Reform und Krise – Die Ära der Konventionsmünzen
Geldwesen und Staat
Titelblatt des Werks von Wilhelm von Hörnigk (ÖNB)
Johann Joachim Becher, Stich Tobias Gabriel Beck (ÖNB)
Spindelpresse oder Balancier, Encyclopedie von Diderot und d’Alembert (1751 bis 1772)
Titelblatt des Werks von Wilhelm von Schröder (ÖNB)
Kostspielige Kriege zur Durchsetzung der österreichischen Hegemonialpolitik, ein veraltetes Finanzwesen und eine wenig entwickelte Wirtschaft waren die Ursachen für die fortgesetzten Geldprobleme des Habsburgischen Staates. Hatte Albrecht von Wallenstein, der mächtige Feldherr Kaiser Ferdinands II., nach der Devise „Der Krieg ernährt den Krieg“ Kontributionen von Freund und Feind erzwungen, so empfahlen die neuen Wirtschaftstheorien Ende des 17. Jahrhunderts einen neuen Weg: „Österreich über alles, wann es nur will“ lautete der Titel des 1684 erschienen Werks von Philipp Wilhelm von Hörnigk. Hörnigk war neben Johann Joachim Becher und Wilhelm von Schröder einer der Wegbereiter des österreichischen Merkantilismus. Ziel staatlicher Wirtschaftspolitik sollte es sein, das Handelsbilanzdefizit zu verringern und so das Geld im Land zu behalten und durch Förderung der Wirtschaft überhaupt erst die Voraussetzungen für die Finanzierung einer schlagkräftigen Streitmacht zu schaffen.
Eine weitere Möglichkeit die Geldwirtschaft zu beleben erkannte Wilhelm von Schröder. In seinem 1686 veröffentlichten Werk „Fürstliche Schatz- und Rentkammer, nebst einem notwendigen Unterrichte zum Goldmachen“ empfahl er die Einführung von Banknoten und Papiergeld. Damit könne dem Landesherrn eine „ewige und unaufhörliche Gold- und Geldmine“ eröffnet werden.
Der österreichische Staat machte keinen Gebrauch von diesem Vorschlag und stützte sich neben den traditionellen fiskalischen Mitteln (Belehnung, Verpfändung und Eigenwirtschaft des Staates) zunächst auf die Ausweitung der Steuern. Während der Regentschaft von Karl VI. (1711 bis 1740) behalf sich Österreich mit Anleihen bei befreundeten Mächten und nahm zudem verstärkt privates Kapital zur Deckung des wachsenden staatlichen Bedarfs in Anspruch. Die kaiserliche Reformtätigkeit richtete sich in dieser Zeit vor allem auf die Förderung von Handel und Gewerbe. Veränderungen im Münzwesen beschränkten sich auf die Vereinheitlichung des Aussehens der Münzen und die Modernisierung der Prägetechnik durch Einführung der Spindelpresse.
„Conventions-Münze“
20 Kreuzer – „Conventionszwanziger“ 1776, Wien, Maria Theresia (1740 bis 1780)
Dukat, 1765, Wien, Franz I. (1745 bis 1765), posthume Prägung
Taler,
Maria Theresia (1740 bis 1780)
Die merkantilistischen Reformen (Staatswirtschaft, Handelsbelebung) leiteten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen neue Phase staatlicher Wirtschaftspolitik ein, die auch im Geldwesen ihren Niederschlag fand. Um der ständigen Gefahr von Münzverschlechterungen zu begegnen und die Währung zu vereinheitlichen, setzte Kaiserin Maria Theresia (1740 bis 1780) 1750 einen neuen Münzfuß fest. Der 20-Gulden-Fuß bestimmte, dass aus einer Kölner Mark 20 Gulden oder 10 Taler zu prägen waren (aus der, im Verhältnis 5:6 zur Kölner Mark stehenden, Wiener Mark 24 Gulden oder 12 Taler).
Als erster Partner für die Einführung des neuen Münzfußes konnte Bayern gewonnen werden. Der 1753 zwischen den beiden Staaten vereinbarten Münzkonvention schlossen sich in der Folge fast alle deutschen Länder, mit Ausnahme Preußens, an. Damit hatte Österreich den Grundstein für eine Landeswährung von mehr als 100-jährigem Bestand geschaffen und darüber hinaus zur Erleichterung des internationalen Zahlungsverkehrs beigetragen.
Die „Conventions-Münzen“ („C.M.“) blieben bis 1858 gültiges Zahlungsmittel. Sie wiesen auf der Rückseite ein Andreaskreuz (gleicht einem x) auf. Im alltäglichen Geldverkehr hatte der „Conventionszwanziger“ (20 Kreuzer) die beherrschende Stellung; die Hauptmünze war jedoch der Taler. Maria Theresia ließ die Hälfte der Münzen mit dem Portrait ihres Gemahls Franz Stephan von Lothringen ausprägen, nach dessen Tod 1765 trug je ein Drittel der Münzen das Bild Maria Theresias, Franz Stephans und des Mitregenten Josef II. (1764 bis 1790).
Berühmteste Münze dieser Epoche wurde der Maria-Theresien-Taler, ein Zwei-Gulden-Stück, das sich im Levante-Handel besonderer Beliebtheit erfreute und in den arabischen Ländern und Abbessinien bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Umlauf blieb. Das Geldstück mit dem Bild der Kaiserin (in der Ausgabe mit Witwenschleier und der Jahreszahl 1780), von den Engländern der barocken Formen wegen despektierlich als „fat lady“ bezeichnet, war eine der erfolgreichsten und langlebigsten Handelsmünzen der Geldgeschichte.
Kupfergeld: Scheidemünzen
Eine weitere, wichtige Neuerung der Maria-theresianischen-Ära war die Einführung der Kupfermünze. Ab 1760 wurde der Kreuzer, der zu einer winzigen, unpraktischen Silbermünze herabgesunken war, als Scheidemünze in Kupfer ausgeprägt. Damit konnten die in großer Zahl umlaufenden ausländischen Scheidemünzen verdrängt und der Bedarf an Kleinmünzen aus eigener Prägung gedeckt werden. 1779, als das Innviertel zu Österreich kam und der dort herrschende Kleingeldmangel behoben werden musste, wurden in der vorderösterreichischen Münzstätte Günzburg innerhalb von sechs Wochen 1,2 Millionen Kupferkreuzer hergestellt und auf dem Schiffsweg in das neu erworbene Gebiet verfrachtet.
-
Maria Theresia, Mandat von 1760 zur Ausgabe von Kupfermünzen. (Wien, Kunsthistorisches Museum, Münzkabinett)
-
Kreuzer, 1779, Wien,
Maria Theresia (1740 bis 1780)
-
Papiergeld: Banco-Zettel
Titelblatt des Patents
vom 15. Juni 1762
zur Ausgabe von Papiergeld
Formular des Wiener Stadt-Banco-Zettels zu 50 Gulden, 1. November 1784
Wiener Stadt-Banco-Zettel
zu 10 Gulden, 1. Juli 1771
Formular des Wiener Stadt-Banco-Zettels zu 1000 Gulden,
1. Juli 1771
Kostspielige Kriege waren, unter anderem, der Grund für die fortgesetzten Finanzprobleme Österreichs. Zwar gelang es immer wieder Wege zur Deckung des kurzfristigen Geldbedarfs mittels Krediten zu finden; dies änderte jedoch nichts an der Verschlechterung der Finanzlage des Staates. Schon in der Regierungszeit Karls VI. (1711 bis 1740) erhöhte sich die Staatsschuld um ungefähr zwei Drittel auf insgesamt rund 54 Millionen Gulden.
Angesichts der schweren Belastung des Staatsbudgets durch den Siebenjährigen Krieg gegen Preußen um Schlesien entschloss sich Maria Theresia 1762 zur erstmaligen Ausgabe von Papiergeld. Auf diese Weise sollten zusätzliche Mittel für die Kriegsführung aufgebracht werden, ohne den Münzfuß zu verschlechtern. Die Ausgabe des Papiergeldes wurde dem Wiener-Stadt-Banco übertragen, einer Bank, die immer wieder zur Tilgung der Staatsschulden herangezogen worden war. Als Sicherstellung für die unverzinslichen Stadt-Banco-Zetteln in der Höhe von 12 Millionen Gulden verpfändete der Staat einen Teil der Abgaben. Die so genannten „Banco-Zettel“ konnten für sämtliche Zahlungen verwendet oder in Beträgen von 200 Gulden aufwärts gegen 5-prozentige Staatsobligationen umgetauscht werden.
Es bestand kein Annahmezwang. Da die Einlösbarkeit der Stadt-Banco-Zettel außer Zweifel stand, erzielten sie vorübergehend sogar ein Agio von 1 bis 2½ Prozent gegenüber der Silbermünze. 1771 und 1785 folgten weitere Emissionen.
Kriegsfinanzierung: „Wiener Währung“
Wiener Stadt-Banco-Zettel
zu 500 Gulden, 1. Juni 1806
24 Kreuzer, 1800, Wien,
Franz II. (I.) (1792 bis 1835)
„Bankrottpatent“ vom 20. Februar 1811
Einlösungsschein zu 1 Gulden C.M., 1. März 1811
Ende des 18. Jahrhunderts geriet Österreich nach dem Feldzug gegen die Türken 1788 und der Kriege gegen das revolutionäre Frankreich (ab 1792) in schwere finanzielle Bedrängnis. Waren die Staatsausgaben vor dem Türkenkrieg noch bei etwa 90 Millionen Gulden gelegen, so stiegen sie danach rasch an. 1798 erreichten sie eine Höhe von 572 Millionen. Als einziger Ausweg blieb der Regierung unter Kaiser Franz II. (I.) (1792 bis 1835) die Vermehrung des Papiergeldes. Diese erfolgte zunächst geheim, ab 1796 durch eine Neuausgabe von Banco-Zetteln. Bereits im Jahr darauf musste der Zwangskurs der Stadt-Banco-Zettel verfügt werden. Der Umlauf an Banco-Zetteln betrug zu diesem Zeitpunkt 74 Millionen Gulden.
Gleichzeitig mit der Papiergeldvermehrung verschwanden die Gold- und Silbermünzen aus dem Verkehr. Dem Mangel an Kleingeld versuchte man durch die Ausprägung unterwertiger Silbermünzen, später durch die Ausgabe von Banco-Zettel-Teilungsmünzen aus Kupfer zu begegnen.
Die Geldschöpfung nahm in den Jahren 1800 und 1806 nach der neuerlichen Ausgabe von Papiergeld gefährliche Ausmaße an. Die Kriegsentschädigungen, die Österreich im Frieden von Schönbrunn 1809 auferlegt wurden, heizten die Inflation weiter an. 1810 überschritt der Banco-Zettel-Umlauf eine Milliarde Gulden. Im Dezember des Jahres verfügte die Regierung ein Moratorium für alle Zahlungsverpflichtungen in Münzgeld. Drei Monate später, am 20. Februar 1811 musste Österreich den Staatsbankrott erklären; die Banco-Zettel und Banco-Zettel-Teilungsmünzen sollten im Verhältnis 1:5 in so genannte „Einlösungsscheine“ - auch als „Wiener Währung“ bezeichnet - umgetauscht werden.
Währungsstabilisierung: Gründung der Nationalbank
Der finanzielle Aufwand für Kriegsführung und den Wiener Kongreß 1814/1815 machte bereits kurz nach dem Umtausch der Banco-Zettel in „Wiener Währung“ die neuerliche Ausgabe von Papiergeld notwendig. Da man die „Einlösungsscheine“ der „Wiener Währung“ nicht vermehren wollte, deklarierte man die Transaktion als Vorgriff auf Steuereinnahmen und bezeichnete das neue Geld als „Antizipationsscheine“.
Im Mai 1815 ging man daran Ordnung in das zerrüttete Geldwesen zu bringen. Mit der Gründung der „Privilegirten oesterreichischen National-Bank“ am 1. Juni 1816, die nach französischem und englischem Vorbild als unabhängige Aktiengesellschaft über das Privileg der Notenausgabe verfügte, gelang es, die Währung zu stabilisieren. Zwar wurde die neue Nationalbank auch wieder zur Finanzierung des chronischen Defizits des Staatshaushalts herangezogen, doch konnte die Geldvermehrung in Grenzen gehalten werden. Die „Wiener Währung“ wurde bis 1847 fast zur Gänze gegen „Conventions-Münzen“ eingetauscht und nach 25-jähriger Unterbrechung konnte auch die Ausprägung von Silber- und Goldmünzen wieder aufgenommen werden.
Die inflationäre Geldschöpfung war eine unvermeidliche Begleiterscheinung des Krieges, die aber auch zu einer Verschärfung der sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes führte. Der Geldverlust für die Bevölkerung betrug in all diesen Jahren der Papiergeldvermehrung und der nachfolgenden Sanierung insgesamt über 90 Prozent. Gleichzeitig kam es zu einer Umverteilung der Einkommen und zur Verschiebung von Vermögen ins Ausland.
-
Anticipationsschein zu 5 Gulden C.M., 16. April 1813
-
Aktie der Privilegierten Oesterreichischen Nationalbank, lautend auf Ludwig van Beethoven
-
5 Gulden C.M., 1. Juli 1816
-
1000 Gulden C.M., 13. Juni 1825, Ausgabe 1. Jänner 1831
-
100 Gulden C.M, 1. Jänner 1841, Ausgabe 1. Jänner 1842, Entwurf Peter Fendi
-
Revolution 1848
Nach der erfolgreichen Konsolidierung des Geldwesens brachte die Revolution von 1848 neuerliche Turbulenzen mit sich. Es kam zu einer starken Ausdehnung der Geldmenge. Im Mai wurde die Einlösbarkeit der Banknoten in Silber aufgehoben. Damit wurde das Papiergeld erstmals zum gesetzlichen Zahlungsmittel mit Annahmezwang.
Während der Staat die Kosten für die Niederschlagung der Revolution und die Kriege mit Ungarn und Italien durch die Emission von Papiergeld deckte, behalfen sich Gemeinden und Private angesichts des Kleingeldmangels mit der Ausgabe von Notgeld. Wertzeichen aus Messing, Blei, Zinn, Kupfer, aber auch aus Glas, Leder, Holz und Pappe waren im Umlauf. Mit einem Verbot der Annahme solchen Privatgeldes und der Ausgabe ausreichender Mengen an Scheidemünzen gelang es dem kaiserlichen Finanzminister, noch vor Ende des Jahres 1848, die Kontrolle über das Geldwesen wieder zurückzugewinnen.
-
¼ Gulden C.M., 25. Mai 1848
-
½ Gulden C.M., 25. Mai 1848
-
Zirkular über das Verbot der Verwendung der Banknoten, welche von der nationalrevolutionären ungarischen Regierung ausgegeben wurden.