Bericht

Licht am Ende des Tunnels? (Statistiken Q4/10)

Direktinvestitionen im ersten Halbjahr 2010

Wien, 28. 10. 2010 (Mag. Dr. René Dell’mour)

Im Verlauf des ersten Halbjahres 2010 haben heimische Direktinvestoren etwa 4,6 Mrd EUR in ihre Auslandsbeteiligungen investiert, ein Betrag, der dem Gesamtergebnis des Jahres 2009 entspricht. Umgekehrt haben ausländische Geldgeber die finanzielle Basis ihrer österreichischen Beteiligungen im selben Zeitraum sogar um 10,4 Mrd EUR aufgestockt. Stärkere Zuflüsse als in diesem Semester hat die Statistik erst ein einziges Mal verzeichnet. Zumindest auf den ersten Blick scheint das Tief bei grenzüberschreitenden Unternehmensbeteiligungen überwunden zu sein.

 
Ein Blick auf die Details der Statistik zeigt jedoch, dass große Vorsicht bei der Interpretation der Daten geboten scheint. So entfallen bei den aktiven Direktinvestitionen weniger als 2 Mrd EUR tatsächlich auf Eigenkapitalzuschüsse. Rund 1,2 Mrd EUR der Direktinvestitionen sind deutlich volatilere Konzernkredite, die auch Zahlungsziele für konzerninterne Leistungen umfassen. Die reinvestierten Gewinne in Höhe von 1,5 Mrd EUR beruhen auf der Annahme wieder ansteigender Erträge.


Bei den passiven Direktinvestitionen erfolgte der Großteil (8,4 Mrd EUR) tatsächlich in Gestalt von Eigenkapitaltransaktionen. Allerdings steht fast der gesamte Betrag im Zusammenhang mit Restrukturierungsmaßnahmen eines einzigen Konzerns. Kreditgewährungen spielen mit 0,6 Mrd EUR eine geringere Rolle, aber die Reinvestitionen von 1,5 Mrd EUR unterstellen auch hier eine verbesserte Ertragslage der Konzerne.


Eine zurückhaltende Interpretation der Semesterergebnisse ergibt sich auch bei Betrachtung der Anzahl der gemeldeten Investitionen. 400 Projekte im Ausland sind deutlich weniger als 640 im Vergleichssemester des Vorjahres – auch wenn man berücksichtigt, dass erfahrungsgemäß mit einer gewissen Anzahl an Nachmeldungen zu rechnen ist. 170 Fälle von Eigenkapitalzufuhren aus dem Ausland im ersten Halbjahr sind hingegen ein durchschnittliches Resultat. In beiden Richtungen sind vor allem jene Investoren tätig, die sich seit Jahren grenzüberschreitend engagieren und offensichtlich eine langfristige Strategie verfolgen.


Betrachtet man die Ergebnisse nach den Zielländern der Direktinvestitionen, so zeigt sich, dass die führenden Destinationen Südafrika und Cayman Islands vor allem von konzerninternen Finanzierungen betroffen sind, bei den Eigenkapitaltransaktionen führen die Russische Föderation und Rumänien mit jeweils 0,25 Mrd EUR, vor Kroatien, Deutschland, Zypern und dem Vereinigten Königreich, wo jeweils mehr als 100 Mio EUR investiert wurden. Bei der Herkunft der ausländischen Direktinvestitionsmittel dominieren Deutschland und Italien mit einer Zufuhr von Eigenkapital in Höhe von +6,0 Mrd EUR bzw. +2,0 Mrd EUR. Die erheblichen Zuwächse im Vereinigten Königreich (+2,9 Mrd EUR) und in den Niederlanden (+0,8 Mrd EUR) bzw. die Desinvestitionen der USA (–1,4 Mrd EUR) und Frankreichs (–1,1 Mrd EUR) resultieren überwiegend aus der Umschichtung konzerninterner Kreditfinanzierungen.

 

Die Branchenanalyse ergibt, dass 80% der passiven Direktinvestitionen auf den Bankensektor und jeweils weitere 8% auf Holdinggesellschaften und den Telekommunikationssektor entfallen. Aktivseitig führen die Holdinggesellschaften als Investoren, denen 40% der aufgewendeten Mittel zuzurechnen sind, vor den Handelsfirmen (40%) und den Banken (8%).



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