Bericht

Finanzverhalten der privaten Haushalte 2008 (Statistiken Q2/09)

Wien, 7. 5. 2009 (Michael Andreasch)


Wirtschaftliches Umfeld

Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte1)2) stieg 2008 um 5% (2007: +4,4%). Diese Entwicklung wurde stark vom Wachstum der Arbeitnehmerentgelte getrieben, die sich im Jahr 2008 um 5,1% erhöhten (2007: 4,3%). Gedämpft wurde diese nominelle Zunahme durch starke Anstiege der Verbraucherpreise bis in den Herbst 20083); erst in den letzten beiden Monaten des Jahres war eine signifikante Abschwächung zu verzeichnen. Der HVPI stieg im Gesamtjahr 2008 um 3,2%; 2007 betrug die Steigerung 2,2%. Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2008 mit 3,8% noch unter den Werten der Jahre 2006 und 2007, verzeichnete aber zu Jahresende mit einer Quote von 4,2% (Februar 2009: 4,5%) bereits deutliche Aufwärtssignale.

 

Die eigene Einschätzung der privaten Haushalte zeigt in der Befragung zumKonsumentenvertrauen4),dass die finanzielle Situation im Lauf des Jahres 2008 im Vergleich zu den letzten zehn Jahren als sehr schlecht eingeschätzt wurde, wenngleich sich diese Einschätzung gegen Jahresende 2008 wieder verbesserte. Die Bereitschaft zum Sparen war hingegen im Jahr 2008 außerordentlich hoch und zeigte in den letzten Jahren eine permanente Aufwärtsbewegung, die allerdings durch einen Rückgang im Dezember 2008 bzw. Jänner 2009 kontrastiert wurde. Die Sparquote stieg von 11,7% (2007) auf 12,4% (2008).


Geldvermögensbildung

Die Höhe der Geldvermögensbildung im Jahr 2008 reflektierte die Entwicklung der Ersparnisbildung. Private Haushalte veranlagten in Finanzanlagen5) 18,8 Mrd EUR und damit um 4,2% mehr als im Jahr 2007.

 

Bargeld und Einlagen wuchsen im Jahr 2008 durch Neuveranlagungen um 13,8 Mrd EUR und machten damit 74% der gesamten Geldvermögensbildung aus, wobei der Anteil im vierten Quartal 2008 um 9 Prozentpunkte gegenüber dem dritten Quartal 2008 nochmals deutlich stieg. Dieser Anstieg dürfte nicht zuletzt mit der in Kraft getretenen Verbesserung der Einlagensicherung und den starken Reaktionen auf den Kapitalmärkten nach der Insolvenz von Lehman Brothers zusammenhängen und unterstreicht den „Sicherheitsgedanken“ in der Vermögensverwaltung der Privatanleger. Die privaten Haushalte platzierten ihre Gelder verstärkt in Termineinlagen mit einem Zuwachs von 3,2 Mrd EUR und insbesondere in Spareinlagen mit einem Vermögensaufbau in Höhe von 9 Mrd EUR. Die Investoren erhöhten ihre Einlagenbestände vor allem in Produkte mit einer Bindungsfrist bis zu einem Jahr. Die sinkende Inflation ermöglichte trotz des nominellen Rückgangs der Zinsen im Neugeschäft eine Erhöhung der realen Verzinsung.

 

Handelbare Wertpapiere6) wurden von den privaten Investoren im Jahr 2008 per saldo um 1,3 Mrd EUR gekauft (2007: 2,1 Mrd EUR). Das entspricht einem Anteil von nur 7% der Geldvermögensbildung. Hinter diesem Saldo verbergen sich allerdings gegensätzliche Kauf- und Verkaufsbewegungen in den einzelnen Kategorien und im Zeitverlauf, wie die nachstehende Aufstellung skizziert:

  • Private Haushalte erwarben im Jahr 2008 verzinsliche Wertpapiere in Höhe von 4,6 Mrd EUR (2007: 3,7 Mrd EUR), wobei der bedeutendste Teil auf den Kauf von Anleiheemissionen des Bankensektors zurückzuführen ist (2,1 Mrd EUR). Allerdings wurden nach Bekanntgabe der verstärkten Einlagensicherung sowie der anhaltenden Unsicherheit gegenüber Banktiteln, im vierten Quartal 2008 Bankanleihen um 700 Mio EUR wieder verkauft. Im Gegenzug kauften private Anleger im vierten Quartal 2008 Bundesschatzscheine im Ausmaß von 1,1 Mrd EUR; dies entspricht rund 70% der gesamten Investitionen in Bundesschatzscheine im Jahr 2008.

  • Börsennotierte Aktien wurden von Privatinvestoren im Jahr 2008 in Höhe von 800 Mio EUR gekauft, nachdem diese Wertpapierkategorie im Jahr 2007 im Wert von 900 Mio EUR verkauft worden war. Die größten Kauforders kamen für Unternehmensaktien im vierten Quartal 2008, nachdem die Aktienkurse im Oktober 2008 dramatisch nachgegeben hatten.

  • Wie bereits im Jahr 2007 wurden auch 2008 Investmentzertifikate verkauft. Von den gesamten Nettoverkäufen im Ausmaß von 4,1 Mrd EUR entfielen auf das vierte Quartal 1,6 Mrd EUR.

  • Die Bruttogrößen hinter diesen Nettotransaktionen nahmen im Lauf des Jahres zu, wenngleich das Niveau des Jahres 2007 nicht erreicht wurde.

Den Nettokäufen von handelbaren Wertpapieren standen hohe Bewertungsverluste gegenüber. Im Jahr 2008 ging der Marktwert um 19,3% oder 18,6 Mrd EUR7) auf 79,3 Mrd EUR zurück. Besonders stark betroffen waren die Finanzanlagen in börsennotierten Aktien mit einem Rückgang um 56% auf 8,7 Mrd EUR. Das entspricht dem Niveau von Anfang 2004.

 

Die für die langfristige Absicherung verwendeten Ansprüche aus Lebensversicherungen und gegenüber betrieblichen Pensionskassen stiegen transaktionsbedingt im Jahr 2008 um 2,6 Mrd EUR (2007: 3,4 Mrd EUR). Negative Kursbewegungen auf den Kapitalmärkten führten auch zu einer Verringerung des Marktwerts der Veranlagungsbestände von Versicherungsunternehmen und Pensionskassen. Die Ansprüche privater Haushalte waren davon im geschätzten Ausmaß von 2,3 Mrd EUR betroffen, weshalb der Vermögenswert zum Jahresultimo 2008 auf dem Vorjahresniveau bei 75,6 Mrd EUR stagnierte.

 

Das gesamte Geldvermögen erreichte zum Jahresultimo 2008 einen Wert von 415,9 Mrd EUR (bzw. 147% des BIP) und lag damit knapp unter dem Wert zum Ultimo 2007. Mit 51,2% sind Bargeld- und Einlagenbestände die wichtigsten Finanzanlagen privater Haushalte. Handelbare Wertpapiere und Ansprüche gegenüber Lebensversicherungen sowie Pensionskassen hatten zum Jahresende jeweils einen Anteil knapp unter 20%.



Finanzierung

Die Kreditfinanzierung der privaten Haushalte betrug im Jahr 2008 3,3 Mrd EUR und ging damit gegenüber 2007 um rund 2,1 Mrd EUR zurück. Wohnbaukredite (vorwiegend von inländischen Banken) hatten ein Nettotransaktionsvolumen von 4,1 Mrd EUR, während die sonstigen Kreditformen per saldo Nettotilgungen zu verzeichnen hatten. Besonders stark war der Einbruch im vierten Quartal 2008 mit einer Nettoneuverschuldung von lediglich 450 Mio EUR. Die Kreditfinanzierung hatte damit nur mehr einen Anteil von 12% des gesamten Mittelaufkommens8) der privaten Haushalte.

 

Die Verpflichtungen der privaten Haushalte erreichten zum Jahresultimo 2008 einen Wert von 149,6 Mrd EUR bzw. 53% des BIP. Sowohl die Neuverschuldung als auch der gestiegene Wechselkurs bei aushaftenden Krediten in Schweizer Franken und japanischen Yen führten zu einem Anstieg der Verpflichtungen um 7,5 Mrd EUR. Wohnbaukredite dominierten mit einem Anteil von 63% die Verschuldungsposition der privaten Haushalte.

 

Die Nettovermögensposition ging von 274 Mrd EUR (Ende 2007) um 2,8% auf 266,3 Mrd EUR zum Jahresultimo 2008 zurück.



Finanzvermögen und Verpflichtungen der privaten Haushalte
 
 KapitalbewegungenVermögen und Verpflichtungen zum Ultimo
20072008Dez. 07Dez. 08
in Mrd EURAnteil in %
 
Bargeld0,10,413,714,23,4
Einlagen11,813,4184,7198,947,8
  im Inland11,613,1180,7194,646,8
    Nach Kategorien:     
    Sichteinlagen1,90,833,434,28,2
    Termineinlagen3,43,27,010,32,5
    Spareinlagen6,39,1140,2150,036,1
    Nach Laufzeit:     
    Täglich fällige Einlagen1,41,444,646,111,1
    Gebundene Einlagen10,311,7136,0148,535,7
  im Ausland0,20,34,04,31,0
Verzinsliche Wertpapiere3,74,633,838,69,3
  inländischer Emittenten3,24,429,434,08,2
  ausländischer Emittenten0,50,24,44,61,1
Börsennotierte Aktien−0,90,818,98,72,1
  inländischer Emittenten0,00,812,25,11,2
  ausländischer Emittenten−0,90,06,73,60,9
Investmentzertifikate−0,7−4,143,132,07,7
Beteiligungen0,50,331,632,67,8
Lebensversicherungsansprüche2,82,261,261,914,9
Pensionskassenansprüche0,60,414,413,63,3
Sonstige Finanzinvestitionen0,10,714,715,43,7
Geldvermögensbildung/Geldvermögen18,018,8416,1415,9x
 
Kredite5,53,3142,1149,5100,0
  Nach dem Verwendungszweck:     
  Wohnbaukredite5,24,187,494,463,1
  Konsumkredite und sonstige Kredite0,3−0,854,755,136,9
  Nach dem Kreditgeber:     
  Inländische Banken5,72,7120,7127,685,3
  Staat, Versicherungsunternehmen und Ausland−0,20,721,321,914,7
Finanzierung/Verpflichtungen5,53,4142,1149,6x
 
Finanzierungssaldo/Nettogeldvermögen12,515,4274266,3x
 
      


Verleger, Herausgeber und Hersteller:

Oesterreichische Nationalbank

Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit

Mag. Günther Thonabauer 

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Redaktionsschluss: 2. April 2009.

2) Realwirtschaftliche Indikatoren, wie verfügbares Einkommen, Konsum, Ersparnisbildung und Sachvermögensbildung sind nur für den Haushaltssektor (einschließlich der Privaten Organisationen ohne Erwerbszweck) verfügbar. Die Daten zu den Finanzanlagen erfassen private Haushalte einschließlich selbstständig Erwerbstätiger, nicht aber Private Organisationen ohne Erwerbszweck sowie Privatstiftungen.

3) Im Juni 2008 lag der HVPI bei 4 %.

4) Quelle: Gfk Austria GmbH.

5) Einschließlich der kapitalisierten Einlagenzinsen sowie der aufgelaufenen und noch nicht durch Kuponzahlungen abgedeckten Zinsen aus Wertpapierveranlagungen.

6) Verzinsliche Wertpapiere einschließlich Bundesschatzscheinen, börsennotierter Aktien und Investmentzertifikaten.

7) Entspricht dem Nettoerwerb in den Jahren 2004 bis 2007.

8) Summe aus Innenfinanzierung (Sparen, netto erhaltene Kapitaltransfers, Abschreibungen auf Sachinvestitionen) und Außenfinanzierung (Kredite).

Mehr zu dieser Seite

Weiterführende Informationen