Starke Anstiege bei Einlagen- und Kreditzinssätzen (Statistiken Q2/08)
Entwicklung der Kundenzinssätze der Banken im Jahr 2007
Wien, 18. 4. 2008 (MMag. Dr. Gunther Swoboda)
Die zwei Anhebungen des Leitzinssatzes im Eurosystem und insbesondere die starken Anstiege bei den Geldmarktzinssätzen führten im Jahr 2007 bei den Kundenzinssätzen der Banken zu starken Steigerungen. Bei den Neugeschäft-Zinssätzen stachen insbesondere jene der Wohnbaukredite heraus, die mit 5,27% sogar den Vergleichszinssatz des Euroraums (5,18%) überschritten. Auch bei neuen Unternehmenskrediten stiegen die Zinssätze in Österreich deutlich (abhängig vom Volumen um 0,95 bzw. 0,86 Prozentpunkte), lagen aber unter den Vergleichswerten des Euroraums.
Bei den neu vereinbarten Einlagenzinssätzen gab es 2007 ebenfalls kräftige Anstiege, wobei diese im kurzfristig gebundenen Bereich (bis 1 Jahr Laufzeit) deutlich stärker ausfielen als bei längerer Laufzeit. So stiegen die Zinssätze für Einlagen von privaten Haushalten in Österreich im Jahr 2007 im Durchschnitt um 1,01 Prozentpunkte auf 4,28%, während bei Laufzeiten von über 2 Jahren lediglich ein Wachstum von 0,68 Prozentpunkten auf ebenfalls 4,28% zu beobachten war.
Die Neugeschäft-Spanne zwischen Euro-Kreditzinssätzen und Euro-Einlagenzinssätzen sank im Jahr 2007 in Österreich auf nur noch 0,77 Prozentpunkte, was dem niedrigsten Wert aller Euroraum-Länder entsprach und deutlich unter dem Durchschnittswert im gesamten Euroraum (1,38 Prozentpunkte) lag.
Bei den Kreditzinssätzen über den aushaftenden Gesamtbestand spiegelten sich (aufgrund des höheren Anteils variabel verzinster Kredite) die Anhebungen des Leitzinssatzes und der Geldmarktsätze in Österreich in höherem Ausmaß in den Kredit-Kundenkonditionen wider als im Euroraum. Bei Wohnbaukrediten (über 5 Jahre Laufzeit) lag der Zinssatz in Österreich Ende 2007 mit 5,50% deutlich über dem Vergleichswert des Euroraums (5,00%).
Rahmenbedingungen – Anhebung des Leitzinssatzes im Eurosystem in zwei Schritten – höhere Zinssätze im Zwischenbankverkehr
Im Jahr 2007 setzte der EZB-Rat zwei zinspolitische Schritte. Der Leitzinssatz (Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte) wurde im März und im Juni jeweils um 0,25 Prozentpunkte auf das derzeitige Niveau von 4,00% angehoben. Bei den Zwischenbankzinssätzen gab es im Jahr 2007 weitaus stärkere Erhöhungen zu beobachten. So stieg der Zwölf-Monats-EURIBOR von Dezember 2006 bis Dezember 2007 um 0,87 Prozentpunkte auf 4,79%, der Drei-Monats-EURIBOR im Vergleichszeitraum sogar um 1,17 Prozentpunkte auf 3,85%. Diese starken Anstiege der Zwischenbankzinssätze – insbesondere im zweiten Halbjahr – waren aber nicht nur eine Reaktion auf die Veränderung der Leitzinssätze, sondern in erster Linie die Folge einer kurzfristigen Liquiditätsknappheit auf dem Geldmarkt.
Euro-Kredite (Neugeschäft)
Die deutlichsten Zinssatzanstiege gab es bei den Neugeschäft-Zinssätzen für Wohnbaukredite an private Haushalte. In dieser Kategorie, in der noch im Jahr 2006 wettbewerbsbedingt die Leitzinsanhebungen nur in sehr abgeschwächter Form an die Kunden weitergegeben wurden, stieg der Durchschnittszinssatz über sämtliche Zinsbindungskategorien zwischen Dezember 2006 und Dezember 2007 sehr kräftig – um 0,99 Prozentpunkte – auf 5,27% an. In der volumenmäßig bedeutendsten Zinsbindungskategorie „bis 1 Jahr fix und variabel verzinst“ erhöhte sich der Durchschnittszinssatz um 0,94 Prozentpunkte auf 5,73%. Der Anstieg in der Zinsbindungskategorie „1 bis 5 Jahre fix verzinst“ um 0,79 Prozentpunkte auf 4,26% wurde dadurch verursacht, dass die Bausparkassen ihre extrem günstigen Zinssätze für Zwischenfinanzierungen im Jahr 2007 deutlich anhoben. Ein Vergleich mit dem durchschnittlichen Nominalzinssatz des Euroraums zeigt, dass im Gegensatz zur Situation im Dezember 2006, als der Durchschnittszinssatz in Österreich mit 4,28% noch deutlich unter dem Vergleichswert des Euroraums (4,55%) lag, im Dezember 2007 die Wohnbaukredite in Österreich mit durchschnittlich 5,27% höher verzinst waren als im Euroraum (5,18%).
Geringer fielen die Zinssatzanhebungen im Jahr 2007 bei Konsumkrediten aus. Im Lauf des Jahres 2007 stieg der durchschnittliche Nominalzinssatz in Österreich um 0,72 Prozentpunkte auf 6,56%. Der entsprechende Effektivzinssatz erhöhte sich im selben Ausmaß auf 7,39%. Bei Konsumkrediten lagen die Durchschnittszinssätze in Österreich jedenfalls auch Ende 2007 noch deutlich unter dem Vergleichswert des Euroraums (nominal: 7,64%; effektiv: 8,28%). Starke Zinssatzanstiege mussten bei neu vergebenen Krediten auch Freiberufler und Einzelunternehmer in Kauf nehmen, die in der Kategorie „Kredite an private Haushalte für sonstige Zwecke“ dominierten. Der Durchschnittszinssatz in dieser Kategorie stieg im Jahr 2007 in Österreich um 0,90 Prozentpunkte auf 5,70%.
Für Unternehmen stellte sich im Jahr 2007 die oftmals enge Bindung ihrer Kreditkonditionen an die Geldmarktsätze als Nachteil heraus, was insbesondere im zweiten Halbjahr zu deutlichen Zinssatzanhebungen in diesem Kreditsegment führte. Die neu vergebenen Zinssätze für Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen stiegen im Jahr 2007, abhängig von der Höhe des Kreditvolumens, um 0,95 Prozentpunkte (bis 1 Mio EUR) bzw. 0,86 Prozentpunkte (über 1 Mio EUR) auf 5,50% bzw. 5,10% im Dezember 2007. Dies waren die Höchststände seit der Erhebung der EZB-Zinssatzstatistik ab Jänner 2003. Da im Unternehmensbereich die Zinssätze im Jahr 2007 im gesamten Euroraum ebenfalls kräftig zunahmen, blieben die Zinssätze in Österreich unter den vergleichbaren Durchschnittswerten für den gesamten Euroraum (6,01% bis 1 Mio EUR bzw. 5,39% über 1 Mio EUR).
Fremdwährungskredite (Neugeschäft)
Im Fremdwährungsbereich dominierten im Jahr 2007 erneut die Kredite in Schweizer Franken (CHF), wobei die Neugeschäft-Volumina im zweiten Halbjahr deutlich sanken. Obwohl die Schweizerische Nationalbank im Jahr 2007 den Leitzinssatz dreimal (und somit einmal mehr als die EZB) um je 0,25 Prozentpunkte anhob, stieg der Neugeschäft-Zinssatz für CHF-Kredite im Jahr 2007 etwas weniger als die vergleichbaren Euro-Kreditzinssätze. Zwischen Dezember 2006 und Dezember 2007 stieg der Zinssatz für CHF-Kredite um 0,79 Prozentpunkte auf 3,84%. Der Zinsvorteil zum durchschnittlichen Euro-Kredit erhöhte sich damit im Lauf des Jahres von 1,33 auf 1,38 Prozentpunkte. Gegenüber dem durchschnittlichen Euro-Wohnbaukredit stieg der Zinsvorteil des CHF-Kredits im selben Zeitraum noch etwas stärker (von 1,08 auf 1,24 Prozentpunkte). Wenn man bedenkt, dass dieser Zinsvorteil im Jahr 2004 noch deutlich über 2 Prozentpunkten lag, versteht man die kontinuierlich abnehmende Popularität des CHF-Kredits.
Kredite (Gesamtgeschäft)
Über das gesamte aushaftende Kreditvolumen führte der höhere Anteil an variabel verzinsten Krediten in Österreich dazu, dass sich die Leitzinsanhebungen in den Konditionen österreichischer Kunden stärker widerspiegelten als im Euroraum-Durchschnitt.
Bei Wohnbaukrediten über 5 JahreLaufzeit (volumenbezogen die mit Abstand bedeutendste Laufzeitkategorie) stieg der Zinssatz in Österreich im Lauf des Jahres 2007 um 0,86 Pro-zentpunkte auf 5,50% und lag damit deutlich höher als der Vergleichswert des Euroraums (5,00%), der 2007 lediglich um 0,30 Prozentpunkte zunahm. Auch die traditionell zu einem weitaus höheren Anteil fix verzinsten Wohnbaukredite in Deutschland waren mit 5,10% im Dezember 2007 deutlich niedriger verzinst. Bei Konsum- und Unternehmenskrediten gab es im Jahr 2007 in Österreich ebenfalls deutliche Zinssatzanstiege zu verzeichnen. Bei über 5 Jahren Laufzeit erhöhten sich die Zinssätze zwischen Dezember 2006 und Dezember 2007 um 0,87 (Konsumkredite) bzw. 0,77 Prozentpunkte (Unternehmenskredite), was bedeutete, dass der relative Zinsvorteil zum Euroraum deutlich sank. Bei Konsumkrediten war der Zinsvorteil nur noch marginal (Österreich: 6,22%; Euroraum: 6,24 %), nachdem er im Dezember 2006 noch 0,58 Prozentpunkte betragen hatte. Bei Unternehmenskrediten halbierte sich der Zinsvorteil gegenüber Dezember 2006 auf 0,15 Prozentpunkte (Österreich: 5,13%; Euroraum: 5,28%).
Einlagen (Neugeschäft)
Bei den Einlagenzinssätzen an private Haushalte konnten im Neugeschäft im Jahr 2007 ebenfalls kräftige Erhöhungen verzeichnet werden, wobei das Ausmaß aber in Abhängigkeit von der Laufzeit sehr unterschiedlich war.
Die stärksten Anstiege ließen sich bei Einlagen von privaten Haushalten mit kurzer Bindungsfrist (bis 1 Jahr) verzeichnen. Der entsprechende Durchschnittszinssatz nahm gegenüber Dezember 2006 um 1,01 Prozentpunkte auf 4,28% zu. Etwas geringer fielen die Zuwächse bei Laufzeiten von 1 bis 2 Jahren aus, deren Durchschnittszinssatz 2007 um 0,85 Prozentpunkte auf 4,27% stieg. In dieser Kategorie zeigte sich bei den – volumenbezogen deutlich wachsenden – Termineinlagen eine dynamischere Entwicklung als bei Spareinlagen, deren Zinssätze sich im Vergleichszeitraum lediglich um durchschnittlich 0,73 Prozentpunkte auf 4,12% erhöhten. Die geringsten Anstiege gab es bei Laufzeiten von über 2 Jahren. Hier betrug die durchschnittliche Zinssatzerhöhung zwischen Dezember 2006 und Dezember 2007 lediglich 0,68 Prozentpunkte. Mit 4,28% war der Durchschnittszinssatz somit identisch mit jenem für Laufzeiten bis 1 Jahr.
Im Vergleich zum Euroraum-Durchschnitt stiegen die Einlagenzinssätze an private Haushalte im Neugeschäft in den kürzeren Laufzeitenbändern (bis 1 Jahr bzw. 1 bis 2 Jahre) praktisch im selben Ausmaß wie im Euroraum. Bei Laufzeiten von bis zu 1 Jahr blieb der Durchschnittszinssatz Dezember 2007 wie im Dezember 2006 auf dem exakt selben Niveau wie im Euroraum-Durchschnitt (4,28%), bei Laufzeiten von 1 bis 2 Jahren lag er um 0,14 Prozentpunkte über dem Vergleichswert des Euroraums (4,13%). Den deutlichsten Zinsvorteil verzeichneten Österreichs Kunden nach wie vor in der Kategorie „über 2 Jahre Laufzeit“, in der der Zinssatz mit 4,28% immerhin 1,09 Prozentpunkte über dem Durchschnitt des Euroraums (3,19%) lag. Im Dezember 2006 betrug der entsprechende Zinsvorteil nur 0,81 Prozentpunkte.
Bei Neugeschäft-Zinssätzen für Einlagen von nichtfinanziellen Unternehmen, bei denen nahezu das gesamte Volumen auf die Laufzeitkategorie „bis 1 Jahr“ entfiel, gab es im Jahr 2007 in Österreich eine deutliche Zunahme um 1 Prozentpunkt auf 4,60%. Der Durchschnittswert im Euroraum stieg im Vergleichszeitraum lediglich um 0,77 Prozentpunkte und lag mit 4,26% im
Dezember 2007 deutlich unter dem Zinssatz in Österreich.
Spanne zwischen Euro- Krediten und Euro-Einlagen des Neugeschäfts
Aufgrund des Umstandes, dass im Neugeschäft bei den Einlagenzinssätzen ein etwas dynamischeres Wachstum als bei den Kreditzinssätzen -festgestellt werden konnte, sank die Neugeschäft-Spanne zwischen Euro-Kreditzinssätzen und Euro-Einlagenzinssätzen im Zeitraum von Dezember 2006 bis Dezember 2007 um 0,15 Prozentpunkte auf 0,77 Prozentpunkte und somit auf den niedrigsten Wert seit der Erhebung der EZB-Zinssatzstatistik. Die österreichische Spanne war damit die niedrigste im Euroraum und lag sehr deutlich unter jener, die im Durchschnitt im Euroraum erreicht wurde (1,38 Prozentpunkte). Der Rückgang der Spanne im Neugeschäft mit Unternehmen (von 0,70 Prozentpunkten im Dezember 2006 auf 0,54 Prozentpunkte im Dezember 2007) war dabei signifikanter als jener im Neugeschäft mit privaten Haushalten (von 1,43 auf 1,38 Prozentpunkte).
Einlagen (Gesamtgeschäft)
Auch bei den Zinssätzen über das aushaftende Gesamtvolumen standen im Einlagenbereich im Jahr 2007 Anstiege im Vordergrund. Hier waren die Unterschiede zwischen der Entwicklung der Zinssätze kurzfristiger und langfristiger Einlagen noch viel größer als im Neugeschäft. Bei Einlagen mit Bindungsfrist von bis zu 2 Jahren stieg der Durchschnittszinssatz zwischen Dezember 2006 und Dezember 2007 gegenüber nichtfinanziellen Unternehmen um 1,05 Pro-zentpunkte auf 4,37%, gegenüber privaten Haushalten sogar um 1,13 Prozentpunkte auf 3,69%. Hingegen stiegen die Durchschnittszinssätze bei Laufzeiten von über 2 Jahren im Vergleichszeitraum lediglich um 0,15 Prozentpunkte auf 4,04% (nichtfinanzielle Unternehmen) bzw. um 0,28 Prozentpunkte auf 3,25% (private Haushalte). Bei den täglich fälligen Einlagen gab es bei den Unternehmen deutlichere Anstiege (+0,70 Prozentpunkte auf 2,88%) als bei privaten Haushalten, deren Zinssatz nach einem Jahreszuwachs von 0,47 Prozentpunkten 1,93% erreichte. Dieser Zinssatz lag nicht weniger als 0,75 Prozentpunkte über dem vergleichbaren Durchschnittswert im Euroraum.
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