Bericht

Deutliche Anstiege bei Einlagenzinssätzen (Statistiken Q4/07)

Entwicklung der Kundenzinssätze in Österreich und im Euroraum im zweiten Quartal 2007

Wien, 24. 10. 2007 (MMag. Dr. Gunther Swoboda)

Die mittlerweile bereits achte Leitzinserhöhung seit Dezember 2005 (um 0,25 Prozentpunkte auf 4,00% im Juni 2007) führte im zweiten Quartal 2007 im Kundengeschäft der Banken insbesondere bei Zinssätzen für Einlagen zu stärkeren Anstiegen.



Kreditzinssätze – Neugeschäft

Im Neugeschäft stiegen die Durchschnittszinssätze für Unternehmenskredite in den beiden Volumenkategorien (bis bzw. über 1 Mio EUR) um 0,23 bzw. 0,21 Prozentpunkte auf 5,08% bzw. 4,65%. Gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres stiegen die Zinssätze um 1,08 bzw. 1,12 Prozentpunkte. Die acht Leitzinserhöhungen (um insgesamt 2 Prozentpunkte) wurden aber bis Ende Juni 2007 noch nicht in vollem Umfang an die Unternehmen weitergegeben. Die Tiefststände von 2005 wurden um 1,67 bzw. 1,82 Prozentpunkte übertroffen. In der Kategorie mit Volumen bis 1 Mio EUR lag der Zinssatz erstmals seit Erhebung der EZB-Zinssatzstatistik über der 5-Prozent-Marke.

 

Geringere Anstiege als bei Unternehmenskrediten gab es im zweiten Quartal 2007 bei Zinssätzen für neu vergebene Kredite an private Haushalte. Bei Konsumkrediten stieg der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz über alle Zinsbindungskategorien gegenüber März 2007 um 0,09 Prozentpunkte auf 6,19%; gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres ergab dies einen Anstieg von lediglich 0,85 Prozentpunkten. Bei Wohnbaukrediten stieg der Durchschnittszinssatz gegenüber März 2007 um 0,18 Prozentpunkte auf 4,71%, womit dieser Wert immerhin 1,07 Prozentpunkte über dem Zinssatz von Juni 2006 lag. Der Effektivzinssatz für Wohnbauzwecke stieg im zweiten Quartal sogar um 0,22 Prozentpunkte. Die stärkste Quartalsveränderung im Bereich der Kredite an private Haushalte gab es bei den sonstigen Krediten, deren Zinssatz hauptsächlich durch Kredite an Freie Berufe und Selbstständige (und hier hauptsächlich für Geschäftszwecke) beeinflusst wird. Gegenüber dem Berichtsmonat März 2007 gab es einen Anstieg um 0,19 Prozentpunkte auf 5,25%. Im Vorjahresvergleich ergab sich somit eine Steigerung um  1,12 Prozentpunkte. Bei allen Kreditkategorien an private Haushalte zeigte sich, dass die Leitzinserhöhungen der EZB noch nicht vollständig an die Kunden weitergegeben wurden. Die Tiefststände von 2005 wurden um 1,42, 1,27 bzw. 1,70 Prozentpunkte überschritten.

 

Im Juni 2007 erfolgte auch eine Leitzinserhöhung der SchweizerischenNationalbank um 0,25 Prozentpunkte; die siebente Leitzinserhöhung seit Dezember 2005. Der Durchschnittszinssatz für neu vergebene Kredite in Schweizer Franken stieg zwischen März und Juni 2007 um 0,23 Prozentpunkte auf 3,60%. Interessanterweise wurden die sieben Leitzinserhöhungen der Schweizerischen Nationalbank (um insgesamt 1,75 Prozentpunkte seit Dezember 2005) bei Kundenkrediten fast vollständig weitergegeben. Der Tiefststand von 2005 wurde um 1,73 Prozentpunkte überschritten.



Einlagenzinssätze – Neugeschäft

Bei neu vereinbarten Einlagenzinssätzen waren die Anstiege im zweiten Quartal 2007 durchwegs stärker als bei neu vergebenen Kreditzinssätzen. Bei den Spareinlagenzinssätzen ließen sich insbesondere bei kürzerer Laufzeit deutliche Zinssatzerhöhungen beobachten. Bei Laufzeiten von bis zu 1 Jahr bzw. 1 bis 2 Jahren lagen die Durchschnittszinssätze im Juni 2007 mit 3,90% bzw. 3,86% um 0,45 bzw. 0,43 Prozentpunkte höher als im März 2007. Im Jahresabstand war insbesondere bei Laufzeiten von bis zu 1 Jahr mit +1,16 Prozentpunkten ein starker Zinssatzanstieg zu verzeichnen, bei Laufzeiten von 1 bis 2 Jahren blieb er mit +0,80 Prozentpunkten niedriger. Bei Spareinlagen mit über 2 Jahren Laufzeit wurde im Juni mit 4,05% erstmals seit Erhebung der Zinssatzstatistik die 4-Prozent-Marke überschritten, allerdings blieben die Anstiege nicht nur im Quartalsvergleich (+0,35 Prozentpunkte), sondern auch im Jahresvergleich (+0,75 Prozentpunkte) deutlich hinter jenen für kurze Laufzeiten zurück. Der Zinsabstand zwischen kurzfristigen (bis 1 Jahr Laufzeit)  und langfristigen (über 2 Jahre Laufzeit) Spareinlagen sank somit von  0,56 Prozentpunkten im Juni 2006 auf nur mehr 0,15 Prozentpunkte im Juni 2007. Ein Vergleich mit den Tiefstständen von 2005 zeigt, dass bei Laufzeiten von bis zu 1 Jahr mit einem Anstieg von 1,94 Prozentpunkten die Leitzinsanhebungen fast vollständig an die Kunden weitergegeben wurden, bei Laufzeiten über 2 Jahre betrug der entsprechende Anstieg hingegen nur 1,51 Prozentpunkte.

 

Bei Einlagen von Unternehmen konzentrierte sich das Neugeschäftsvolumen nahezu zur Gänze (rund 98%) auf die Laufzeitkategorie „bis  1 Jahr“. Hier stieg der Zinssatz im zweiten Quartal 2007 um 0,28 Prozentpunkte auf 4,02%. Im Jahresvergleich zeigt sich in dieser Kategorie ein Anstieg des Zinssatzes um 1,24 Prozentpunkte. Bei einem Vergleich mit den Jahrestiefstständen von 2005 fällt auf, dass bei Unternehmenseinlagen mit Laufzeiten von bis zu  1 Jahr die acht Leitzinserhöhungen bereits vollständig weitergegeben wurden, der aktuelle Zinssatz lag 2,05 Prozentpunkte über dem Tiefststand von 2005.



Einlagen- und Kreditzinssätze – Bestand

Bei den Zinssätzen über den aushaftenden Gesamtbestand gab es im zweiten Quartal 2007 durchwegs Anhebungen. Im Kreditbereich spiegelten sich die Leitzinsanhebungen insbesondere bei kurzfristigen Laufzeiten (bis 1 Jahr) wider. Die entsprechenden Veränderungen gegenüber dem Vormonat lagen hier zwischen 0,15 (für Konsum und sonstige Zwecke) und 0,23 Prozentpunkten (bei Unternehmenskrediten). Auch bei Überziehungskrediten gab es gegenüber März mit +0,18 Prozentpunkten (private Haushalte) bzw. +0,20 Prozentpunkten (Unternehmen) deutliche Anstiege. In den volumenmäßig bedeutendsten Laufzeitkategorien „über 5 Jahre“ stiegen die Zinssätze im Quartalsvergleich zwar nur um 0,13 bis 0,15 Prozentpunkte, gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres gab es aber teilweise sogar größere Zuwächse als im kurzfristigen Bereich. So stiegen bei Wohnbau- bzw. Konsumkrediten mit Laufzeiten von über 5 Jahren die Zinssätze im Jahresabstand um 0,77 bzw. 0,80 Prozentpunkte auf 5,12% bzw. 5,71%. Im Vergleich zu den Tiefstständen von 2005 gab es bei langfristigen Krediten die stärksten Auswirkungen der Leitzinsanhebungen auf die Kundenkonditionen bei Konsumkrediten (+1,17 Prozentpunkte) bzw. Unternehmenskrediten (+0,98 Prozentpunkte).

 

Bei Einlagenzinssätzen über den aushaftenden Gesamtbestand waren die deutlichsten Anstiege bei Bindungsfristen von bis zu 2 Jahren zu beobachten. Sowohl bei jenen von privaten Haushalten als auch bei jenen von nichtfinanziellen Unternehmen gab es gegenüber März 2007 einen Anstieg um 0,26 Prozentpunkte auf 3,08% bzw. 3,77%. Auch im Jahresvergleich stachen diese beiden Kategorien mit Zuwächsen von 0,99 bzw. 1,20 Prozentpunkten hervor. Bei Einlagen mit längeren Laufzeiten (über  2 Jahre) gab es hingegen im zweiten Quartal 2007 nur marginale Zuwächse um 0,02 bzw. 0,04 Prozentpunkte. Auch im Jahresabstand blieben die Anstiege in den entsprechenden Kategorien vergleichsweise gering (+0,16 bzw. +0,12 Prozentpunkte).



Euroraum-Vergleich

Ein Vergleich mit den Durchschnittszinssätzen im Euroraum zeigt, dass in allen aggregierten Kredit­kategorien des Neugeschäfts die Durchschnittszinssätze in Österreich nach wie vor unter jenen des Euroraums liegen. Bei Krediten an private Haushalte reduzierte sich im Lauf der letzten zwölf Monate dieser Zinsvorteil für Österreichs Kunden. Während im Juni 2006 die Zinssätze für Konsum-, Wohnbau- und sonstige Zwecke in Österreich noch um 1,57, 0,51 bzw. 0,48 Prozentpunkte unter dem Euroraum-Durchschnitt lagen, betrugen die Zinsvorteile im aktuellen Berichtsmonat nur noch 1,33, 0,20 bzw. 0,24 Prozentpunkte. Bei Unternehmenskrediten blieb der Zinsvorteil für Österreichs Kunden gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres hingegen nahezu unverändert. Bei den Einlagenzinssätzen an private Haushalte im Neugeschäft lagen in Österreich die Zinssätze in allen Laufzeitkategorien über dem Durchschnitt des Euroraums. Bei Laufzeiten von über 1 Jahr bzw. 1 bis 2 Jahren war der Zins­vorteil mit 0,12 bzw. 0,10 Prozentpunkten relativ gering, bei Laufzeiten von über 2 Jahren hingegen mit 1,40 Prozentpunkten sehr hoch. In letzterer Kategorie stieg die Zinsdifferenz im Lauf der letzten zwölf Monate somit sprunghaft an. Im Juni 2006 hatte sie noch 0,73 Prozentpunkte betragen.

 

Bei den Kreditzinssätzen über den aushaftenden Gesamtbestand spiegelten sich (aufgrund des höheren Anteils variabel verzinster Kredite) die Leitzinsanhebungen in Österreich in den wichtigen Kategorien (mit Laufzeiten über 5 Jahre) mit Zwölf- Monats-Veränderungsraten von +0,71 bis +0,80 Prozentpunkten jedenfalls in einem deutlich größeren Ausmaß in den Kreditkundenkonditionen wider als im Euroraum (+0,31 bis +0,53 Prozentpunkte). Bei Wohnbaukrediten (über 5 Jahre) lag der Zinssatz damit in Österreich mit 5,12% bereits relativ deutlich über dem Vergleichswert des Euroraums (4,86%). Bei den Einlagenzinssätzen an private Haushalte ergab sich für Österreich dasselbe Bild wie im Euroraum: Bei kürzeren Laufzeiten (bis 2 Jahre) stiegen die Zinssätze in Österreich und im Euroraum in den letzten zwölf Monaten um 1,00 bzw. 1,05 Prozentpunkte, bei längeren Laufzeiten veränderten sie sich hingegen kaum (+0,16 bzw. –0,04 Prozentpunkte).



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