Wie schon die Zahlungsbilanz 2007 gezeigt hatte, war das Jahr, in dem die Subprime-Krise zum Ausbruch kam, gleichzeitig das Jahr mit den höchsten Direktinvestitionen. Die jüngste Erhebung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zum Stand der Direktinvestitionen zum Jahreswechsel 2007/08 bestätigt dieses Ergebnis: 1.069 österreichische Investoren hielten zum Stichtag 31. Dezember 2007 3.699 strategische Firmenbeteiligungen im Ausland im Wert von 102,5 Mrd EUR. Gegenüber dem Jahr 2006 war dies eine wertmäßige Steigerung um mehr als ein Viertel. Eine noch nie dagewesene Zunahme verzeichnet die Statistik auch bei der Anzahl der Arbeitsplätze in den ausländischen Tochterfirmen – einen Anstieg um nahezu 100.000 (+20%) auf mittlerweile 573.000. Rekordniveau erreichte mit 9,7 Mrd EUR auch der bilanzielle Jahresgewinn, den die österreichischen Investoren 2007 erzielen konnten.
Im Zentrum der Expansion stand weiterhin die Region Zentral-, Ost- und Südosteuropa, einschließlich der neu beigetretenen EU-Mitgliedstaaten. Zwei Drittel der Ausweitung der aktiven Direktinvestitionen entfielen auf diese Region. Die größte Ausweitung des österreichischen Direktinvestitionsbestands verzeichneten 2007 Deutschland (+3,6 Mrd EUR) und Kroatien (+3,4 Mrd EUR), vor der Türkei (+2,3 Mrd EUR) und Russland (+1,9 Mrd EUR). Um mehr als 1 Mrd EUR stiegen die Investitionen darüber hinaus in Ungarn, Kasachstan, der Tschechischen Republik, der Ukraine, in Bulgarien und in der Slowakei. Unter Branchengesichtspunkten entfiel die Hälfte des Zuwachses auf Banken und Versicherungen. Deutliche Ausweitungen gab es weiters bei Holdings und im Immobiliensektor, bei der Mineralölgewinnung, in der Papierindustrie und im Maschinenbau.
Die meisten Arbeitsplätze bei österreichischen Auslandstöchtern gab es 2007 in der Tschechischen Republik (73.000), in Ungarn (68.000) und in Rumänien (61.000). Auf Platz vier liegt – als einziges westeuropäisches Land unter den ersten zehn – Deutschland mit 50.000 Beschäftigten. Es folgen die Slowakei und Russland mit 35.000 und 30.000 Beschäftigten, sowie in absteigender Reihenfolge die Ukraine, Polen, Serbien und Kroatien mit jeweils mehr als 20.000 Beschäftigten.
Sehr gut war 2007 auch die Ertragslage der Auslandsbeteiligungen. Der bilanzielle Jahresgewinn stieg um mehr als 2 Mrd EUR auf 9,7 Mrd EUR, was einem „Return on Equity“ von mehr als 10% entspricht. Mit Ausnahme eines Jahres erwirtschafteten die österreichischen Auslandsbeteiligungen seit dem Berichtsjahr 2003 höhere Erträge als die unter Auslandseinfluss stehenden Beteiligungen im Inland.
Noch stärker als der Wert der aktiven Direktinvestitionen hat im Jahr 2007 der Wert der strategischen Unternehmensbeteiligungen des Auslands in Österreich zugenommen. Er betrug zum Jahreswechsel 2007/08 108 Mrd EUR, das waren um 24 Mrd EUR mehr als im vorangegangenen Berichtsjahr. Dabei hat jedoch die Anzahl der ausländischen Investoren leicht abgenommen (auf 2.890), während die Anzahl der österreichischen Unternehmen unter direktem Auslandseinfluss geringfügig auf 2.486 angestiegen ist. Ebenfalls leicht rückläufig war die Anzahl der Beschäftigten unter direktem Auslandseinfluss, die sich 2007 auf 235.000 belief. Die unterschiedliche Entwicklung von Wert und Beschäftigung bei aktiven bzw. passiven Direktinvestitionen wird verständlich, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die mit Abstand bedeutendste Transaktion des Jahres 2007 die Übertragung der osteuropäischen Beteiligungen der italienischen UniCredit Group an die Bank Austria war. Die Statistik erfasst aktivseitig die Beschäftigten in den osteuropäischen Bankfilialen, in Österreich hingegen nur die zahlenmäßig beschränkten Managementfunktionen.
Am stärksten zugenommen haben 2007 die Direktinvestitionen unter US-amerikanischem Einfluss, dank der Aktivitäten diverser Private Equity Funds (+5,1 Mrd EUR), vor Italien mit +4,1 Mrd EUR. Die Ausweitung des japanischen Eigentums (+3,3 Mrd EUR) ist in erster Linie eine Folge der Übernahme von British Tobacco, wodurch die Austria Tabak einem neuen Stammhaus zuzurechnen war, ohne dass eine Transaktion mit Österreichbezug stattgefunden hätte. Der vierte Platz Deutschlands (+3,0 Mrd EUR) entspricht seiner traditionellen Rolle als wichtigster ausländischer Kapitalgeber der österreichischen Wirtschaft. Relativ neu ist das verstärkte Engagement russischer Investoren (+2,5 Mrd EUR), die damit auf Platz neun unter den ausländischen Geldgebern vorrücken konnten. Nahezu die Hälfte der passiven Direktinvestitionen wird mittlerweile über Holdinggesellschaften abgewickelt, was die Aussagekraft einer Branchengliederung zunehmend in Frage stellt. Zusätzliches Auslandskapital floss 2007 jedoch auch in Banken (+4,5 Mrd EUR) und Handelsunternehmen (+3,2 Mrd EUR).
Auch die passiven Direktinvestitionen erwirtschafteten 2007 Rekordgewinne in Höhe von 9,1 Mrd EUR, eine Zunahme von mehr als 2 Mrd EUR gegenüber 2006.
Obwohl die vorläufige Zahlungsbilanz des Jahres 2008 weiterhin sehr rege Direktinvestitionsaktivitäten ausweist (aktiv: 19,3 Mrd EUR; passiv: 9,3 Mrd EUR), dürfte das Wachstum der Bestände deutlich an Dynamik verloren haben. Durch die Bewertung von börsennotierten Aktiengesellschaften zu Marktpreisen wird sich der Börsen-Crash des Jahres 2008 auch bei den Direktinvestitionen niederschlagen. Angesichts der Abwertung der Währungen einiger wichtiger Zielländer österreichischer Direktinvestitionen rechnet die OeNB damit, dass zum Jahreswechsel 2008/09 der Stand aktiver Direktinvestitionen etwa 112 Mrd EUR und der Bestand passiver Direktinvestitionen 116 Mrd EUR betragen haben dürfte.