Albert Birkle

Berlin 1900–1986 Salzburg


Albert Birkle

Albert Birkle, Selbstporträt, 1928
Öl auf Karton, 51,8 x 37 cm
Museum der Moderne Salzburg
© VBK, Wien, 2005 


Albert Birkle studiert von 1918 bis 1924 bei Arthur von Kampf und Ferdinand Spiegel an der Berliner Akademie und ist ab 1921 Mitglied der Berliner Secession. Birkle nimmt an zahlreichen Ausstellungen der Berliner Secession und des Vereins Berliner Künstler sowie an Kollektivausstellungen in und außerhalb Deutschlands teil. Das Berlin der Zwanzigerjahre ist Birkles erste Inspiration zu seinen sozialkritischen, expressiven, oft ins Groteske übersteigerten Bildern. 1932 übersiedelt er nach Salzburg und nimmt 1946 die österreichische Staatsbürgerschaft an. Er betätigt sich als Maler und Graphiker, seine bevorzugten Bildthemen sind das Porträt, die Landschaft und Stadtansichten. Bis ins hohe Alter arbeitet er an dem Graphikzyklus „De profundis“, in dem er die im Zweiten Weltkrieg erlebte Gewalt und Gräuel verarbeitet. Nach dem Krieg ist Birkle sehr erfolgreich mit in der neuen Dalle-Glas-Technik ausgeführten Glasfenstern; es entstehen Glasmalereien für Kirchen in Österreich und Deutschland. Im Jahr 1970 erhält Albert Birkle den Auftrag zu fünf großen Glasfenstern für die National Cathedral in Washington D.C. (BNO)


Abendsonne in Tirol

1927/28

Albert Birkle – Abendsonne in Tirol

© VBK, Wien, 2005 


Maße:      51,3 x 69,8 cm
Technik:  Öl auf Karton
Signatur: signiert rechts unten: A. Birkle

 

Ende der Zwanzigerjahre entstanden ist das Bild „Abendsonne in Tirol“ mit seiner kühlen Distanziertheit ein typisches Werk der Neuen Sachlichkeit.Dargestelltist eine gebirgige Landschaft, die von einembraunen, kahlen Bergmassiv im Mittelgrund dominiert ist und nach hinten von schneebedeckten, blaugrauen Gebirgszügen begrenzt wird. Dasabendliche Licht dertief stehenden Sonne, das von rechts auf dieHäuser im Vordergrund fällt, bringt etwas Wärme in das sonst kühl wirkende Bild. Man hat den Eindruck, dass es sich um keinen real existierenden Ort, sondern um eine verfremdete, unwirkliche Gegend handelt. Die verzerrte Perspektive unterstreicht diesen Eindruck und bringt zudem eine expressive Komponente in die Bildkomposition ein.Bei den Landschaften zog Birkle immer die karge, herbstliche Landschaft der heiteren, sommerlichen vor. Es sindkeine naturalistischen, detaillierten, sondern formal und emotional reduzierte Darstellungen der Natur, idealisierte Wiedergaben der Wirklichkeit.

Entstanden ist das Gemälde um 1927/28, noch vor der Übersiedlung nach Österreich. Nach einem Schiurlaub in Tirol entschloss sich Birkle im Jahr 1932, das politisch unbequeme Berlin zu verlassen und sich in Salzburg niederzulassen, wo er bis 1986 ein allerdings eher isoliertes Leben führte. In demvon Faistauer geprägten Salzburgwar es für ihn nicht leicht,Kontakte und Anerkennung zu finden.Nach dem Krieg war Birkle aber sehr erfolgreich mit der Gestaltung von Glasfenstern für Kirchen in Österreich, Deutschland und den USA, die er in der neuen Dalle-Glas-Technik ausführte. (BNO)


Sommerlicher Blumenstrauß

1931

Albert Birkle – Sommerlicher Blumenstrauß

© VBK, Wien, 2007 


Maße:     71 x 52 cm
Technik: Öl auf Karton
Signatur: signiert rechts unten: A. Birkle

 

Ein Strauß von roten, gelben und weißen Sommerblumen ist locker in einer gläsernen, tulpenförmigen Vase arrangiert, ein zarter Strauß von stiller Poesie. Die feinen Blütenblätter sind mit duftigen Strichen gemalt, das Schleierkraut mit zarten weißen Tupfen kaum mehr als angedeutet. In hellen Farbtönen – Gelb, Weiß und Rot – heben sich die zarten Blüten vom dunklen, blauen Hintergrund ab. Auch im Blumenstillleben zeigt sich bei Birkle die Natur nicht von ihrer üppigsten Seite. Besonders im Vergleich mit Faistauers prachtvollen, überquellenden Blumenbildern fällt die Zartheit dieses Blumenbildes auf. Allerdings machen gerade die Fragilität und die Zurückhaltung den besonderen Reiz dieses Gemäldes aus.

Das Blumenstillleben ist nicht das Bildthema, dem sich der gebürtige Berliner Maler häufiger widmet, es ist eine Ausnahme. Sein Oeuvre – überwiegend Stadtansichten, Porträts und Landschaften – ist vielmehr von Entsetzen und Tristesse geprägt. Angst, Trostlosigkeit und ins Groteske überzeichnete Figuren kommen in seinen Bildern zum Ausdruck. Wenn Birkle sich mit der Natur auseinander setzt, „begnügt er sich nie damit, die Natur als bloßen Sinnesreiz zu sehen, sich einem Eindruck hinzugeben, seine Auffassung ist der impressionistischen entgegengesetzt. Die Natur existiert für ihn nur als Spiegel der eigenen Gefühlswelt, womit er ganz in der Tradition der Romantik und ihrer fast religiösen Naturbeseelung steht“.1) „Mit dieser romantisierenden und zugleich frostigen Auffassung steht Birkle nicht allein, man spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer romantischen Seitenlinie der „Neuen Sachlichkeit“, der Künstler wie Franz Lenk, Georg Schrimpf u. a. zugezählt werden. Das stimmungsmäßige, zugleich ins Existenzielle gewendete Moment ist jedoch bei keinem anderen so stark ausgeprägt.“1) (BNO)

1) Schaffer (2001, S. 24).