In diesem Bestand befinden sich die heute nur mehr wenig umfangreiche Unterlagen der Reichsbankhauptstelle Wien sowie der Reichsbankstellen und –nebenstellen auf vormals österreichischem Boden aus den Jahren 1938 bis 1945. Wenngleich diese Quellen vorwiegend administrativer Natur sind und kaum notenbankrelevante Informationen beinhalten, ermöglichen sie doch Rückschlüsse auf die Organisationsentwicklung der jeweiligen Reichsbankanstalten. Eine in den Jahren 1999/2000, durchgeführte intensive Suchaktion in der Hauptanstalt in Wien und den Zweiganstalten der Oesterreichischen Nationalbank führte hingegen zu einem ausgesprochen dürftigen Ergebnis.
Recht gut dokumentiert sind jedoch die Vorgänge hinsichtlich der 1938 begonnenen Liquidation der Oesterreichischen Nationalbank (im Bestand III/1a Akten der „Reichsbankhauptstelle Wien 1938-1945“, zu finden), welche übrigens n i e abgeschlossen wurde. Aus diesem Grund musste dann die OeNB 1945, gemäß Notenbanküberleitungsgesetz, nicht neu gegründet, sondern lediglich wieder aktiviert werden.
Nicht unerwähnt bleiben sollten die unter III/3a enthaltenen „Verwaltungsberichte der Reichsbank“, von welchen das Bankhistorische Archiv eine vollständige Sammlung ab dem Gründungsjahr der Reichsbank 1876 bis inklusive dem, Anfang 1945 nur mehr provisorisch angelegten Jahrgang für 1944 besitzt.
Über das Schicksal und den Verbleib der fehlenden Unterlagen aus dieser historisch so bedeutsamen Epoche gibt es keine Aufzeichnungen (mehr). Dem Vernehmen nach wurden diese kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee nach Berlin verschafft, wo sie von den Alliierten beschlagnahmt wurden. Tatsächlich existieren mikroverfilmte Kopien von Akten der Reichsbankhauptstelle Wien im Deutschen Bundesarchiv in Berlin sowie im Russischen Staatlichen Militärarchiv, Moskau (RGVA). Im Auftrag der OeNB wurden Rückvergrößerungen dieser Unterlagen im Ausmaß eines Laufmeters angefertigt, welche seit 2008 diesen Bestand des Bankhistorischen Archivs ergänzen.