Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte1)2) wuchs im ersten Quartal 2009 deutlich langsamer als im ersten Quartal 2008. Diese Entwicklung wurde stark von dem Wachstum der Arbeitnehmerentgelte getrieben, die im ersten Quartal 2009 um 2,4% anstiegen (im ersten Quartal 2008: 5,3%). Der HVPI schwächte sich zwischen Jänner und März 2009 auf 0,6% ab und fiel in den Folgemonaten weiter (Mai: 0,1%). Die Arbeitslosigkeit war im ersten Quartal 2009 mit einem Wert von 4,3% ähnlich hoch wie zum Jahresende 2008.
Die eigene Einschätzung der privaten Haushalte zeigt in der Befragung zum „Konsumentenvertrauen“3), dass die finanzielle Situation im ersten Quartal 2009 etwas besser eingeschätzt wird als im zweiten Halbjahr 2008. Laut dieser Befragung war die Bereitschaft zum Sparen hingegen seit dem zweiten Halbjahr 2008 deutlich rückläufig und fiel im ersten Quartal 2009 unter den Durchschnittswert der letzten zehn Jahre. Die realwirtschaftlichen Aggregate, insbesondere die Sparquote, zeigen hingegen einen weiteren Anstieg der Ersparnisbildung in Relation zum verfügbaren Einkommen.
Die Höhe der Geldvermögensbildung im ersten Quartal 2009 reflektierte die Entwicklung dieser Ersparnisbildung. Private Haushalte veranlagten in Finanzanlagen4) 4,5 Mrd EUR, in den letzten vier Quartalen kumuliert 18,8 Mrd EUR.
Sie erhöhten ihre Bargeld- und Einlagenbestände zwischen Jänner und März 2009 um 3,8 Mrd EUR (in den letzten vier Quartalen kumuliert 14,1 Mrd EUR), das entspricht 84% der gesamten Geldvermögensbildung im ersten Quartal 2009. Die intensive Nutzung dieser Veranlagungsform im Jahr 2008 setzte sich damit fort und unterstreicht den „Sicherheitsgedanken“ in der Vermögensverwaltung der Privatanleger. Die privaten Haushalte platzierten ihre Gelder – im Gegensatz zu 2008 – verstärkt in Sichteinlagen (zum Teil aus Umschichtungen von Termineinlagen) mit einem Zuwachs von 2,0 Mrd EUR, wovon vor allem Direktbanken profitierten. Zusätzlich wurden die Spareinlagen im ersten Quartal 2009 um 2,9 Mrd EUR (inklusive aufgelaufener Einlagenzinsen) erhöht. Die Veranlagungstätigkeit fand im Umfeld fallender Leitzinsen statt, die auch auf die Interbankzinssätze und auf die Bankenzinssätze im Kundenneugeschäft wirkten. Die sinkende Inflation ermöglichte trotz des nominellen Rückgangs der Zinsen eine reale Verzinsung zwischen 1,5 und 2% im ersten Quartal 2009.
Handelbare Wertpapiere5) wurden von den privaten Investoren im ersten Quartal 2009 per Saldo um 0,8 Mrd EUR verkauft. Damit setzt sich der Nettoverkauf aus dem vierten Quartal 2008 fort. In den letzten vier Quartalen ergab sich dennoch ein Nettoerwerb von rund 1,0 Mrd EUR. Getragen werden die jeweiligen Kaufs- oder Verkaufsbewegungen vor allem durch die Investitionstätigkeit in inländischen Bankanleihen und in Investmentzertifikaten (insbesondere Zertifikate von Rentenfonds und gemischten Fonds):
Private Haushalte verkauften im ersten Quartal 2009 verzinsliche Wertpapiere in Höhe von 0,6 Mrd EUR (in den letzten vier Quartalen war es noch ein Nettoerwerb von 3,3 Mrd EUR), wobei der überwiegende Teil der Verkäufe auf Anleiheemissionen des inländischen Bankensektors zurückzuführen ist. Private Anleger , die noch im vierten Quartal 2008 massiv Bundesschatzscheine gekauft hatten, verkauften im ersten Quartal diese Titel mit 100 Mio EUR wieder.
Börsennotierte Aktien wurden von Privatinvestoren im ersten Quartal 2009 in Höhe von 200 Mio EUR gekauft, womit in den letzten vier Quartalen insgesamt Aktien um rund 0,9 Mrd EUR gekauft worden waren. Die größten Kauforders kamen für inländische Unternehmensaktien.
Wie schon im Jahr 2008 wurden auch im ersten Quartal 2009 Investmentzertifikate verkauft (600 Mio EUR), wobei der größte Teil auf Anteile von inländischen gemischten Fonds (300 Mio EUR) entfiel. In den letzten vier Quartalen belief sich die kumulierte Verkaufsumme auf 3,2 Mrd EUR.
Das Wertpapierportefeuille der Privatanleger verzeichnete – im Vergleich zum zweiten Semester 2008 – einen moderaten Bewertungsverlust von 0,8 Mrd EUR (rund 1% des gesamten Marktwertes), der vor allem auf Kursverluste von Aktien und Aktienfonds zurückzuführen ist. Kursanstiege auf den Aktienmärkten im zweiten Quartal 2009 glichen allerdings Teile der in den letzten Quartalen verzeichneten buchmäßigen Kursverluste wieder aus.
Die für die langfristige Absicherung verwendeten Ansprüche6) aus Lebensversicherungen und gegenüber betrieblichen Pensionskassen stiegen transaktionsbedingt im ersten Quartal 2009 um 0,8 Mrd EUR an.
Das gesamte Geldvermögen erreichte zum Ultimo März 2009 einen Wert von 419,4 Mrd EUR (bzw. 150 % des BIP) und lag damit auf dem Niveau vom September 2008. Mit 52% waren Bargeld- und Einlagenbestände die wichtigsten Finanzanlagen privater Haushalte. Handelbare Wertpapiere und Ansprüche gegenüber Lebensversicherungen sowie Pensionskassen hatten Ende März 2009 jeweils einen Anteil von 18%.
Private Haushalte tilgten im ersten Quartal 2009 volumensmäßig mehr Kredite als sie neu aufnahmen, wodurch per Saldo die Kreditfinanzierung um 0,6 Mrd EUR zurück ging, wovon der größte Teil auf Nettotilgungen von Bankkrediten im Inland zurückzuführen ist. Wie die Zahlen zum Neukreditgeschäft der Banken zeigen, sind die Kreditaufnahmen nicht zum Erliegen gekommen: Private Haushalte nahmen im ersten Quartal 2009 Wohnbaukredite um rund 2,2 Mrd EUR neu auf (und tilgten in nahezu gleicher Höhe ausstehende Kredite), während Konsum- und sonstige Kredite zwar ebenfalls um rund 2,1 Mrd EUR erhöht wurden, die Tilgungen aber 2,7 Mrd EUR ausmachten.
Die Verpflichtungen der privaten Haushalte erreichten zum Ultimo März 2009 einen Wert von 148,2 Mrd EUR bzw. 53% des BIP. Sowohl die Nettotilgungen als auch der gesunkene Wechselkurs aus aushaftenden Krediten in Schweizer Franken und japanischen Yen führten zu einem Rückgang der Verpflichtungen um 1,4 Mrd EUR. Wohnbaukredite dominierten mit einem Anteil von 63% die Verschuldungsposition der privaten Haushalte.
Die Nettovermögensposition erhöhte sich von 266,4 Mrd EUR zum Jahresultimo 2008 um knapp 2% auf 271,2 Mrd EUR zum Ultimo März 2009.