Infolge der vierten Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) innerhalb von neun Monaten (um 0,25 Prozentpunkte auf 3 % im August 2006) setzte sich im dritten Quartal 2006 der Aufwärtstrend der letzten Monate bei den Kundenzinssätzen in der Mehrzahl der Kredit- und Einlagenkategorien fort.1)
Bericht
Deutliche Anstiege bei Zinssätzen für Wohnbaukredite (Statistiken Q1/07)
Entwicklung der Kundenzinssätze in Österreich und im Euroraum im dritten Quartal 2006
Kreditzinssätze – Neugeschäft
Im Neugeschäft gab es im dritten Quartal 2006 (gegenüber Juni 2006) bei den Kreditzinssätzen – insbesondere bei Wohnbaukrediten – einen bemerkenswerten Anstieg um 0,45 Prozentpunkte auf 4,09 %, was dem höchsten Wert seit Jänner 2004 entsprach. Damit lag der durchschnittliche Zinssatz für neu vergebene Wohnbaukredite erstmals seit März 2004 wieder über der 4-Prozent-Marke. Effektiv betrachtet ergab sich im September 2006 ein Zinssatz von 4,46 % (+0,36 Prozentpunkte gegenüber Juni). Der starke Anstieg bei den Wohnbaukrediten – bei denen die Zinssätze bis August wettbewerbsbedingt eher niedrig geblieben waren– ist auf zwei Faktoren zurückzuführen. Einerseits gab es im September bei den Konditionen für Zwischenfinanzierungen von Bausparkassen erstmals seit längerer Zeit stärkere Zinsanhebungen (Kategorie 1 bis 5 Jahre Zinsbindung: Der Zinssatz stieg zwischen August und September um 0,43 Prozentpunkte auf 3,32 %). Andererseits gab es bei Wohnbaukrediten im September zahlreiche Konvertierungen von Krediten in Schweizer Franken (CHF) in Euro-Kredite (offenbar wurde der durch die Abwertung des Schweizer Franken günstige Zeitpunkt zum Umstieg in den Euro genutzt), was zu einem höheren Neugeschäfts-Volumen bei variabel verzinsten Wohnbaukrediten in Euro führte. Damit gingen die höher verzinsten Kredite der Kategorie „mit anfänglicher Zinsbindung bis 1 Jahr und variabel verzinst" (im Durchschnitt 4,41 %) mit einem größeren Gewicht in die Berechnung des Aggregats ein. Dennoch wurden bei Wohnbaukrediten die vier Leitzinsanhebungen zwischen Dezember 2005 und August 2006 (um insgesamt 1 Prozentpunkt) noch nicht vollständig an die Kunden weitergegeben; der Durchschnittszinssatz stieg gegenüber dem Vergleichswert 2005 um 0,62 Prozentpunkte. Mit 4,09 % lag der Zinssatz nach wie vor unter dem Euroraum-Durchschnitt (4,39 %).
Auch bei Unternehmenskrediten gab es im dritten Quartal 2006 markante Anstiege bei den Neugeschäfts-Zinssätzen. Bei Volumen von bis zu 1Mio EUR stieg der Zinssatz gegenüber Juni 2006 um 0,30 Prozentpunkte auf 4,31 %, bei Volumen von über 1 Mio EUR war ein Anstieg um 0,26 Prozentpunkte auf 3,78 % zu verzeichnen. Die Leitzinserhöhungen wurden in beiden Kategorien weitgehend an die Kunden weitergegeben, die Vorjahreswerte wurden um 0,90 Prozentpunkte (bis 1 Mio EUR) bzw. 0,96 Prozentpunkte (über 1 Mio EUR) überschritten. Damit waren bei den Unternehmenskrediten die höchsten Zinssätze seit dem Frühjahr 2003 zu verzeichnen. Nach wie vor blieben die Zinssätze aber günstiger als im Euroraum, wobei auffällt, dass Österreichs Großunternehmen im Jahr 2006 gegenüber jenen im übrigen Euroraum einen relativen Vorteil hatten. Lag der Durchschnittszinssatz für Unternehmenskredite über 1 Mio EUR im Jänner 2006 nur 0,07 Prozentpunkte unter jenem des Euroraums, so gab es im September 2006 eine Differenz von 0,29 Prozentpunkten (Österreich: 3,78 %; Euroraum: 4,09 %).
Bei Konsumkrediten von privaten Haushalten lag der Durchschnittszinssatz in Österreich im September 2006 bei 5,63 % und somit 0,29 Prozentpunkte höher als im Juni 2006. Damit war der Anstieg in Österreich zwar etwas höher als im Euroraum (+0,22 Prozentpunkte im Vergleichszeitraum), dennoch war der Zinsvorteil gegenüber dem Durchschnittszinssatz des Euroraums (7,15 %) auch im September beträchtlich.
Im Fremdwährungskreditbereich gab es in der gemessen am Neugeschäfts-Volumen derzeit einzigen relevanten Währung – dem Schweizer Franken – parallel zur Leitzinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank bei neu vereinbarten Krediten einen kräftigen Anstieg (um 0,23 Prozentpunkte auf 2,84 %) zu verzeichnen. Aufgrund des starken Anstiegs des Zinssatzes für EUR-Wohnbaukredite stieg der relative Zinsvorteil des CHF-Kredits zum wichtigsten Konkurrenzprodukt zwar auf 1,25 Prozentpunkte, lag damit aber deutlich unter dem Vergleichswert vom September 2005, als der Zinsabstand zwischen CHF-Krediten und EUR-Wohnbaukrediten noch 1,56 Prozentpunkte betragen hatte.
Einlagenzinssätze – Neugeschäft
Bei neu vereinbarten Spareinlagenzinssätzen gab es erneut Anstiege zu verzeichnen. Nach den steilen Anstiegen im ersten Halbjahr 2006 schwächte sich der Aufwärtstrend im dritten Quartal allerdings ab und die Veränderung zwischen Juni und September 2006 betrug über alle Laufzeiten gerechnet durchschnittlich lediglich 0,14 Prozentpunkte (von 2,86 % auf 3,00 %). Am deutlichsten stiegen die Zinssätze für kurzfristige Spareinlagen mit einer Laufzeit bis zu 1 Jahr (+0,18 Prozentpunkte auf 2,92 %). Bei längerfristiger Bindung (über 2Jahre) blieb der Zuwachs mit 0,13 Prozentpunkten (auf 3,43 %) doch deutlich hinter jenem der letzten Quartale zurück. Bei Spareinlagen mit einer Laufzeit von 1 bis 2 Jahren lag der Zinssatz mit 3,06 % exakt am selben Wert wie im Juni 2006. Dennoch wurden in dieser Kategorie die ersten vier Leitzinserhöhungen der EZB bereits vollständig an die Kunden weitergegeben, der Vergleichswert des Jahres 2005 wurde um 1,09 Prozentpunkte überschritten. Bei Laufzeiten von bis zu 1 Jahr bzw. von über 2 Jahren erfolgte die Weitergabe hingegen noch nicht vollständig, die Vergleichszinssätze des Jahres wurden um 0,96 bzw. 0,89 Prozentpunkte überschritten.
Einen etwas stärkeren Anstieg gab es bei Einlagenzinssätzen von nichtfinanziellen Unternehmen, bei denen der Zinssatz um 0,25 Prozentpunkte auf 3,08 % stieg. In diesem Bereich wurden die vier Leitzinserhöhungen seit Dezember 2005 bereits vollständig weitergegeben. Eine Veränderung von 1,07 Prozentpunkten gegenüber dem Vergleichswert 2005 zeigt, dass sogar die fünfte Leitzinserhöhung vom Oktober 2006 schon zu einem kleinen Teil vorweggenommen wurde.
Der Vergleich mit den Einlagenzinssätzen des gesamten Euroraums ergibt bei Einlagen von privaten Haushalten mit einer Laufzeit von über 2Jahren einen markant höheren Wert in Österreich (3,43 % gegenüber 2,66 % im Euroraum). In den übrigen Einlagenkategorien lag der Zinssatz in Österreich nahe am Durchschnittswert des Euroraums – der Abstand betrug –0,07 bis +0,09 Prozentpunkte.
Kreditzinssätze – Bestand
Bei den Zinssätzen über den aushaftenden Gesamtbestand gab es im dritten Quartal 2006 deutlich stärkere Anhebungen als im ersten Halbjahr. In den vom Volumen her bedeutendsten Laufzeitkategorien „über 5 Jahre" gab es zwischen Juni und September 2006 Anstiege um 0,18 bis 0,29 Prozentpunkte zu verzeichnen. Ein Vergleich mit den Werten des Jahres 2005 zeigt, dass sich bei Wohnbaukrediten die Leitzinsanhebungen bislang nur in sehr geringem Ausmaß in den Konditionen der Kunden widerspiegelten (+0,22 Prozentpunkte auf 4,53 %), während bei Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen (+0,40 Prozentpunkte auf 4,16 %) bzw. Krediten für Konsum und sonstige Zwecke an private Haushalte (+0,64 Prozentpunkte auf 5,20 %) die Anstiege deutlich stärker ausfielen.
Der höhere Anteil an variabel verzinsten Krediten in Österreich führte dazu, dass sich die Leitzinsanhebungen in den Konditionen österreichischer Kunden stärker als im Euroraum-Durchschnitt widerspiegelten und der relative Zinsvorteil zum Euroraum weiter schmolz. So lag der durchschnittliche Zinssatz für langfristige Wohnbaukredite (über 5 Jahre Laufzeit) mit 4,53 % lediglich 0,09 Prozentpunkte unter dem Euroraum-Durchschnitt. Bei Krediten für Konsum und sonstige Zwecke an private Haushalte (ebenfalls mit einer Laufzeit von über 5 Jahren) betrug der Zinsvorteil im September 2006 zwar noch 0,66 Prozentpunkte (Österreich: 5,20 %; Euroraum: 5,86%), ein Jahr zuvor waren die vergleichbaren Zinssätze in Österreich mit 4,56% aber noch 1,11 Prozentpunkte niedriger als im Euroraum-Durchschnitt.
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1) Im vierten Quartal 2006 gab es zwei weitere Erhöhungen um je 0,25 Prozentpunkte auf 3,50%.
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