Das Bilanzsummenwachstum österreichischer Banken erreichte im Jahr 2006 mit 9,9%, nach 11,1% im Jahr 2005, das zweithöchste Niveau der letzten acht Jahre. Das Wachstum des Betriebsergebnisses verlangsamte sich – allerdings ausgehend von einem hohen Niveau – im Jahr 2006. Der Trend der zurückgehenden Bedeutung des Nettozinsertrags für die Betriebserträge setzte sich 2006 weiter fort. Nachdem die Nettozinserträge im Jahr 2004 noch fast die Hälfte der Betriebserträge (49%) ausmachten, reduzierte sich ihr Anteil im Jahr 2006 auf 43%. Umgekehrt erhöhten sich die Anteile des „Saldo aus dem Provisionsgeschäft“ und der „Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen“ auf 26% bzw. 17%. Über 60% der zuletzt genannten Kategorie sind Erträge aus Anteilen von verbundenen Unternehmen.
Bericht
Erträge der Banken verstärkt aus Beteiligungs- und Dienstleistungsgeschäft (Statistiken Q2/07)
Wesentliche Entwicklungen im inländischen Finanzwesen im Jahr 2006
1 Knapp 800 Mrd EUR Bilanzsumme
Die Gesamtbilanzsumme der in Österreich tätigen Kreditinstitute(unkonsolidierte Daten) überschritt nur knapp nicht die 800 Mrd EUR-Grenze. Ende Dezember 2006 wurde ein neuer Höchststand von 797,79 Mrd EUR gemeldet. Das Bilanzsummenwachstum wies 2006 mit 72,07 Mrd EUR ein ähnlich hohes Niveau wie im Jahr 2005 mit 72,97 Mrd EUR auf. Damit wurde 2006 mit 9,9% die zweithöchste Jahreswachstumsrate der letzten acht Jahre erzielt, die nur von der Wachstumsrate im Jahr 2005 mit 11,1% übertroffen wurde.
Aktivseitig wird das Bilanzsummenwachstum zum überwiegenden Teil (84,4%) von der Zunahme der EUR-Kredite (18,3%) und vor allem des Auslandsgeschäfts – zu rund zwei Drittel (66,1%) – getragen.

Die Zunahme der Auslandsverbindlichkeiten erklärt 34,1% des Bilanzsummenwachstums und damit nur geringfügig mehr als ihrem Anteil an der Bilanzsumme mit 32,5% entspricht. Überhaupt entwickelten sich die Hauptkategorien der Passivseite relativ gleichmäßig. Nur die wichtigste Refinanzierungsquelle, nämlich die Einlagen von Nichtbanken, wächst seit Jahren unterdurchschnittlich; die Einlagen sind zunehmend der Konkurrenz von Veranlagungsprodukten der Investmentfonds, Pensionskassen und Versicherungen ausgesetzt. Sie betrugen im Jahr 2006 rund 29% (2004: 32,3%).
Diese Entwicklung ging mit einer stärkeren Nutzung des Anleihemarktes durch Banken einher. Die eigenen Inlandsemissionen an Nichtbanken steigerten ihren Anteil an der Bilanzsumme von 8,3% (2004) auf 9,7%. Inlandsemissionen und ausländische verbriefte Verbindlichkeiten lagen Ende 2006 bei 21,9% (2004: 20,4%).
Bei sektoraler Betrachtung2) konnten in allen Bankensektoren positive Zuwachsraten bei der Bilanzsumme beobachtet werden. Die relativen Wachstumsbandbreiten reichten von deutlichen 31,1% (Zweigstellen gemäß § 9 BWG) bis zu marginalen 0,7% (Bausparkassen). Die deutliche Veränderung der Zweigstellen gemäß § 9 BWG im Jahresabstand kam dadurch zustande, dass eine Direktbank ihre Bilanzsumme mehr als verdoppelte und damit einen Anteil von fast 90% am Wachstum des gesamten Sektors aufwies.
Von den 797,79 Mrd EUR Bilanzsumme entfielen 44,5% auf die fünf größten in Österreich tätigen Banken und 56,5% auf die Top-10-Banken. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Marktanteil der Top 5 um 1,1 Prozentpunkte und der Anteil der Top 10 stieg leicht um 0,3 Prozentpunkte.
Die Reihenfolge der zehn größten Banken, gereiht nach der Bilanzsumme per Ultimo 2006, ist aus Tabelle 1 ersichtlich, es waren keine starken Verschiebungen erkennbar.
| Tabelle 1 | |
| Reihung nach Bilanzsumme | |
| Stand Dezember 2006 | |
| 1. | Bank Austria Creditanstalt AG |
| 2. | Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG |
| 3. | Raiffeisen Zentralbank Österreich Aktiengesellschaft |
| 4. | BAWAG P.S.K. Bank für Arbeit und Wirtschaft und
Österreichische Postsparkasse Aktiengesellschaft |
| 5. | Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft |
| 6. | Österreichische Volksbanken-Aktiengesellschaft |
| 7. | Kommunalkredit Austria AG |
| 8. | Hypo Alpe-Adria-Bank International AG |
| 9. | Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Aktiengesellschaft |
| 10. | Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG |
| Quelle: OeNB. | |
2 Moderate Entwicklung des Betriebsergebnisses nach zwei außergewöhnlich guten Jahren
Das unkonsolidierte Betriebsergebnis stieg im Jahr 2006 nur mäßig um 0,18 Mrd EUR (3,1%) auf 5,82 Mrd EUR; trotzdem liegt es um fast ein Drittel höher als im Jahr 2003. Die Jahre 2004 mit 7,6% und 2005 mit 19,1% waren nämlich durch ein außergewöhnlich hohes Wachstum des Betriebsergebnisses gekennzeichnet.
Verglichen mit den Jahren 2004 und 2005 waren die in Österreich meldepflichtigen Kreditinstitute mit stark steigenden Betriebsaufwendungen – im Verhältnis zu den Betriebserträgen – konfrontiert. Im Jahr 2006 beliefen sich die Betriebsaufwendungen auf 10,79 Mrd EUR, das entsprach einem Anstieg um 7,3% bzw. 0,73 Mrd EUR im Vergleich zum Jahr 2005. Verglichen mit dem Jahr 2004 wurde 2005 bei den Betriebsaufwendungen nur ein Zuwachs um 3,6% festgestellt. Gleichzeitig schwächte sich der Zuwachs der Betriebserträge ab. Wurde 2005 noch ein Anstieg um 8,7% im Vergleich zum Jahr 2004 verzeichnet, so betrug der Vergleichswert für das Jahr 2006 nur mehr 5,8%. Die Betriebserträge erreichten im Jahr 2006 16,62 Mrd EUR.
Das geringere Wachstum des Betriebsergebnisses bei gleichzeitig steigenden Betriebsaufwendungen im Jahr 2006 geht mit einer Verschlechterung der Cost-Income-Ratio einher; sie stieg um 0,9 Prozentpunkte auf 65,0%. Diese Entwicklung folgte auf deutliche Verbesserungen in den Jahren 2004 und 2005, als sie mit 64,1% im Jahr 2005 ihren historischen Tiefststand erreichte. Im Jahr 2003 lag die Cost-Income-Ratio noch bei 68,2%. Die Verschlechterung der Cost-Income-Ratio im Jahr 2006 relativiert sich außerdem noch weiter, wenn man den Zuwachs der Betriebsaufwendungen näher betrachtet. Dieser basierte zu 56,6% auf dem Anstieg des Personalaufwands um 8,2% auf 5,45 Mrd EUR. Hauptverantwortlich dafür war ein Sondereffekt erhöhter Dotierungen für Pensionsrückstellungen einzelner Banken in Höhe von 0,18 Mrd EUR (Anstieg der Löhne und Gehälter um 0,16 Mrd EUR oder 4,7%).

Die Betriebserträge stiegen im Jahr 2006 um 0,91 Mrd EUR (5,8%) auf 16,62 Mrd EUR. Hauptverantwortlich für den Anstieg waren zu rund 40% der Zuwachs des Saldos aus dem Provisionsgeschäft um 0,36 Mrd EUR (9,1%) auf 4,3 Mrd EUR, gefolgt vom Wachstum der sonstigen betrieblichen Erträge um 0,25 Mrd EUR (18,5%) auf 1,58 Mrd EUR mit einem Anteil von knapp 30%.
Die Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen trugen mit einer Erhöhung von 0,18 Mrd EUR (6,6%) auf 2,88 Mrd EUR mit einem Anteil von 20% zum Wachstum der Betriebserträge bei.
Der Wachstumsbeitrag des Nettozinsertrags zum Wachstum der gesamten Betriebserträge fiel mit etwas über 8% sehr bescheiden aus; er stieg um 0,08 Mrd EUR (1,1%).
Damit setzte sich der Trend zur Verringerung der Bedeutung des Nettozinsertrags für die Betriebserträge weiter fort. Ihr Anteil ging seit Ende 2004 stark zurück, damals wiesen sie noch über 49% aus. Im Jahr 2006 erreichte der Nettozinsertrag nur noch 43%, er stellt aber dennoch nach wie vor die bei weitem wichtigste Quelle der Betriebserträge dar. Mit rund 26% stellte der Saldo aus dem Provisionsgeschäft im Jahr 2006 die zweitwichtigste Ertragsquelle dar (2004: 23%). In ähnlichem Ausmaß stieg der Anteil aus Wertpapieren und Beteiligungen, der drittwichtigsten Quelle der Betriebserträge, von

rund 14% im Jahr 2004 auf 17% im Jahr 2006. Der Großteil dieser Erträge – über 60% im Jahr 2006 – ging auf Erträge aus Anteilen an verbundenen Unternehmen zurück. Nach Wachstumsraten von 34,6% im Jahr 2004 und 42,8% im Jahr 2005 wuchsen sie im Jahr 2006 immerhin noch mit 13,5% und erreichten über 2Mrd EUR.
3 Nettoauslandsforderungsposition vergrößert sich weiter
Die Dynamik des Auslandsgeschäfts prägte vor allem aktivseitig das Bilanzsummenwachstum. Die Forderungen an das Ausland stiegen im Jahr 2006 mit 47,61 Mrd EUR (19,4%) fast doppelt so stark wie die Verbindlichkeiten, die sich um 24,56 Mrd EUR (10,5%) erhöhten. Damit gehen rund zwei Drittel des Bilanzsummenwachstums auf den Zuwachs der Auslandsaktiva zurück. Die Zunahme der Auslandsverbindlichkeiten kann dagegen nur ein Drittel des Bilanzsummenwachstums erklären. Dadurch erhöhte sich die Nettoforderungsposition österreichischer Banken gegen das Ausland um weitere 23,05 Mrd EUR auf 34,26 Mrd EUR. Ende 2006 standen im Auslandsgeschäft somit 293,52 Mrd EUR Forderungen Verbindlichkeiten in Höhe von 259,25 Mrd EUR gegenüber. Damit hat sich seit Ende 2003 kontinuierlich eine Nettoforderungsposition österreichischer Banken gegen das Ausland aufgebaut. Im Jahr 2003 überstiegen die Auslandsverbindlichkeiten zum letzten Mal die Auslandsforderungen, wenn auch nur geringfügig.
Die aktivseitige Dynamik der Auslandsforderungen zeigt sich auch an dem deutlich ansteigenden Anteil der Auslandsaktiva an den gesamten

Forderungen. Ende 2006 waren rund 37% aller unkonsolidierten Aktiva im Ausland veranlagt. Verglichen mit 2005 (34%) und 2004 (29%) stieg dieser Prozentsatz weiter an. Auf der Passivseite lag der Anteil der Auslandsverbindlichkeiten gemessen an der Gesamtbilanzsumme mit rund 32,5% um fast 5 Prozentpunkte unter dem Wert der Auslandsforderungen.
4 Bedeutung der Fremdwährungskredite nimmt erstmals seit 2003 ab
Mit 4,5% wies das Kreditgeschäft mit inländischen Nichtbanken im Jahr 2006 eine ähnliche relative Wachstumsrate wie in den Jahren 2005 (4,7%) und 2004 (5,0%) aus. Ende des Jahres 2006 erreichte damit das Kreditvolumen 275,25 Mrd EUR. Hinter dieser stetigen Entwicklung verbirgt sich aber eine bedeutende Veränderung hinsichtlich der Attraktivität von EUR- und Fremdwährungskrediten. Während die EUR-Kredite 2006 mit 6,3% mehr als doppelt so rasch wuchsen wie im Jahr 2005 (3,1%), gingen die Fremdwährungskredite im Jahr 2006 um 2,4%3) zurück. Im Jahr 2005 stiegen sie mit 11,2% um mehr als das Dreifache der EUR-Kredite und im Jahr 2004 wuchsen die Fremdwährungskredite mit 8,8% mehr als doppelt so hoch wie die EUR-Kredite.
Der Schweizer Franken (CHF) dominierte weitgehend die Fremdwährungskreditaufnahme. Umgerechnet 47,5 Mrd EUR (90,7%) der Fremdwährungskredite wurden Ende 2006 in CHF aufgenommen. Demgegenüber standen Kredite in Höhe von umgerechnet 2,9 Mrd EUR (5,5%) in US-Dollar (USD) und 1,5 Mrd EUR (2,8%) in japanischen Yen (JPY). Letzterer führte seinen bereits mehr als vier Jahre dauernden Abwärtstrend fort: Im März 2002 erreichten die JPY-Kredite mit 18,6 Mrd EUR ihren Höchststand, was einem Anteil von 42,1% an den Fremdwährungskrediten entsprach.
Entwicklungen bei den Fremdwährungskrediten finden daher vor allem in der relativen Attraktivität von CHF-Krediten zu EUR-Krediten ihre Erklärung. Dabei spielen Zinsdifferenzen und Wechselkursentwicklungen die entscheidenden Rollen. Der geringer werdende Zinsvorteil reduzierte die Attraktivität von Kreditneuaufnahmen in Schweizer Franken. Die Kreditzinssätze für Neuabschlüsse mit privaten Haushalten lagen Ende 2006 mit 3,05% erstmals, seit sie von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) erhoben werden, über 3%. Sie haben sich damit gegenüber dem Tiefststand im April 2004 in Höhe von 1,42% mehr als verdoppelt. Dadurch hat sichder Zinsvorteil der CHF-Kredite gegenüber den EUR-Krediten mit 1,34 Prozentpunkten, verglichen mit seinem Höchstwert von 2,5 Prozentpunkten im März 2003, fast halbiert.
Außerdem wertete der Schweizer Franken im Jahr 2006 – Monatsdurchschnitt Dezember 2006 verglichen mit Monatsdurchschnitt Dezember 2005 – um mehr als 3% ab. Damit näherte sich der Schweizer Franken Ende Dezember 2006 seinem niedrigsten Wert – die Abwertung setzte sich Anfang 2007 weiter fort – seit der Euro-Einführung. Im Vergleich zu seinem Höchststand verlor er mehr als 10%. Dementsprechend groß sind das mittelfristige Aufwertungspotenzial und das Risiko für Kreditnehmer im Euroraum. Einige Kreditnehmer in Schweizer Franken dürften daher den relativ günstigen EUR/CHF-Wechselkurs zur Konvertierung von CHF-Krediten in EUR-Kredite genutzt haben.

Dadurch sank der Anteil der Fremdwährungskredite an allen vergebenen Krediten um 1,3 Prozentpunkte von 20,2% im Jahr 2005 auf 18,9% im Jahr 2006.
Bei sektoraler Betrachtung erkennt man, dass die Rückgänge bei den Fremdwährungsausleihungen insbesondere durch Reduktionen bei nichtfinanziellen Unternehmen (um 2,1 Mrd EUR) verursacht wurden, die jetzt nur mehr einen Anteil von 24,3% an sämtlichen Fremdwährungsausleihungen an Nicht-MFIs halten. Bei privaten Haushalten (inklusive Freie Berufe) stieg dagegen das Volumen um 1,1 Mrd EUR, sodass deren Anteil von 61,1% auf 64,6% zunahm. Dafür zeichnet vor allem die Wohnbaufinanzierung in Fremdwährungen verantwortlich. Der Fremdwährungsanteil bei Wohnbaukrediten stieg von 37,1% auf 37,9%.
Regional betrachtet lag der Anteil der Fremdwährungskredite am gesamten Kreditvolumen weiterhin in Vorarlberg4) mit rund 41% am höchsten (–3,0 Prozentpunkte), gefolgt von Tirol mit rund 29% (–3,8 Prozentpunkte). In den restlichen Bundesländern schwankte der Fremdwährungsanteil innerhalb der Bandbreite von 12,3% (Oberösterreich: –1,0 Prozentpunkte) bis 21,1% (Steiermark: –0,8 Prozentpunkte).
Nach Größenklassen gegliedert, befanden sich zum Jahresultimo 2006 rund 72% aller EUR-Kredite im Bereich bis 10.000 EUR,5) ein EUR-Kredit belief sich auf durchschnittlich 36.700 EUR. Die meisten Fremdwährungskredite (34,3%) befanden sich im Segment zwischen 100.000 und 500.000 EUR. Im Durchschnitt6) lautete ein Fremdwährungskredit auf 133.000 EUR, im Vorjahr lag der Durchschnittswert bei 141.000 EUR.
Die sich deutlich beschleunigende Kreditvergabe österreichischer Banken in Euro kann auf die günstige Konjunkturentwicklung zurückgeführt werden. Allerdings, verglichen mit der Zunahme der Kredite im Euroraum, nimmt sich die österreichische Kreditwachstumsrate (Euro und Fremdwährung) bescheiden aus. Die fast doppelt so hohe Dynamik im Euroraum geht aber auf Faktoren zurück, die nur bedingt für Österreich gelten. Die Europäische Zentralbank (EZB)7) ortet neben dem durch die günstige Konjunktur höheren Finanzierungsbedarf nämlich auch folgende finanzielle Faktoren: Unternehmen haben für die Finanzierung der zunehmenden Anzahl von Fusionen und Firmenübernahmen verstärkt auf Banken zurückgegriffen. Weiters dürfte der Immobilienboom in wichtigen Regionen des Euroraums einige Unternehmen zu einer verstärkten Investition in Immobilien veranlasst haben.
Diese Strukturverschiebungen zwischen EUR- und Fremdwährungskrediten spiegeln sich auch in der Zinslandschaft wider. Die Wohnbaukredite in Euro sind in Summe jene Kategorie, in der die Leitzinsanhebung der EZB im Neugeschäft den geringsten Niederschlag fand. Der Vergleichswert im Jahr 2005 wurde lediglich um 0,66 Prozentpunkte überschritten, bei den übrigen Neugeschäft-Aggregaten hingegen um 0,89 bis 1,12 Prozentpunkte. Wie die sektorale Betrachtung ergab, dürften die Wohnbaukredite jenes Segment sein, das am stärksten der Konkurrenz der CHF-Kredite ausgesetzt ist. Daher erfolgte die Weitergabe der Leitzinsanhebung bei Wohnbaukrediten langsamer als in den anderen Kreditbereichen. Die Zinssätze für neu vergebene Wohnbaukredite sanken daher an das untere Ende der Euroraumbandbreite. Die Zinssätze für neu vergebene Kredite an Unternehmen stiegen ähnlich stark wie im Euroraum und blieben daher nach wie vor unter dem Euroraumdurchschnitt. Die Neugeschäft-Zinssätze für Konsumkredite lagen trotz stärkerer Anstiege als im Euroraum am unteren Ende der Euroraumbandbreite.
5 Einlagenwachstum auf Vorjahresniveau: kurzfristige Einlagen im Aufwind
Die Einlagenentwicklung der inländischen Nichtbanken im Jahr 2006 blieb mit 4,7% auf ähnlichem Niveau wie in den Jahren 2004 und 2005 mit jeweils 4,8%. Das Einlagenaufkommen bezifferte sich zum Jahresultimo 2006 auf 231,15 Mrd EUR. Mit Ausnahme der Aktienbanken (–1,2%) und der Bausparkassen (–0,3%) wiesen alle Bankensektoren positive Zuwachsraten auf. Wesentlich für den allgemeinen Anstieg (+10,40 Mrd EUR gegenüber dem Vorjahresultimo) waren die Raiffeisenbanken (+4,74 Mrd EUR) sowie die Sparkassen (+3,47 Mrd EUR).
Die Spareinlagen waren weiterhin die bedeutendste Einlagenkategorie. Es zeigt sich jedoch, dass ihr Anteil am gesamten Einlagenaufkommen sinkt. 2004 lag ihr Anteil noch bei64,4% und reduzierte sich im Jahr 2005 auf 62,0%, um mit Ende 2006 60,5% zu erreichen. Dahinter stehen die unterschiedlichen jährlichen Wachstumsraten dieser Anlageformen. Die Spareinlagen stiegen im Jahr 2006 mit 2,1% (2,92 Mrd EUR), relativ gesehen, wesentlich geringer als Termin- bzw. Sichteinlagen, die im Jahr 2006 mit 12,1% (2,91 Mrd EUR) bzw. 7,6% (4,57 Mrd EUR) wesentlich rascher wuchsen. Damit erhöhten die Termineinlagen ihren Anteil im Jahr 2006 um 0,7 Prozentpunkte auf 11,6% und die Sichteinlagen um 0,8 Prozentpunkte auf 27,9%. Im Jahr 2004 machten die Termineinlagen 10,2% und die Sichteinlagen 25,3% aus. Die Direktbanken haben ihren Marktanteil bei Sichteinlagen von 3,5% im Jahr 2005 auf 6,2% im Jahr 2006 beinahe verdoppelt. Dieser Umstand kann auch zum Teil die Verschiebung von Spar- zu Sichteinlagen erklären.
Bedingt wurde der jährliche Zuwachs der Spareinlagen überdies erst durch Zinsgutschriften im Dezember

2006. Bis Ende November wurde nämlich noch ein moderater Zuwachs im Ausmaß von 0,89 Mrd EUR beobachtet. Zum 31. Dezember 2006 wurden kapitalisierte Spareinlagenzinsen in Höhe von 2,40 Mrd EUR inklusive KESt (2005: 2,30 Mrd EUR) gemeldet, das heißt, ohne Zinsgutschriften wäre eine Zunahme von 1,11 Mrd EUR zu verzeichnen gewesen (unter Berücksichtigung der KESt!).
6 Besondere außerbilanzmäßige Geschäfte und deren Eigenmittelerfordernis
Zum Jahresultimo 2006 betrug das Volumen der Derivativgeschäfte 1.659,90 Mrd EUR; in der Gegenüberstellung zum 31. Dezember 2005 entsprach dies einem Anstieg um 10,2%. Nach einer Stagnationsphase zu Beginn des Jahres erhöhte sich das Volumen gegen Jahresende 2006. Die besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäfte machten somit – wie im Jahr 2005 – etwas mehr als das Doppelte der Gesamtbilanzsumme aus.
In der Risikobetrachtungsweise spielen die besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäfte, auch Derivativgeschäfte genannt, allerdings nur eine verschwindend geringe Rolle. Sie betrugen Ende 2006 nur 0,15Mrd EUR oder nicht einmal 0,5% des unkonsolidierten Gesamteigenmittelerfordernisses. Dabei sank deren Eigenmittelerfordernis sogar um 13,6%, trotz des steigenden Volumens im Derivativgeschäft.
Das unkonsolidierte Eigenmittelerfordernis für außerbilanzmäßige Geschäfte (Haftungen, Garantien etc.) belief sich auf 3,25 Mrd EUR, was einer Erhöhung um 0,53Mrd EUR (19,3%) gegenüber Dezember 2005 entsprach.
Den Großteil des gesamten unkonsolidierten Eigenmittelerfordernisses in Höhe von 32,84 Mrd EUR machte aber nach wie vor das Eigenmittelerfordernis für die risikogewichteten Aktiva – im Folgenden bilanzielles Eigenmittelerfordernis genannt – mit 28,06 Mrd EUR (85,5%) aus. Die Wachstumsrate kam mit 10,6% fast dem Wachstum des Gesamteigenmittelerfordernisses von 11% gleich.
Betrachtet man die unkonsolidierten Eigenmittelerfordernisse für Solvabilität,8) so liegt der Anteil des bilanziellen Eigenmittelerfordernisses sogar bei 89,2%.
Grafik 7 zeigt die Entwicklung der bilanziellen und außerbilanziellen Eigenmittelerfordernisse für Solvabilität in Indexform seit 2003.

7 Pensionskassen und Mitarbeitervorsorgekassen
Die Pensionskassen entwickeln sich weiterhin sehr dynamisch. Ihr Vermögensbestand erhöhte sich im Jahr 2006um 0,9 Mrd EUR (8,2%) auf 12,5 Mrd EUR. Aufgrund des Verfalls der Aktienkurse im zweiten Quartal 2006 fiel der Zuwachs allerdings etwas geringer aus als in den letzten Jahren. Seit 2003 verzeichnete der Vermögensbestand nämlich zweistellige Wachstumsraten: 15,8% (2003), 11,1% (2004) und 14,1% (2005). Die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2006 implizierte eine Jahreswachstumsrate von über 16%.
Diese hohen Zuwächse relativieren sich aber angesichts eines bedeutenden Nachholbedarfs Österreichs in diesem Bereich. Wie eine in den „Financial Market Trends“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im November 2006 veröffentlichte Studie zeigt, spielen die Pensionskassen in Österreich noch eine vergleichsweise geringe Rolle: Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) machten die Bilanzsummen aller Pensionskassen in Österreich Ende 2005 nur 4,7% aus, während es OECD-weit 87,6% waren. Die höchsten prozentualen Werte weisen hier die Niederlande, Island und die Schweiz mit Werten um 120% auf. Auch einige große Volkswirtschaften haben hohe Werte: USA rund 100%, Vereinigtes Königreich rund 70%, Australien rund 60%, Kanada rund 50%. Hingegen haben andere kontinentaleuropäische Länder Werte, die mit den österreichischen vergleichbar sind: Frankreich 5,8%, Belgien 4,2% und Deutschland 3,9%.
Die Investmentzertifikate sind mit einem Wert von 11,7 Mrd EUR die bei weitem wichtigste Anlageform der Pensionskassen. Gemessen am Gesamtvermögensbestand entfielen per Ende Dezember 2006 84,7% auf Zertifikate inländischer Emittenten und 8,9% auf Zertifikate ausländischer Emittenten, was insgesamt einem Anteil an Investmentzertifikaten von 93,6% entsprach. In der längerfristigen Betrachtung ist festzustellen, dass sich der Anteil der Investmentzertifikate am gesamten Vermögensbestand seit dem Jahr 2000 in der Größenordnung von 95% bewegt. Verändert hat sich hingegen seit 2002/03 das Verhältnis zwischen inländischen und ausländischen Investmentzertifikaten: Der Anteil der ausländischen Investmentzertifikate am Gesamtvermögensbestand hat sich in den letzten vier Jahren von 3,5% auf die erwähnten 8,9% mehr als verdoppelt und damit seinen historischen Höchststand erreicht.
Im vierten Quartal 2006 stiegen die Veranlagungen in Fremdwährung um 224 Mio EUR (67,6%). Dadurch erhöhte sich der Fremdwährungsanteil auf 4,4%. Der bisherige Höchststand des Fremdwährungsanteils seit der Einführung des Euro als Verrechnungseinheit wurde 1999 mit 4,8% erzielt. Er ging bis zum Jahr 2003 kontinuierlich auf 2,3% zurück und schwankte dann bis September 2006 in einer Bandbreite von 2,3% bis 2,8%.
Die Mitarbeitervorsorgekassen entwickelten sich auch im Jahr 2006 äußerst dynamisch. Das Volumen der Abfertigungsanwartschaften erhöhte sich um 430 Mio EUR (61,8%) auf 1,13 Mrd EUR. Bereits über zwei Millionen Arbeitnehmer in Österreich haben Anspruch auf das neue System der Abfertigung. Eine Analyse im vorliegenden Heft widmet sich daher diesem Thema.
| Tabelle 2 | |||
|---|---|---|---|
| Ausgewählte Kennzahlen aus dem Bereich der Finanzstatistik | |||
| unkonsolidiert | Stand
Dezember 2006 | Kumulative Veränderung | |
| 2006 | 2005 | ||
| Anzahl der Hauptanstalten | 871 | −9 | −2 |
| Anzahl der Auslandstöchter (>25%) | 96 | 6 | x |
| in Mio EUR | in % | ||
| Bilanzsumme | 797.793 | 9,9 | 11,1 |
| Direktkredite | 275.251 | 4,5 | 4,7 |
| Spareinlagen | 139.810 | 2,1 | 0,7 |
| Vermögensbestand Pensionskassen | 12.497 | 8,2 | 14,1 |
| Verwaltetes Vermögen Investmentfonds | 168.844 | 7,8 | 25,1 |
| in % | in Prozentpunkten | ||
| Anteil der FW-Kredite an Gesamtkrediten | 18,9 | −1,3 | 1,2 |
| Anteil der Kredite in JPY an FW-Krediten insgesamt | 2,8 | −1,1 | −1,7 |
| Anteil der Kredite in CHF an FW-Krediten insgesamt | 90,7 | 1,7 | −1,1 |
| Anteil Auslandsaktiva an der Bilanzsumme | 36,8 | 2,9 | 3,2 |
| Anteil Auslandspassiva an der Bilanzsumme | 32,5 | 0,2 | 2,4 |
| Volumen Derivativgeschäfte in % der Bilanzsumme | 208,1 | 0,5 | −16,4 |
| Cost-Income-Ratio | 65,0 | 0,9 | −3,1 |
| Relation Nettozinsertrag/Betriebserträge | 43,2 | −2,0 | −4,2 |
| Relation Personalaufwand/Betriebsaufwendungen | 50,5 | 0,4 | 0,0 |
| Capital Ratio | 15,0 | 0,5 | −0,2 |
| Quelle: OeNB. | |||
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Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Günther Thonabauer
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
1) Die Autoren danken den Mitarbeitern der Abteilung für Bankenstatistik und Mindestreserve für wertvolle Vorarbeiten.
2) Die neu abgestimmte Sektorzuordnung für Kreditinstitute zwischen der Finanzmarktaufsicht und der OeNB ist in diesem Bericht noch nicht berücksichtigt.
3) Nicht um Wechselkurseffekte bereinigt. Bereinigt um Wechselkurseffekte gab es einen leichten Anstieg gegenüber Dezember 2005.
4) Bundesländervergleiche sind insofern nur bedingt aussagekräftig, als überregional tätige Kreditinstitute jeweils dem Standort der Hauptanstalt (wie z. B. die BA–CA dem Bundesland Wien) zugerechnet werden.
5) Inklusive Überziehungen bei Girokonten.
6) Bei der Durchschnittssumme ist zu berücksichtigen, dass der Großteil der Fremdwährungskredite endfällig getilgt wird.
7) Ursachen des starken Anstiegs der Kreditvergabe an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften siehe EZB-Monatsbericht, Jänner 2007, S. 20–23, Kasten 2.
8) Das Eigenmittelerfordernis für Solvabilität wird wie folgt berechnet: 8% der Bemessungsgrundlage gemäß § 22 Abs. 2 BWG, die die risikogewichteten Aktiva, die außerbilanzmäßigen Geschäfte und die besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäfte umfasst.
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