

Felix Albrecht Hirsch – den Namen Harta nimmt er später an –wächst in Wien auf und studiert zunächst Architektur an der Technischen Hochschule. 1905 geht er nach Bayern, besucht die Künstlerschule Dachau bei Hans von Hayek und studiert an der Münchner Akademie Malerei bei Hugo von Habermann. 1908 übersiedelt er nach einem kurzen Aufenthalt in Wien nach Paris, wo er in Museen zu Studienzwecken Werke berühmter Maler kopiert. Reisen führen ihn auch nach Spanien, Belgien und Italien. Von 1913 bis 1916 lebt Harta wieder in Wien, dann geht er für einige Jahre nach Salzburg, wo er 1919 die Künstlervereinigung „Der Wassermann“ mitbegründet und deren Präsident wird. 1920 gründet er gemeinsam mit Anton Faistauer die „Moderne Malerakademie“ und die „Neue Galerie“. Ab 1924 lebt Harta wieder in Wien, wo er sich 1928 dem Hagenbund anschließt. 1939 emigriert der Künstler nach England, wo er am College in Cambridge unterrichtet. 1950 kehrt er nach Salzburg zurück, wo er bis zu seinem Tode lebt. (GKE)

Maße: 58,9 x 71,9 cm
Technik: Öl auf Leinwand
Signatur: signiert links und rechts unten: HARTA
Felix Albrecht Harta steht für eine typisch österreichische Form des Expressionismus. Dieses zehn Jahre vor der Emigration nach England entstandene Bild zählt wohl zu den besten Werken des Künstlers. Mit dynamischem, sicherem Strich – der Duktus sehr spontan – setzt er in teils übersteigerten Farbwerten ein Motiv aus Mähren auf die Leinwand. Die warmen, kräftigen Farben geben der Landschaft mit dem das Bild dominierenden weißen Haus auf der linken Seite südliches Flair. Den Hintergrund füllen sanfthügelige Landschaft mit üppigem Grün und ein schmaler Streifen Himmel am Horizont. Das starke Licht und die kräftigen Schatten lassen die Formen sehr plastisch erscheinen.
Souverän malt Harta die großflächigen Hausfassaden mit pastosem Farbauftrag, setzt aber immer wieder mit fast flüchtigem Strich liebevolle Details wie die kleine, sommerlich gekleidete Familie auf dem Weg vor den Häusern, die Holzzäune oder die Blumen vor dem Fenster. Das Bild ist voll geradezu barocker Kraft, man merkt die intensive Auseinandersetzung des Künstlers mit der Malerei des Barock, besonders auf seinen Studienreisen nach Frankreich und Spanien. Diesen barocken Einfluss finden wir etwa auch bei Anton Faistauer, mit dem Harta eine lebenslange Freundschaft verband.
Starken Einfluss auf das Werk des Künstlers hatte auch die französische Malerei. „War nicht das Entzücken vor Bildern Renoirs, die Bewunderung für Manet, die Ehrfurcht vor Courbet, die Ergriffenheit über Van Gogh, das Erstaunen vor Cézanne, viel wichtiger und wirkender auf mich, als aller je genossener Unterricht …“,1) schrieb Harta in seinen persönlichen Aufzeichnungen. (GKE)

Maße: 66,4 x 91,5 cm
Technik: Öl auf Leinwand
Signatur: signiert rechts unten: HARTA.
Von einem leicht erhöht gelegenen Standort aus zeichnet Harta die winterliche Landschaft mit kräftig-expressiven, sich teils überlagernden Strichen. Ähnlich wie bei Thönys Winterbild ist sie in den Farben sehr reduziert, der Künstler verwendet fast ausschließlich Schwarz, Weiß, Blau und etwas Gelb.
Das mächtige Gebirgsmassiv im Hintergrund ist in pastelligen Tönen fein abgestuft, in der mittleren Ebene werfen die Bäume im hellen Sonnenlicht lange Schatten. Das Bild besticht vor allem durch den lebendigen Strich und die starken Kontraste. Das satte Schwarz der Bäume wird am bewaldeten Hang durch helle Schattierungen abgemildert. Spuren und Fährten im Schnee und die blauen Schatten der Bäume lockern die große weiße Fläche im Vordergrund auf.
Durch einen Pferdeschlitten, einen Spaziergänger und vereinzelte Häuser wird die Strenge der Winterlandschaft gebrochen. Die Sonne am oberen Bildrand, mit ihren Strahlen in fast kindlicher Manier gemalt, setzt einen raffinierten Kontrapunkt.
Harta war ein bedeutender Vertreter des österreichischen Expressionismus, der engen Kontakt zu seinen Künstlerkollegen, so zu Oskar Kokoschka, Albert Paris Gütersloh oder Anton Faistauer pflegte. Immer wieder war Harta in Künstlervereinigungen aktiv, so gründete er 1909 gemeinsam mit Egon Schiele, Oskar Kokoschka, Anton Kolig und Oskar Laske die Neukunstgruppe. In seiner Salzburger Zeit war er führend in der „Neuen Vereinigung bildender Künstler Salzburgs – Wassermann“ engagiert, die zum Ziel hatte „der lebendigen Kunst unserer Epoche ein europäisches Forum zu schaffen“. Nach seiner Rückkehr nach Wien schloss er sich dem Hagenbund an, der neben demKünstlerhausund derSecessiondritten großen Wiener Künstlervereinigung, die als fortschrittlichste dieser Zeit gelten kann und 1938 durch die Nationalsozialisten aufgelöst wurde. (GKE)
1) Ausstellungskatalog Harta (1994, S. 4).