

Zwei mächtige Bronzeskulpturen befinden sich im Foyer des Geldzentrums, die Figuren des Boxers Sonny Liston und des Regisseurs Pier Paolo Pasolini, in denen sich Hrdlicka mit Themen wie Kraft, Gewalt und Tod auseinandersetzt.


Maße: 225 x 80 x 45 cm
Technik: Bronzeskulptur


Maße: 151 x 75 x 40 cm
Technik: Bronzeskulptur
Diese Skulptur stelle Pasolini als Schmerzensmann dar. Die Vorstellung resultiert aus der Verfilmung des Matthäusevangeliums. Schon im Zyklus Pasolini ist er es eindeutig, der im Bild 220 das Kreuz trägt und in anderen Bildern mehrmals in der Rolle des Gekreuzigten zu erkennen ist. In dieser Skulptur kommt die Kombination bei Hrdlicka zur Identifikation. Nachträglich wird hier abermals festgestellt, dass das Ende des Pier Paolo Pasolini sich in seinm Leben vorabbildet…. Unter Anspielung auf die eigenen Gestaltungen des Gekreuzigten wie auf die christliche Ikonographie arbeitet Hrdlicka an seinem Stein. Seitenwunde und Dornenkrone bestimmen diesen Torso als Christus; das Gesicht läßt aber eindeutig die Züge Pasolinis erkennen. Schmerzversunken zeigt es jedoch zugleich eine Souveränität, in der das Leiden aufgehoben wird. Ecce homo – oder der Kreuzweg des Pier Paolo Pasolini: die Figur eines Aufrechten, dessen Leben auch über den Tod hinaus nach dem Sinn fragt, den sich seine Nachfahren davon zu machen wissen.
Aus: Friedhelm Mennekes: Kein Schlechtes Opium. Das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka, Stuttgart 1987, S.232
1928 geboren am 27. Februar in Wien
1942-45 Zahntechnikerlehre in Wien
1945 Eintritt in die Vorschule der Akademie bei Gerda Mateja
1946-52 Studium der Malerei an der Akademie der bildenden Künste in
Wien bei Albert Paris Gütersloh und Josef Dobrowsky
1947 erste Radierungen
1953 Diplomabschluss an der Akademie
1953-57 Studium der Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste
in Wien bei Fritz Wotruba, lebt
bis 1961 fast ausschließlich von Hilfs- und Gelegenheitsarbeiten
seit 1960 Ausstellungen in Österreich, Deutschland, Italien, Japan, Mexiko, England,
Israel und den Niederlanden
Sein plastisches Werk begleiten Zeichnungs- und Radierzyklen zu Themen wie Haarmann, Winckelmann, Schubert, Tolstoi, Rodin, Mondrian und Pasolini, zu den Türken vor Wien, zum 20. Juli 1944, der französischen Revolution und dem Schachspiel. Im Randolectil-Zyklus thematisiert Hrdlicka die Welt der psychisch Kranken.
1962 Beitritt zur Wiener Secession
1963 Leiter der Bildhauerklasse an der Internationalen Sommerakademie
in Salzburg
1964 Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig
1967 Die Enthüllung des Renner Denkmals am Ring in Wien führt zu Protesten
unter anderem der ”Liga gegen entartete Kunst”
1971-73 Lehrtätigkeit an der Akademie der bildenden Künste, Stuttgart
1973-75 Lehrtätigkeit an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste, Hamburg
1975 Erneute Berufung an die Akademie für bildende Kunst, Stuttgart
seit 1980 Zusammenarbeit mit der Galerie Ernst Hilger, Wien
1981 Aufstellung des Engels-Denkmals in Wuppertal
1984 Hamburger Gegendenkmal (Hamburger Feuersturm 1983, Cap Arcona, 1986)
1986 Berufung an die Hochschule der Künste, Berlin
1988 Enthüllung vom ersten Teil des Mahnmals gegen Krieg und Faschismus
am Albertinaplatz in Wien (begonnen 1983, fertiggestellt 1991)
1989 Berufung an die Hochschule für angewandet Kunst in Wien
1991 Fertigstellung des Denkmals ”Gegen Krieg und Faschismus” am Albertinaplatz, Wien
1992 Bühnenbild ”Intolleranza” / Luigi Nono, Staatsoper Stuttgart
1993 Ausstellung ”65. Geburtstag 1942 – 1992”, Dorotheum Kunstpalais Wien
Sonderschau auf der Biennale in Krakau
1994 Tegernsee, Gulbransson Museum; Weimar, Stiftung Weimarer Klassik
Kunstkeller Bern; Mannheimer Kunstverein
1995 Luxembourg, Galerie Claire Fontaine; Chateauroux, Les Cordeliers
(Schwerpunkt „Die große französische Revolution“); Passau, Museum Moderner Kuns
Kulturspeicher Oldenburg; Galerie Bayreuth; Mainz, Vulkan-Galerie; Hamburg, Galerie Levy
Wuppertal, Von der Heydt Museum; Erotikmuseum, Hamburg; Galerie Bose, Wittlich
1996 ZeitKunstGalerie
2003 stirbt Hrdlicka in Wien
In betonter Antiposition zur abstrakten Kunst macht Alfred Hrdlicka die menschliche Figur zu seinem zentralen Motiv. Die Themen sind psychische und physische Extremzustände, Schmerz, Triebbestimmtheit, Gewalt und Tod. Mit einer Reihe von Skulpturen für den öffentlichen Raum wirkt Alfred Hrdlicka gezielt als politischer Künstler. So lösen das Monument für Friedrich Engels (Wuppertal, 1978/81), das Gegendenkmal zu einem Kriegerdenkmal (Hamburg, 1982/87) und das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus (Wien, 1983/88) vor und nach ihrer Realisierung lange Kontroversen aus.