

Künstler-Website: http://www.widauer.net
Nives Widauer studierte Audiovisuelle Gestaltung an der Schule für Gestaltung in Basel. Sie lebt und arbeitet in Wien und Basel. Schwerpunktmäßig beschäftigt sie sich mit Video, Fotografie, Bühnenbild und Performance und arbeitet häufig für das Theater. In der zwölfteiligen Serie „Apollo 64“ lässt Widauer zu Raketen zusammengesetzte Ausschnitte europäischer Baudenkmäler scheinbar schwerelos durch Raum und Zeit fliegen.











Maße: je 60 x 80 cm
Technik: c-prints
Die zwölfteilige Fotocollagenarbeit „apollo 64 a-l“ lässt wichtige Baudenkmäler Europas, Kirchen, Türme, Hotels, tonnenschwere Steinmauern aus unterschiedlichsten Zeiten der europäischen Kultur- und Baugeschichte scheinbar schwerelos durch Raum und Zeit, durch den white cube, fliegen. Das Baumaterial der Raketen, die einzelnen Elemente der Collagen, sind ausgeschnittene Teile von Ansichtskarten, die aus den umfangreichen Bildarchiven der Künstlerin stammen. Die Collagen werden ausgeschnitten und geklebt, es findet keine Bearbeitung am Computer statt.
Geboren 1965 in Basel, Schweiz, lebt in Wien und Basel.
Studium an der Schule für Gestaltung in Basel, Fachklasse für Audiovisuelle Gestaltung (bei Enrique Fontanilles und René Pulver).
Ihre ersten Rauminstallationen basieren auf der Entdeckung und Erfahrung von spezifischen, real existierenden Räumen, die sowohl Ausgangspunkt der Arbeiten bilden als auch Konzept und Inhalt der Videospuren nach sich ziehen.
Seit Anfang der 90er Jahre gilt Widauers Interesse im Besonderen den Uebergängen zwischen bildender Kunst, Literatur und Theater. Die Grenzen zwischen künstlerischen Genres und der Realisierung komplexer Installationen werden unter Anwendung verschiedener medialer Instrumente verwischt. Zentral bleibt dabei immer die Suche nach der Erweiterung von Erfahrungsräumen. So finden sich auch unterschiedlichste künstlerische und wissenschaftliche Beiträge in dem soeben erschienen Buch „Meteoriten – was von aussen auf uns einstürzt“, ein weiterer gelungener Versuch, traditionell getrennte Erfahrungs- und Forschungsbereiche zusammenfliessen zu lassen.
„An den Rändern der Wahrnehmung spazieren gehen und überprüfen, ob alles so ist, wie es ist“, lautet ein Arbeitsansatz von Nives Widauer. So stehen intuitive Bild(er)findungen aus Träumen und Tagphantasien in einem speziellen Verhältnis zu ihrer Wirklichkeit(s-Dokumentation). Die Frage der Trennung von Lebensalltag und Kunstproduktion bleibt dabei irrelevant, stehen doch innere und äussere Welt, Traum und Realität in ständigem Austausch.
Die Videokünstlerin bezeichnet sich selbst als Jägerin und Sammlerin und schöpft aus ihren vielschichtigen Bild- und Materialarchiven. In Berührung zu kommen mit diesem teils gebrauchten, den Besitzer wechselnden Material, heisst für Widauer in Tuchfühlung mit vielen, unterschiedlichen und neuen Welten zu gelangen. Die Bedeutung des Fremden ist dabei relativ, denn „ nichts ist so, wie die Erinnerung daran sein wird“.
Zeit wird dabei als etwas erfahren, das uns körperlich durchdringt und dabei mehr räumlich denn axial spürbar ist. „In der Schwebe bleiben“ könnte deshalb ein Uebertitel ihres Gesamtwerkes sein; so auch wenn Widauer in ihrer jüngsten Arbeit Bildbearbeitungen von eigenen oder gefundenen Photographien in Halbkugeln entwirft, welche vorgefundenes Material weltentrückt erscheinen lassen.
In den Glaskugeln, bei denen es auch bei kräftigem Schütteln niemals schneit, ist die Erinnerung festgehalten. Diese Kugeln visualisieren, wie räumlich Nives Widauer ihre Kunst und ihr Denken auffasst.