Bericht

Österreichische Leistungsbilanz im ersten Quartal 2009 (Statistiken Q3/09)

Wien, 30. 7. 2009 (Mag. Dr. Patricia Walter)


Im  ersten Quartal 2009 wurde für Österreich ein Leistungsbilanzüberschuss in Höhe von 3,2 Mrd EUR verzeichnet. Damit haben die Erlöse, die seit rund zehn Jahren aus der realen Außenwirtschaft per saldo erzielt werden, und im Vergleichszeitraum des Vorjahres ein Rekordergebnis erreichten, eine rückläufige Entwicklung im Ausmaß von rund einem Drittel eingeschlagen. Erste Auswirkungen der welt-weiten Wirtschafts- und Finanzkrise waren bereits im Schlussquartal 2008 zu verzeichnen, zu Jahresbeginn 2009 haben sich diese verstärkt. Das Verhältnis des Leistungsbilanzergebnisses zum BIP fiel von 7,5 % im ersten Quartal 2008 auf 4,8 %.

 
Der Handelssaldo bei Gütern kippte ins Minus (–0,8 Mrd EUR). Das Defizit aus einkommensrelevanten Transaktionen (Erwerbs- und Vermögenseinkommen, Laufende Transfers) blieb annähernd stabil (–1,4 Mrd EUR). Die Nettoeinnahmen aus dem Reiseverkehr waren, ausgehend von einem hohen Niveau im ersten Quartal 2008, rückläufig (um –0,6 auf 4,1 Mrd EUR). Der Einnahmenüberschuss aus unternehmensnahen Dienstleistungen konnte hingegen aufrechterhalten werden (1,4 Mrd EUR).


Die negative Entwicklung im Warenhandel, die im Schlussquartal 2008 eingesetzt hatte, beschleunigte sich im ersten Quartal 2009 deutlich: Die Güterexporte verringerten sich im Jahresabstand um –24 %, die Importe um –20 %. Neben dem Einbruch der Importnachfrage fielen, verursacht durch die Entspannung des Rohölpreises, auch die Einfuhrpreise. Ein Nachlassen war auch bei den Ausfuhrpreisen der heimischen Exporteure zu beobachten, was im Hinblick auf die Wettbewerbsposition Österreichs im internationalen Warenhandel positiv zu beurteilen ist.


Die mit Abstand wichtigste Produktgruppe unter den Warenausfuhren, Maschinen und Fahrzeuge, war im ersten Quartal 2009 im Vorjahresvergleich von einem Rückgang des wertmäßigen Volumens im Ausmaß von rund einem Drittel betroffen. In fast demselben, relativen Ausmaß nahmen Ausfuhren von „bearbeiteten Waren“ (Metall, Holz, Papier, Textilien) ab. Relativ geringer fielen Einbußen bei konsumnahen Fertigwaren sowie Nahrungs- und Genussmitteln aus; die Ausfuhren chemisch-pharmazeutischer Erzeugnisse entwickelten sich in Summe stabil. Die Wareneinfuhren zeigten im ersten Quartal 2009 ein ähnliches Bild, wobei ein deutlicher Rückgang bei Rohstoffen und Energie hinzukam.

 

Ein Einbruch des Handels fand nicht nur im Warenverkehr im engeren Sinn statt, sondern  betraf ebenso Ein- und Ausfuhren zum Zweck der Weiterbearbeitung (Lohnveredelung) und den Reparaturverkehr. Die Suche nach sicheren Anlageformen schlug sich hingegen in einem markanten Anstieg der Transaktionen in nicht monetärem Gold nieder.

 

Während im Schlussquartal 2008 die Güterexporte in Länder der EU-15 bereits stagniert hatten, konnte noch ein robustes Jahreswachstum im Handel mit den 2004 und 2007 beigetretenen EU-Mitgliedstaaten verbucht werden. Zu Jahresbeginn 2009 wurde hingegen der gesamte EU-Handel vom wirtschaftlichen Abschwung erfasst. Insbesondere schlug der Nachfrageeinbruch aus Deutschland, dessen Exportindustrie schwere Einbußen verzeichnete, in der österreichischen Außenwirtschaft zu Buche.

 

In den Wirtschaftsbeziehungen mit Ländern außerhalb der EU zeigt sich ebenfalls ein umfassender Abschwung. So waren die Exporte in wichtige Zielländer, wie in die Schweiz und die EWR-Staaten, die USA, nach Japan sowie in osteuropäische Länder, insbesondere nach Russland, im Jahresabstand deutlich rückläufig. Eine nachlassende Nachfrage ist auch aus Entwicklungsländern zu beobachten. Der Außenhandel mit China sowie den OPEC-Staaten erweist sich hingegen bisher als robust.

Unternehmensnahe Dienstleistungen stehen in engem Zusammenhang mit dem Austausch von Waren. Der weltweite Nachfragerückgang trifft die österreichischen Dienstleistungsexporteure jedoch mit zeitlicher Verzögerung: Der Export hatte im Schlussquartal 2008 stagniert und ist erst Anfang 2009 in ein Negativwachstum auf Jahresbasis umgeschlagen. Mit –9 % ist das Nachlassen der Auslandsnachfrage nach heimischen Dienstleistungen im Vergleich zu den Güterexporten bisher moderat. Die Importnachfrage Österreichs hat sich mit –11 % etwas stärker verringert.

 

Der Abschwung im Dienstleistungsexport hat fast alle Dienstleistungsarten erfasst, sowohl traditionelle Dienstleistungen, wie den Transport – die wichtigste Exportkategorie – Handels- und Bauleistungen, als auch Versicherungs- und Finanzdienstleistungen. In der Versicherungswirtschaft ist vor allem ein Rückgang der Nachfrage nach Lebensversicherungen, die eine Kapitalsparkomponente beinhalten, gegenüber dem ersten Quartal 2008 zu beobachten sowie bei Transaktionen in der Rückversicherung.

 

Im vielfältigen Dienstleistungsangebot Österreichs gibt es jedoch Ausnahmen vom Negativtrend. Das betrifft den Export von Dienstleistungen mit einem technischen Innovationscharakter, wozu Architektur-, Ingenieur- und sonstige technische Dienstleistungen, Leistungen der Forschung und Entwicklung sowie EDV- und Informationsleistungen zählen.

Diese Entwicklung ist auch bei den österreichischen Dienstleistungsimporten zu beobachten. 
 

Regional betrachtet hat der Nachfragerückgang bei unternehmensnahen Dienstleistungen im ersten Quartal 2009 sowohl Länder der EU-15 als auch der ersten EU-Beitrittsrunde erfasst. Dynamisch zeigt sich hingegen die Nachfrage aus Bulgarien und Rumänien, wo, ausgehend von einem niedrigen Niveau, ein hoher Nachholbedarf an unternehmensnahen Dienstleistungen bestehen dürfte. Der Dienstleistungsexport in das wichtigste Handelspartnerland, Deutschland, entwickelte sich im ersten Quartal 2009 im Jahresabstand annähernd stabil, was den Nachfrageabschwung insgesamt bremste.

Wie bei den Gütern ist auch im Dienstleistungshandel der Rückgang des Exports in Drittstaaten breit gestreut. Betroffen waren im ersten Quartal sowohl die Handelsbeziehungen mit dem EWR-Raum, der Schweiz, Osteuropa als auch mit den USA. Hingegen entwickelte sich der Export in die OPEC-Staaten, asiatische Tigerstaaten und nach China weiter dynamisch.

 

Im Reiseverkehr wurde im Vergleich zum ersten Quartal 2008 ein Rückgang der Einnahmen um –11 % verzeichnet, die damit auf das Niveau des Jahres 2007 sanken. Das Vergleichsjahr 2008 war einerseits vom außergewöhnlich erfolgreichen Verlauf der Wintersaison und andererseits von den frühen Osterferien im März gekennzeichnet. Für die Wintersaison 2008/09 stellte Statistik Austria das zweitbeste Nächtigungsergebnis seit dem Beginn der statistischen Aufzeichnungen in Österreich fest. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Durchschnittsausgaben der Touristen sanken. Zum Teil trugen dazu Preisnachlässe der heimischen Tourismusbetriebe bei, die damit auf die erwarteten negativen Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise reagierten.

 

Gegliedert nach Herkunftsmärkten betraf die Verringerung der Reiseverkehrseinnahmen die drei wichtigsten Länder, Deutschland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich, darüber hinaus die Schweiz, Russland sowie die USA. Das dynamische Wachstum der Einnahmen aus neuen Mitgliedstaaten der EU, insbesondere aus der Tschechischen Republik und aus Polen, konnte hingegen fortgesetzt werden.

 
Angesichts der verheerenden Auswirkungen der Finanzkrise auf die Kapitalmärkte ist die Verringerung von Erlösen und Aufwendungen Österreichs aus Vermögenseinkünften im ersten Quartal 2009 mit –3 % und –6 % im Jahresabstand als moderat einzustufen. Als Puffer fungierten die heimischen Banken, die ihre Einnahmen aus Krediten und Einlagen ausbauen konnten, während ihre Zinsbelastung gegenüber dem Ausland abnahm.

 

Nur geringe Einbußen waren gegenüber dem ersten Quartal 2008 bei Einkünften aus Direktinvestitionen zu verzeichnen. Die positive Entwicklung von Dividendenerträgen aus ausländischen Tochterfirmen wurde durch die Verringerung der in den Unternehmen belassenen Gewinne sowie durch niedrigere Zinserträge aus konzerninternen Krediten überkompensiert. Wie zu erwarten, waren die höchsten Rückgänge bei Einkünften aus internationalen Wertpapierveranlagungen zu verzeichnen. Die negative Entwicklung bei Aktien und Anleihen konnte jedoch zum Teil durch gesiegene Kapitalerträge aus kurzfristigen Geldmarktpapieren kompensiert werden.



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