VERA A1b – Meldung zur Eigentümer- und Beteiligungsstruktur österreichischer Kreditinstitute

VERA A1b – Meldung zur Eigentümer- und Beteiligungsstruktur österreichischer Kreditinstitute (Statistiken Q2/10)

Wien, 30.4.2010 (Mag. Christian Sellner)

Grundsätzliches

Die Beteiligungsmeldung ist ein Teil des Vermögens-, Erfolgs- und Risikoausweises (VERA). Dieser bildet eine zentrale Meldung im Rahmen des aufsichtsrechtlichen Meldewesens und basiert auf § 74 Abs. 1 und 7 BWG sowie der Verordnung der Finanzmarktaufsicht (FMA) zur Durchführung des Bankwesengesetzes (VERA-V). Die Beteiligungsmeldung beruht auf der Anlage A1b der VERA-V und wird vierteljährlich zum Quartalsende gemeldet.

 

Die Meldung wurde erstmals Ende Dezember 2005 von allen in Österreich meldepflichtigen Kreditinstituten erhoben. Meldepflichtig sind Kreditinstitute gemäß § 1 Abs. 1 BWG. Zum Berichtstermin Dezember 2009 waren 811 Kreditinstitute meldepflichtig.



Inhalt der Meldung

Die Beteiligungsmeldung zielt darauf ab, die Eigentümerstruktur sowie die gehaltenen Beteiligungen von in Österreich tätigen Kreditinstituten an in- und ausländischen Banken und Nichtbanken detailliert darstellen zu können. Die Kreditinstitute melden ihre passivseitigen Anteilsrechte sowie aktivseitig ausgewiesenen Beteiligungen. Dies gilt für die direkten und indirekten Anteilsrechte und Beteiligungen.
Der Begriff Beteiligungen orientiert sich an der Definition gemäß § 2 Z. 2 BWG. Demnach liegt eine Beteiligung vor, wenn direkt oder indirekt mindestens 20% der Stimmrechte oder des Kapitals an einem anderen Unternehmen gehalten werden, bzw. bei geringeren Prozentsätzen der Tatbestand der Nachhaltigkeit oder der Beherrschung vorliegt.



Eigentümerstruktur von in Österreich tätigen Kreditinstituten

Von 811 in Österreich meldepflichtigen Kreditinstituten waren Ende Dezember 2009 36 (Anteil: 4,4%) mehrheitlich direkt oder indirekt im Besitz ausländischer Unternehmen, davon 30 (Anteil: 3,7%) zu 100%. 174 heimische Banken befanden sich im Mehrheitsbesitz inländischer Unternehmen. Die ausländischen Eigentümer der heimischen Banken verteilten sich hauptsächlich auf Kreditinstitute und Finanzholdinggesellschaften. So waren 16 in mehrheitlichem Besitz anderer Kreditinstitute und 14 im Besitz von Finanzholdinggesellschaften. Auch die inländischen Besitzer verteilten sich überwiegend auf andere Kreditinstitute, Finanzholdinggesellschaften und sonstige Unternehmen. 79 Institute waren mehrheitlich im Besitz von anderen Banken, 64 von Finanzholdings und 17 von sonstigen Unternehmen. 106 bzw. 23 heimische Institute befanden sich im Alleineigentum inländischer bzw. ausländischer Firmen. Auch hier stellten Kreditinstitute und Finanzholdings die meisten Alleineigentümer.

 

Im Vergleich zum 31. Dezember 2005 nahmen die ausländischen Mehrheitsanteilseigner an in Österreich tätigen Kreditinstituten um 20% zu. Von 845 zu diesem Zeitpunkt tätigen Instituten waren insgesamt 30 in mehrheitlichem Besitz fremder Unternehmen; somit lag der Anteil bei 3,6%. Auch die Anzahl der heimischen Institute, die sich im Alleineigentum ausländischer Unternehmen befanden, stieg im Vergleich zu 2005 von 17 auf 23. Die Verteilung der ausländischen Eigentümer nach Unternehmensarten blieb relativ unverändert. Andere Kreditinstitute und Finanzholdings lagen auch 2005 auf den ersten zwei Plätzen. Es befanden sich 14 heimische Banken im Mehrheitsbesitz anderer Banken und 10 wurden mehrheitlich von Finanzholdinggesellschaften besessen.

 

Der Marktanteil, gemessen an der Bilanzsumme, aller in Österreich tätigen Kreditinstitute und deren Töchter, die sich mehrheitlich im Besitz von ausländischen Unternehmen befanden, betrug zum 31. Dezember 2009 rund 22,7%.1) Der erwartete Jahresüberschuss dieser Institute für 2009 beläuft sich auf 365,3 Mio EUR.2) Die Veränderung der Eigentümerstruktur spiegelt sich auch bei den Marktanteilen wider, die per Ende 2005 bei 19,9% lagen.



Beteiligungen von in Österreich tätigen Kreditinstituten

Ende Dezember 2009 meldeten in Österreich tätige Banken in Summe 9.183 direkte und indirekte Beteiligungen an in- und ausländischen Unternehmen. Davon befanden sich 80,3% im Inland. Die meisten Beteiligungen wurden an heimischen sonstigen Unternehmen gemeldet. Im Ausland lagen Finanzinstitute, insbesondere Leasingfirmen, an erster Stelle. Von den 1.921 Beteiligungen an Kreditinstituten befanden sich 84 oder 4,4% zu 100% im Besitz von in Österreich tätigen Banken.


Die Gesamtzahl der einzelnen Unternehmen im In- und Ausland, an denen Beteiligungen gehalten wurden, lag bei 4.566 (Differenz zur erwähnten Gesamtzahl: Unternehmen, an denen mehrere Banken beteiligt sind). Mehr als zwei Drittel der Unternehmen befanden sich im Inland. Österreichische Banken hielten Beteiligungen an 2.003 sonstigen Unternehmen im In- und Ausland, womit diese Unternehmensgruppe den größten Anteil aufweist. Von den insgesamt 333 Kreditinstituten waren 73 zu 100% im Besitz von meldenden Banken.

Im Inland waren mehr als die Hälfte aller Unternehmen, an denen eine direkte oder indirekte Beteiligung gehalten wird, sonstige Unternehmen (50,8%). Zum Jahresultimo 2009 wurden Beteiligungen an 1.622 Finanzinstituten gemeldet; somit ist diese Unternehmensform an zweiter Stelle. Kreditinstitute lagen mit 6,8% bzw. 209 Instituten an der vierten Stelle. Nur 1,3% dieser Institute befanden sich zu 100% im Besitz einer anderen heimischen Bank.
Berechnet nach der Anzahl der Institute umfasst fast die Hälfte der direkten und indirekten Beteiligungen im Ausland Finanzinstitute (49,9%). Die meisten dieser Finanzinstitute sind Leasingfirmen, fast ein Drittel sind sonstige Unternehmen (29,4%). In Österreich tätige Banken waren an 124 anderen Banken im Ausland beteiligt, wobei 32 zu 100% im Besitz heimischer Institute waren.

Im Vergleich zum Jahresultimo 2005 zeigt sich, dass sowohl die Anzahl der gemeldeten Beteiligungen als auch die Anzahl der Unternehmen deutlich gestiegen sind. 2009 wurden um 12,6% oder 510 Unternehmen, an denen österreichische Kreditinstitute beteiligt waren, mehr gemeldet. Die Anzahl der in- und ausländischen Kreditinstitute, die zu 100% im Besitz österreichischer Banken waren, hat sich um 32,7% erhöht. Das bedeutet den dritthöchsten Anstieg nach den Unternehmen mit bankbezogenen Hilfsdiensten und Finanzholdinggesellschaften. Ein Rückgang war nur bei Wertpapierfirmen und gemischten Unternehmen zu verzeichnen. Anzumerken ist, dass im Verhältnis zu Beteiligungen an österreichischen Firmen die Anzahl von Beteiligungen an ausländischen Unternehmen um das Dreifache gestiegen ist. Dabei waren vor allem Finanzinstitute die treibende Kraft.



Unternehmen, an denen in Österreich tätige Kreditinstitute Beteiligungen halten 
 20092005
 Insgesamt InlandAuslandInsgesamt InlandAusland
 
 in StückAnteil in %in StückAnteil in %in StückAnteil in %in StückAnteil in %in StückAnteil in %in StückAnteil in %
 
Unternehmen insgesamt4.566 3.090 1.476 4.056 2.970 1.086 
 
Kreditinstitute3337,292096,761248,43077,571996,71089,94
Finanzinstitute1.62235,5288528,6473749,931.34833,2382927,9151947,79
Wertpapierfirmen140,3180,2660,41230,57130,44100,92
Versicherungsunternehmen471,03260,84211,42421,04260,88161,47
Unternehmen mit bank­­bezogenen Hilfsdiensten3868,452488,031389,352766,81996,7777,09
Finanzholdinggesellschaften1543,371384,47161,081132,79993,33141,29
Gemischte Unternehmen70,1570,2300,00220,54140,4780,74
Sonstige Unternehmen2.00343,871.56950,7843429,41.92547,461.59153,5733430,76
 

1) Quelle: Vermögensausweis unkonsolidiert Q4/2009.

2) Quelle: Erfolgsausweis unkonsolidiert Q4/2009.