Zwischen Jänner und September 2008 erhöhte sich der österreichische Leistungsbilanzüberschuss deutlich auf 7,6 Mrd EUR; das entsprach 3,6% des BIP in diesem Zeitraum. Die Außenwirtschaft hat damit dazu beigetragen, dass sich die Konjunktur in Österreich trotz Eintrübung des internationalen Wirtschaftsumfelds mit einem Plus entwickeln konnte. Im Jahresverlauf hat sich die außenwirtschaftliche Dynamik jedoch deutlich abgeschwächt, wovon die Ausgaben Österreichs vergleichsweise stärker betroffen waren als die Einnahmen.
Die Nettoeinnahmen aus dem Reiseverkehr entwickelten sich in den ersten neun Monaten 2008 lebhaft und auch die Güterbilanz schloss mit einem deutlichen Plus. Unternehmensbezogene Dienstleistungen erbrachten einen mäßig höheren Einnahmenüberschuss als im Vergleichszeitraum 2007. Positiv zur Entwicklung des Außenwirtschaftsergebnisses hat auch die Verringerung des Einkommensdefizits aus Vermögensveranlagungen und -finanzierungen beigetragen. Nur in geringem Ausmaß wirkten gestiegene Nettozahlungen aus Laufenden Transfers dämpfend.
Die Güterbilanz hatte in den ersten drei Quartalen 2007 von einem Defizit in einen Überschuss gedreht. Im selben Zeitraum 2008 erreichte dieser knapp 1 Mrd EUR und hat sich damit mehr als verdoppelt. Das dynamische Wachstum der Handelsströme wurde jedoch deutlich abgebremst, auf +5% bei Exporten und +4% bei Importen. Bereits seit der zweiten Jahreshälfte 2007 ist ein nachlassendes Wachstum der Auslandsnachfrage zu beobachten. Zwischen April und September 2008 beschleunigte sich dieser Trend. Die Inlandsnachfrage entwickelte sich im dritten Quartal 2008 negativ, gleichzeitig zogen die Importpreise, getrieben vom Preis für Rohöl, deutlich an.
Hauptverantwortlich für die nachlassende Auslandsnachfrage in Österreich war im Jahr 2008 der Handel innerhalb der EU. Gegenüber dem wichtigsten Wirtschaftspartner, Deutschland, wurde die Exportdynamik stark abgebremst und das Handelsdefizit ausgeweitet. Ähnlich betroffen waren die Ausfuhren in andere wichtige Partnerländer, wie Italien, das Vereinigte Königreich, Spanien und Ungarn. Im Gegensatz dazu entwickelte sich der Handel mit Frankreich und vor allem mit den neuen EU-Mitgliedstaaten Rumänien, Slowenien, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Bulgarien lebhaft.
Bei Importen aus Ländern außerhalb der EU schlug in den ersten neun Monaten 2008 der Preisauftrieb zu Buche. Die Ausfuhren in die OPEC-Staaten wuchsen weiterhin dynamisch. Das betraf auch Russland, das zu den zehn wichtigsten Handelspartnern Österreichs zählt, die Ukraine, China und die asiatischen Tigerstaaten sowie Kroatien und Serbien. Rückläufig waren hingegen die Güterausfuhren in die USA.
Die Einnahmen, die Österreich per saldo als Reiseverkehrsland lukriert, haben zwischen Jänner und September 2008 um 0,9 Mrd EUR auf 5,7 Mrd EUR zugenommen. Die Ausgaben der ausländischen Gäste entwickelten sich dynamischer als im Jahr 2007. Profitieren konnte der österreichische Tourismus von einer außergewöhnlich erfolgreichen Wintersaison (November 2007 bis April 2008). Im Juni brachte die Austragung der „Euro 2008“ in den Spielstätten ein Nächtigungsplus und auch die weitere Sommersaison (Mai bis Oktober) gestaltete sich positiv. Vor allem Hotels der gehobenen Kategorie konnten von dieser Entwicklung profitieren.
Einnahmenzuwächse verzeichnete Österreich aus dem wichtigsten Herkunftsmarkt, Deutschland, sowie aus Italien und den Niederlanden. Die höchsten relativen Zuwächse stammten aus Russland und aus den neuen EU-Mitgliedstaaten Polen, der Tschechischen Republik und Rumänien. Demgegenüber waren die Einnahmen aus Ungarn, der Schweiz und insbesondere aus den USA rückläufig.
Die Reiseverkehrsausgaben der Österreicher sind in den ersten drei Quartalen 2008 zurückgegangen; so hat sich die Anzahl der Urlaubsreisen ins Ausland verringert. Als mögliche Ursachen werden die Austragung der Fußballeuropameisterschaft in Österreich sowie die Preiserhöhung allgemein bzw. im Besonderen des Rohölpreises geortet, wodurch sich Autofahrten verteuerten. Der Rückgang betraf vor allem Deutschland und die Feriendestinationen Türkei und Kroatien. Verschiebungen des Ausgabeverhaltens sind zugunsten Griechenlands sowie – unter dem Einfluss des günstigen Euro/US-Dollar-Wechselkurses – der USA festzustellen.
Der Einnahmenüberschuss Österreichs aus unternehmensbezogenen Dienstleistungen wuchs in den ersten drei Quartalen 2008 um 0,2 Mrd EUR auf 4,4 Mrd EUR. Im Jahr 2007 war noch ein deutlicher Sprung in den Nettoeinnahmen zu verzeichnen gewesen. Das Wachstum der Leistungsströme kühlte im Verlauf des Beobachtungszeitraums zunehmend ab; 2007 hatten sich die Einnahmen aus dem Dienstleistungsverkehr noch dynamisch entwickelt.
Die Exporte der heimischen Transportwirtschaft, gemessen am grenzüberschreitenden Leistungsvolumen die nach dem Tourismus wichtigste Dienstleistungsbranche in Österreich, sowie der Bauwirtschaft wuchsen robust. Die Einnahmen aus Architektur- und technischen Dienstleistungen stagnierten, jene aus Dienstleistungen der Forschung und Entwicklung waren rückläufig. Beide Branchen sind traditionell wichtige Nettoertragsquellen in Österreich. Ebenso verringerten sich internationale Versicherungs- und Finanzdienstleistungen.
Die Exporte nach Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner, stagnierten in den ersten neun Monaten 2008. Aufgrund des gleichzeitig stabilen Importwachstums war der Einnahmenüberschuss Österreichs aus dem Nachbarland rückläufig. Im Dienstleistungsverkehr mit Italien und dem Vereinigten Königreich schrumpften die Leistungsströme. Anders als im Handel mit Gütern entwickelten sich hinge-
gen die Dienstleistungsexporte nach Ungarn dynamisch. Eine vergleichbare Entwicklung zeigt sich auch gegenüber der Tschechischen Republik und der Slowakei.
Im Dienstleistungsverkehr mit Ländern außerhalb der EU war vor allem eine positive Handelsentwicklung mit der Schweiz zu verzeichnen, dem zweitwichtigsten Absatzmarkt, weiters mit Russland, der Ukraine sowie mit Serbien. Unter dem Eindruck der
Finanzkrise war demgegenüber die Nachfrage sowohl aus den USA als auch aus Offshore-Finanzzentren rückläufig. Darüber hinaus ist zwischen Jänner und September 2008 im Dienstleistungsverkehr bereits eine Verringerung der Exporte nach China und Hongkong sowie in die Golfstaaten festzustellen. Neben negativen Auswirkungen der Entspannung des Rohölpreises auf die Auslandsnachfrage aus Erdöl exportierenden Staaten zeigen die bis Jahresende verfügbaren Wirtschaftszahlen, dass die von den USA ausgehende Finanzkrise auch auf die bislang dynamisch wachsenden Absatzmärkte in Zentral- und Osteuropa sowie in Asien übergreift. Dadurch ist zu erwarten, dass der Handel mit Gütern und Dienstleistungen im Gegensatz zu den vergangenen Jahren im Jahr 2009 per saldo negativ zum Wachstum in Österreich beitragen wird. Schätzungen der Oesterreichischen Nationalbank über die Entwicklung der Leistungsbilanz in den Monaten Oktober und November weisen darauf hin, dass sich die Exporte bereits zum Jahresende 2008 negativ entwickelten. Für das Gesamtjahr 2008 ist jedoch ein positives Exportwachstum zu erwarten.
Im Gegensatz zum Vergleichszeitraum 2007, in dem sich das Einkommensdefizit verdoppelt hatte, fiel dieses zwischen Jänner und September 2008 auf –1,9 Mrd EUR und damit auf das Niveau des Jahres 2006 zurück. Diese Entwicklung stammt zu einem Teil aus den Zinseinkommen der österreichischen Banken. Trotz der Finanzmarktturbulenzen, die jedoch erst ab September 2008 in vollem Umfang zu Tage traten, konnten die Kreditinstitute ihre Einkünfte im Vergleich zum Wachstum der Ausgaben in deutlich höherem Umfang steigern. Das Auslandszinsgeschäft wird damit für die Ertragslage der Banken immer wichtiger und hat im Beobachtungszeitraum unter anderem dazu beigetragen, den Rückgang des Provisionsgeschäfts zu kompensieren. Unterjährige Unternehmensmeldungen weisen darüber hinaus auf eine positive Ertragsentwicklung ausländischer Direktinvestitionen und damit auf steigende Dividendenerträge hin. Im Gegensatz dazu stieg im Beobachtungszeitraum das Einkommensdefizit aus Wertpapierveranlagungen, was sowohl auf Aktien als auch auf verzinsliche Finanzinstrumente zurückzuführen ist.
Das Wachstum der Einkommensströme von Grenzgängern und Saisonniers hat sich zwischen Jänner und September 2008 verlangsamt, blieb aber auf der Ausgabenseite vergleichsweise stärker. Das geht hauptsächlich auf die Einkommenszahlungen an die beiden wichtigsten Herkunftsländer für ausländische Beschäftigte in Österreich, Deutschland und Ungarn, zurück.
Aus Laufenden Transfers, einkommenswirksamen Übertragungen ohne direkte wirtschaftliche Gegenleistung, wie Steuern, Subventionen und Versicherungsleistungen, erhöhte sich das Defizit in den ersten neun Monaten 2008 geringfügig auf –1,5 Mrd EUR. Ursache ist ein Anstieg der öffentlichen Ausgaben Österreichs, unter anderem für monetäre Sozialleistungen. Wie bei den Erwerbseinkommen wuchsen Gastarbeiterüberweisungen aus Österreich rascher als die Einnahmen, am stärksten an das Hauptzielland aus österreichischer Sicht, Serbien, sowie an Deutschland. Neben Direktinvestitionen gelten diese Übertragungen als Mittel zur wirtschaftlichen Entwicklungsförderung in den Herkunftsländern der Emigranten, insbesondere kleinbetrieblicher Strukturen.1)