsverbindlichkeiten um 9,22 Mrd EUR. DieForderungen an ausländische Kreditinstitutestiegen um 12,83 Mrd EUR und dieVerbindlichkeiten gegenüber ausländischen Kreditinstitutenum 9,57 Mrd EUR.

 

Ende Juni 2010 standen in Summe 352,47 Mrd EUR an Forderungen 258,59 Mrd EUR an Verbindlichkeiten im Auslandsgeschäft gegenüber. Durch die unterschiedlichen Wachstumsraten im ersten Halbjahr 2010 weitete sich die Nettoforderungsposition österreichischer Kreditinstitute gegenüber dem Ausland wieder auf 93,88 Mrd EUR aus.


Auslandsgeschäft der in Österreich meldepflichtigen Kreditinstitute

3 Erhöhung der Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen

Die um Wechselkurseffekte, Abschreibungen und Reklassifikationen bereinigte Kreditvergabe (sogenannte transaktionsbedingte Veränderungen) an nichtfinanzielle Unternehmen drehte von einem Rückgang um 0,6 Mrd EUR im ersten Halbjahr 2009 auf einen Zuwachs um 0,7 Mrd EUR im ersten Semester 2010. Bei den privaten Haushalten gab es einen im Vergleich zum Jahr 2009 etwas geringeren Rückgang der Kreditvergabe. Im ersten Halbjahr 2010 war dieser mit –0,1 Mrd EUR niedriger als im ersten Halbjahr 2009 mit –0,5 Mrd EUR. In den Vergleichsperioden der Jahre 2007 und 2008 hatten die Zuwächse der Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen jeweils rund 5,5 Mrd EUR und jene an private Haushalte jeweils 1,8 Mrd EUR betragen.

 

Das ausstehende Kreditvolumen an die beiden Sektoren betrug Ende Juni 2010 262,0 Mrd EUR. Etwas mehr als die Hälfte (134,7 Mrd EUR) entfiel auf Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen.

 

Die Entwicklung der Jahreswachstumsraten lässt erkennen, dass die Phase stark sinkender Kreditwachstumsraten an den privaten Sektor überwunden sein dürfte. Für nichtfinanzielle Unternehmen waren zwischen Dezember 2008 und Dezember 2009 Rückgänge der Kreditvergaben im Zwölf-Monats-Abstand zu beobachten. Der Trend zu sich beschleunigenden Rückgängen der Wachstumsraten, wie er im Verlauf des Jahres 2009 (von +9,1%im Dezember 2008 auf –1,7%im Dezember 2009) festzustellen war, scheint aber gebrochen zu sein. Die Rückgänge der Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen lagen im ersten Halbjahr 2010 zwischen 1,7%und 0,8%. Die Zwölf-Monats-Wachstumsrate für Kredite an private Haushalte lag im ersten Halbjahr 2010 immer im Bereich von +1%, nachdem sie im Verlauf des Jahres 2009 von über 2%auf 0,3%im September zurückgegangen war.


Veränderung der Kredite an private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen
Zwölf-Monats-Wachstumsraten der Kredite an private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen

4 Zinssätze für Unternehmenskredite auf Rekordtief

Der Zinssatz für Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen im Neugeschäft sank im Verlauf des ersten Halbjahres 2010 zum ersten Mal seit Bestehen der Statistik unter 2%. Seit seinem letzten Höhepunkt im Oktober 2008 sank dieser Zinssatz um 3,77 Prozentpunkte auf 1,88%im Juni 2010. Der Zinssatz für Kredite an private Haushalte halbierte sich im selben Zeitraum und erreichte im Juni 2010 2,93%.

 

Im Zwölf-Monats-Abstand gingen die Zinssätze für private Haushalte (–1,46 Prozentpunkte) rascher zurück als jene der nichtfinanziellen Unternehmen (–0,88 Prozentpunkte). Hauptverantwortlich dafür war der Rückgang der Zinssätze für Wohnbaukredite, die aufgrund der vertraglichen Konstruktion bei Bausparkassen langsamer auf Leitzinsänderungen reagieren als die Unternehmenskredite. Damit reduzierte sich die Zinssatzdifferenz von Haushalts- und Unternehmenskrediten auf 1,05 Prozentpunkte im Juni 2010, nachdem sie im Juni 2009 noch bei 1,39 Prozentpunkten gelegen war. Die Zinssatzdifferenz war damit fast doppelt so hoch wie im Fünf-Jahres-Durchschnitt bis Ende 2009. Durch den hohen Anteil an variabel verzinsten Krediten in Österreich wirkten sich die Rückgänge des Zinsniveaus rascher auf die Konditionen österreichischer Kreditnehmer aus als auf den durchschnittlichen Kreditkunden im Euroraum.


Kreditzinssätze für private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen – Neugeschäft

5 Verbessertes Betriebsergebnis

Das unkonsolidierte Betriebsergebnis der in Österreich tätigen Banken stieg im ersten Halbjahr 2010 auf 3,81 Mrd EUR (+0,48 Mrd EUR bzw. +14,5%gegenüber der Vergleichsperiode 2009). Dabei stand einem Zuwachs der Betriebsaufwendungen (+0,10 Mrd EUR bzw. +1,7%) ein noch stärkerer Anstieg der Betriebserträge (+0,58 Mrd EUR bzw. +6,6%) gegenüber.

 

Im ersten Halbjahr 2010 erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr die Betriebserträge um 6,6%bzw. 0,58 Mrd EUR auf 9,35 Mrd EUR. Die größten Anstiege konnten bei den Zins- (+0,19 Mrd EUR), Provisions- (+0,16 Mrd EUR) und Finanzgeschäften (+0,12 Mrd EUR) beobachtet werden. Der Anstieg des Nettozinsertrags um 4,3%auf 4,58 Mrd EUR resultierte aus der volumenmäßig stärkeren Abnahme der Zinsaufwendungen (–5,02 Mrd EUR auf 8,74 Mrd EUR) im Vergleich zu jener der Zinserträge (–4,83 Mrd EUR auf 13,33 Mrd EUR). Geringere Zunahmen verzeichneten die Banken bei den Erträgen aus Wertpapieren und Beteiligungen (+0,08 Mrd) und bei den sonstigen betrieblichen Erträgen (+0,03 Mrd EUR).

 

Die Betriebsaufwendungen erhöhten sich in den ersten sechs Monaten des Jahres 2010 vergleichsweise gering um 1,7%bzw. 0,10 Mrd EUR auf 5,53 Mrd EUR.

 

Die Entwicklung im ersten Halbjahr 2010 spiegelte sich somit in einer besseren Cost-Income-Ratio von 59,2%wider, nach 62,0%im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im sektoralen Vergleich wiesen die Sparkassen die niedrigste Relation auf (54,4%). Danach folgten die Raiffeisenbanken (55,4%), die Aktienbanken (57,0%) und die Landes-Hypothekenbanken (58,6%), die ebenfalls ein besseres Verhältnis von Kosten und Erträgen aufwiesen als die in Österreich tätigen Kreditinstitute insgesamt. Eine schlechtere Kosten-Ertrags-Relation konnte bei den Volksbanken (69,3%), den Bausparkassen (73,2%), den Sonderbanken (76,8%) und den Zweigstellen gemäß § 9 BWG (79,8%) beobachtet werden.


Anteile am Betriebsertrag
Cost-Income-Ratio der in Österreich tätigen Kreditinstitute

6 Deutlicher Rückgang des Wertberichtigungsbedarfs für 2010 erwartet

Für das Gesamtjahr 2010 erwarten die österreichischen Kreditinstitute ein Jahresbetriebsergebnis, das mit 6,81 Mrd EUR um 0,08 Mrd EUR höher ausfallen würde als 2009. Beim Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich rechnen die Banken für das Jahr 2010 mit einem Wert von 3,40 Mrd EUR, während für das Jahr 2009 4,42 Mrd EUR angesetzt wurden. Markant fällt hingegen die erwartete Abnahme beim Wertberichtigungsbedarf auf Wertpapiere des Finanzanlagevermögens aus. Hier wird für 2010 sogar ein geringer Überhang aus der Auflösung in Höhe von 0,04 Mrd EUR erwartet. Im Vorjahr mussten in diesem Bereich noch 4,09 Mrd EUR zugeführt werden.

 

Auf Basis dieser Aussichten rechnen die in Österreich tätigen Banken für 2010 mit einem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) in Höhe von 3,44 Mrd EUR. Im Vorjahr ergab sich noch ein negatives EGT mit 1,78 Mrd EUR. Der erwartete Jahresüberschuss für 2010 beläuft sich nach Berücksichtigung sämtlicher Bewertungsmaßnahmen und Steuern auf 2,97 Mrd EUR. Im Jahr 2009 betrug der Jahresüberschuss nach Berücksichtigung von Sondereffekten 0,04 Mrd EUR. Allerdings darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Vorschauwerte zum Berichtszeitpunkt aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse noch größeren Schwankungen unterworfen sein können.



7  Bankstellen: Anzahl der Hauptanstalten verringert

Aufgrund einer Neugründung (fair-finance Vorsorgekasse AG), zweier Schließungen (One Bank, Bergland Tirol Reisebüro Oberreiter Ges.m.b.H.) und einer Übernahme (Commerzbank AG) hat sich die Anzahl der Hauptanstalten im ersten Halbjahr 2010 um zwei Institute auf 853 verringert.

 

Die Anzahl der Zweigstellen erhöhte sich gleichzeitig um 31. Dies geht auf eine Zunahme der Zweigstellen im Bausparkassensektor durch eine Nachmeldung bereits bestehender Zweigstellen zurück. Um diese Zweigstellen bereinigt, hätte es eine Abnahme um 15 Bankstellen gegeben.

 

Somit ergab sich gegenüber Dezember 2009 im Bankstellennetz insgesamt eine Ausweitung um 29 auf 5.056 Standorte.



8  Investmentfonds: Anstieg des Fondsvolumens

Im ersten Halbjahr 2010 erhöhte sich das österreichische Fondsangebot um zehn Fonds. Somit verwalteten die 30 österreichischen Kapitalanlagegesellschaften per Ende Juni 2010 2.192 Investmentfonds.

 

Kursgewinne von 3,76 Mrd EUR und ein Nettokapitalzufluss von 1,43 Mrd EUR (Nettomittelveränderung von +2,13 Mrd EUR abzüglich Ausschüttungen von 0,70 Mrd EUR) führten in der ersten Jahreshälfte zu einer Erhöhung des konsolidierten Fondsvolumens (exklusive „Fonds in Fonds“-Veranlagungen) um 5,19 Mrd EUR (+4,5%) auf 120,53 Mrd EUR.

 

Das Fondsvolumen der im gesamten Euroraum aufgelegten Investmentfonds (ohne Geldmarktfonds) stieg von Ende Dezember 2009 bis Ende Juni 2010 um 334 Mrd EUR bzw. 6,7%auf 5.293 Mrd EUR. Trotz eines höheren Anstiegs des Fondsvolumens in Österreich im Juni 2010 fiel der vergleichbare Anstieg im ersten Halbjahr 2010 mit 3,7%(5 Mrd EUR) auf 141 Mrd EUR nur rund halb so hoch aus wie jener im Euroraum. Damit verringerte sich der Anteil des Fondsvolumens ­österreichischer Fonds an jenem des Euroraums im Juni 2010 auf 2,66%.



9  Erhöhung des Vermögens¬bestands der Pensionskassen

Der gemeldete Vermögensbestand der 17 Pensionskassen erhöhte sich im ersten Halbjahr 2010 um 0,5 Mrd EUR oder 3,7%auf 14,2 Mrd EUR. Hinter dieser Zunahme stand vor allem eine deutlich positive Performance von 2,4%im ersten Halbjahr. Das geht aus den von der Oesterreichischen Kontrollbank AG veröffentlichten Veranlagungsergebnissen für die bestehenden Aktiva der Pensionskassen hervor. Der restliche Teil der Zunahme der gemeldeten Aktiva der Pensionskassen ergibt sich aus der Aufnahme von Neukunden sowie aus einem Überhang der Einzahlungen (laufende Beiträge, Nachschüsse) gegenüber den Auszahlungen (Pensionsleistungen) aus den bestehenden Verträgen.

 

Per 30. Juni 2010 waren die inländischen Investmentzertifikate mit 86,3%Anteil am gesamten Vermögensbestand unverändert die bei weitem wichtigste einzelne Anlageform. Es folgten die ausländischen Investmentzertifikate mit 6,6%und die Guthaben bei inländischen Banken mit einem Anteil von 2,2%.


Pensionskassen – Vermögensbestand

10  Betriebliche Vorsorgekassen: Anstieg des Vermögensbestands

Die Bilanzsumme der zehn Betrieblichen Vorsorgekassen (BV-Kassen) wies zum 30. Juni 2010 ein Volumen von 3.239,78 Mio EUR aus; gegenüber Ende Dezember 2009 entsprach dies einem Anstieg um 354,68 Mio EUR oder 12,3%.

 

Nachdem die Jahre 2007 und 2008 von einer vermehrten direkten Veranlagung (z. B. Guthaben bei Banken) des Vermögens geprägt waren, war ab dem Jahr 2009 eine Trendumkehr zur indirekten Veranlagung (in Fonds) zu beobachten. Ende Dezember 2009 waren 68,8%der Gelder indirekt veranlagt (Ende Dezember 2008: 50,3%), Ende Juni 2010 betrug der Anteil bereits markante 71,5%. Gleichzeitig fiel der Anteil der direkten Veranlagungen von 31,2%auf 28,5%(Ende Dezember 2008: 49,7%).

 

Ende Juni 2010 betrug das Volumen der Anwartschaften der zehn in Österreich tätigen BV-Kassen 3,18 Mrd EUR, was einem Zuwachs von 12,3%gegenüber Ende Dezember 2009 entsprach.

 

Nach fast achtjähriger Geschäftstätigkeit belief sich die Anzahl der Anwartschaftsberechtigten nach dem System „Abfertigung – NEU“ per Ende Juni 2010 auf 4,4 Millionen Personen. Seit Jänner 2008 werden auch die rund 500.000 selbstständig Erwerbstätigen, freien Dienstnehmer, Freiberufler ­sowie Land- und Forstwirte in das System der Abfertigung miteinbezogen.



Ausgewählte Kennzahlen aus dem Bereich der Finanzstatistikunkonsolidiert 
 Stand
Juni 10
Kumulative Veränderung
H1 10H1 09
 
Anzahl der Hauptanstalten853–2–5
Anzahl der Auslandstöchter (>25%)10452
 
 in Mio EURin %
 
Bilanzsumme1.037.9800,4–1,0
Direktkredite308.2222,0–1,0
Spareinlagen156.972–1,31,4
Vermögensbestand Pensionskassen14.2453,75,7
Verwaltetes Vermögen Investmentfonds143.6903,71,4
 
 in %in Prozentpunkten
 
Anteil der FW−Kredite an Gesamtkrediten18,41,1–0,8
Anteil der Kredite in JPY an FW−Krediten insgesamt5,90,5–0,1
Anteil der Kredite in CHF an FW−Krediten insgesamt85,5–0,80,3
Anteil Auslandsaktiva an der Bilanzsumme34,01,3–0,7
Anteil Auslandspassiva an der Bilanzsumme24,90,90,0
Volumen Derivativgeschäfte in % der Bilanzsumme249,228,7–0,4
Cost−Income−Ratio59,3–2,76,5
Relation Nettozinsertrag/Betriebserträge49,10,010
Relation Personalaufwand/Betriebsaufwendungen51,3–0,12,1
Kernkapitalquote unkonsolidiert14,00,11,1
 


Verleger, Herausgeber und Hersteller:

Oesterreichische Nationalbank

Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit

Mag. Günther Thonabauer 

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Oesterreichische Nationalbank, Abteilung für Aufsichts- und Monetärstatistik, peter.steindl@oenb.at. Der Autor dankt den Mitarbeitern der Abteilung für Aufsichts- und Monetärstatistik für wertvolle Vorarbeiten.