Gemäß den Daten von Statistik Austria1)2) auf Basis von gleitenden Vier-Quartals-Aggregaten betrug das verfügbare Einkommen des Haushaltssektors3) (Private Haushalte einschließlich Privater Organisationen ohne Erwerbszweck) im Zeitraum vom vierten Quartal 2008 bis zum dritten Quartal 2009 167,8 Mrd EUR und blieb damit sowohl gegenüber dem Vorjahreszeitraum (viertes Quartal 2007 bis drittes Quartal 2008) als auch gegenüber dem Vorquartalszeitraum (drittes Quartal 2008 bis zweites Quartal 2009) nahezu konstant. Die Steigerungen aus den Arbeitsentgelten und den erhaltenen Sozialleistungen wurden durch den Rückgang der netto erhaltenen Vermögenseinkommen weitestgehend kompensiert.
Die Sparquote schwächte sich im Lauf des Jahres 2009, allerdings auf einem historisch hohen Niveau, kontinuierlich leicht ab. 11,2% des verfügbaren Einkommens sparten die österreichischen Haushalte im Zeitraum von Oktober 2008 bis September 2009. Im Kalenderjahr 2008 lag die Sparquote der Privaten Haushalte bei 12,0%, im Vergleichszeitraum Oktober 2007 bis September 2008 bei 12,1%. Diese Entwicklung ist im Wesentlichen eine Folge des leicht gestiegenen Konsums, verbunden mit einem Stagnieren des verfügbaren Einkommens.
Die eigene Einschätzung der Privaten Haushalte zeigt in der Befragung zum Konsumentenvertrauen4), dass die finanzielle Situation im dritten Quartal 2009 etwas besser eingeschätzt wird als noch im Dezember 2008. Laut dieser Befragung war die Bereitschaft zum Sparen seit Dezember 2008 rückläufig, fiel im dritten Quartal 2009 deutlich unter den Durchschnittswert der letzten zehn Jahre und deckt sich mit der Entwicklung der Sparquote.
Die Entwicklung der Ersparnisbildung (auf der Aufkommensseite in den realwirtschaftlichen Konten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung – VGR) und jene der Geldvermögensbildung (auf der Verwendungsseite in den finanziellen Konten der VGR) korrelieren weiterhin. Dementsprechend ging die Geldvermögensbildung im dritten Quartal 2009, selbst unter Berücksichtigung des Saisonmusters in der Vermögensbildung, gegenüber dem ersten Halbjahr deutlich zurück. Der Haushaltssektor veranlagte in Finanzanlagen5) im dritten Quartal 2009 2,5 Mrd EUR, in den letzten vier Quartalen kumuliert 13,3 Mrd EUR. Im Vorjahreszeitraum (viertes Quartal 2007 bis drittes Quartal 2008) betrug die Geldvermögensbildung noch 22,8 Mrd EUR. Auf Private Haushalte entfielen davon im dritten Quartal 2009 2,3 Mrd EUR bzw. in den letzten vier Quartalen kumuliert 13,3 Mrd EUR.
Private Haushalte erhöhten ihre Bargeld- und vorwiegend kurzfristig gebundenen Einlagenbestände zwischen Juli und September 2009 um 1,2 Mrd EUR (in den letzten vier Quartalen kumuliert 10,5 Mrd EUR), das entspricht knapp 60% der gesamten Geldvermögensbildung im dritten Quartal 2009 bzw. kumuliert 78% in den letzten vier Quartalen. Die intensive Nutzung dieser Veranlagungsform im Jahr 2008 setzte sich damit auch in den ersten drei Quartalen 2009 fort und unterstreicht den „Sicherheitsgedanken“ in der Vermögensverwaltung der Privatanleger. Die Privaten Haushalte platzierten ihre Gelder – im Gegensatz zu 2008 – in den ersten drei Quartalen verstärkt in Sichteinlagen. Die Veranlagungstätigkeit fand im Umfeld fallender Leitzinsen statt, die auch auf die Interbankzinssätze und auf die Bankenzinssätze im Kundenneugeschäft wirkten. Die Einlagenzinssätze im Neugeschäft für vereinbarte Laufzeiten bis zu einem Jahr fielen zwischen Dezember 2008 und September 2009 um 232 Basispunkte auf 1,23%, während die Einlagenzinssätze für vereinbarte Laufzeiten über zwei Jahre im gleichen Zeitraum um 126 Basispunkte auf 2,56% fielen.
Der Nettoabsatz von handelbaren Wertpapieren6) an private Investoren im dritten Quartal 2009 war mit knapp 100 Mio EUR erstmals seit drei Quartalen wieder marginal positiv. In einer kumulierten Betrachtung seit Jahresbeginn verkauften die Privatanleger Wertpapiere im Ausmaß von rund 0,8 Mrd EUR. Über die letzten vier Quartale betrachtet betrug der Nettoverkauf 1,4 Mrd EUR.
Private Haushalte verkauften im dritten Quartal 2009 verzinsliche Wertpapiere in Höhe von 0,2 Mrd EUR. Im Gegensatz zu den vorangegangenen zwei Quartalen wurden aber wieder Bankanleihen netto gekauft, während Staatspapiere und sonstige verzinsliche Wertpapiere netto abgestoßen wurden.7)
Trotz einer weiteren Belebung der Aktienmärkte durch steigende Kurse und zaghafter Neuemissionen fand im dritten Quartal 2009 kein Nettoabsatz börsennotierter Aktien statt.
Wie bereits im zweiten Quartal 2009 kauften private Anleger auch im dritten Quartal 2009 Investmentzertifikate (diesmal im Ausmaß von 0,3 Mrd EUR), wenngleich über das ganze Jahr betrachtet die Käufe und Verkäufe ausgeglichen waren.
Das Wertpapierportefeuille der Privatanleger verzeichnete zwischen Jahresbeginn und Ende September 2009 eine 10-prozentige Bewertungssteigerung, die vor allem auf Kursgewinne von Aktien und Aktienfonds zurückzuführen ist. Der aktuelle Marktwert aller handelbaren Wertpapiere belief sich Ende September 2009 auf 86,7 Mrd EUR und entsprach damit etwa dem Wert vom September 2008.
Die für die langfristige Absicherung verwendeten Ansprüche8) aus Lebensversicherungen und gegenüber betrieblichen Pensionskassen stiegen transaktionsbedingt im dritten Quartal 2009 um 0,6 Mrd EUR. In den letzten vier Quartalen betrug der Vermögensaufbau 3,0 Mrd EUR.
Das gesamte Geldvermögen erreichte zum Ultimo September 2009 einen Wert von 436,4 Mrd EUR (bzw. 160% des BIP). Mit 51% waren Bargeld- und Einlagenbestände die wichtigsten Finanzanlagen Privater Haushalte. Gemanagte Finanzprodukte, bestehend aus Investmentzertifikaten sowie Ansprüchen aus Lebensversicherungen und gegenüber Pensionskassen, hatten einen Anteil von 26%.
Die Kreditfinanzierung im dritten Quartal 2009 zeigt nach einem Rückgang im ersten Quartal 2009 und einem leichten Zuwachs im zweiten Quartal eine Belebung im Ausmaß einer transaktionsbedingten Ausweitung in Höhe von 0,8 Mrd EUR. Private Haushalte nahmen im dritten Quartal 2009 sowohl Wohnbaukredite als auch Kredite für sonstige Verwendungszwecke (einschließlich Investitionskrediten für selbstständig Erwerbs-tätige) im Ausmaß von jeweils netto 0,4 Mrd EUR neu auf.
Die Verpflichtungen der Privaten Haushalte erreichten Ende September 2009 einen Wert von 145,5 Mrd EUR bzw. 53% des BIP. Der Verschuldungsstand entspricht damit jenem Niveau, das zum Jahresultimo 2008 verzeichnet werden konnte.
Die Nettovermögensposition erhöhte sich von 272,8 Mrd EUR zum Jahresultimo 2008 um knapp 7% auf 291,1 Mrd EUR Ende September 2009.