Beginnend mit Dezember 2005 hat die EZB den Leitzinssatz von 2% in sieben Schritten (um je 0,25 Prozentpunkte) auf 3,75% im März 2007 angehoben.1) Betrachtet man die Zinssätze auf dem Geldmarkt, so sieht man, dass bereits im zweiten Halbjahr 2005 mit der Leitzinsanhebung gerechnet wurde. Vom Tiefststand mit 2,10% im Juni 2005 stieg der Zwölf-Monats-EURIBOR bis Dezember 2005 bereits um 0,68 Prozentpunkte auf 2,78%. Bis März 2007 stieg er weiter auf 4,11%; das heißt, dass vom Tiefststand vor der Leitzinsanhebung im Jahr 2005 der Zinssatz um 2,01 Prozentpunkte stieg und somit bereits zukünftige Leitzinsanhebungen vorweggenommen wurden. Bei den Kundenzinssätzen an private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen gab es hingegen ein anderes Bild. Die Zinssätze erreichten erst knapp vor der Leitzinserhöhung im Dezember 2005 ihre Tiefststände und eine vollständige Weitergabe der Leitzinserhöhung fand in keiner erhobenen Kategorie statt.
Bericht
Weitergabe der EZB-Leitzinserhöhungen an die Kunden bisher nur teilweise erfolgt (Statistiken Q3/07)
Entwicklung der Kundenzinssätze in Österreich und im Euroraum seit der Leitzinserhöhung Ende 2005
Kreditzinssätze – Neugeschäft
Wenn man bei den im Neugeschäft vereinbarten Kreditzinssätzen die Aggregate (über alle Zinsbindungskategorien) der einzelnen Kreditkategorien betrachtet, lässt sich in keiner Kategorie eine vollständige Weitergabe der Leitzinserhöhungen beobachten. Die stärksten Anstiege gab es noch bei Großkrediten (über 1 Mio EUR) an nichtfinanzielle Unternehmen, bei denen der Zinssatz in Österreich – gegenüber dem vor der ersten Leitzinserhöhung im Dezember 2005 verzeichneten Tiefststand – um 1,61 Prozentpunkte, im Euroraum sogar um 1,68 Prozentpunkte stieg. Somit wurde bei Großkrediten der überwiegende Teil der Leitzinserhöhungen (+1,75 Prozentpunkte zwischen Dezember 2005 und März 2007) an die Unternehmen weitergegeben. Geringer fielen die Anhebungen hingegen bei Unternehmenskrediten mit Volumen bis 1 Mio EUR aus, die, verglichen mit den Tiefstständen von 2005, um 1,44 Prozentpunkte (in Österreich) bzw. 1,41 Prozentpunkte (im Euroraum) anstiegen.
Deutlich schwächere Zinssatzanhebungen gab es bei privaten Haushalten aufgrund der EZB-Leitzinserhöhungen. Hier verlief die Entwicklung – je nach Verwendungszweck –in Österreich bzw. im Euroraum unterschiedlich. Bei Konsumkrediten stieg der Durchschnittszinssatz über alle Zinsbindungskategorien zwischen dem im Juli 2005 verzeichneten Tiefststand (4,77%) und März 2007 um 1,33 Prozentpunkte auf 6,10%. Im Euroraum lag der Zinssatz im März 2007 hingegen nur 0,68 Prozentpunkte über dem Tiefststand 2005. Hauptgrund der unterschiedlichen Entwicklung ist ein struktureller Unterschied bei den Konsumkrediten. Während in Österreich 82% der Neugeschäftskredite im März 2007 variabel oder kurzfristig (bis1 Jahr) fix verzinst waren, lag der entsprechende Anteil im Euroraum nur bei 26%. Bei den längerfristig gebundenen Konsumkrediten (bei denen insbesondere die Anteile in Deutschland besonders hoch waren) gab es im Euroraum-Durchschnitt auf relativ hohem Niveau vergleichsweise geringere Zinsanpassungen. Bei den Wohnbaukrediten war in Österreich ein geringerer Zinsanpassungseffekt als im Euroraum zu beobachten. Insbesondere im ersten Halbjahr 2006 blieben die Konditionen wettbewerbsbedingt (einer der Hauptgründe war die Reaktion der Bausparkassen auf das Konkurrenzprodukt Fremdwährungskredit) eher niedrig. Erst danach gab es relativ deutliche Zinssatzanstiege. Mit März 2007 waren in Österreich knapp mehr als zwei Drittel der Leitzinsanhebungen (+1,09 Prozentpunkte) im Neugeschäft bereits weitergegeben. Im Euroraum gab es bei Wohnbaukrediten einen nur unwesentlich höheren Anstieg um 1,13 Prozentpunkte.
Einlagenzinssätze – Neugeschäft
Bei neu vergebenen Einlagenzinssätzen war das Ausmaß der Anhebungen aufgrund der Leitzinserhöhungen stark von der entsprechenden vereinbarten Laufzeit abhängig. Bei kurzfristig vereinbarter Laufzeit (bis 1 Jahr) konnten die Kunden bislang am stärksten profitieren. Bei Einlagen von nichtfinanziellen Unternehmen (die zu rund 99% nur bis zu 1 Jahr Laufzeit aufweisen) lag der Zinssatz in Österreich im März 2007 mit 3,74% um 1,74 Prozentpunkte über dem Tiefststand von 2005, ähnlich hoch waren die Anhebungen auch im gesamten Euroraum (+1,64 Prozentpunkte). Bei Einlagen von privaten Haushalten ließ sich in Österreich bei Laufzeiten von bis zu 1 Jahr mit +1,61 Prozentpunkten gegenüber dem Tiefststand von 2005 die deutlichste Anhebung verzeichnen, bei Laufzeiten von 1 bis 2 Jahren betrug der Anstieg immerhin noch +1,53 Prozentpunkte, bei Laufzeiten von über 2 Jahren hingegen nur +1,16 Prozentpunkte. Im Euroraum gab es bei Laufzeiten von bis zu 1 Jahr bzw. 1 bis 2 Jahren ähnlich starke Anhebungen wie in Österreich zu beobachten (+1,59 bzw. 1,64 Prozentpunkte), bei langfristigen Einlagen (über 2 Jahre) lagen die Zinssätze mit durchschnittlich 2,72% hingegen nur 0,68 Prozentpunkte über den Tiefstständen von 2005. In dieser Kategorie wurde der Durchschnittszinssatz des Euroraums allerdings durch einige sehr niedrig verzinste Spezialprodukte in manchen Ländern des Euroraums künstlich niedrig gehalten. Der Zinssatz in Österreich lag bei Laufzeiten von über 2 Jahren mit 3,70% im März 2007 nahezu 1 Prozentpunkt über dem Vergleichswert des Euroraums.
Kredit- und Einlagenzinssätze – Bestand
Bei den Kreditzinssätzen über den aushaftenden Gesamtbestand spiegelten sich (aufgrund des höheren Anteils variabel verzinster Kredite) die Leitzinsanhebungen in Österreich zu einem deutlich größeren Ausmaß in den Kundenkonditionen wider als im Euroraum. Betrachtet man die -volumenmäßig deutlich wichtigsten Kategorien (mit Laufzeiten von über 5 Jahren), so wurden im März 2007 bei Unternehmenskrediten, Krediten an private Haushalte für Wohnbau und Krediten an private Haushalte für Konsumzwecke und sonstige Zwecke die Tiefststände von 2005 in Österreich um 0,83, 0,73 bzw. 1,02 Prozentpunkte übertroffen. Lediglich bei Unternehmenskrediten (die auch im Euroraum überwiegend variabel verzinst sind) ließ sich im Euroraum-Durchschnitt mit +0,60 Prozentpunkten ein annähernd so hoher Anstieg wie in Österreich verzeichnen. Bei Krediten an private Haushalte spiegelten sich hingegen mit +0,28 bzw. 0,39 Prozentpunkten die Leitzinsanhebungen zu weniger als einem Viertel in den Kundenkonditionen wider.
Bei den Einlagen von privaten Haushalten war die Entwicklung – wie auch im Neugeschäft – abhängig von der Laufzeit sehr unterschiedlich. Bei Laufzeiten von über 2 Jahren wurde die Leitzinserhöhung bislang in Österreich nur geringfügig (+0,10 Prozentpunkte), im Euroraum noch gar nicht (–0,11 Prozentpunkte) gegenüber dem Tiefststand von 2005 weitergegeben. Hauptgrund war, sowohl in Österreich als auch im Euroraum, der hohe Anteil von Bauspareinlagen, deren Zinssätze sich kaum änderten. In Österreich spielten zusätzlich auch noch Kapitalsparbücher mit längerer Laufzeit und fixem Zinssatz eine Rolle. Bei Laufzeiten von bis zu 2 Jahren führten die Leitzinsanhebungen hingegen bereits zu Anstiegen von 1,16 Prozentpunkten (Österreich) bzw. 1,25 Prozentpunkten (Euroraum). Etwas unterschiedlich verlief die Entwicklung in Österreich und im Euroraum bei täglich fälligen Einlagen. Im Euroraum gab es bislang hier lediglich einen Anstieg von 0,34 Prozentpunkten zu beobachten, in Österreich war der entsprechende Wert mit 0,68 Prozentpunkten hingegen doppelt so hoch. Der steigende Anteil der Direktbanken mit hohen Zinssätzen war in Österreich für die höheren Anstiege verantwortlich, dennoch wurden auch in diesem Segment die Leitzinsanhebungen nicht vollständig weitergegeben. Die auch in dieser Kategorie enthaltenen Zinssätze für Einlagen auf Girokonten zeigten ebenfalls nur wenig Bewegung nach oben. Wie auch im Neugeschäft zeigten auch die Zahlen über den aushaftenden Gesamtbestand, dass Unternehmen von den Leitzinserhöhungen im Einlagenbereich stärker profitierten als private Haushalte. Bei Einlagen mit Laufzeiten bis zu 2 Jahren gab es gegenüber dem Tiefststand von 2005 Anstiege um 1,56 Prozentpunkte (Österreich) bzw. 1,51 Prozentpunkte (Euroraum), bei täglich fälligen Einlagen stiegen die Durchschnittszinssätze immerhin um 1 Prozentpunkt (Österreich) bzw. 0,76 Prozentpunkte (Euroraum).
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1) Im Juni 2007 erfolgte eine weitere Anhebung auf 4 %.
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