Österreichs Leistungsbilanz schloss 2006 mit einem noch nie dagewesenen Überschuss von 8,2 Mrd EUR. Damit setzte sich ein seit Jahren beobachtbarer Trend zu deren Aktivierung fort. Das Volumen der grenzüberschreitenden Kapitalströme erreichte mit 160 Mrd EUR ebenfalls einen historischen Höchstwert. Dies unterstreicht die fortschreitende Integration Österreichs in den Prozess der Globalisierung. Österreichs Veranlagungen im Ausland übertrafen mit 82 Mrd EUR jene des Auslands in Österreich, die 75 Mrd EUR erreichten. Damit trat Österreich bereits zum fünften Mal in Folge als Nettokapitalexporteur auf.
Bericht
Österreich nutzt die Chancen der Globalisierung (Statistiken Q3/07)
Die Zahlungsbilanz Österreichs im Jahr 2006
1 Trend zur Leistungsbilanzverbesserung hält an
1.1 Exporterfolge dank guter preislicher Wettbewerbsfähigkeit
1.2 Außenhandel 2006 erstmals jenseits der 100 Mrd EUR-Grenze
1.3 Österreich als Exporteur hochwertiger Dienstleistungen
1.4 Wachsende Rolle der Vermögenseinkommen
2 Österreich zum fünften Mal Kapitalexporteur
2.1 Atempause bei Direktinvestitionen?
2.2 Österreichische Anleger werden risikofreudiger
2.3 Wachsendes Interesse an heimischen Aktien führt zu ATX-Hoch
1 Trend zur Leistungsbilanzverbesserung hält an
Österreich erreichte im Jahr 2006 mit einem Leistungsbilanzergebnis von +8,2 Mrd EUR (3,2% des BIP) den bisher höchsten Leistungsbilanzüberschuss. Zu Beginn der dritten Stufe der WWU, im Jahr 1999, hatte Österreich noch ein Leistungsbilanzdefizit von 3,2% des BIP ausgewiesen. Die stetige, zuletzt sogar beschleunigte Aktivierung der Leistungsbilanz verdankt die österreichische Volkswirtschaft vor allem einer markanten Verbesserung der Wettbewerbsposition innerhalb der WWU. Begünstigt wurde das erfreuliche Ergebnis durch ein hohes Wachstum der Weltwirtschaft und des Welthandels. Wie die Welthandelsorganisation kürzlich mitteilte,1) ist der Welthandel 2006 real doppelt so stark gewachsen wie das Sozialprodukt. Gemessen in US-Dollar stiegen die Güterexporte nominell um 15%, die Dienstleistungsexporte um 11%.
1.1 Exporterfolge dank guter preislicher Wettbewerbsfähigkeit
Österreich mit seiner Tradition der Hartwährungspolitik gehört – ähnlich wie Deutschland – zu den Ländern, die einen erfolgreichen Policy-Mix für die Außenwirtschaftspolitik gefunden haben. Dank einer moderaten Lohn- und Preispolitik in Verbindung mit Produktivitätsgewinnen stiegen die Lohnstückkosten Österreichs seit 1999 kumuliert um 6,9 Prozentpunkte weniger stark als der Durchschnitt des Euroraums (besser war hier nur der „Exportweltmeister“ Deutschland mit einem Wert von 9,7 Prozentpunkten unter dem Euroraum-Durchschnitt).2) Daraus ergibt sich eine verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des Euroraums, die z. B. am Verbraucherpreisindex abgelesen werden kann: Die Preise stiegen in Österreich seit 1999 um 2,8 Prozentpunkte schwächer als im Durchschnitt des Euroraums (besser waren nur Deutschland: –4,4 und Finnland: –3,9).

1.2 Außenhandel 2006 erstmals jenseits der 100 Mrd EUR-Grenze
Gegenüber dem Jahr 2005 hat sich die Leistungsbilanz um 3 Mrd EUR verbessert. Dies war vor allem dem mit Abstand wichtigsten Einzelposten der Leistungsbilanz, dem Außenhandel, zu verdanken: Beinnahe zwei Drittel des Zuwachses beim Leistungsbilanzüberschuss stammten aus dem Warenhandel. Die Güterexporte Österreichs nahmen laut Außenhandelsstatistik 2006 um 12,7% auf 106,8 Mrd EUR zu. Sie stiegen damit deutlich stärker als die Importe (+10,8% auf 106,9 Mrd EUR).

Unangefochten wichtigster Handelspartner Österreichs blieb Deutschland mit einem Anteil am Exportvolumen von rund 32% und einem Importanteil von 42%. Der Anteil der Länder Zentral-, Ost- und Südosteuropas stieg zwischen 1992 und 2006 exportseitig von 11,6% auf 19,8% und importseitig von 7,3% auf 15,1%, wobei sich die Dynamik von den unmittelbaren Nachbarländern in jüngster Vergangenheit weiter nach Osten bzw. Südosten verschoben hat. Der daraus resultierende Handelsbilanzüberschuss wuchs im gleichen Zeitraum von 1 Mrd EUR auf 5 Mrd EUR. Herausragende Erfolge erzielten Österreichs Exporteure 2006 mit Wachstumsraten jenseits der 20 Prozent-Marke in Polen, Bulgarien, Rumänien, Russland und der Ukraine, aber auch in Irland, Griechenland und Portugal. „Problemgebiete“ waren – mit stagnierenden Exporten – das Vereinigte Königreich und China. Die stärksten Importsteigerungen gab es (abgesehen von Deutschland) gegenüber China, den OPEC-Ländern sowie anderen außereuropäischen Entwicklungsländern. Steigende Importe bei stagnierenden Exporten machten China 2006 zu jenem Land, dem gegenüber Österreich das zweitgrößte Handelsbilanzdefizit (–2,5 Mrd EUR) aufweist.3)
1.3 Österreich als Exporteur hochwertiger Dienstleistungen
Den größten Überschuss erzielte die österreichische Volkswirtschaft 2006 im Handel mit Dienstleistungen (10 Mrd EUR). An erster Stelle lag der bewährte Devisenbringer „Tourismus“. Die Einnahmen aus dem Reiseverkehr erreichten ein Niveau von 13,3 Mrd EUR, das waren 3,1% mehr als im Vorjahr (auf vergleichbarer Basis). Die Reiseverkehrsausgaben beliefen sich auf 7,4 Mrd EUR oder um 8,5% mehr als im Vorjahr. Der Überschuss des Jahres 2006 betrug daher 5,9 Mrd EUR und fiel damit etwas kleiner aus als 2005. Positive Beiträge zum guten Ergebnis lieferten vor allem der Wintertourismus und der Städtetourismus, der 2006 von der EU-Präsidentschaft Österreichs einen zusätzlichen Impuls erhalten haben dürfte. Die Regionalgliederung zeigt Deutschland auf beiden Seiten der Bilanz als führendes Partnerland. Defizite gibt es vorwiegend gegenüber den populären Mittelmeerdestinationen Italien, Kroatien, Spanien, Griechenland und der Türkei.
Das neue Erhebungssystem im Bereich des Dienstleistungshandels, das sich nun auf die Angaben der beteiligten Unternehmen und nicht mehr auf die Zahlungsverkehrsdaten der Banken stützt, erlaubt Aussagen in bisher nicht dagewesener Detailtiefe. Nach dem Wegfall bzw. der korrekten Zuordnung der „Nicht aufteilbaren Leistungen“ zeigt sich, dass Österreich die größten Überschüsse – abgesehen vom Reiseverkehr – beim Transithandel, in Forschung und Entwicklung und in den Technischen Dienstleistungen erzielt. Österreich ist offensichtlich ein wettbewerbsfähiges Know-how-Zentrum, ein Befund, der durch die – im europäischen Vergleich – hohe Quote an auslandsfinanzierter Forschung in Unternehmen bestätigt wird. Ein Drittel des Handels mit Dienstleistungen – ohne Reiseverkehr – wird mit Deutschland abgewickelt, woraus ein Überschuss von mehr als 1 Mrd EUR resultiert. Auf den Rängen 2 bis 18 liegen – mit Ausnahme der USA auf Platz 5 – ausschließlich europäische Partnerländer.
1.4 Wachsende Rolle der Vermögenseinkommen
An den Vermögenseinkommen, der dritten Hauptkomponente4) der Leistungsbilanz, lässt sich ablesen, dass Österreich seit der Freigabe des Kapitalverkehrs vor rund 15 Jahren von einem „Mauerblümchen“ zu einem ernsthaften Mitspieler im internationalen Finanzgeschehen geworden ist. Die Vermögenseinnahmen aus dem Ausland sind mit über 20 Mrd EUR heute bereits deutlich höher als die Einnahmen aus dem Reiseverkehr.

Die Einkommen aus Direktinvestitionen hatten in den späten Neunzigerjahren noch Defizite zwischen 1 Mrd EUR und 1,5 Mrd EUR verzeichnet. Durch die erfolgreiche Internationalisierung Österreichs im Zuge der Ostöffnung und eine stetige Verbesserung der Rentabilität konnte das Defizit abgebaut werden. 2006 erbrachten die Direktinvestitionen Österreichs im Ausland Erträge von 5,8 Mrd EUR, denen Gewinne ausländischer Investoren in Österreich im Umfang von 5,7 Mrd EUR gegenüberstanden. Damit war die Bilanz der Einkommen aus Direktinvestitionen zum dritten Mal in Folge positiv.
Die quantitativ wichtigste Einkommensposition sind die Portfolioeinkommen; sie determinieren das Gesamtergebnis. Bei wachsenden Eingängen und Ausgängen – einer Folge steigender Bestände an grenzüberschreitenden Forderungen und Verpflichtungen und der Anhebung des Zinsniveaus – zeigt der Nettoabgang mit 1,9 Mrd EUR gegenüber 2,2 Mrd EUR im Jahr 2005 eine leicht sinkende Tendenz.
Die Einkommen aus „Sonstigen Investitionen“, überwiegend Zinsen auf Einlagen bzw. Kredite, waren 2006 nahezu ausgeglichen. Bei anhaltenden Überschüssen im Güter- und Dienstleistungshandel und dem daraus resultierenden Abbau der derzeit immer noch passiven Vermögensbilanz Österreichs könnte aber auch das Einkommensdefizit im Zeitverlauf schrumpfen.
Die Bilanz der laufenden Transfers, die vierte Teilbilanz der Leistungsbilanz, die vor allem die Zahlungsströme zwischen der EU und Österreich, aber auch Pensionszahlungen und Gastarbeiterüberweisungen enthält, schloss wie üblich mit einem Minus (–1,1 Mrd EUR).
2 Österreich zum fünften Mal Kapitalexporteur
Der Übergang von Leistungsbilanzdefiziten zu Leistungsbilanzüberschüssen spiegelt sich auch in der Kapitalbilanz wider, wo Österreich von einem internationalen Kreditnehmer seit fünf Jahren zu einem Kapitalexporteur (2006: 7 Mrd EUR) geworden ist. Mit dem Beginn der dritten Stufe der WWU hat auch die finanzielle Integration Österreichs einen wesentlichen Impuls erhalten. 2006 erreichte das Volumen der grenzüberschreitenden Kapitalströme mit beinahe 160 Mrd EUR erneut einen historischen Höchstwert. Österreichs Neuveranlagungen im Ausland übertrafen dabei mit 82 Mrd EUR jene des Auslands in Österreich, die 75 Mrd EUR erreichten.
Die Kapitalexporte Österreichs stiegen gegenüber 2005 um mehr als ein Viertel, wobei der Großteil auf Sicht- und Termineinlagen im Ausland entfiel. Im Unterschied dazu wurden die Kapitalimporte etwa zu gleichen Teilen in Form von Wertpapierverkäufen und im Bankgeschäft abgewickelt.
2.1 Atempause bei Direktinvestitionen?
Der Nettostrom österreichischer Direktinvestitionen in das Ausland erlitt im Jahr 2006 mit „nur“ 3,3 Mrd EUR an Neuinvestitionen einen deutlichen Einbruch. Er erreichte weniger als die Hälfte des Niveaus vergangener Jahre. Gleichzeitig erreichten allerdings die Bruttoströme neue Rekordmarken, sodass man in diesem Fall eigentlich nicht von einer Atempause sprechen kann. Die Neuveranlagungen von Eigenkapital im Ausland erreichten 2006 mit 13 Mrd EUR nahezu das Doppelte des Jahres 2005, gleichzeitig sprengten aber auch die Desinvestitionen mit 12,2 Mrd EUR den üblichen Rahmen um ein Vielfaches. Immobilieninvestitionen gab es mit 240 Mio EUR im üblichen Ausmaß. Die weiterhin sehr erfreuliche Ertragslage der heimischen Auslandsbeteiligungen lässt trotz hoher Gewinnausschüttungen von 2,8 Mrd EUR auch hohe Reinvestitionen erwarten. Nach vorläufigen Schätzungen trugen die nicht entnommenen Gewinne 2006 mit 2,2 Mrd EUR erheblich zum Direktinvestitionsvolumen bei. Bescheiden war die Rolle der konzerninternen Kreditbeziehungen als Finanzierungsinstrument mit einem Volumen von 230 Mio EUR.
Die regionale Verteilung der Neuinvestitionen war 2006 sehr heterogen. Das herausragende Ereignis war der Erwerb der Aktienmehrheit der Banca Comerciala Romana (BCR) durch die Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG. Es war dies die größte Einzelinvestition in der jungen Geschichte des österreichischen Auslandsengagements. Die Rekordsumme an Investitionen in der Türkei (860 Mio EUR) ist durch den Einstieg der OMV in den türkischen Markt dominiert. Die Reorganisation der BA-CA-Beteiligungen im Zuge der Übernahme der HypoVereinsbank durch den italienischen Uni Credito hat das Jahresergebnis sehr stark beeinflusst. Der erzwungene Ausstieg aus dem polnischen Markt 2006 war die größte bisher registrierte Desinvestition, der wettbewerbsrechtlich nötige Verzicht auf die kroatische Splitska Banka (im Gegenzug für eine 2007 zu erwartende Beteiligung an der größeren Zagrebacka banka) zog auch in Kroatien einen Nettoabbau an Direktinvestitionen nach sich, und die Reorganisation beeinflusste letztlich auch den Wert für Italien. Daneben haben auch einzelne in Österreich ansässige ausländische Holdingzentralen Auslandsbeteiligungen von erheblichem Wert aufgelöst und die Erlöse an ihre Muttergesellschaften weitergeleitet, was gleichzeitig zur Reduktion aktiver sowie passiver Direktinvestitionen führte (Russland, Schweiz, Dänemark). Weniger spektakulär, aber doch erwähnenswert, ist das Engagement heimischer Investoren am Balkan. In der früheren jugoslawischen Republik Mazedonien, in Bosnien-Herzegowina und in Serbien und Montenegro erreichten die Investitionen 2006 jeweils historische Höchststände. Schließlich werden auch wieder Mittel in Firmen mit Sitz in Offshore-Finanzzentren veranlagt.

Dominierender Sektor bei den Neuinvestitionen waren Banken und Versicherungen mit mehr als der Hälfte der involvierten Volumina. Eine Vielzahl von Projekten mit einem Nettoinvestitionswert von beinahe 1 Mrd EUR in Summe ist dem Handel zuzurechnen. Ähnliche Größenordnungen erreichte der Sektor „Realitätenwesen und unternehmensbezogene Dienstleistungen“, der allerdings auch Holdinggesellschaften umfasst. Die Investitionen in der Sachgüterproduktion konzentrierten sich auf die Branchen „Chemie, Kunststoff“, „Glas und Steinwaren“ sowie „Metallwaren“. Insgesamt verzeichnete die Statistik des Jahres 2006 rund 150 inländische Investoren, die rund 400 Investitionsprojekte von mindestens 1 Mio EUR in 45 Ländern der Welt umsetzten.

Fast völlig ausgeblieben sind – in Nettobetrachtung – die passiven Direktinvestitionen. Der Nettozustrom von 200 Mio EUR war 2006 ähnlich niedrig wie 2002 und lag nahe an der statistischen Wahrnehmungsschwelle. Ausschlaggebend war das hohe Volumen an Desinvestitionen (6,4 Mrd EUR), das die Neuinvestitionen an Eigenkapital von 4,0 Mrd EUR deutlich übertraf. Unterdurchschnittlich war auch der darin enthaltene Erwerb von Immobilien durch Ausländer im Umfang von 100 Mio EUR. Die reinvestierten Gewinne erreichten trotz hoher Dividendenausschüttungen (3,6 Mrd EUR) ein Volumen von 1,2 Mrd EUR, was dem Durchschnitt der letzten Jahre entspricht. Dank der ebenfalls relativ hohen Kapitalzufuhr im Wege konzerninterner Kredite konnte der leichte Nettozustrom erzielt werden.
Größter Investor war 2006 einmal mehr Deutschland mit 2,8 Mrd EUR an Neuinvestitionen, wovon 900 Mio EUR auf nicht entnommene Gewinne entfielen. Das relativ starke Engagement Spaniens reflektiert den Einstieg der FCC S.A. (Fomentos de constructiones y contratas) beim Alpine Mayreder-Baukonzern. Die größte Einzeltransaktion war der Verkauf des Mobilfunkanbieters tele.ring durch Western Wireless (USA) an T-Mobile im Frühjahr 2006. Die Desinvestitionen betrafen neben den USA auch Dänemark und die Schweiz, was zum Teil mit den erwähnten Holdinggesellschaften zu tun hat.
2.2 Österreichische Anleger werden risikofreudiger
Im Bereich der Portfolioinvestitionen verzeichnete die Kapitalbilanz 2006 einen Rückgang der Käufe ausländischer Wertpapiere von 34 Mrd EUR auf 25 Mrd EUR. Ein nachlassendes Interesse war vor allem bei Rentenpapieren (Schuldverschreibungen und Geldmarktpapiere) zu registrieren, wo die institutionellen Investoren (Banken, Investmentfonds, Versicherungen und Pensionskassen) ihre Zukäufe deutlich reduziert haben. Mit gut 20 Mrd EUR bildeten Investitionen in Schuldverschreibungen aber nach wie vor das bedeutendste Segment der Wertpapiernachfrage.

Von den 20 Mrd EUR gingen im Berichtsjahr 11,1 Mrd EUR oder 55% in den Euroraum, an zweiter Stelle liegen die neuen EU-Mitgliedstaaten mit einem Anteil von 4,1 Mrd EUR oder rund 20%. Die Rangliste setzt sich fort mit Nettoveranlagungen im Vereinigten Königreich sowie in Dänemark und Schweden (insgesamt 1 Mrd EUR). Auf den „Rest der Welt“ entfielen 3,9 Mrd EUR an Wertpapiernettokäufen. Damit verliert der Euroraum bereits das vierte Jahr in Folge als Schuldner an Bedeutung. Parallel dazu wächst das Interesse an Emissionen jener Länder, die 2004 der EU beigetreten sind. Nach wie vor entfällt der Großteil der Veranlagungen auf Euro-Papiere (85%), aber immerhin rund 1% der neu erworbenen Schuldverschreibungen lauten auf Währungen der neuen Mitgliedstaaten (vorwiegend Polen und die Tschechische Republik). Bei Geldmarktpapieren überwogen 2006 die Verkäufe; die quantitative Bedeutung dieses Marktes ist aber gering.
Gegenläufig zu den Rentenpapieren entwickelten sich Aktien und Investmentzertifikate. Insgesamt erhöhte sich die Nachfrage nach Anteilspapieren um +37%; vom Absolutanstieg im Ausmaß von 1,7 Mrd EUR entfielen rund zwei Drittel auf Aktien und das restliche Drittel auf Investmentzertifikate. Im Jahr 2006 betrug die Gesamtveranlagung im Segment Anteilspapiere etwas mehr als 6 Mrd EUR. Nach dem Einbruch des Jahres 2001 stieg die Nachfrage nach ausländischen Investmentzertifikaten das vierte Mal in Serie und erreichte mit 4,7 Mrd EUR den zweithöchsten Wert der letzten zehn Jahre. Die Aktienkäufe zeigten im Vergleich zu 2005 eine noch stärkere Dynamik als die Investmentzertifikate, allerdings ausgehend von einem deutlich geringeren Niveau. Der Erwerb von Titeln in diesem Segment erreichte mit 1,6 Mrd EUR im Vergleich zu 2005 fast das Eineinhalbfache (0,7 Mrd EUR).
2.3 Wachsendes Interesse an heimischen Aktien führt zu ATX-Hoch
Ausländische Anleger erwarben im Jahr 2006 Wertpapiere um netto 35 Mrd EUR. Dieser Rekordwert bedeutet gegenüber 2005 ein Plus von 50%. Stabiler Kern dieser Nachfrage war und ist der Absatz langfristiger festverzinslicher Wertpapiere. Der Nettoabsatz an Schuldverschreibungen erreichte 2006 22 Mrd EUR (+25%), ein Wert, der zuletzt 2001 überschritten worden ist.

Vom Ausland wurden vor allem langfristige Bankenemissionen gekauft; dieses Segment steht für 16 Mrd EUR oder 73% des Absatzes langfristiger festverzinslicher Wertpapiere im Jahr 2006. Hier spiegelt sich eine Änderung in der Refinanzierung der Banken wider; es wurde von Einlagen (aus dem Ausland) auf Rentenpapiere umgeschichtet. Gegen den mittelfristigen Trend erhöhte sich der Absatz von Staatsschuldverschreibungen im Ausland um 1,5 Mrd EUR. Da der Staat aber 2006 – im Gegensatz zum Vorjahr – kaum Kredite im Ausland aufgenommen hat, bleibt die gesamte neue Auslandsverschuldung des Staates weiterhin rückläufig. Der gesamte Kapitalbedarf der öffentlichen Hand ist im Langzeitvergleich merklich zurückgegangen und der Auslandsanteil ist mit fast 70% hoch. Der Absatz von Corporate Bonds im Ausland spielte 2006 mit nur 800 Mio EUR eine eher untergeordnete Rolle. Das Angebot (Ausweitung des Umlaufvolumens) hat sich gegenüber dem Jahr 2005 fast halbiert.
Mit 5,5 Mrd EUR verzeichnet die Statistik auch bei Geldmarktpapieren einen Rekordabsatz, wobei die Expansion vor allem im ersten Halbjahr lag, während die Umlaufvolumina im zweiten Halbjahr zurückgingen.
Wirklich außergewöhnlich war jedoch der Absatz österreichischer Aktien im Ausland. Er betrug 6,8 Mrd EUR, und somit mehr als in den Jahren 2003 bis 2005 in Summe. Der Höhenflug des ATX spiegelt das große ausländische Interesse wider. Die Highlights des Börsenjahres 2006 aus Sicht der ausländischen Anleger waren die Kapitalaufstockungen der Erste Bank, von bwin und einer Reihe von Immobilien AGs sowie die Börsengänge von Post, Zumtobel und CAT Oil.
Der Auslandsabsatz von Investmentzertifikaten lag mit 600 Mio EUR deutlich unter dem langjährigen Mittel von mehr als 1 Mrd EUR. Gegenüber dem Ausnahmejahr 2005 (damals 3,9 Mrd EUR) ergibt sich geradezu ein Einbruch.
2.4 Markante Ausweitung bei Krediten und Einlagen
Die umfangreichsten Transaktionen gab es im eigentlichen Bankgeschäft, d. h. bei Krediten, Sicht- und Termineinlagen. Die Nettokreditvergabe an das Ausland belief sich 2006 auf 13 Mrd EUR, im Ausland wurden umgekehrt 14 Mrd EUR zusätzlich an Krediten aufgenommen. Die Einlagen im Ausland wuchsen um 39 Mrd EUR, die Einlagen des Auslands in Österreich um 25 Mrd EUR.
Nach zwei Jahren rückläufiger Entwicklung hat die Vergabe langfristiger Kredite durch Banken an Ausländer 2006 wieder zugenommen. Der Zuwachs im Neugeschäft geht vor allem auf Kredite an Kunden in Deutschland und Italien zurück, wo österreichische Banken im Massenkundengeschäft recht erfolgreich gewesen sein dürften, und auf eine Ausweitung des Leasinggeschäfts, das häufig über eigene Tochtergesellschaften abgewickelt wird. Trotz eines leichten Rückgangs bleiben die Länder Zentral-, Ost- und Südosteuropas, die nicht zur Beitrittsrunde 2004 gehörten, Schwerpunkt des Auslandsgeschäfts, wobei aber auch die „neuen Mitgliedstaaten“ einen wichtigen Auslandsmarkt darstellen.
Der deutliche Anstieg bei der Kreditaufnahme im Ausland (von 6 Mrd EUR auf 14 Mrd EUR) steht im Zusammenhang mit der Umstrukturierung des Komplexes UniCredit/HVB/BA-CA.
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Tel.: (+43-1) 404 20-6666
1) Presseaussendung vom 12. April 2007; http://www.wto.org/english/news_e/pres07_e/pr472_e.htm
2) EZB-Monatsbericht vom Februar 2007, S. 71.
3) Das größte Handelsbilanzdefizit hat Österreich regelmäßig gegenüber Deutschland (2006: –11,5 Mrd EUR).
4) Die Arbeitsentgelte sind ebenfalls Bestandteil der Leistungsbilanz, spielen aber angesichts einer Größenordnung von 1 bis 1,5 Mrd EUR nur eine untergeordnete Rolle.
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