Maria Lassnig

geb. 1919 in Kappel am Krappfeld in Kärnten


Maria Lassnig

 

Maria Lassnig ist die wohl bedeutendste zeitgenössische österreichische Künstlerin. Nach surrealistischen Anfängen kommt ihr eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Informel Anfang der 50er Jahre in Österreich zu. Zentrales Thema in ihrem Werk sind Körperbewusstsein und Körpererfahrung, ihre body awareness-Bilder sind Selbstdarstellungen in denen sie sich mit dem Empfinden und den Gefühlen ihres eigenen Körpers auseinandersetzt, sich in Verbindung mit Tieren oder zu Gegenständen surreal verfremdet darstellt.



Mit einem Tiger schlafen

1975

Maria Lassnig – Mit einem Tiger schlafen

 


Maße:     106,5 x 127 cm
Technik:  Öl auf Leinwand
Signatur: signiert und datiert auf der Rückseite: Maria Lassnig 1975

 

Mit der von Werner Hofmann vorgenommenen Präsentation der Werke Lassnigs auf der Biennale Venedig 1980 erlangte ihr Oeuvre – nicht zuletzt auch im Rückblick auf die frühen Zeichnungen – international Aufmerksamkeit. Als einen der Höhepunkte ihrer damals aktuellen Malerei zeigten Ausstellung und Katalog das 1975 geschaffene Gemälde „Mit einem Tiger schlafen“. Es zählt in seiner formalen Eindringlichkeit und inneren Erregtheit zu den Inkunabeln der jüngeren Kunstgeschichte in Österreich. Angelpunkte der Thematik Lassnigs sind Körperbewusstsein (body awareness) und Körpererfahrung, das differenzierte Beziehungsgeflecht zwischen  Mann und Frau, aber auch bestimmte Wechselwirkungen von Mensch und Tier, deren Relevanz durch die Bilder Lassnigs so etwas wie einen Modernisierungsschub erhielt. „Der Mensch, der seine Körpererfahrung metaphorisch auf das Tier ausdehnt und sie mit ihm teilen will, schickt seine Einbildungskraft insgeheim auf Partnersuche.“ Man kann diesen Satz Werner Hofmanns im Katalog zur Biennale direkt auf unser Gemälde beziehen, dessen körpersprachliche Wunscherfahrung in einer von Bedrohung nicht freien Zuneigung liegt. Formal ist das Bild mit stupender Sicherheit gemalt und poetisch verdichtet. Wie sich die Dargestellte in Pose der erwartungsvollen Frau dem kraftvollen Tiger hingibt, zeigt eine klare, großzügige Bildsprache übersetzt, deren malerische Feinheiten in zurückhaltender Farbigkeit, wie hinter einem Dunstschleier einfühlsam bestimmt und austariert sind. Die formale Präsenz der viel ausgestellten und publizierten Arbeit (siehe oben) verbindet sich mit angespannter Emotionalität und Körperbezogenheit. Sie unterstreicht darin auf nachdrückliche Weise die daseinsbestimmte Ambivalenz von Wirklichkeit und Traum.

 

Peter Baum, im Auktionskatalog Im Kinsky, 20.11.2007


Lebenslauf

1919 in Kappel am Krappfeld (Kärnten) geboren

1941-1943 Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wienbei Ferdinand Andri,

         Herbert Boeckl und Albert Paris Gütersloh

1948 erste Einzelausstellung in Klagenfurt

1951 Beteiligung an der Ausstellung der „Hundsgruppe“ in Wien

         erste Parisreise gemeinsam mit Arnulf Rainer dank eines Stipendiums

1952 zwei weitere Reisen nach Paris, ebenfalls in Begleitung von A. Rainer.

         Kontakt zu den surrealistischen Dichtern und Theoretikern André Breton,

         Benjamin Péret und Paul Celan und zu zeitgenössischen Kunstströmungen,

         wie der amerikanischen und französischen informellen Malerei

 Nach ihrer Rückkehr nach Wien hat Lassnig großen Einfluss auf die Entwicklung des Informel in Österreich. Mit Hollegha, Mikl, Prachensky und Rainer gehört Lassnig zum Kreis der Künstler um Monsignore Otto Mauer und der „Galerie nächst St. Stephan“.

1961-1968 lebt sie vorwiegend in Paris und malt erste Körperbewusstseinsbilder

1968 zieht Lassnig nach New York,Atelier im East Village

1970 besucht sie einen Zeichentrick-Kurs an der School of Visual Arts

1978 DAAD Stipendium in Berlin

1980 kehrt nach Wien zurück und übernimmt eine Professur an der
         Hochschule für angewandte Kunst in Wien

1980 vertritt sie gemeinsam mit Valie Export Österreich auf der Biennale in Venedig 

1982 gründet sie in ihrer Meisterklasse Österreichs einziges Lehrstudio für Trickfilm.

1982 und1997 werden ihre Arbeiten auf der documenta in Kassel gezeigt

Zahlreiche Ausstellungen und Preise im In- und Ausland u. a. 1988 der Große Österreichische Staatspreis und 2004 der hoch dotierte Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt für ihren „außergewöhnlichen Beitrag zur zeitgenössischen Malerei“