Die Internationale Vermögensposition 2) Österreichs wurde auch im Jahr 2002 maßgeblich durch das ungünstige Konjunkturumfeld und die anhaltende Unsicherheit auf den Kapitalmärkten beeinflusst. Dies trifft vor allem auf von Inländern gehaltenes Risikokapital im Ausland zu, das durch Umschichtungen zugunsten festverzinslicher Wertpapiere und durch Kursverluste gekennzeichnet war. Darüber hinaus trug der Anstieg des Euro gegenüber den wichtigsten Weltwährungen zu Wertverlusten bei in Fremdwährung gehaltenem Vermögen bei.
Im Jahr 2002 sind sowohl das Auslandsvermögen als auch die Auslandsverpflichtungen deutlich weniger gestiegen als in den drei vorangegangenen Jahren. Die Auslandsaktiva erhöhten sich zum 31. Dezember 2002 gegenüber dem Jahr 2001 um 4% oder 12,4 Mrd EUR, die Auslandspassiva um 2% oder 6,9 Mrd EUR. Österreichs Forderungen gegenüber dem Ausland in Höhe von 316,4 Mrd EUR standen zum Berichtsstichtag Verbindlichkeiten in Höhe von 364,5 Mrd EUR gegenüber (siehe Tabelle 1a).
Bericht
Internationale Vermögensposition Österreichs im Jahr 2002 (Berichte und Studien 4/2003)
1 Überblick

Eine strukturelle Analyse der grenzüberschreitenden Vermögenswerte macht deutlich, dass die Dominanz der Portfolioinvestitionen im Jahr 2002 sowohl aktiv- als auch passivseitig noch deutlicher ausfiel als im Vergleichsjahr: Der Anteil dieses Finanzierungsinstruments betrug 46% am gesamten Auslandsvermögen und 59% an den Auslandsverbindlichkeiten. Die bereits im Jahr 2001 festgestellte hohe Nachfrage nach sicheren Veranlagungen hielt im Berichtsjahr an: Mehr als 80% des grenzüberschreitenden Wertpapiervermögens war zum 31.12.2002 in Rentenwertpapieren veranlagt.
Die anhaltende Konjunkturschwäche sowie Unsicherheiten auf den Finanzmärkten haben die Bereitschaft der Investoren zu grenzüberschreitenden Veranlagungen merkbar geschmälert: Die seit dem Beitritt Österreichs zur Währungsunion 1999 stark gestiegene Internationalisierungsquote, die den Prozentanteil der grenzüberschreitenden Vermögenswerte im Verhältnis zur gesamten Wirtschaftsleistung Österreichs darstellt, verzeichnete per Ende 2002 aktivseitig einen geringen Anstieg um 3 Prozentpunkte auf 146% des BIP, während der entsprechende Indikator auf der Passivseite mit 168% sogar stagnierte (siehe Tabelle 2). In den konjunkturell günstigeren Jahren 1999 und 2000 war noch ein beiderseitiger Anstieg der grenzüberschreitenden Finanzverflechtung um durchschnittlich 25 Prozentpunkte festgestellt worden.
Die traditionell negative Nettovermögensposition Österreichs, die sich als Differenz der finanziellen Forderungen Österreichs abzüglich der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland errechnet, verringerte sich gegenüber dem Vergleichsjahr von -53,7 auf rund ?48,1 Mrd EUR. Diese Entwicklung ist auf zwei Ursachen zurückzuführen: Einerseits trat Österreich gegenüber dem Ausland im Jahr 2002 erstmals seit zehn Jahren wieder als Nettokapitalexporteur auf, wodurch sich der negative Saldo transaktionsbedingt verringerte. Andererseits führten Wechselkurseffekte infolge stetiger Wertverluste der wichtigsten Weltwährungen (US-Dollar, Britisches Pfund, Yen) gegenüber dem Euro zu einer deutlichen Reduktion österreichischer Fremdwährungsverbindlichkeiten, woraus insbesondere die inländischen Geschäftsbanken, die einen beträchtlichen Teil ihrer Finanzierung in Fremdwährung abwickelten, Vorteile zogen. Die während des Jahres 2002 verzeichneten Wertpapierkursverluste an den internationalen Börsen minderten die Finanzforderungen österreichischer Anleger im Ausland deutlich, während die Verpflichtungen Österreichs infolge der vergleichsweise günstigen Entwicklung der inländischen Wertpapiermärkte durch Preiseffekte kaum beeinflusst wurden. Das Ausmaß dieser nicht-transaktionsbedingten Veränderung der österreichischen Nettovermögensposition ist mit rund 40% zu beziffern (siehe Tabelle 3).
Die Struktur der Veranlagungsinstrumente zeigt, dass die Veränderung der österreichischen Nettovermögensposition neben einem geringeren Negativsaldo im Bereich der Direktinvestitionen vor allem durch höhere Nettoforderungen aus dem grenzüberschreitenden Kredit- und Einlagengeschäft (Sonstige Investitionen) zu erklären ist. Die Nettoverbindlichkeiten aus Portfolioinvestitionen haben sich gegenüber dem Vergleichsjahr hingegen leicht erhöht.
Eine Gliederung jener grenzüberschreitenden Vermögenswerte, die eine definierte Laufzeitzeit aufweisen, zeigt zum Stichtag 31. Dezember 2002 einen an der ursprünglichen Laufzeit gemessenen Anteil des kurzfristigen Auslandsvermögens der Österreicher von 31% gegenüber rund 37% Ende 2001 (siehe Tabelle 5). Auf der Passivseite wurde ebenfalls eine Reduktion des Anteils von 37 auf 35% festgestellt. Ein besonders hohes Ausmaß langfristiger Veranlagungen war sowohl aktiv- als auch passivseitig im Bereich Portfolioinvestitionen (je rund 95%) festzustellen. Grenzüberschreitende Kredite und Einlagen wiesen hingegen zum überwiegenden Teil Laufzeiten von weniger als einem Jahr auf: Aktivseitig erreichten die kurzfristigen Veranlagungen einen Anteil von 58%, passivseitig sogar 93% (siehe Tabelle 5). Der signifikante Überhang kurzfristiger Instrumente auf der Passivseite spiegelt das übliche Verhalten der Marktteilnehmer bei normaler Zinsstruktur – wie sie im Jahr 2002 zu beobachten war – wider: Insbesondere die Kreditinstitute finanzierten sich kurzfristig und veranlagten einen Teil dieser Liquidität zu attraktiveren langfristigen Zinssätzen.
2 Das Auslandsvermögen Österreichs
Das Vermögen österreichischer Anleger im Ausland betrug zum Stichtag 31. Dezember 2002 316,4 Mrd EUR. Der Bestand an inländischen Direktinvestitionen 3) im Ausland erhöhte sich dabei gegenüber dem Vergleichszeitpunkt 2001 um 15% und betrug zum Berichtsstichtag 38,9 Mrd EUR. Dieser Zuwachs resultiert aus einem gegenüber 2001 stark ausgeweiteten Beteiligungskapital österreichischer Anleger von rund 6 Mrd EUR, das nahe an den historischen Höchstwert des Jahres 2000 heranreicht. Wechselkurs- und Preiseffekte minderten den Vermögensbestand um rund eine Milliarde EUR (siehe Tabelle 3). Portfolioinvestitionen stellten für inländische Investoren weiterhin das wichtigste Veranlagungsinstrument im Ausland dar, das zum Jahresende 2002 ein Volumen von 145,1 Mrd EUR erreichte (+14%). Während der Besitz an ausländischen Rentenwerten um 26% auf 116,3 Mrd EUR erhöht wurde, reduzierte sich der Marktwert der Anteilspapiere um 19% auf 28,8 Mrd EUR. Die Veranlagung in Geldmarktpapieren spielte trotz eines deutlichen Anstiegs von 1,1 auf 5,8 Mrd EUR eine untergeordnete Rolle. Auf Kredite, Einlagen und sonstige Forderungen Österreichs gegenüber dem Ausland entfielen zum Berichtsstichtag 120,0 Mrd EUR, was gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang um 4% entspricht. Die offiziellen Währungsreserven, die Ende 2001 17,7 Mrd EUR verzeichneten, wiesen am 31.12.2002 einen Marktwert von 12,4 Mrd EUR auf (?30%), wobei das Volumen an ausländischen Wertpapieren von 9,4 auf 5,8 Mrd EUR sank.

Eine Gliederung nach Anlageregionen zeigt, dass dem Euroraum mit einem Anteil von 45% des investierten Vermögensbestands die größte Bedeutung zukommt. Vor allem Wertpapiere des Euroraums fanden in Österreich großen Absatz und erreichten zum 31.12.2002 einen Marktwert von 90,3 Mrd EUR, wobei mehr als 80% davon auf Rentenwerte entfielen (siehe Tabelle 4). Der in österreichischem Besitz befindliche Bestand an US-amerikanischen Wertpapieren belief sich zum Berichtsstichtag hingegen nur auf 15,8 Mrd EUR, auf Zentral- und Osteuropa entfielen 4,6 Mrd EUR. Das Auslandsvermögen der Österreicher in Form von Einlagen und Krediten war hingegen gemessen am Marktwert zu zwei Drittel in Ländern außerhalb des Euroraums veranlagt. Nahezu die Hälfte der im Euroraum investierten Forderungen aus Sonstigen Investitionen war dem deutschen Finanzmarkt zuzurechnen (20,5 Mrd EUR). Für österreichische Direktinvestoren war im Jahr 2002 sowohl hinsichtlich des Vermögensbestands als auch der Neuinvestitionen Zentral- und Osteuropa die bestimmende Anlageregion: Der Marktwert des insgesamt investierten Direktinvestitionskapitals im Ausland in Höhe von 38,9 Mrd EUR war zu 38% in den Zentral- und Osteuropäischen Ländern veranlagt, gefolgt vom Euroraum (27%) und den USA mit 7% (siehe Tabelle 4).
Eine sektorale Betrachtung des Auslandsvermögens weist die Kreditinstitute mit 145,2 Mrd EUR und den sonstigen Sektor 4) mit 142,6 Mrd EUR zum Ultimo 2002 als größte Gläubiger gegenüber dem Ausland auf; Beide Sektoren hielten je rund 45% des gesamten Auslandsvermögens (siehe Tabelle 6). Der Forderungsbestand der Banken aus Sonstigen Investitionen (Kredite, Einlagen und sonstige Forderungen) erreichte zum Jahresende 2002 91,6 Mrd EUR oder 63% aller Forderungen und stellte damit deren wichtigstes Veranlagungsinstrument dar. Während Kredite überwiegend langfristig vergeben wurden, betrug der kurzfristige Anteil bei den Sicht- und Termineinlagen mehr als 80%. Auch ausländische Rentenwerte waren mit 43,3 Mrd EUR oder rund 30% aller Auslandsforderungen im Portefeuille der Banken stark gewichtet.
Die Aktiva des öffentlichen Sektors lagen zum Berichtsstichtag 31.12.2002 mit 4,9 Mrd EUR um 21% über dem Vergleichswert 2001. Davon entfielen 2,5 Mrd EUR auf Kredite, Einlagen und sonstige Forderungen sowie 2,1 Mrd EUR auf festverzinsliche Wertpapiere. Das Auslandsvermögen des sonstigen Sektors wurde zu nahezu zwei Drittel von Wertpapieren bestimmt, deren Marktwert zum 31.12.2002 88,8 Mrd EUR betrug, wobei Rentenwerte mit einem Anteil von 71% dominierten. Die institutionellen Anleger stellten innerhalb des sonstigen Sektors mit einem Anteil von über 54% die größte Gläubigergruppe dar, gefolgt von den Unternehmen (40%) und privaten Haushalten (6%). Die Auslandsforderungen der OeNB verringerten sich von 24,5 auf 23,8 Mrd EUR.
3 Die Auslandsverpflichtungen Österreichs
Dem Auslandsvermögen Österreichs in Höhe von 316,4 Mrd EUR standen zum Stichtag 31. Dezember 2002 Auslandsverbindlichkeiten von 364,5 Mrd EUR gegenüber. Der Marktwert der in Österreich veranlagten Direktinvestitionen lag Ende 2002 bei 40,7 Mrd EUR gegenüber 39,9 Mrd EUR per Jahresende 2001. Die Portfolioinvestitionen waren auch auf der Passivseite das mit Abstand bedeutendste Finanzierungsinstrument, das nahezu 60% oder 214,1 Mrd EUR des in Österreich investierten ausländischen Vermögens betrug (gegenüber 194,5 Mrd EUR im Vergleichsjahr). Der Bestand an österreichischen Rentenwerten im Portefeuille ausländischer Investoren erhöhte sich von 177,5 auf 195,5 Mrd EUR, jener der Anteilspapiere von 16,9 auf 18,6 Mrd EUR. Die – hinsichtlich der veranlagten Volumina unbedeutenden – Geldmarktpapiere reduzierten sich auf 5,8 Mrd EUR (?26%). Der Vermögensbestand des Auslands in Österreich in Form von Einlagen und Krediten nahm von 123,3 auf 109,7 Mrd EUR ab (-11%).

Eine regionale Betrachtung der österreichischen Verpflichtungen gegenüber dem Ausland zum 31. Dezember 2002 zeigt, dass 68% der passiven Direktinvestitions-bestände dem Euroraum zuzurechnen sind (siehe Tabelle 4). Die Verbindlichkeiten österreichischer Schuldner aus grenzüberschreitenden Krediten und Einlagen gegenüber dem Euroraum wiesen einen Marktwert von rund 44,4 Mrd EUR oder rund 40% auf, wovon 28,2 Mrd EUR auf deutsche Anleger entfielen. Anders als bei Direktinvestitionen und sonstigen Investitionen von Ausländern in Österreich, bei denen der ausländische Kapitalgeber identifizierbar ist, kann bei Portfolioinvestitionen keine durchgehend verlässliche Gliederung der Gläubiger erfasst und deshalb für Portfolioinvestitionen keine regionale Aussage getroffen werden.
Eine sektorale Gliederung der Auslandsverbindlichkeiten zeigt, dass die absolut stärkste Zunahme mit 12,3 Mrd EUR auf den öffentlichen Sektor entfiel, dessen Anteil an den gesamten Auslandsverbindlichkeiten von 25 auf 28% anstieg. Den höchsten Verpflichtungsstand wiesen wie in den vorangegangenen Jahren die Kreditinstitute auf, deren Anteil an den gesamten Auslandsverpflichtungen trotz eines Rückgangs um 8,9 Mrd EUR 48% ausmachte. Neben Wertpapieremissionen (rund 45%) waren vor allem Einlagen und Kredite (rund 50%) für die Verbindlichkeiten der Banken bestimmend. Die Verpflichtungen der sonstigen Sektoren beliefen sich zum Berichtsstichtag auf 91,1 Mrd EUR; dies entspricht einer Steigerung von 6% gegenüber dem Jahr 2001. Die Verpflichtungen der Unternehmen stiegen um 4% auf 70,7 Mrd EUR, jene der institutionellen Investoren um 9% auf 19,3 Mrd.
Längere Zeitreihen5) zur Internationalen Vermögensposition sind der Tabelle 7.1.0 des Statistischen Monatshefts der OeNB zu entnehmen, die auch im Internet hier verfügbar ist.
Die Publikation Berichte und Studien finden sie hier.
Rückfragehinweis:
Statistik-Hotline
Tel.: (+43-1) 404 20-5555
E-Mail senden
Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
Anhang
Tabelle 1a - Übersicht
Tabelle 1b - Strukturdaten der Kategorien
Tabelle 2 – Kennzahlen
Tabelle 3 - Zusammensetzung der Veränderung
Tabelle 4 - Regionalgliederung
Tabelle 5 - Laufzeitengliederung (ursprüngliche Laufzeit)
Tabelle 6 - Sektorgliederung
Tabelle 7 - Portfolioinvestitionen 2002 – Sektorgliederung
Tabelle 8 - Überleitungstabelle zu den Ergebnissen laut Direktinvestitions(DI)-Befragung 2001
1) Redaktionsschluss: 10. November 2003.
2) Die Internationale Vermögensposition stellt das zu Marktpreisen bewertete Finanzvermögen Österreichs im Ausland sowie jenes des Auslands in Österreich dar.
3) Die im Rahmen der Internationalen Vermögensposition veröffentlichten Daten über Direkt-investitionen enthalten gemäß internationalen Konventionen auch den grenzüberschreitenden Grundstücksbesitz. Die im Beiheft "Österreichs Direktinvestitionen" zum Statistischen Monatsheft 6/2003 veröffentlichten Detailinformationen über Direktinvestitionsbestände beziehen sich ausschließlich auf Unternehmensbeteiligungen; d. h. Grundstücksbesitz im Ausland ist nicht enthalten (quantitative Details siehe Tabelle 8).
4) Dieser umfasst sonstige Finanzinstitute, Unternehmen und private Haushalte
5) Kürzlich vorgenommene Verbesserungen der Datenqualität können zu Abweichungen der Daten gegenüber früheren Veröffentlichungen führen.
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