Wien, 23. 1. 2006 (Mag. Christian Probst)
Ein Vergleich der Spareinlagen mit anderen Anlageprodukten ist ein oft beschriebenes Thema in den Medien. „Das Sparbuch verliert, Fonds holen auf“ lauteten immer wieder Pressemeldungen. Oft werden als Datengrundlage für eine Beurteilung des Anlageverhaltens der Österreicher die Spareinlagen und der Vermögensbestand der Investmentfonds herangezogen. Doch sind diese beiden Werte für einen Vergleich geeignet?
In der Folge wird dargelegt, dass ein solcher Vergleich nur unter gewissen Rahmenbedingungen sinnvoll erscheint bzw. dass eine Reihe von Faktoren ergänzend Berücksichtigung finden sollte.
Kapitalgesellschaften investieren nicht nur direkt in Aktien- oder Rentenmärkte, sondern veranlagen auch in Investmentzertifikate anderer Kapitalanlagegesellschaften. Während der Kauf von ausländischen Investmentzertifikaten das Veranlagungsvolumen erhöht, führt der Kauf von inländischen Investmentzertifikaten der eigenen oder einer fremden Kapitalanlagegesellschaft (KAG) zu einer Doppelzählung, die bereinigt werden muss.
Die Korrektur der Doppelzählungen, die durch Dachfonds- bzw. „Fonds in Fonds“-Investitionen erfolgt, soll anhand eines Beispiels dargestellt werden:
Der Vermögensbestand ist daher um inländische Investmentzertifikate zu bereinigen, sodass nur das tatsächlich veranlagte Kapital für den Datenvergleich herangezogen wird.
Das in Investmentfonds veranlagte Kapital enthält sämtliche Ertragsbestandteile, wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Bei dem Vergleich und den daraus folgenden Aussagen ist daher zu beachten, dass ein Anstieg bzw. eine Verringerung des veranlagten Kapitals durch stärkere Kursgewinne bzw. Kursverluste entstanden sein könnte, ohne dass Kapitalzuflüsse oder -abflüsse bzw. eine Änderung des Anlageverhaltens zu diesem Ergebnis geführt haben.
Zinsen bei Sicht-, Termin- und Spareinlagen werden jeweils zum Fälligkeitstag zugerechnet. Während Zinserträge bei Sicht- und Termineinlagen aufgrund der Kurzfristigkeit auch unterjährig zugezählt werden, erfolgt die Zinsgutschrift bei Spareinlagen überwiegend am Ende eines Kalenderjahres. Um auch für Spareinlagen eine Vergleichbarkeit herzustellen, müssen die Spareinlagenzinsen hochgerechnet und den Spareinlagen unterjährig zugerechnet werden. Das in Investmentfonds veranlagte Kapital enthält sämtliche Ertragsbestandteile, wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Bei dem Vergleich und den daraus folgenden Aussagen ist daher zu beachten, dass ein Anstieg bzw. eine Verringerung des veranlagten Kapitals durch stärkere Kursgewinne bzw. Kursverluste entstanden sein könnte, ohne dass Kapitalzuflüsse oder -abflüsse bzw. eine Änderung des Anlageverhaltens zu diesem Ergebnis geführt haben. Zinsen bei Sicht-, Termin- und Spareinlagen werden jeweils zum Fälligkeitstag zugerechnet. Während Zinserträge bei Sicht- und Termineinlagen aufgrund der Kurzfristigkeit auch unterjährig zugezählt werden, erfolgt die Zinsgutschrift bei Spareinlagen überwiegend am Ende eines Kalenderjahres. Um auch für Spareinlagen eine Vergleichbarkeit herzustellen, müssen die Spareinlagenzinsen hochgerechnet und den Spareinlagen unterjährig zugerechnet werden.
Eine weitere wichtige Voraussetzung für einen sinnvollen Vergleich ist, eine möglichst homogene Anlegergruppe zu definieren.
So ist z. B. bei der Einlagenentwicklung der stark schwankende und für das Anlageverhalten wenig aussagekräftige Zwischenbankverkehr auszuscheiden. Es sollten daher ausschließlich Nichtbankeneinlagen betrachtet werden.
Da meist das Anlageverhalten österreichischer Anleger im Mittelpunkt des Interesses steht, sollte insbesondere die Kundengruppe der inländischen Nichtbanken für den Vergleich gewählt werden.
Der gleiche Fokus müsste auch bei der Analyse der Veranlagung in Investmentfonds angesetzt werden. Dabei sind für die Berechnung des veranlagten Investmentfondskapitals der Kundengruppe inländischer Nichtbanken folgende Aspekte zu beachten:
Zunächst stellt sich die Frage, ob die Anlagekategorie „Spezialfonds“ ausgeschieden werden soll. Spezialfonds werden überwiegend für institutionelle Anleger, wie Versicherungen und Pensionskassen, aufgelegt. Da einerseits hinter den institutionellen Anlegern meist private Haushalte (z. B. fondsgebundene Lebensversicherung) stehen, andererseits die institutionellen Anleger in der Einlagenentwicklung (insbesondere Termineinlagen) ebenfalls enthalten sind, ist die Anlegerkategorie Spezialfonds einzubeziehen.
Weiters sollte das von Banken in inländische Investmentfonds veranlagte Volumen, das in der monatlichen Rohbilanz der Banken ersichtlich ist, von dem Vergleich ausgeklammert werden. Als verbleibende Restgröße ergibt sich damit der Vermögensbestand von inländischen und ausländischen Nichtbanken.
In einem nächsten Schritt ist das Volumen der ausländischen Fondsanleger in Abzug zu bringen, das aus den Daten der Finanzierungsrechnung entnommen werden kann.
Nach Abschluss der beschriebenen Bereinigungen zeigt der Vergleich zwischen Einlagen inländischer Nichtbanken (Einlagen) mit dem von Inländern in österreichischen Investmentfonds veranlagten Kapital (veranlagtes Kapital in Investmentfonds) folgendes Bild.
Der österreichische Anleger zeigt ein sehr konservatives, risikominimierendes Anlageverhalten. Die Einlagen von inländischen Nichtbanken stiegen von 189,6 Mrd EUR Ende Dezember 2001 auf 217,9 Mrd EUR Ende September 2005, was einem durchschnittlichen Anstieg des Einlagenvolumens von 1,89 Mrd EUR pro Quartal entspricht. Das veranlagte Kapital inländischer Nichtbanken in Investmentfonds erhöhte sich in diesem Zeitraum um 31,3 Mrd EUR bzw. 2,09 Mrd EUR pro Quartal auf 95,8 Mrd EUR. Die Relation der Einlagen zum veranlagten Kapital in Investmentfonds veränderte sich dadurch zugunsten der Fonds von 75:25 Ende Dezember 2001 auf 70:30 Ende September 2005. Allerdings waren überwiegend die relativ hohen Kursgewinne der Investmentfonds für diese deutliche Entwicklung verantwortlich. Sowohl hohe Aktienkursgewinne als auch die durch sinkende Zinsen lukrierten Kursgewinne der Rentenwerte wirkten sich erhöhend auf das in Investmentfonds veranlagte Kapital aus. Bei den Einlagen hingegen, die überwiegend im kurzfristigen Laufzeitbereich liegen, drückten die niedrigen Zinsen das Veranlagungsergebnis. Wenngleich bei relativer Betrachtung eine wesentlich höhere Veranlagungsdynamik bei den Investmentfonds zu beobachten war, blieb der absolute Mittelzufluss, mit wenigen Ausnahmen, in den Einlagenkategorien höher als in den Investmentfonds.