Trotz massiver Direktinvestitionen österreichischer Investoren im Jahr 2008 – es handelte sich um mehr als 20 Mrd EUR – war der Bestand zum Jahreswechsel 2008/09 mit 106,8 Mrd EUR nur um 5,6% höher als im vorangegangenen Jahr. Bewertungsverluste aus Kursänderungen an der Börse, Wechselkursänderungen und buchhalterischen Abschreibungen „kosteten“ etwa 14 Mrd EUR an Unternehmenssubstanz, das waren immerhin etwa 15% des Gesamtwerts. Die jüngste Erhebung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zum Stand der Direktinvestitionen zeigt jedoch, dass sich die übrigen Parameter im Jahr 2008 noch sehr dynamisch entwickeln. 1.149 österreichische Investoren hielten zum Stichtag 31. Dezember 2008 Anteile an 4.082 ausländischen Unternehmen, das waren um 494 oder 13% mehr als im Jahr 2007 – einen derart starken Zuwachs hatte es bisher noch nicht gegeben. Eine noch nie dagewesene Zunahme verzeichnet die Statistik auch bei der Anzahl der Arbeitsplätze in den ausländischen Tochterfirmen; diese stieg um mehr als 100.000 (+18%) auf mittlerweile 675.000.
Deutschland, wertmäßig und im Hinblick auf die Anzahl bestehender Beteiligungen nach wie vor die Top-Destination der österreichischen Direktinvestitionen, stand auch 2008 im Vordergrund des Interesses und konnte seine Spitzenposition ausbauen. 50 zusätzliche Beteiligungen, 17.000 zusätzliche Arbeitsplätze und ein Wertzuwachs von 1,4 Mrd EUR sind ein klarer Beleg für wirtschaftliche Attraktivität. Daneben hat sich die Region Zentral-, Ost- und Südosteuropa, einschließlich der in den Jahren 2004 und 2007 beigetretenen EU-Mitgliedsländer, als Fokus industriellen Auslandsengagements bestätigt. In der Tschechischen Republik verzeichnet die Erhebung 42 neue Beteiligungen mit 7.400 zusätzlichen Beschäftigten und einem Wertzuwachs von 1 Mrd EUR. Ähnlich das Bild in Rumänien, wo mit 36 zusätzlichen Beteiligungen 8.900 zusätzliche Arbeitsplätze und ein Wertzuwachs von 0,5 Mrd EUR verbunden waren. Nicht immer stimmen aber sämtliche Indikatoren überein. So zeigt die Erhebung in Kroatien 35 neue Beteiligungen mit 7.500 zusätzlichen Beschäftigten, oder in der Ukraine eine Beschäftigungsausweitung um 15.000 Personen, während der Wert der Direktinvestitionen um 1,4 bzw. 1,2 Mrd EUR gefallen ist.
Zur Branchengliederung ist anzumerken, dass diese mit dem Berichtsjahr 2008 auf die neue Klassifikation gemäß ÖNACE 08 umgestellt wurde. Diese im internationalen Gleichklang erfolgte Umstellung trägt den Gegebenheiten des aktuellen Wirtschaftsgeschehens Rechnung, indem sie die Dienstleistungen genauer klassifiziert und beispielsweise einen Abschnitt „Information und Kommunikation“ geschaffen hat, der sich bei den Direktinvestitionen durch eine besonders dynamische Entwicklung auszeichnet.
Nahezu 45% des investierten Direktinvestitionskapitals liegen im Finanz- und Versicherungswesen, das auch reine Besitzgesellschaften (Holdings ohne Managementfunktion) beinhaltet. In dieser Branche war 2008 ein deutlicher Rückgang um 2,5 Mrd EUR zu verzeichnen. Zweitwichtigste Branche ist der Handel, auf den gut 10% des investierten Kapitals entfallen. Starke Zunahmen gab es 2008 bei den professionellen Dienstleistungen (die auch Managementholdings bzw. „headquarters“ enthalten), im erwähnten Informations- und Kommunikationssektor, in der Chemieindustrie und im Bauwesen. Betrachtet man die Beschäftigtenzahlen, so stehen ebenfalls das Finanzwesen und der Handel mit Anteilen von 25% bzw. 17% an der Spitze. Allerdings expandiert der Finanzsektor hier mit nahezu 18.000 zusätzlichen Beschäftigten sehr stark. Dieser Sektor wird nur vom Handel (+18.000) und von der Bauwirtschaft (+20.000) übertroffen.