
Künstler-Homepage: www.willyeisenschitz.com

Künstler-Homepage: www.willyeisenschitz.com
Als Sohn einer jüdischen Anwaltsfamilie in Wien geboren entdeckt Willy Eisenschitz schon früh seine Liebe zum Zeichnen und Malen. Entgegen dem Wunsch seiner Familie nach einer wirtschaftswissenschaftlichen oder juristischen Ausbildung entscheidet er sich für ein Kunststudium. Die Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in Wien ab 1911 empfindet er als konservativ, wohingegen ihn die modernen impressionistischen französischen Künstler stark beeindrucken. Eisenschitz setzt seine Studien in Paris an der „Académie de la Grande Chaumière“ fort, nach Abschluss seines Studiums 1914 heiratet er die Malerin Claire Bertrand. Bei Kriegsausbruch versucht Eisenschitz, nach Österreich zurückzukehren, wird aber in einem Auffanglager in Frankreich interniert. Seine Frau beschließt, freiwillig zu ihm zu ziehen; zwei Kinder kommen im Lager zur Welt. Nach Kriegsende leidet Eisenschitz an Tuberkulose, die er in der Schweiz auskuriert. 1920 kehrt die Familie nach Paris zurück. Eisenschitz entdeckt die Provence und den Süden, was seine weitere Arbeit entscheidend prägt. Es folgt die Übersiedlung nach La Valette-du-Var in der Nähe von Toulon und eine Zeit reger Ausstellungstätigkeit, auch in Paris, Brüssel, New York und Wien. 1935 beantragt Eisenschitz die französische Staatsbürgerschaft. 1937 erhält er eine Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung. Nach Kriegsausbruch ist der Künstler wegen seiner jüdischen Herkunft Repressalien ausgesetzt. 1942 wird sein Wohnsitz beschlagnahmt, er wird mit seiner Familie von Freunden im Bergdorf Dieulefit versteckt. Er malt unter dem Pseudonym „Villiers“ weiter. Sein Sohn David, der sich der Résistance angeschlossen hat, wird 1944 festgenommen und ab diesem Zeitpunkt vermisst. 1949 nimmt Eisenschitz seine Ausstellungstätigkeit wieder auf. Nach dem Tod seiner Frau 1969 zieht er nach Paris. Im Jahr 1973 findet seine letzte große Ausstellung statt. (EOD)

© VBK, Wien, 2005
Maße: 49,5 x 60,7 cm
Technik: Öl auf Hartfaser
Signatur: signiert rechts unten: W Eisenschitz
Willy Eisenschitz – verheiratet mit der französischen Künstlerin Claire Bertrand – lebte den größten Teil seines Lebens in Frankreich. Aus diesem Grund hat er auch heute in Österreich noch nicht den Stellenwert, den er verdient. Die französische Moderne, allen voran Cézanne, beeinflussten ihn sehr. Das Gemälde „Landschaft in der Provence“ entstand um das Jahr 1935. In dieser Phase seiner Malerei zeigen sich die tektonischen Aspekte einer Landschaftsmalerei, die Natur wird in Schichtungen, Terrassen und kleinen Flächen dargestellt.
Die einzelnen Felder und Terrassen, in Grün- und Ockertönen gehalten, offenbaren eine rhythmische Ordnung. Eine Straße, an der im Vordergrund vereinzelt kahle Bäume stehen, verschwindet zwischen den Hügeln. Wesentlich auffälliger sind die hohen zypressenähnlichen Bäume, die als starkes Gegengewicht zu den kleinen Flächen aus den Feldern herausragen. Insgesamt wird der Eindruck eines klar strukturierten und bewusst akzentuierten Werkes mit harmonischer Farbgebung erzeugt. Zur Zeit der Entstehung des Gemäldes lebte der Künstler in Minimes in Südfrankreich. Er liebte den dort herrschenden offenen und positiven Lebensstil, pflegte viele Freundschaften und gesellschaftliche Kontakte.
In Frankreich lernte er den Schriftsteller Aldous Huxley kennen, der begeistert war von seinen Werken und auch selbst welche von ihm erwarb. Aldous Huxley schrieb 1934 in einem Katalog zu einer Eisenschitz-Ausstellung in London: „Die echte Provence ist von zarten und nichtsdestoweniger kräftigen Farben beseelt; sie ist streng, ja wild, jedoch von lauterster Feinheit; sie verbindet Weite und Noblesse mit dem Reichtum klar nuancierter Farbgebung. Eisenschitz, so scheint es mir, gelingt es in seinen bewunderungswürdigen Aquarellen, einen großen Wesensanteil transparent zu machen. Das Ungestüme der provenzalischen Landschaft ist ebenso darin enthalten wie ihre Verschwiegenheit, ihre Strenge und ihr Reichtum. Wir haben es hier mit dem Werk eines Künstlers zu tun, der mit Sensibilität und Raffinesse, aber auch mit bemerkenswerter Kraft ausgestattet ist.“1) (EOD)
1) Huxley (1934), deutsche Übersetzung übernommen von Tromeyer und Metlevicz (1988, S. 11).