Die neue Auslandsunternehmenseinheiten-Statistik (Statistiken Q1/10)
Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich und -Auslandstöchter inländischer Unternehmen 2007
Wien, 9. 2. 2010 (Mag. (FH) Thomas Cernohous, Mag. Dr. René Dell’mour, Mag. (FH) Erich Greul)
19% der Beschäftigten in der marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaft Österreichs, oder rund eine halbe Million Personen, arbeiteten im Jahr 2007 in Firmen, die unter ausländischer Kontrolle standen. Während die knapp 8.800 auslandskontrollierten Unternehmen nur 3% der inländischen Unternehmen der ÖNACE-Abschnitte C–K ausmachten, erwirtschafteten sie rund ein Drittel der hier erfassten Umsatzerlöse und ein Viertel der Bruttowertschöpfung. Mehr als 50% der Forschungsausgaben im Unternehmenssektor gingen auf das Konto auslandskontrollierter Unternehmen.
Gleichzeitig kontrollierten inländische Unternehmen knapp 4.300 Unternehmen im Ausland mit einem Beschäftigungsvolumen von rund 760.000 Personen. Diese waren in insgesamt 81 Ländern der Erde angesiedelt; den größten Anteil machten jedoch die Länder Zentral-, Ost- und Südosteuropas (plus Deutschland) aus.
Das sind die Ergebnisse der für das Berichtsjahr 2007 in Kooperation von Statistik Austria und Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) erstmals durchgeführten Auslandsunternehmenseinheiten-Statistik. Doch nicht nur die Erstellung der Statistik selbst ist eine Kooperation von OeNB und Statistik Austria, auch der folgende Beitrag entstand in Zusammenarbeit der -Experten der beiden Institutionen und wird sowohl in „Statistiken – Daten & Analysen“ der OeNB als auch in den „Statistischen Nachrichten“ von Statistik Austria publiziert.
1 Ziel und Zweck der neuen Statistik
Grenzüberschreitende Unternehmensbeteiligungen1) haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine außerordentliche Dynamik gezeigt und sind zu einem zentralen Instrument der wirtschaftlichen Globalisierung geworden. Entsprechend den jüngsten Erhebungen der UNCTAD2) beschäftigten zuletzt annähernd 82.000 transnationale Unternehmen mit etwa 800.000 Auslandstöchtern weltweit knapp 80 Millionen Menschen. Allein die 100 größten nichtfinanziellen Weltkonzerne beschäftigten im Jahr 2008 15,3 Millionen Menschen, davon 8,9 Millionen (oder 58%) im jeweiligen Ausland. Gemessen an ihrer wirtschaftlichen Bedeutung war jedoch das verfügbare statistische Datenmaterial zu diesen Phänomenen bisher einigermaßen beschränkt.
Eine traditionelle Statistik zum Thema der Globalisierung mittels grenzüberschreitender Unternehmensbeteiligungen ist die Direktinvestitionsstatistik. Sie ist Bestandteil der Zahlungsbilanz und beschreibt grenzüberschreitende Transaktionen, die getätigt werden, um Eigentum an Wirtschaftsunternehmen im Ausland zu erwerben oder auszubauen mit dem Ziel, auf die Geschäftsführung des Direktinvestitionsunternehmens im Ausland Einfluss zu nehmen3). In den meisten Ländern wird diese Statistik von der Zentralbank erstellt, so auch in Österreich durch die OeNB4). Diese Statistiken belegen die erwähnte Dynamik. Der weltweite Bestand an Direktinvestitionen wuchs in den Jahren 1989 bis 2008 laut UNCTAD von 1.500 bis 1.600 Mrd USD auf etwa 15.000 bis 16.000 Mrd USD, das heißt auf das Zehnfache.
Allerdings stellt die Direktinvestitionsstatistik (DI) in erster Linie auf die finanziellen Aspekte des Globalisierungsprozesses ab. Die zunehmend komplexere Struktur multinationaler Unternehmen, die Errichtung von Holdinggesellschaften oder reinen Briefkastenfirmen führt dazu, dass das Ausmaß an investiertem Kapital nicht notwendigerweise mit einer entsprechenden wirtschaftlichen Aktivität einhergeht. Schon in der 5. Auflage des Zahlungsbilanzmanuals des IWF wird darauf hingewiesen, dass Direktinvestitionen Aspekte aufweisen, die über die reine Zahlungsbilanzsicht hinausgehen, wirtschaftspolitisch aber so bedeutend sind, dass zusätzliche Erhebungen auf Unternehmensebene, etwa von Daten der Jahresbilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung, von Beschäftigung, Umsatz und Wertschöpfung, wichtige Entscheidungsgrundlagen bilden können5).
Anhand dieser Empfehlungen hat die OeNB schon sehr früh begonnen, zusätzliche Aktivitätsindikatoren zu erheben. Allerdings konnte es auf der Basis von bloßen Empfehlungen nicht zu einer international vergleichbaren einheitlichen Statistik kommen. So hat schließlich die OECD nach einer nahezu zehnjährigen Vorbereitungsarbeit im Jahr 2004 ein „Handbook on Economic Globalization Indicators“ veröffentlicht. Neben zahlreichen Indikatoren aus den Themenbereichen Außenhandel und Direktinvestitionen schlägt dieses Handbuch vor, die Volkswirtschaft in
heimische Unternehmen unter ausländischer Kontrolle,
von einheimischen Eigentümern kontrollierte Unternehmen im Ausland,
Muttergesellschaften und ihre Aktivitäten im Inland und in
Unternehmen ohne Eigentumsbeziehungen ins Ausland
zu unterteilen.
Im Zuge dieser „Activities of Multinational Enterprises (AMNE)“-Statistik sollen beispielsweise folgende Maßzahlen erhoben werden: Umsatz und Beschäftigung, Wertschöpfung, Bruttoproduktionswert, Bruttoanlageinvestitionen und Personalaufwand. Wegen der erwarteten größeren Probleme bei der Erhebung werden für die Messung der Aktivitäten heimischer Konzerne im Ausland nur die Anzahl der Unternehmen, der Umsatz und die Beschäftigung angeführt.
Parallel zu den Studien der OECD hat auch die Europäische Kommission Arbeiten für die Implementierung einer Statistik über die wirtschaftlichen Aktivitäten multinationaler Unternehmen vorangetrieben. So hatte Österreich bereits zum Berichtsjahr 2001 an einer Pilotstudie zur Durchführbarkeit mitgewirkt6). Einer der von der EU für die Dringlichkeit einer solchen Statistik genannten Gründe waren die GATS-Verhandlungen, bei denen die „commercial presence“ im Ausland vor allem für Dienstleistungen als wichtiger Vertriebsweg gilt. Die Europäische Kommission musste sich in den Verhandlungen dabei mangels eigener Unterlagen auf Daten der Partnerländer stützen, eine zweifellos unerquickliche Verhandlungsposition.
Auf dem Verordnungsweg hat die EU7) im Jahr 2007 schließlich die sogenannte FATS-Statistik als jährlich zu erstellende Statistik mit dem ersten Berichtsjahr 2007 eingeführt. Die FATS-Statistik8) ist nahezu eine 1:1 Umsetzung der OECD-Vorschläge, mit der Einschränkung, dass sie sich nur auf zwei Arten von Unternehmen konzentriert, nämlich die ausländisch kontrollierten Unternehmen im Inland (Inward-FATS) und die unter inländischer Kontrolle stehenden Unternehmen im Ausland (Outward-FATS). Die Statistik ist auf Basis individueller Unternehmen je Land zu erstellen und in einer Gliederung nach etwa 50 unterschiedlichen Branchen aufzubereiten.
Die verpflichtende Umsetzung dieser Statistik für Österreich erfolgte durch die sogenannte „Auslandsunternehmenseinheitenstatistik-Verordnung“9), im Folgenden „AUESt-VO“ genannt. Diese setzt die europäischen Vorgaben vollinhaltlich um, enthält aber auch einige Erweiterungen zur Erhöhung der Relevanz der Statistik auf nationaler Ebene.
Erhebungseinheit der Inward-FATS-Statistik sind inländische Unternehmen unter ausländischer Kontrolle. Auch die Outward-FATS-Erhebung richtet sich aus rechtlichen und praktischen Gründen an inländische Unternehmen (und gegebenenfalls auch an Privatpersonen, Stiftungen und Ähnliches.), Erhebungsgegenstand sind jedoch die kontrollierten Unternehmen im Ausland.
Unter Kontrolle ist hier – gemäß internationalen Konventionen – die Möglichkeit zu verstehen, die allgemeine Unternehmenspolitik eines Unternehmens zu bestimmen, indem gegebenenfalls die Personen der Unternehmensleitung festgelegt werden können. Dies kann durch die Ausübung einer Mehrheit an Stimmrechten, durch die Kontrolle einer Mehrheit von Gesellschaftsanteilen oder durch anderweitig (rechtlich) eingeräumte Möglichkeiten, die Geschäftsführung eines Unternehmens zu bestimmen, geschehen. In der Praxis – aufgrund der für die Statistik verfügbaren Informationen – kann eine Kontrolle in der Regel nur über die Feststellung von Mehrheitsbeteiligungen erfasst werden.
Ausländische Kontrolle liegt vor, wenn die kontrollierende Einheit in einem anderen Land ansässig ist als die Unternehmenseinheit, über die sie die Kontrolle ausübt.
Es sind dabei sowohl direkte als auch indirekte (das heißt über weitere, zwischengeschaltete Unternehmenseinheiten ausgeübte) Kontrollbeziehungen zu berücksichtigen. In der FATS-Statistik ist dabei die „letztliche“ Kontrolle relevant, das heißt als Kontrollland in einer Kette von Kontrollbeziehungen gilt jenes Land, in dem die Unternehmenseinheit (bzw. natürliche Person) ansässig ist, die von keiner weiteren Einheit kontrolliert wird.
Die Zuständigkeit für die Erstellung der Auslandsunternehmenseinheiten-Statistik liegt gemäß AUESt-VO bei der Bundesanstalt Statistik Österreich. Im Sinn einer Ressourcen schonenden und, vor allem, die Respondenten entlastenden Erstellung der Statistik wird bereits in §6 der zuvor genannten Verordnung darauf hingewiesen, dass die Erstellung unter anderem durch die Beschaffung von Verwaltungs- und Statistikdaten der OeNB zu geschehen hat.
Die Daten der OeNB sind mit den Daten aus primärstatistischen Erhebungen der Statistik Austria zu verknüpfen, um so die erforderlichen Merkmale für die FATS-Statistik zu ermitteln (Details siehe weiter unten). Eigene Erhebungen zum Zweck der Erstellung der FATS-Statistik sind laut AUESt-VO nur zulässig, sofern dies für die erforderliche Qualität der Statistiken unbedingt notwendig ist.
Damit ergab sich für die seit Jahren erfolgreich praktizierte Kooperation der beiden Institutionen im Bereich der Statistik (beispielsweise bei der Zahlungsbilanz oder der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung) ein neues Aufgabengebiet.
2 Methodische Erläuterungen
2.1 Inward-FATS
Die Statistik der heimischen Unternehmenseinheiten unter ausländischer Kontrolle umfasst jene (aktiven) Wirtschaftseinheiten, die zu mehr als 50% unter ausländischer Kontrolle stehen. Stichtag für die Erfassung der Mehrheitsverhältnisse war für das Berichtsjahr 2007 der 31. Dezember 2007.
Die Untergliederung der Statistik erfolgt einerseits nach den Wirtschaftsaktivitäten der auslandskontrollierten Unternehmen (derzeit noch nach ÖNACE 2003), andererseits nach dem Sitzland der kontrollierenden ausländischen Einheit. Diese beiden Dimensionen sind gemäß EU-Verordnung in -gegenläufiger Detailliertheit zu kombinieren; das heißt je detaillierter die Aktivitätsgliederung, desto gröber die geografische Unterteilung und umgekehrt. Zu erfassen sind die NACE Rev.1-Abschnitte C–K.
Laut EU-Verordnung sind für Inward-FATS folgende Variablen jährlich (ab Berichtsjahr 2007) zu erstellen:
Anzahl der Unternehmen,
Umsatz,
Produktionswert,
Bruttowertschöpfung zu Faktorkosten,
Bezug von Waren und Dienstleistungen,
Bezug von Waren und Dienstleistungen zum Wiederverkauf in unverändertem Zustand,
Personalaufwand,
Bruttoinvestitionen in Sachanlagen und
Anzahl der Beschäftigten.
In zweijährigem Abstand, ebenfalls beginnend mit 2007, sind zusätzlich folgende F&E-Variablen zu übermitteln:
Gesamtaufwendungen für innerbetriebliche Forschung und Entwicklung,
Gesamtanzahl der Beschäftigten für Forschung und Entwicklung.
Diese Größen sind allerdings nur für die NACE Rev.1-Abschnitte C–F an Eurostat zu liefern.
Die nationale Verordnung folgt sowohl in der Frage der Gliederungsdimensionen und -tiefe, als auch in der Frage des Merkmalspektrums den EU-Vorgaben. Eine nationale Abweichung von den EU-Vorgaben ist jedoch der Umstand, dass keine aktivitätsmäßige Einschränkung der F&E-Variablen erfolgte.
Da eines der wesentlichen Ziele der Inward-FATS-Statistik eine Darstellung des auslandskontrollierten Teils der Wirtschaft im Verhältnis zur gesamten in der Unternehmensstatistik erfassten inländischen Unternehmenspopulation ist, werden in der österreichischen Auslandsunternehmenseinheiten-Statistik sowohl der Erfassungsbereich als auch die Merkmaldefinitionen der Leistungs- und Strukturstatistik (zu der die Inward-FATS-Statistik in der Folge in Beziehung gesetzt wird) verwendet. Das bedeutet unter anderem, dass die Zielpopulation der Inward-FATS-Statistik der gewinnorientierte Bereich der Abschnitte C–K der ÖNACE 2003 ist.
Aufgrund der eher geringen Gesamtpopulation sind der Darstellung der Ergebnisse bei Einhaltung der nationalen Geheimhaltungsregeln teilweise relativ enge Grenzen gesetzt (Kapitel 4).
2.2 Outward-FATS
Die Erfassung der Auslandsunternehmenseinheiten von in Österreich ansässigen Unternehmen erfolgt wie erwähnt im Rahmen der Erhebung der Direktinvestitionsbestände durch die OeNB. Für die FATS-Statistik sind dabei nur jene Auslandsbeteiligungen relevant, die einen mehr als 50-prozentigen Anteil am Gesellschaftskapital darstellen und somit ein Indiz für unternehmerische Kontrolle bieten.
Die EU-Verordnung, wie auch die nationale Verordnung, sieht für den Outward-FATS-Bereich derzeit die Darstellung der Merkmale
Anzahl der Unternehmen,
Beschäftigte und
Umsatz
vor.
Diese sind nach den Dimensionen Wirtschaftsaktivität (der Auslandsunternehmenseinheiten) und Standortland (der Auslandsunternehmenseinheiten) zu untergliedern, wobei diese wie im Fall der Inward-FATS-Statistik in gegenläufiger Detailliertheit zu kombinieren sind.
Der Erfassungsbereich umfasst im Gegensatz zu Inward-FATS die NACE Rev.1-Abschnitte C–O mit Ausnahme des Abschnitts L (Öffentliche Verwaltung, Landesverteidigung, Sozialversicherung).
Während das EU-Konzept nur den Nachweis von Auslandsunternehmenseinheiten in Nicht-EU-Ländern vorschreibt, werden in der nationalen Version auch jene in den EU-Mitgliedsländern dargestellt.10) Zudem werden abweichend vom EU-Konzept nicht nur Auslandstöchter von österreichischen Konzernzentralen (Unternehmen, die von keiner ausländischen Unternehmenseinheit kontrolliert werden) inkludiert, sondern alle von in Österreich ansässigen Unternehmenseinheiten kontrollierten Auslandstöchter.
3 Methode der Erstellung – von der Feststellung der Auslandsunternehmenseinheiten zur FATS-Statistik
Vorauszuschicken ist, dass sowohl die Erstellung der Inward-, als auch jene der Outward-FATS-Statistik auf Einheitenebene erfolgt. Das heißt, das notwendige Datenspektrum für beide Statistiken wird aus verschiedenen Quellen auf Einheitenebene (Unternehmen bzw. rechtliche Einheit) zusammengeführt, die Ergebnisse sodann aggregiert und – unter Berücksichtigung der nationalen Geheimhaltungsregeln – ausgewiesen und publiziert.
3.1 Erstellung der Inward-FATS-Statistik
3.1.1 Feststellung der Auslandsunternehmenseinheiten
Für die Erstellung der Statistik der Aktivitäten der ausländisch kontrollierten Unternehmen im Inland wird in erster Linie das umfangreiche Datenmaterial der Leistungs- und Strukturstatistik der Statistik Austria mit den Informationen zu den Eigentumsverhältnissen aus der Direktinvestitionserhebung der OeNB verknüpft. Die ausländisch kontrollierten Unternehmen sind eine Teilmenge der Direktinvestitionsunternehmen, zu denen bekanntlich auch solche Unternehmen zählen, in denen sich der Einfluss der Ausländer auf Minderheitsbeteiligungen beschränkt. Durch die langjährige Praxis der OeNB, die Direktinvestoren einzeln zu erheben und im Fragebogen nach deren Stammhaus zu fragen, ist es auch möglich „multiple minority ownership“11) Strukturen zu analysieren und – wie für die FATS-Statistik gefordert – das Sitzland der Konzernzentrale zu eruieren.
Da in der Direktinvestitionserhebung ein Schwellenwert von 100.000 EUR am Stammkapital zur Anwendung kommt, müssen für die Inward-FATS-Statistik auch noch die „auslandskontrollierten Unternehmen unter der Schwelle“ identifiziert werden. Das erfolgt durch eine automationsgestütze Analyse der im Firmenbuch vorliegenden Daten. Für diese – vorwiegend kleinen – Unternehmen entfällt allerdings die Ermittlung einer allfälligen Konzernzentrale in einem Drittland, da dies aus den vorhandenen Informationen nicht möglich ist. Das Sitzland des kontrollierenden Ausländers wird somit als Konzernzentrale unterstellt.
Die so durch eigene Erhebungen der OeNB und automationsgestützte Analyse des Firmenbuchs ermittelten Unternehmen dienen als Ausgangspunkt zur Ermittlung weiterer ausländisch kontrollierter Unternehmen, das heißt deren Tochter- und Enkelfirmen im Inland. Auch dazu wird ein Algorithmus auf Firmenbuchdaten angewendet, der in einem schrittweisen Verfahren sämtliche Mehrheitsbeteiligungen der bisher ermittelten Unternehmen im Inland errechnet.
Schließlich wird eine Aufstellung der laut Direktinvestitionsstatistik ausländisch kontrollierten inländischen Unternehmen an Statistik Austria übergeben.
3.1.2 Ergänzung um die Variablen der Leistungs- und Strukturstatistik
In der Folge wird diese Liste zuerst mit den Informationen im statistischen Unternehmensregister der Statistik Austria abgeglichen. Ziel ist es, einen Bestand zu erzeugen, der dem Erfassungsbereich der Leistungs- und Strukturstatistik des jeweiligen Berichtsjahres entspricht. Somit wird in der Folge die für die Erstellung der FATS-Statistik erforderliche Verknüpfung mit diesen Daten ermöglicht. Wesentlicher Arbeitsschritt ist dabei, jene Einheiten zu identifizieren, die im Unternehmensregister als den wirtschaftsstatistischen Kriterien entsprechend „aktive“ Einheiten geführt werden. Darauf aufbauend werden die Identifikations- und Stratifikationsmerkmale der Einheiten (insbesondere die Wirtschaftsaktivität gemäß ÖNACE) direkt aus dem Unternehmensregister übernommen.
In einzelnen Fällen wird bei unklaren Kontrollverhältnissen (z. B. Eigentümerwechsel während des Berichtsjahres) auch anhand von Informationen aus dem Firmenbuch die Zuordnung zur Inward- oder Outward-FATS-Population überprüft. Stichtag für diese Zuordnung war für das Berichtsjahr 2007 wie bereits erwähnt der 31. Dezember 2007.
Anschließend erfolgt ein Abgleich dieser Liste mit jenen Einheiten, die in der Leistungs- und Strukturstatistik für das Berichtsjahr 2007 erfasst wurden; einzelne augenscheinliche Untererfassungen können so noch hinzugefügt werden. Die endgültige Liste der auslandskontrollierten Unternehmen wird mit den erforderlichen Informationen aus der Leistungs- und Strukturstatistik (Abschnitt 2.1) zusammengeführt.
3.1.3 Ergänzung um Variablen der F&E-Statistik
Jedes zweite Berichtsjahr sind diese Daten zusätzlich um Informationen zur Forschungstätigkeit der auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich zu ergänzen. Die in der EU-Verordnung vorgesehenen Termine wurden diesbezüglich mit der ebenfalls durch europäische und nationale Rechtsnormen festgelegten Statistik über Forschung und experimentelle Entwicklung (F&E) abgestimmt.12) Im Sinn der Ressourcen und Respondenten schonenden Erstellung hat auch hier die AUESt-VO bereits festgelegt, dass für die Ermittlung der F&E-Variablen der auslandskontrollierten Unternehmen die Ergebnisse der F&E-Statistik zu verwenden sind. Da diese nur alle zwei Jahre stattfindet, sind auch die diesbezüglichen Variablen der Inward-FATS-Statistik nur alle zwei Jahre zu erstellen, und zwar derzeit in den ungeraden Jahren, beginnend mit dem Berichtsjahr 2007.
Konkret sind dies die beiden Größen
„Innerbetriebliche“ Forschung und Entwicklung bedeutet, dass nur Ausgaben für im Unternehmen selbst durchgeführte Forschungsarbeiten zu erfassen sind, außer Haus vergebene Forschungsarbeiten bleiben dabei (um eine Doppelerfassung zu vermeiden) unberücksichtigt. Bei den Beschäftigten werden im Fall der FATS-Statistik Beschäftigungsverhältnisse ausgewiesen.
Die Ergänzung der Unternehmensdaten der FATS-Statistik um die forschungsrelevanten Daten erfolgt ähnlich wie bei jenen der Leistungs- und Strukturstatistik: Anhand der Unternehmenskennzahl und weiterer Informationen aus dem Unternehmensregister werden die Daten der beiden Bestände verknüpft und allfällige Diskrepanzen (z. B. in der Unternehmensdefinition, der Aktivitätszuordnung etc.) geklärt.
Die Daten über die Forschungsaktivitäten des Unternehmenssektors stammen dabei – in der Terminologie der F&E-Statistik13) – zum überwiegenden Teil aus dem „firmeneigenen“ und nur zu einem sehr geringen Anteil aus dem „kooperativen Bereich“.
3.2 Erstellung der Outward-FATS-Statistik
Für die Erstellung der Outward-FATS-Statistik war eine zusätzliche Belastung der Melder nicht zu vermeiden. Zwar werden im Rahmen der Direktinvestitionsstatistik Umsatz und Beschäftigung schon seit Längerem erhoben, dies gilt jedoch nur für die unter „direktem“ Einfluss stehenden ausländischen Tochter- und allenfalls vorhandenen Enkelfirmen.
Für die neue Statistik bestand nun die Notwendigkeit, die Population an die neuen Vorschriften anzupassen, das heißt, für sämtliche inländisch kontrollierten Auslandsunternehmen im Ausland Name, Adresse, Beschäftigung und Umsatz zu erheben. Vor allem für einige wenige große Melder mit einem weit verzweigten Netz an Beteiligungen ist der Erhebungsaufwand gestiegen14), für den Großteil der Melder war auch hier die Änderung geringfügig.
Während für den Bereich der Inward-FATS-Statistik zur Sicherung der Vollständigkeit auf ergänzende Verwaltungsdaten zurückgegriffen werden kann, basiert die Outward-FATS-Statistik ausschließlich auf Erhebungsdaten. Zudem kommt in dieser Erhebung eine niedrigschwellige Meldegrenze zur Anwendung; die dadurch nicht erhobenen Einheiten werden – derzeit – nicht gesondert geschätzt. Es ergibt sich somit eine geringe Untererfassung, die jedoch in erster Linie nur für die Anzahl der Einheiten von Relevanz ist.
Im Fall der Outward-FATS-Statistik erhält die Statistik Austria von der OeNB einen Datensatz, der um Minderheitsbeteiligungen bereinigt ist, und aus dem – abgesehen von zusätzlichen Plausibilitätskontrollen – ohne weitere Bearbeitungsschritte die Statistik gemäß den nationalen und internationalen Vorgaben erstellt werden kann.
Obwohl sich eine zusätzliche Melderbelastung hier also nicht zur Gänze hat vermeiden lassen, steht es wohl außer Zweifel, dass die enge Kooperation zwischen Statistik Austria und OeNB eine besonders Ressourcen schonende Statistikerstellung ermöglicht – vor allem wenn man sich die Alternative vor Augen hält, die in einer zusätzlichen Erhebung durch Statistik Austria bestanden hätte.
4 Ergebnisse für das Jahr 2007
4.1 Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich (Inward-FATS)
4.1.1 Auslandskontrollierte Unternehmen nach Wirtschaftsaktivitäten
In Österreich waren im Jahr 2007 laut FATS-Statistik 8.762 Unternehmen unter ausländischer Kontrolle wirtschaftlich aktiv. In diesen Unternehmen fanden im Jahresdurchschnitt knapp 500.000 Personen Beschäftigung. Es wurde dabei ein Umsatz von knapp 200 Mrd EUR und eine Bruttowertschöpfung (zu Faktorkosten) von 40 Mrd EUR erwirtschaftet. Die in diesen Einheiten getätigten Bruttoinvestitionen in Sachanlagen beliefen sich 2007 auf insgesamt 7,6 Mrd EUR (Tabelle 1).
Während die auslandskontrollierten Unternehmen
nur 3% der österreichischen Unternehmen im marktwirtschaftlich orientierten Bereich des Jahres 2007 darstellten (definiert auf Basis des Erfassungsbereichs der österreichischen Leistungs- und Strukturerhebungen = ÖNACE 2003, Abschnitte C–K),
beschäftigten sie 19% der Arbeitskräfte in diesem Bereich und
erwirtschafteten rund ein Drittel der erfassten Umsätze
sowie ein Viertel der gesamten Bruttowertschöpfung (Tabelle 2).
Diese hohen Anteile bei den Wirtschaftskennzahlen sind sowohl ein Effekt der überdurchschnittlichen Größe der auslandskontrollierten Unternehmen – im Durchschnitt weisen sie 57 Beschäftigte je Unternehmen auf, während die gesamtösterreichische Vergleichsmasse nur auf neun Beschäftigte pro Unternehmen kommt (Tabelle 3) – als auch der in diesem Bereich zu findenden, von der Gesamtpopulation deutlich abweichenden Wirtschaftsstruktur.
Die meisten auslandskontrollierten Unternehmen wurden – nach ÖNACE 2003Abschnitten gesehen – im Bereich des Handels verzeichnet (3.743 oder 43% aller auslandskontrollierten Unternehmen), danach folgten das Realitätenwesen und die Unternehmensdienstleistungen (2.570 Unternehmen bzw. 29%) und die Sachgütererzeugung (1.098 bzw. 12,5%).
Die meisten Personen wurden allerdings mit knapp 180.000, oder einem Anteil von 36%, in der Sachgütererzeugung beschäftigt, erst danach kam der Handel mit 33% der in auslandskontrollierten Unternehmen beschäftigten Personen, vor dem Realitätenwesen mit den Unternehmensdienstleistungen mit einem Anteil von 14% (knapp 72.000 Personen).
Geringe Bedeutung unter den auslandskontrollierten Unternehmen haben die ÖNACE-Abschnitte Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden (0,3% der Unternehmen, 0,2% der Beschäftigten, 0,3% der Bruttowertschöpfung) und die Energie- und Wasserversorgung (0,4%; 0,1%; 0,1%), aber auch das Bauwesen (2,5%; 2,9%; 2,8%) und das Beherbergungs- und Gaststättenwesen (4,3%; 3,0%; 1,2%). Im Kredit- und Versicherungswesen finden sich zwar nur 2,9% der auslandskontrollierten Unternehmen, diese beschäftigen aber immerhin 5,9% der Beschäftigten und erreichen 10,6% der Bruttowertschöpfung.
Während im Bereich Handel der Großhandel (ÖNACE 51) den Hauptteil der Unternehmen ausmachte (76% der auslandskontrollierten Unternehmen im Handel und somit ein Drittel aller ausländisch kontrollierten Unternehmen in Österreich), waren die meisten Beschäftigten im Einzelhandel (ÖNACE 52) zu finden (knapp 100.000 Personen bzw. fast ein Fünftel aller Beschäftigten in auslandskontrollierten Unternehmen). Am nächsten unter den ÖNACE-Abteilungen kamen diesen Werten die Unternehmensdienstleistungen mit knapp 11% der Beschäftigten sowie, mit größerem Abstand, die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten etc. (ÖNACE-Unterabschnitt DL) und der Maschinenbau (ÖNACE DK) mit jeweils etwas über 6% Anteil.15)
Gemessen an den gesamten Beschäftigten des jeweiligen Wirtschaftsbereichs streuten die Anteile der ausländisch dominierten Unternehmen von nur 1% in der Energie- und Wasserversorgung bis zu 28% in der aufgrund ihres Umfangs zudem besonders bedeutsamen Sachgütererzeugung. In einzelnen Teilbereichen trugen ausländisch kontrollierte Unternehmen sogar bis zu zwei Drittel zur Branchenbeschäftigung bei: Fahrzeugbau (ÖNACE DM) 60%, Herstellung von Chemikalien und chemischen Erzeugnissen (ÖNACE- DG) 65%.
Die durchschnittliche Unternehmensgröße in auslandskontrollierten Unternehmen der ÖNACE-Abschnitte C–K belief sich 2007 wie erwähnt auf 57 Beschäftigte, während sie bei allen österreichischen Unternehmen (auslands- und inlandskontrolliert) bei nur 9 Personen lag (ein Verhältnis von 6:1!). Die größten durchschnittlichen Unternehmen fanden sich in den Bereichen Sachgütererzeugung mit 163 Beschäftigten (hier sogar das 7,5-fache des Werts für alle inländischen Unternehmen des Bereichs) sowie Kredit- und Versicherungswesen mit 116 Beschäftigten (mit einem Verhältnis von 6:1). Auf Abteilungs- bzw. Unterabschnittsebene (für die Sachgütererzeugung) fanden sich die höchsten Werte im Fahrzeugbau mit 505 Beschäftigten (Verhältnis 5:1), im Versicherungswesen (ÖNACE 66) mit 362 Beschäftigten (hier lag die Durchschnittsgröße entgegen dem Trend knapp unter jener aller Unternehmen des Bereichs), im Kreditwesen (ÖNACE 65) mit 258 Beschäftigten (Verhältnis 3:1) und in der Herstellung von Büromaschinen und Datenverarbeitungsgeräten (ÖNACE DL) mit 234 Beschäftigten pro Unternehmen (Verhältnis 8:1). Die größte Abweichung der Durchschnittsgröße der auslandskontrollierten Unternehmen von der jeweiligen Gesamtmasse konnte mit 17:1 jedoch im Bereich des Einzelhandels festgestellt werden, gefolgt von der Be- und Verarbeitung von Holz (ÖNACE DD) mit 15:1.
Gemessen an der Bruttowertschöpfung zu Faktorkosten war innerhalb der auslandskontrollierten Unternehmen die Sachgütererzeugung mit einem Anteil von 43% am bedeutendsten, dahinter folgten wiederum der Handel (25%), das Realitätenwesen mit den Unternehmensdienstleistungen (13%) sowie das Kredit- und Versicherungswesen (rund 11%). Gewichtigste -ÖNACE-Abteilung war der Großhandel mit einem Beitrag von 16%.
Der Anteil der auslandskontrollierten Einheiten an der Gesamtwertschöpfung der Branche belief sich sowohl bei der Sachgütererzeugung (35,7%) als auch im Handel (35,3%) auf rund ein Drittel. Auch im Kredit- und Versicherungswesen lag er mit rund 28% noch deutlich über dem Gesamtdurchschnitt von 24,6%. In den Teilbereichen erreichten die höchsten Werte teilweise deutlich mehr als die Hälfte der Wertschöpfung des jeweiligen Bereichs – Herstellung von Chemikalien und chemischen Erzeugnissen (ÖNACE 24): 72%, Fahrzeugbau (ÖNACE 34+35): 68%, Herstellung von Büromaschinen, Datenverarbeitungsgeräten etc. (ÖNACE 30–33): 51%. Aber auch in Bereichen, wie dem Großhandel (42%), dem Maschinenbau (41%), der Herstellung und Verarbeitung von Papier und Pappe, Verlagswesen (39%), dem Versicherungswesen (34%) und der Herstellung von Textilien, Textilwaren und Bekleidung (33,3%) zeigte sich die Bedeutung der auslandskontrollierten Unternehmen für die österreichische Wirtschaft mit einem Anteil von mindestens einem Drittel der jeweiligen Branchenwertschöpfung. Dies bestätigt auch eine Betrachtung der Bruttowertschöpfung je Beschäftigten, die in einigen Wirtschaftsbereichen in den auslandskontrollierten Unternehmen das 1,5-Fache (Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln, Tabakverarbeitung; Bauwesen; Kfz-Handel, Reparatur von Kfz, Tankstellen; Flugverkehr) bis 2-Fache (mit dem Kredit- und Versicherungswesen verbundene Tätigkeiten) des gesamten Branchendurchschnitts erreicht.
Bei dem sowohl für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen, als auch für die Gesamtwirtschaft wichtigen Indikator der Investitionen (hier: anhand der Variablen Bruttoinvestitionen in Sachanlagen) brachten die auslandskontrollierten Unternehmen einen Anteil von durchschnittlich 20% auf, wobei sie besonders im Handel (Anteil der auslandskontrollierten Unternehmen: 34%) und in der Sachgütererzeugung (Anteil: 33%) eine besonders bedeutende Position einnahmen. Das Gesamtinvestitionsvolumen der auslandskontrollierten Unternehmen betrug im Jahr 2007 7,6 Mrd EUR, 45% davon wurden im Bereich Realitätenwesen und Unternehmensdienstleistungen getätigt (dieser schließt die investitionsintensiven Bereiche des Realitätenwesens und der Vermietung beweglicher Sachen mit ein). Den zweitgrößten Anteil trug der Abschnitt der Sachgütererzeugung mit rund 30% oder 2,3 Mrd EUR bei. Bedeutendster Teilbereich war die Herstellung von Chemikalien und chemischen Erzeugnissen (ÖNACE 24) mit rund 0,5 Mrd EUR oder knapp 7% der gesamten Sachinvestitionen in auslandskontrollierten Unternehmen. Der exakt selbe Betrag wurde 2007 übrigens in der Nachrichtenübermittlung (ÖNACE 64) investiert.
4.1.2 Auslandskontrollierte Unternehmen nach dem Land der Kontrolle
Die bestimmenden Unternehmenszentralen für österreichische Unternehmen unter ausländischer Kontrolle (Tabelle 4) sitzen in erster Linie
in Deutschland (in 42% der Fälle),
in der Schweiz (13%),
in den Niederlanden, in Italien und den USA (jeweils knapp 6%),
im Vereinigten Königreich (4%) und
in Frankreich (3%).
Nach den Beschäftigungsanteilen ergibt sich eine nur geringfügig andere Länderreihung mit leicht abweichenden Prozentanteilen: Deutschland (49%), Schweiz (10%), USA (9%), Niederlande und Italien (5,2% bzw. 4,7%), Vereinigtes Königreich und Frankreich (jeweils knapp 3%).
Insgesamt 71% der auslandskontrollierten Unternehmen wurden von Konzernzentralen in der EU gesteuert, von den 29% der Zentralen in Nicht-EU-Ländern saßen drei Viertel in der Schweiz, in Liechtenstein oder den USA.
Die durchschnittlich größten österreichischen Töchter besaßen kanadische Konzernmütter (mit durchschnittlich 259 Beschäftigten je Unternehmen), vor Konzernmüttern aus Bermuda und Südafrika (176 bzw. 163 Beschäftigte je Unternehmen, allerdings bei jeweils geringer Fallzahl) und Finnland (129 Beschäftigte je kontrollierten Unternehmen). Die umsatzstärksten (gemessen am Umsatz pro Unternehmen) Tochterunternehmen liefen unter arabischer (Vereinigte Arabische Emirate – VAE) bzw. kanadischer Flagge, die höchste Wertschöpfung je Beschäftigten lieferten jene unter VAE, südafrikanischer, italienischer, australischer und japanischer Kontrolle.
Die laut IWF und OECD zu den sogenannten Offshore-Finanzzentren gezählten Länder nehmen mit Ausnahme von Liechtenstein als Standort für österreichische Unternehmen kontrollierende Konzernzentralen keine ausgeprägte Stellung ein.
4.1.3 F&E-Aktivitäten der auslandskontrollierten Unternehmen
Anhand der Daten aus der Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung 2007 wurden insgesamt 459 auslandskontrollierte Unternehmen in den ÖNACE-Abschnitten C–K identifiziert, die im Berichtsjahr 2007 firmeneigene F&E-Aktivitäten betrieben.16) Ihre Gesamtaufwendungen für diesen Bereich betrugen knapp 2,6 Mrd EUR; zugleich wurden von ihnen rund 19.000 Personen überwiegend für F&E-Aufgaben herangezogen. Das bedeutet, dass in diesen Unternehmen im Jahresdurchschnitt jede achte Person mit Forschung und experimenteller Entwicklung betraut war (Tabelle 5).
An den gesamten F&E-Ausgaben des Unternehmenssektors 2007 hatten die auslandskontrollierten Unternehmen einen Anteil von mehr als 50% (genau: 53,5%), obwohl sie nur 18% der F&E-betreibenden Unternehmen ausmachten. Der Anteil an den F&E-Beschäftigten betrug 40% nach Beschäftigungsverhältnissen bzw. 46% nach Vollzeitäquivalenten gerechnet.
Die am stärksten auslandsdominierten Branchen in Bezug auf die Forschungsausgaben17) waren der Bergbau und die Gewinnung von Steinen und Erden (ÖNACE-Abschnitt C) mit einem Anteil von 91%, die Herstellung von Chemikalien und chemischen Erzeugnissen (86%), der Fahrzeugbau (81%) und die Herstellung von Büromaschinen etc. mit 73% (Sachgütererzeugung insgesamt: 63%). Die Anteile bei den Beschäftigten fielen durchwegs etwas geringer aus (Ausnahmen: Herstellung und Bearbeitung von Glas, Herstellung von Waren aus Steinen und Erden; Herstellung von sonstigen Erzeugnissen, Rückgewinnung; Bauwesen), was die überdurchschnittliche F&E-Ausgabenintensität in den auslandskontrollierten Unternehmen unterstreicht.
Die höchsten Beiträge zu den auslandskontrollierten F&E-Ausgaben lieferten die Herstellung von Büromaschinen etc. mit mehr als einem Drittel (37%), der Fahrzeugbau mit 16% und die Herstellung von Chemikalien und chemischen Erzeugnissen mit 14%. Die Sachgütererzeugung war somit in Summe für 83% der gesamten in auslandskontrollierten Unternehmen getätigten F&E-Ausgaben verantwortlich.
4.2 Auslandstöchter von in Österreich ansässigen Unternehmen (Outward-FATS)
Neben ihren inländischen Tätigkeiten erwirtschafteten in Österreich ansässige Unternehmen durch ihre ausländischen Töchter im Jahr 2007 Umsätze im Wert von 178 Mrd EUR (dies entsprach 29% des heimischen Umsatzes der Unternehmen der ÖNACE-Abschnitte C–K). In den knapp 4.300 ausländischen Tochterunternehmen waren dabei rund 760.000 Personen beschäftigt (das heißt rund eineinhalb Mal so viele wie in den auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich; siehe Tabelle 7).
Geografisch waren diese hauptsächlich in den EU-Ländern zu finden, wobei hier vor allem die „neuen Mitgliedsländer“ eine zentrale Rolle spielen (Tabelle 8):
Rumänien, Ungarn und die Tschechische Republik, in denen jeweils rund 11% der „Auslandsbeschäftigten“ tätig waren (entspricht jeweils etwas mehr als 80.000 Jobs),
Deutschland mit 9% der Beschäftigten,
Polen mit 6%,
und die Slowakei mit 5% der Beschäftigten in Tochtergesellschaften heimischer Unternehmen im Ausland.
Insgesamt wurden Auslandstöchter in 81 Staaten gemeldet, davon für 55 Länder außerhalb der EU. In den Mitgliedstaaten der EU befanden sich rund 70% der österreichischen Auslandsbeteiligungen und 71% der Auslandsbeschäftigten.
Außerhalb der EU waren österreichische Unternehmen mit ihren Mehrheitsbeteiligungen ebenfalls vor allem im Osten engagiert, und zwar in der Ukraine mit 5% aller Auslandsbeschäftigten, in Russland und Kroatien mit jeweils 4%.
Für die Länder Europas ergibt sich daher ein Anteil von 86% an den kontrollierten österreichischen Auslandsbeteiligungen (90% der Beschäftigten); die Länder Amerikas und Asiens kommen auf einen Anteil von jeweils 6,3% der Einheiten bzw. 4,6% und 4% der Beschäftigen; in Ozeanien und Afrika befanden sich jeweils etwas mehr als 0,5% der Auslandstöchter (Beschäftigte: 0,8% und 0,4%). Unter den überseeischen Gebieten erreichten somit nur die Auslandstöchter in den USA mit etwas mehr als 3% der Beschäftigten (3,5% der Unternehmen) eine nennenswerte Größenordnung.
Die für manche EU-Länder bedeutsame Kategorie der sogenannten Offshore-Finanzzentren, eine von IWF, Eurostat und EZB verwendete Gruppierung von Ländern mit besonderen Besteuerungsregelungen, fällt in der österreichischen Outward-FATS-Statistik (wie in der Inward-FATS-Statistik; siehe Abschnitt 4.1.2) kaum ins Gewicht. In diesen Ländern angesiedelte Auslandstöchter umfassten im Jahr 2007 lediglich knapp 3% der Einheiten, 2% der Umsätze und nur 0,3% der gemeldeten Beschäftigten.
Die höchste durchschnittliche Unternehmensgröße erreichten österreichische Auslandsunternehmenseinheiten im Jahr 2007 in der Ukraine (durchschnittlich 629 Beschäftigte je Unternehmen), in Weißrussland (596 Beschäftigte), Rumänien (539 Beschäftigte) und, bereits mit deutlichem Abstand, in Russland (344 Beschäftigte je Unternehmen).
Nach Wirtschaftsbranchen betrachtet waren österreichische Unternehmen über ihre ausländischen Mehrheitsbeteiligungen im Jahr 2007 vor allem im Kreditwesen (18%, gemessen an der Beschäftigung), im Einzelhandel (ohne Kfz-Handel und Tankstellen; 10%) und im Großhandel (wiederum ohne Kfz; 7% der Auslandsbeschäftigten) aktiv. Der umfassende Bereich der Sachgütererzeugung brachte es auf insgesamt 44% der Beschäftigten aller österreichischen Tochterunternehmen im Ausland, wobei die Herstellung von Büromaschinen etc. den höchsten Anteil aufwies (7%); Tabelle 7.
Die höchsten Umsätze (zu Jahresdurchschnittskursen umgerechnet in EUR) erreichten die Auslandstöchter in den Bereichen Großhandel (ÖNACE 51) mit 33 Mrd EUR, Einzelhandel (ÖNACE 52) mit 14 Mrd EUR, Kfz-Handel; Reparatur von Kfz; Tankstellen (ÖNACE 50) und Maschinenbau (ÖNACE DK) mit jeweils 11 Mrd EUR und Herstellung von Chemikalien und chemischen Produkten (ÖNACE DG) mit 10 Mrd EUR. Hier wären jedoch neben der Problematik, dass sich Handelsumsätze nicht mit Umsätzen in anderen Wirtschaftsbereichen vergleichen lassen, auch die unterschiedlichen Preisniveaus in den einzelnen Ländern zu berücksichtigen.
Bei den Auslandsaktivitäten inländischer Unternehmenseinheiten kann eine zusätzliche Unterscheidung getroffen werden; danach, ob diese Unternehmenseinheiten „echt“ österreichische Unternehmen sind oder selbst wiederum unter ausländischer Kontrolle stehen. Schränkt man das Beobachtungsspektrum auf die „echt“ österreichischen Unternehmen ein (das heißt die im Inland ansässigen Unternehmen, die nicht unter ausländischer Kontrolle stehen), so reduzieren sich für das Jahr 2007 die insgesamt rund 4.300 Auslandstöchter auf 2.900 (= 68%), bei den Beschäftigten ergibt sich eine entsprechende Verringerung um 280.000 auf 479.000 (= 63%). Bei der Branchenstruktur unter den ausländischen Töchtern (nach den Beschäftigten) geht damit vor allem eine Verschiebung vom Handel (fällt von einem Anteil von 17,2% auf 11,7%) hin zum Kreditwesen (steigt von 17,9% auf 22,0%) einher.
5 Exkurs: Beschäftigungsdaten in der Direktinvestitions- und in der Auslandsunternehmenseinheiten-Statistik
Seit mehr als 20 Jahren veröffentlicht die OeNB Daten zur Beschäftigung bei Direktinvestitionsunternehmen. Mit der Auslandsunternehmenseinheiten-Statistik tritt nun eine neue Statistik neben die bisher bestehende. Daher erscheint es notwendig, den Zusammenhang zwischen den beiden Statistiken zu erläutern.
Während der Begriff des Beschäftigten in beiden Erhebungen identisch ist, bestehen drei wesentlichen Unterschiede hinsichtlich der Erfassung:
Die DI-Statistik erfasst grenzüberschreitende Beteiligungen ab 10% („Einfluss auf die Unternehmensführung“), während die FATS-Statistik nur an Kontrollbeziehungen (>50%) interessiert ist.
Die DI-Statistik verwendet grundsätzlich einen „Prorata“-Ansatz, das heißt, die Beschäftigtenzahlen werden mit dem Eigentumsanteil gewichtet, während die FATS-Statistik kontrollierte Beteiligungen zu 100% berücksichtigt.
Schließlich konzentriert sich die DI-Statistik auf direkte grenzüberschreitende Beteiligungen, während die FATS-Statistik alle kontrollierten, auch die indirekten Beteiligungen einbezieht.
Mengenmäßig stellen sich die Zusammenhänge im Bereich der Outward-FATS-Statistik im Berichtsjahr – wie Tabelle 9 zeigt – dar.
Die Direktinvestitionsstatistik des Jahres 2007 berichtet von 573.300 Beschäftigten bei österreichischen Direktinvestitionsunternehmen im Ausland (siehe Fußnote 4). Bei der Ermittlung der Beschäftigtenzahl laut FATS-Statistik bleiben zunächst 37.700 Beschäftigte in Minderheitenbeteiligungen außer Betracht. Dafür erhöht der Verzicht auf die Gewichtung die Beschäftigtenzahl bei direkt kontrollierten Töchtern auf 595.700 Personen. Die Anzahl an Beschäftigten in indirekt kontrollierten Beteiligungen im Ausland beläuft sich auf 163.700 (gewichtet auf 143.900) Personen, zusammen ergibt sich daher für die österreichische FATS-Statistik ein Wert von etwa 760.000 Beschäftigten.
Für die Erstellung der europäischen FATS-Statistik sind alle jene Auslandsbeteiligungen außer Acht zu lassen, die sich nicht im Besitz genuin österreichischer Investoren befinden; sie werden entweder im Sitzland des Konzerns, oder aber gar nicht berücksichtigt, falls es sich um außereuropäische Konzerne handelt. Durch diese Einschränkung entfallen etwa 40% aller Beschäftigten und es verbleiben 480.000 Beschäftigte österreichischer Konzerne im Ausland. Der Großteil dieser Auslandsarbeitsplätze (345.000) findet sich bei kontrollierten Beteiligungen in anderen Mitgliedsländern der EU-27. Der Beitrag Österreichs zur Statistik der Aktivitäten europäischer Konzerne außerhalb der EU-27 beschränkt sich damit auf nur 135.000 Personen. In insgesamt sechs Nicht-EU-Staaten kontrollieren österreichische Konzerne mehr als 10.000 Arbeitsplätze – in absteigender Reihenfolge (in der Ukraine, in Russland, Serbien, Kroatien, in den USA und schließlich in China).
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