Bericht

Entwicklung in der Fremdwährungskreditstatistik (Statistiken Q1/10)

Wien, 15.1.2010 (Mag. Christian Sellner)

Die Fremdwährungskreditstatistik ist ein Teil des Vermögens-, Erfolgs- und Risikoausweises (VERA). Dieser bildet eine zentrale Meldung im Rahmen des aufsichtsrechtlichen Meldewesens und basiert auf § 74 Abs. 1 und 7 BWG sowie der Verordnung der Finanzmarktaufsicht (FMA) zur Durchführung des Bankwesengesetzes (VERA-V). Die Fremdwährungskreditstatistik beruht auf der Anlage A3d der VERA-V und wird vierteljährlich zum Quartalsende gemeldet. Die Er-hebung erfolgt auf unkonsolidierter Basis, das heißt sie beinhaltet die Forderungen der Hauptan-stalt sowie sämtlicher Filialen im In- und Ausland.

Die Meldung wurde erstmals im März 2007 von allen in Österreich meldepflichtigen Kredit-instituten erhoben. Meldepflichtig sind jene Kreditinstitute gemäß § 1 Abs. 1 BWG, die Forde-rungen an inländische Nichtfinanzielle Unternehmen und Private Haushalte aufweisen. Zum Berichtstermin September 2009 waren 753 Kreditinstitute meldepflichtig.



Inhalt der Meldung

Die Meldung zielt darauf ab, die Struktur und die Volumina der in Österreich vergebenen Fremdwährungskredite besser darstellen zu können. Die Kreditinstitute melden ihre Forderungen an inländische Nichtfinanzielle Unternehmen und an Private Haushalte explizit in den Währungen Euro (EUR), Schweizer Franken (CHF) und Japanischer Yen (JPY) sowie sonstige Fremdwährungen in Summe. Zusätzlich werden die Forderungen nach Restlaufzeiten gegliedert. Tilgungsträger spielen bei Fremdwährungskrediten eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund werden EUR- und Fremdwährungskredite sowohl in Summe als auch in den Kategorien „endfällige Kredite“ und „mit Tilgungsträgern gekoppelt“ dargestellt.



Fremdwährungskredite an Nichtfinanzielle Unternehmen

Per Ende September 2009 belief sich das Gesamtvolumen an Forderungen an Nichtfinanzielle Unternehmen auf 129,9 Mrd EUR. Davon entfielen 91,2% auf EUR-Kredite, 8,8% wurden in Fremdwährungen vergeben.

 

34,1% aller Kredite an Nichtfinanzielle Unternehmen waren endfällig; dieser Anteil lag knapp unter den endfälligen Krediten an Private Haushalte. Von den gesamten endfälligen Forderungen in Höhe von 44,3 Mrd EUR wurden nur 7,7% bzw. 3,4 Mrd EUR mit einem Tilgungsträgermodell kombiniert und es gibt einen deutlichen Unterschied zu den Privaten Haushalten.

 

Auf Einzelwährungsbasis betrachtet liegen die CHF-Kredite mit 58,8% und einem Volumen von 2 Mrd EUR deutlich vor den EUR-Krediten mit 34,8% (1,2 Mrd EUR) an erster Stelle. Japanische Yen (5,7%) und sonstige Währungen (0,7%) nehmen eine weniger wichtige Rolle ein (0,2 bzw. 0,03 Mrd EUR).

 

Bei den endfälligen Krediten weisen die EUR-Kredite einen Anteil von 86,1% und ein Volumen von 38,1 Mrd EUR auf. Sie liegen ganz deutlich vor den endfälligen CHF-Krediten mit 10,7% bzw. 4,7 Mrd EUR sowie den sonstigen Währungen mit einem Anteil von 2,2% bzw. 1,0 Mrd EUR. JPY-Kredite mit lediglich 1,0% und einem Volumen von 0,4 Mrd EUR an allen endfälligen Krediten sind in diesem Segment von geringer Bedeutung.

 

Bei den Fremdwährungskrediten gab es im dritten Quartal einen leichten Anstieg um 0,7% oder 0,1 Mrd EUR. Dafür waren hauptsächlich sonstige Währungen verantwortlich. Im Vergleich zum 31. Dezember 2008 war ein Rückgang um 6,1% bzw. 0,7 Mrd EUR zu verzeichnen.

 

Etwas mehr als die Hälfte aller Fremdwährungskredite sind endfällige Kredite (54,0% bzw. 6,1 Mrd EUR), wobei der Schweizer Franken eindeutig die dominante Währung (76,7% bzw. 4,7 Mrd EUR) ist. Von den endfälligen Fremdwährungskrediten wurden immerhin 36,0% mit Tilgungsträgern kombiniert, bei den EUR-Krediten lag dieser Anteil bei lediglich 3,1%.

 

Betrachtet man die Restlaufzeiten bei Tilgungsträgerkrediten, erkennt man, dass sowohl bei den EUR-Krediten als auch bei den Fremdwährungskrediten die Restlaufzeiten zwischen 10 und 20 Jahren dominieren.



Fremdwährungskredite an Private Haushalte

Zum 30. September 2009 beliefen sich die gesamten Forderungen an Private Haushalte auf 120,4 Mrd EUR. Sowohl bei der Unterteilung der Währungen als auch bei den Produkten gibt es große Abweichungen zu den Forderungen an Nichtfinanzielle Unternehmen. 70,2% aller Kredite wurden in Euro, 29,8% in Fremdwährung vergeben. Der Schweizer Franken ist mit einem Volumen von 33,8 Mrd EUR oder 94,2% die am häufigsten verwendete Fremdwährung. JPY-Kredite beliefen sich auf 1,9 Mrd EUR oder 5,4%. Sonstige Währungen spielen bei Krediten an Private Haushalte mit 0,1 Mrd EUR oder 0,4% keine wesentliche Rolle.

 

Der Anteil endfälliger Kredite liegt mit 36,0% (43,4 Mrd EUR) zwar nur etwas über dem Anteil der Unternehmenskredite, allerdings sind bei endfälligen Privatkrediten 68,4% (29,7 Mrd EUR) an Tilgungsträger gekoppelt. Generell sind fast ein Viertel aller vergebenen Kredite mit Tilgungsträgern kombiniert (24,7%). Auch hier ist der Schweizer Franken mit einem Anteil von 83,8% und einem Volumen von 24,9 Mrd EUR an allen Tilgungsträgerkrediten die dominante Währung.

 

Bei den endfälligen Krediten zeigt sich ebenfalls, dass der Schweizer Franken mit 64,6% bzw. 28,0 Mrd EUR die beliebteste Fremdwährung ist. Der Anteil der EUR-Kredite beläuft sich auf 31,3% bzw. 13,6 Mrd EUR. JPY-Kredite liegen mit 3,9% bzw. 1,7 Mrd EUR vor den sonstigen Währungen, die mit lediglich 0,2% bzw. 0,1 Mrd EUR bei Krediten an Private Haushalte von sehr geringer Bedeutung sind.

 

Das Volumen der Fremdwährungskredite ging im dritten Quartal nur sehr gering zurück (–0,1% oder
0,04 Mrd EUR). In Relation zum Jahresultimo 2008 war allerdings ein deutlicher Rückgang festzustellen. In diesem Zeitraum ging das Volumen um fast 2 Mrd EUR bzw. 5,1% zurück.

 

Bei den Restlaufzeiten der endfälligen Kredite mit Tilgungsträgern an Private Haushalte zeigte sich eine ungleichmäßigere Verteilung zwischen EUR- und Fremdwährungskrediten als bei den Unternehmenskrediten. EUR-Kredite mit Restlaufzeiten von 10 bis über 20 Jahren sind anteilsmäßig relativ gleich verteilt und liegen zwischen 21,2% und 22,5%. Bei Fremdwährungskrediten steigen die Anteile dieser Restlaufzeitenklassen kontinuierlich an (10 bis 15 Jahre: 21,0%; 15 bis 20 Jahre: 25,6%; über 20 Jahre: 33,3%).


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