Bericht

Kursgewinne bei Aktienfonds, Rentenfonds leicht im Minus (Statistiken Q3/06)

Entwicklung der inländischen Investmentfonds im ersten Quartal 2006

Wien, 17. 7. 2006 (Mag. Christian Probst)

Investitionsbereite Anleger und freundliche Aktienmärkte ließen im ersten Quartal 2006 das in Investmentfonds investierte Kapital mit 5,94 Mrd EUR bzw. 4,5% annähernd auf Höhe des Quartalsdurchschnitts des sehr erfolgreichen Jahres 2005 ansteigen. 37% des Anstiegs resultierten aus der guten Performance der Fonds und 63% aus dem Nettokapitalzufluss (Käufe abzüglich Verkäufe und Ausschüttungen). Ende März 2006 erreichte das in österreichische Investmentfonds veranlagte Kapital 138,9Mrd EUR. Von Anfang Jänner bis Ende März 2006 zeigte sich eine kapitalgewichtete durchschnittliche Gesamtperformance aller Fonds von +1,4%.



1 Vermögensbestand und Anzahl der Fonds

Die 27 österreichischen Kapitalanlagegesellschaften (KAGs) erhöhten im ersten Quartal 2006 ihre Angebotspalette um 18 Publikumsfonds und 19 Spezialfonds 1).

Ende März 2006 verwalteten die KAGs mit nun insgesamt 2.126 aufgelegten Investmentfonds (1.420 Publikumsfonds und 706 Spezialfonds) einen Vermögensbestand (inklusive „Fonds in Fonds“-Veranlagungen) von 164,6 Mrd EUR (Ende Dezember 2005: 156,7 Mrd EUR).


Veranlagungsvolumen und Anzahl der Investmentfonds

2 Veranlagtes Kapital

Investitionsbereite Anleger und freundliche Aktienmärkte ließen im ersten Quartal 2006 das in Investmentfonds veranlagte Kapital 2) mit 5,94 Mrd EUR bzw. 4,5% annähernd auf Höhe des Quartalsdurchschnitts des sehr erfolgreichen Jahres 2005 ansteigen. 37% des Anstiegs resultierten aus der guten Performance der Fonds und 63% aus dem Nettokapitalzufluss 3)

Im Detail setzte sich diese Zunahme aus Nettoinvestitionen (Käufe minus Verkäufe) in Höhe von 4,50 Mrd EUR und Kursgewinnen in Höhe von 2,21 Mrd EUR, abzüglich Ausschüttungen von 0,77 Mrd EUR zusammen. Ende März 2006 erreichte das in österreichische Investmentfonds veranlagte Kapital 138,90 Mrd EUR.


Nettokapitalzufluss bzw. -abfluss und Kurswertveränderung

2.1 Vergleich der Entwicklung des veranlagten Kapitals in Investmentfonds und der Primäreinlagen bei Kreditinstituten

Eine Gegenüberstellung der Entwicklung des von inländischen Nichtbanken in inländische Investmentfonds veranlagten Kapitals und der inländischen Nichtbankeneinlagen bei österreichischen Kreditinstituten zeigte auch im ersten Quartal 2006 eine deutliche Präferenz zugunsten der Investmentfonds. So erhöhten sich die Primäreinlagen bei inländischen Kreditinstituten um 1,89 Mrd EUR (+0,86%) während das von inländischen Nichtbanken in Investmentfonds veranlagte Kapital um 4,79Mrd EUR bzw. 4,89% zugenommen hat.

Der Trend zu Veranlagungen in Investmentfonds ist bereits längerfristig zu beobachten. Die Einlagen von inländischen Nichtbanken stiegen von 191,8 Mrd EUR Ende Dezember 2002 auf 222,6 Mrd EUR Ende März 2006, was einem durchschnittlichen Anstieg des Einlagenvolumens von 2,38 Mrd EUR pro Quartal entspricht. Das veranlagte Kapital inländischer Nichtbanken in Investmentfonds erhöhte sich in diesem Zeitraum um 35,2 Mrd EUR bzw. 2,71 Mrd EUR pro Quartal auf 102,6 Mrd EUR.


Index der Entwicklung des veranlagten Kapitals von inländischen Nichtbanken in Investmentfonds und Primäreinlagen bei Kreditinstituten

Die Relation der Einlagen zum veranlagten Kapital in Investmentfonds veränderte sich dadurch zugunsten der Fonds von 74:26 Ende Dezember 2002 auf 68:32 Ende März 2006. Allerdings waren überwiegend die relativ hohen Kursgewinne der Investmentfonds für diese deutliche Entwicklung verantwortlich. 

Die seit Ende Dezember 2002 wieder steigenden Aktienmärkte wirkten sich spürbar erhöhend auf das in Investmentfonds veranlagte Kapital aus. Bei den Einlagen hingegen, die überwiegend im kurzfristigen Laufzeitbereich liegen, drückten die niedrigen Zinsen das Veranlagungsergebnis.

Trotz der stärkeren Wachstumsdynamik der Veranlagungen in Investmentfonds gegenüber den Einlagen von inländischen Nichtbanken zeigen die absoluten Beträge die weiterhin bestehende Einlagendominanz und damit das sehr konservative, risikominimierende Anlageverhalten. 


Veranlagtes Kapital von inländischen Nichtbanken in Investmentfonds und Primäreinlagen bei Kreditinstituten


Tabelle 1
Von inländischen Nichtbanken veranlagtes Kapital in Investmentfonds 
und Primäreinlagen bei Kreditinstituten 
in Mio EUR
 
 Q4 03Q4 04Q1 05Q2 05 Q3 05Q4 05Q1 06
 
 + Sicht- und Termineinlagen68.770 74.760 76.798 79.291 80.522 83.861 84.139 
 + Spareinlagen (inklusive Zinsen)132.201135.957136.992137.151137.439136.895138.510
 = Primäreinlagen bei inländischen Kredit­instituten1)200.970210.717213.790216.443217.961220.756222.649
 
 + Vermögensbestand111.018125.287132.028142.509151.035156.685164.607
− Inländische Investmentzertifikate 
(Fonds-in-Fonds-Veranlagungen)
13.88316.59617.50420.03821.65823.72425.702
 = Veranlagtes Kapital97.135108.691114.524122.471129.377132.961138.904
 
− Veranlagungen von inländischen Banken13.59915.39416.01216.50217.08916.73617.071
− Veranlagung von Ausländern9.79412.13013.29614.72616.50218.41219.235
 = Veranlagtes Kapital von
inländischen Nichtbanken
2)
73.74281.16785.21691.24495.78697.813102.598
 


3 Performance der Fondsveranlagungen im ersten Quartal 2006

Von Anfang Jänner bis Ende März 2006 ergab sich eine kapitalgewichtete durchschnittliche Gesamtperformance aller österreichischen Investmentfonds (Publikumsfonds und Spezialfonds) von 1,4%. Dabei verzeichneten Aktienfonds eine positive Performance von 7,6% und Mischfonds ein Plus von 1,9%. Rentenfonds wiesen Kursverluste von 1,0% auf. 

Immobilienfonds zeigten im ersten Quartal 2006 eine positive Performance von 0,96%. Die Fondskategorie „Alternative Fonds“ wies insgesamt einen Kursgewinn von 3,2% auf.

Geldmarktfonds (im Sinn der EZB-Verordnung 2001/13) erzielten Gewinne von 0,58%, wobei die beiden in US-Dollar anlegenden Fonds aufgrund ihres geringen Volumens das Ergebnis nur geringfügig negativ beeinflusst haben.

Von den 443 Aktienfonds entwickelten sich von Anfang Jänner bis Ende März 2006 nur 11 Fonds negativ. Von den 938 Gemischten Fonds zeigten lediglich 139 Verluste. Wenig erfreulich fiel jedoch die Performance bei Rentenfonds aus. Steigende Zinsen (Sechs-Jahres-Swapsatz: +0,49 Prozentpunkte) und der leicht fallende US-Dollar bescherten über drei Viertel der Rentenfonds (486) ein negatives Performance-Vorzeichen. Die Immobilienfonds waren zu 100% positiv. Bei den Alternativen Fonds waren ebenfalls nur 6 der 96 Fonds im Minus. 

Bei international anlegenden Fonds ist anzumerken, dass im Zeitraum Anfang Jänner bis Ende März 2006 Währungsverluste im US-Dollar (USD –2,0% gegenüber EUR) die Kursentwicklung der Fonds belasteten. 



4 Vermögensbestandsveränderungen

Der Vermögenszuwachs im ersten Quartal 2006 wurde zu 35% von Veranlagungen in ausländische Aktien und Beteiligungspapiere getragen. Ihr Volumen erhöhte sich um 2,77 Mrd EUR (+12,4%). Der Volumenzuwachs der österreichischen Aktien von 0,39 Mrd EUR (+13%) wurde nahezu zur Gänze durch die sehr gute Performance des österreichischen Aktienmarktes im ersten Quartal 2006 (ATX: +12,9%) erzielt.

Bei den Rentenwerten fällt auf, dass die ausländischen Werte um +0,81 Mrd EUR bzw. 1,2% anstiegen, während die österreichischen Rentenwerte um 0,79 Mrd EUR bzw. 3,9% abnahmen. 

In der Veranlagungskategorie Investmentzertifikate verzeichneten die ausländischen Werte mit einem Plus von 2,03 Mrd EUR (+20,2%) ebenfalls einen sehr hohen Anstieg, der sich im erhöhten Volumen der Dachfonds widerspiegelt.

Auch die inländischen Investmentzertifikate verzeichneten mit 1,98 Mrd EUR bzw. 8,3% einen sehr hohen Anstieg. Allerdings bedeutet diese Zunahme keine Erhöhung des investierten Kapitals, da die Einbeziehung der vor allem in Dachfonds enthalteneninländischen Investmentzertifikate eine Doppelzählung bei der Betrachtung des veranlagten Volumens darstellen würde. 


Quartalsveränderung des Vermögensbestands


Tabelle 2
Struktur des Vermögensbestands 
in Mio EUR
 
 Ende Dezember 2005Ende
März 2006
Veränderung
StandAnteil in %StandAnteil in %absolutin %
 
Inländische Rentenwerte20.35013,019.56011,9 −791−3,9
Inländische Aktien und Beteiligungspapiere2.9571,93.3432,038613,0
Inländische Investmentzertifikate23.72415,125.70215,61.9788,3
Inländische Immobilien- und Sachanlagevermögen3250,23770,25216,1
Ausländische Rentenwerte68.05443,468.86441,88101,2
Ausländische Aktien und Beteiligungspapiere22.273 14,2 25.040 15,2 2.767 12,4 
Ausländische Investmentzertifikate10.041 6,4 12.071 7,3 2.030 20,2 
Ausländische Immobilien- und
Sachanlagevermögen
294 0,2 460 0,3 167 56,7 
Sonstige Vermögensanlagen8.667 5,5 9.190 5,6 522 6,0 
 
Vermögensbestand insgesamt156.685100,0164.607100,07.9225,1
 


5 Veranlagungsstruktur

Für die Betrachtung der Veranlagungsstruktur ist es erforderlich, den Vermögensbestand um inländische Investmentzertifikate („Fonds in Fonds“-Veranlagungen) zu bereinigen. Das so erhaltene veranlagte Kapital wird zu 

einem Anteil von 63,7% (88,42 Mrd EUR) nach wie vor sehr stark von Rentenwerten dominiert, gefolgt von Aktien und Beteiligungspapieren mit 20,4% (28,38 Mrd EUR), Investmentzertifikaten mit 8,7% (12,07Mrd EUR) und sonstigen Vermögensanlagen mit 6,6% (9,19 Mrd EUR). 

Immobilienfonds zeigten per Ende März 2006 bereits ein Volumen von 1,27 Mrd EUR, jedoch wurden bisher nur rund zwei Drittel des Veranlagungsvolumens (0,84 Mrd EUR) in Immobilien- und Sachanlagen veranlagt. Der Anteil am Gesamtvolumen betrug 0,6%. 


Struktur des veranlagten Kapitals

5.1 Veranlagungsschwerpunkte der Publikumsfonds

Insgesamt waren zum Berichtstermin 1.420 Fonds in Form von Publikumsfonds aufgelegt. Diese setzten sich aus 387 Aktienfonds, 446 Rentenfonds, 503 Gemischten Fonds, 4 Immobilienfonds, 66 Alternativen Fonds und 14 Geldmarktfonds zusammen. 

Gegliedert nach Anlageschwerpunkten wiesen bei den Publikumsfonds die Rentenfonds mit 64,90Mrd EUR einen Anteil von 55,0% auf, gefolgt von den Aktienfonds mit 23,67 Mrd EUR (20,1%) und den Gemischten Fonds mit 22,90 Mrd EUR (19,4%). Geldmarktfonds hatten mit 3,08 Mrd EUR (2,6%) ein weiterhin sehr geringes Volumen. In diesem Anlagesegment war ab 2002 eine signifikante Volumensteigerung zu beobachten, die darin begründet lag, dass Firmenkunden aufgrund der höheren Performance gegenüber anderen kurzfristigen Veranlagungsprodukten, Geldmarktfonds den Vorzug gaben. Seit dem dritten Quartal 2005 waren jedoch wieder Abnahmen festzustellen. Im Berichtsquartal verringerten sich die Geldmarktfonds relativ stark um 8,0%.



Tabelle 3
Struktur des veranlagten Kapitals 
in Mio EUR
 
 Ende März 2006Anteil in %
 
 Rentenwerte88.423 63,7
 Aktien und Beteiligungspapiere28.383 20,4
 Investmentzertifikate12.071 8,7
 Immobilien- und Sachanlagevermögen838 0,6
 Sonstige Vermögensanlagen9.190 6,6
 
 Veranlagtes Kapital insgesamt138.904 100,0
 


Die massiven Probleme und die vielen negativen Pressemeldungen der deutschen Immobilienfonds Ende 2005, die diesem Veranlagungssegment unserer Nachbarn auch im ersten Quartal 2006 massive Kapitalabflüsse bescherten, hatten auf die österreichischen Immobilienfonds keine negativen Auswirkungen. Der Anstieg des veranlagten Kapitals beliefsich im ersten Quartal 2006 auf 0,17 Mrd EUR.

Ende März 2006 erreichten die Immobilienfonds ein Volumen von 1,25 Mrd EUR. Dies entspricht einem Anteil am Gesamtvermögensbestand der Publikumsfonds von 1,1%. Als Spezialfonds wurde bisher nur ein einziger Immobilienfonds aufgelegt. Der Vermögensbestand dieses Immobilien-Spezialfonds betrug per Ende März 2006 21 Mio EUR. 

Die als Publikumsfonds aufgelegten Alternativen Fonds zeigten im ersten Quartal 2006 nur mehr eine etwa dem Gesamtmarkt entsprechende Wachstumsrate von 5,1%, während im institutionellen Segment der Spezialfonds ein sehr hoher Zuwachs von 13,7% zu beobachten war.

Die in Österreich Alternative Fonds genannte Fondskategorie wird oft fälschlicherweise mit der in anderen Ländern als Hedgefonds bezeichneten Kategorie verglichen. Im Gegensatz zu Hedgefonds, die überwiegend Derivate (Finanzinstrumente mit einem sehr hohen Risikohebel) beinhalten, sind in der sehr breit definierten „österreichischen Kategorie“ der Alternativen Fonds Hedgeanteile in einer Bandbreite von meist wenigen Prozenten bis zu der nicht so häufig aufgelegten Kategorie von 100% Hedgeanteil enthalten. Die überwiegende Anzahl der „Alternativen Fonds“ besteht aus einem Portfolio aus Aktien, Renten und einem eher geringen Anteil an Derivaten.4)


Struktur der Publikumsfonds nach Anlageschwerpunkten

5.2 Regionale Veranlagungsstruktur

Per Ende März 2006 waren in den übrigen Ländern der Währungsunion (exklusive Österreich) 67,60 Mrd EUR (48,7%), in Ländern der übrigen Welt 39,27 Mrd EUR (28,3%) und im Inland 32,04 Mrd EUR (23,1%) veranlagt. 

Mit einem Anteil von 51,8% an der Veränderung im ersten Quartal 2006 entfiel die höchste Zuwachsrate auf Veranlagungen in Ländern der übrigen Welt, gefolgt von den Investitionen in Ländern der Währungsunion (exklusive Österreich) mit 47,5%. Auf das investierte Kapital im Inland entfielen, trotz der guten Performance der Wiener Börse, nur rund 0,7% der Quartalszunahme.

Die stetig zu beobachtende Verlagerungstendenz zu Auslandsveranlagungen stagnierte nur im ersten Quartal 2005 kurzfristig. Ab dem zweiten Quartal 2005 war jedoch wieder eine kontinuierlich anhaltende Verlagerung der Veranlagung in Richtung Ausland zu beobachten. Im ersten Quartal 2006 nahm die Auslandsveranlagung mit 1,0 Prozentpunkten relativ stark zu (Verlagerung im Gesamtjahr 2005: +1,5 Prozentpunkte). 

Das Verhältnis Inlands- zu Auslandsveranlagungen betrug per Ende März 2006 23,1% zu 76,9% (Dezember 2005: 24,1% zu 75,9%).


Regionale Veranlagungsstruktur der Investmentfonds

Verleger, Herausgeber und Hersteller:

Oesterreichische Nationalbank

Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit

Mag. Günther Thonabauer 

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Spezialfonds: Fonds, die ausschließlich von institutionellen Investoren gezeichnet werden können.

2) Veranlagtes Kapital: Vermögensbestand exklusive inländischer Investmentzertifikate („Fonds in Fonds“-Veranlagungen).

3) Nettokapitalzufluss: Käufe minus Verkäufe von Fonds abzüglich Ausschüttungen.

4) Die Kategorie „Gemischte Fonds“ beinhaltet hingegen überwiegend Renten und Aktien. Derivate werden nur zur Absicherung von konkreten Risiken (z. B. Fremdwährungsrisiko) eingesetzt.

Mehr zu dieser Seite

Weiterführende Informationen