Ernst Huber

Wien 1895–1960 Wien



Ernst Huber absolviert zunächst von 1910 bis 1914 eine Lehre in der Genossenschafts-Buchdruckerei. Er arbeitet dann als Schriftsetzer und Lithograph in der Offizin F. Rollinger, wo er um 1920 seine erste Mappe künstlerischer Lithographien veröffentlichen kann, daneben besucht er Abendkurse für ornamentales Zeichnen bei Otto Prutscher und Karl Witzmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Nach dem Kriegsdienst nimmt Huber auf Vermittlung Josef Hoffmanns neben Oskar Kokoschka, Anton Faistauer, Anton Kolig, Franz Wiegele und Herbert Boeckl an der Kunstschau teil. Die erste Ausstellung in der Kunstgemeinschaft ist ein durchschlagender Erfolg. 1928 wird Huber Mitglied der Secession. Lebenslange Freundschaft verbindet ihn mit den Malerkollegen Franz Kitt, Franz von Zülow und Georg Merkel. Ab 1923 unternimmt er zahlreiche Reisen nach Italien, Frankreich, Nordafrika, Palästina, auch nach Südamerika und in die Vereinigten Staaten. Ernst Huber nimmt regelmäßig an Ausstellungen im In- und Ausland teil. Im Jahr 1935 erhält er den Österreichischen Staatspreis für Malerei. Werke des Künstlers befinden sich u. a. in der Österreichischen Galerie Belvedere, im Museum Leopold und der Graphischen Sammlung Albertina in Wien sowie im Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz. (GKE)


Winter im Pinzgau

1935

Ernst Huber – Winter im Pinzgau

 


Maße:      198,7 x 177,1 cm
Technik:  Öl auf Leinwand
Signatur: signiert und datiert: E. HUBER 1935

 

Ernst Hubers„Winter im Pinzgau“ ist ein Bild von wahrhaft monumentalen Ausmaßen; in großzügigen, kräftigen Pinselstrichen hält der Künstler die ländliche Szene fest. Ein großer Bauernhof am Fuße eines teils bewaldeten Berges bildet den ruhenden Mittelpunkt, davor sind mehrere Menschen auf dem Feld beschäftigt, zwei Pferde sind zur Arbeit eingespannt. Links unten treten zwei Jäger, erkennbar am umgehängten Gewehr sowie Hut und Jacke in leuchtendem Grün, von einem Hund begleitet, ins Bild.

Im kontrastreichen Vordergrund wechseln Schneestreifen mit dunklem Ackerboden ab. Auf die bewegte und detailreiche Bildmitte folgt – die Bäume nur schemenhaft in dunkelbraun und schwarz – der Berghang in teils gehöhtem Blau, der mit dem gleichfarbigen Himmel verschmilzt. Ein leichter Nebel scheint über der oberen Bildhälfte zu schweben.

Huber selbst schilderte seine Vorliebe für die ländliche Landschaft wie folgt:

„Nach längerer Abwesenheit zieht es mich immer wieder heim zu den Bauernhöfen und braunen Ackerschollen, den dunklen Häusern vor den Hügeln. Ich liebe diese Straßen und Gassen in den Orten hier und bin stolz, daß man bereits seit langer Zeit von Huber-Landschaft spricht …“. [1]

„Es ist der geheime Zauber einer stillen, unauffälligen Landschaft, die gerade durch die tiefe Verbundenheit des Malers mit dem heimatlichen Land ihr inneres Wesen in einer unvergleichlichen Weise offenbart. Die österreichischen Landschaften sind Ernst Hubers persönlichstes und schönstes Vermächtnis an die Nachwelt.“ [2] (GKE)


[1]Schmitt (1948, S. 12).

[2]Grimschitz (1961). 


Fest im Freien

Ernst Huber – Fest im Freien

 


Maße:      60 x 73 cm
Technik:  Öl auf Leinwand
Signatur: signiert links und rechts unten: E. HUBER

 

Kraftvoll und unverwechselbar hebt Ernst Huber unspektakuläre Themen aus der Alltäglichkeit, mit froher Farbigkeit und fast naiver, alles Hässliche meidender Wiedergabe der landschaftlichen Natur. In seinen Ölbildern wie auch beim Aquarell, auf das er sich ab Mitte der Dreißigerjahre immer mehr konzentriert, ist er stets dem Gegenständlichen, der sichtbaren Natur verhaftet.

An einem strahlenden Frühsommertag treffen sich die Menschen in hellem Sonntagsgewand zum Fest auf der Dorfwiese. Sie sitzen im Gras, promenieren ins Gespräch vertieft, bunt gekleidete Kinder tollen in unbeschwertem Spiel umher. Es ist ein kommunikatives Bild, geradezu paradigmatisch für Hubers liebenswürdige Schilderungen des ländlichen Lebens. Auf seinen Sommerbildern steht der Mensch nie allein in der Natur, und immer sieht man dörfliche Architektur im Hintergrund. Fast kulissenhaft erheben sich Kirche und Häuser im oberen Bilddrittel. Auch wenn die Szene sehr bevölkert ist, sind es stille Bilder, die Ruhe und Beschaulichkeit vermitteln. Es sind Momentaufnahmen, die das fröhliche Treiben statisch festhalten, Schaubilder, die ihren ganzen Charme nicht auf den ersten Blick erschließen.

Was Klaus Schröder über Wilhelm Kaufmann schreibt, kann wohl auch für Huber gelten, nämlich dass er einem spezifisch österreichischen malerisch-expressiven Traditionalismus zugehört. Spontan wird die Farbe oft al prima aufgetragen, man merkt die Beschäftigung mit der Hinterglasmalerei. Huber kommt von der Graphik, als Maler war er Autodidakt. Sein Strich ist feinstrukturiert, die Komposition mehr flächig als räumlich.

„…(Huber malte) Menschen bei der Arbeit, Menschen in der Festfreude. Und … die österreichische Landschaft, vor der Natur gemalt, aber auch aus der Phantasie vorgestellt, immer aber mit dem Klang des Heimatlichen. Tief im Bewusstsein blieb die Welt Bruegels lebendig, die Huber bereits in der Kindheit stärker als alle anderen Meister berührt hatte…“. [1] (GKE)


[1]Grimschitz (1960).


Eisvergnügen

Ernst Huber – Eisvergnügen

 


Maße:     73 x 92 cm
Technik:  Öl auf Leinwand
Signatur: signiert rechts unten: E. HUBER

 

Im Gegensatz zu den Winterbildern der späten Zwanzigerjahre herrscht hier buntes Treiben, eine Vielzahl fröhlicher Gestalten bevölkert die Szene. Die Palette ist reicher geworden, die Farben wärmer, die Wintersonne taucht Wolken und Hausfassaden in goldenes Licht. Die Menschen begegnen uns nicht mehr dick vermummt und gebeugt, sondern in ausgelassener Bewegung.

Huber ist ein meisterlicher Erzähler, mit froher Farbigkeit schildert er das „Eisvergnügen“ inmitten einer kleinen Stadt. Mit nur wenigen, perfekt gesetzten Pinselstrichen stellt er die Figuren auf das Eis. Auf den Dächern der umgebenden Häuser liegt noch Schnee, aber das warme Sonnenlicht lässt schon den Frühling erahnen. Der kräftig blaue Himmel spiegelt sich im blanken Eis. Eine positive, optimistische Stimmung erfüllt die Szene.

Die flüchtig gezeichneten, aber doch charakteristischen Figuren erinnern an Wilhelm Kaufmanns „Eisläufer am Heustadlwasser“ (1955). „Aber die Nähe zur Szenerie katalysiert nicht den zu erwartenden Detailrealismus. Das ist es, was die typisch österreichische Maltradition von Ernst Huber bis Wilhelm Kaufmann Oskar Kokoschka verdankt.“ [1] Die Leichtigkeit, mit der Huber Bewegung darzustellen vermag, lässt aber auch an den in Alltagsszenen so meisterlichen Raoul Dufy denken.

„…es gibt noch immer die schöne Landschaft bei uns in Österreich! Sie ist auch im Zeitalter der Moderne nicht unmodern geworden. Idyllische Marktplätze, Dörfer mit alten Häusern… ringsum der Kirchplatz, ein liebliches Tal, Almhütten mit Berghang… Es liegt ein unbeschreiblicher Zauber in den Motiven und Farben der Landschaft meiner Umgebung in allen Jahreszeiten…“ [2] (GKE)

 

[1]Schröder (1992, S. 11).

[2]Huber (1956/57, S. 6ff.).


Hochstraße im Schnee

1928

Ernst Huber – Hochstraße im Schnee

 


Maße:      70,1 x 91,1 cm
Technik:  Öl auf Leinwand
Signatur: signiert und datiert links unten: E. HUBER 1928

 

Die 1928 entstandene Winterimpression zeigt eine auf einer Anhöhe gelegene Siedlung, Dächer und Wege sind schneebedeckt. Während die Gebäude am Fuße und in der Ferne nur angedeutet werden, sind die Häuser auf der Anhöhe liebevoll koloriert und geben in ihrer bunt zusammen­gewürfelten Diversität einen freundlich lebendigen Eindruck. Die Farbgebung ist insgesamt von einer noblen Tonigkeit, meisterlich der pastellig schattierte Schnee, der den Hauptton des Bildes bestimmt.

Wir nehmen in dieser Architekturlandschaft Anklänge an die Neue Sachlichkeit wahr, die die Entstehungszeit dominiert. Das Streben nach einer „Wiederherstellung der Ordnung“ als Antwort auf das Chaos von Weltkrieg, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise wird immer stärker. Die Neue Sachlichkeit als Reaktion auf das künstlerische „Experiment“ des Expressionismus propagiert eine Rückkehr zur Natur und zu den klassischen Idealen. [1] So wird besonders in Hubers Winterbildern der Einfluss Pieter Bruegels und Lucas van Valckenborchs spürbar, in der altmeisterlichen Komposition, der Form der kahlen Bäume, den dunklen, leicht gebeugten Gestalten; so sieht auch Bruno Grimschitz „eine verwandte Grundhaltung seiner malerischen Gestaltungsabsichten“. [2] Stille, einsame Winterlandschaften haben einen besonderen Reiz für Huber, er perpetuiert dieses Thema über viele Jahre.

„Der Maler hat nie außergewöhnliche Situationen aufgesucht, nie das Bizarre oder Ungewöhnliche in seine Darstellung einbezogen. Im Gegenteil: gerade das unmittelbar Natürliche findet in den Bildern (…) Hubers die schönste Verwirklichung. Das Unscheinbare der niederösterreichischen Dorflandschaften suchte der Maler immer wieder auf, im Winter im weißen Schnee (…). Huber hat die stillen Landschaften mit den einsamen Häusern, mit den Wegkapellen und den kleinen Dörfern geliebt …“. [3] (GKE)

 

[1]Vgl. Schröder (1995, S. 17).

[2]Grimschitz (1960, S. 23).

[3]Grimschitz (1960) zit. nach Giese & Schweiger (1997).


Landpartie im Sommer

um 1930

Ernst Huber – Landpartie im Sommer

 


Maße:      54 x 65,3 cm
Technik:  Öl auf Sperrholz
Signatur: signiert rechts unten: E. HUBER

 

Hubers Themen sind die Landschaft, besonders die sanft hügelige, üppig grüne Ober- und Niederösterreichs, die Natur und der Mensch in ihr. Aber immer ist es eine vom Menschen in Besitz genommene Natur, immer stellt er seine Figuren auch in die Architekturlandschaft, sogar bei der Schilderung einer Landpartie sieht man im Mittel- und Hintergrund vereinzelte Gehöfte.

Hubers zu Beginn noch dunkle, verhaltene Palette hellt sich im Laufe der Jahre zunehmend auf – sicher auch unter dem Einfluss der Farbigkeit, die ihm auf seinen Reisen nach Dalmatien (1923), in den Vorderen Orient (1925), nach Tunesien und später sogar nach Südamerika (1938) begegnet. Er findet zu leuchtenden intensiven Farbtönen, die aber durch die sensible Komposition nie grell werden.

Lichterfüllt ist unser Bild, die ästhetisch gesetzten Farbvaleurs verleihen ihm einen besonderen Zauber. Mit zarten weißen und gelben Höhungen erzeugt Huber eine flimmernde Atmosphäre. Pointillistische Einsprengsel geben fast impressionistischen Charakter, es gibt aber auch Anklänge an die Kleistertechnik seines Malerkollegen Franz von Zülow, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

Was Bruno Grimschitz 1960 in seiner Monographie über Ernst Huber schrieb, scheint auf unsere „Landpartie“ im Besonderen zuzutreffen:

„Traten die sprühenden Erfindungen der farbigen Sommerlandschaften mit vielen Figuren, die gleich Träumen von paradiesischen Gegenden (verzaubern,…) auch durch Jahre vor den Naturbildern zurück, sie brachen doch immer wieder aus der Vorstellung des Künstlers und fanden auf der Leinwand schimmernde Verwirklichung, von einer Leichtigkeit und einer fast rokokohaften Grazie…“ [1] (GKE)


[1]Grimschitz (1961).


Winterliche Dorflandschaft

um 1928

Ernst Huber – Winterliche Dorflandschaft

 


Maße:      60 x 73,1 cm
Technik:  Öl auf Leinwand
Signatur: signiert rechts unten: E. HUBER

 

Die Winter seiner Heimat sind ein Thema, das Huber immer wieder aufgreift, es existiert eine stattliche Anzahl von Bildern mit diesem Sujet. Die Aussagen sind jedoch vielfältig; die „Winterliche Dorflandschaft“ ist eines jener Bilder, die die soziale Kälte der späten Zwanzigerjahre transportieren.

Eine Straße zieht dynamisch in das Bild, überdimensional, dominierend, wie ein Sog, der diewenigen Passanten mit sich zieht. Die Menschen wenden dem Betrachter den Rücken zu, schwerfällig in ihrer dicken Winterkleidung bewegen sie sich ins Bild hinein. Es ist ein trüber Wintertag, alle Figuren sind fast schwarz gehalten; die Häuserfronten wirken abweisend, die Fenster kahl und leer, kein Rauch steigt aus den Schornsteinen. Das einzig Fröhliche ist der kleine Hund, der seinem Besitzer unbeschwert voranläuft. Der Himmel wirkt verwaschen, mit drohenden schwarzen Wolken am rechten oberen Bildrand. Das Bild ist fast nur in Blau, Weiß und Schwarz gehalten, das wenige Rot und Gelb ist gebrochen, an den Rand gedrängt.

Die Atmosphäre des Bildes vermittelt etwas von der Trostlosigkeit und dem Ausgeliefertsein des Individuums in sozial wie politisch unsicherer Zeit. Die Häuser, die Bäume, die Masten, alles erscheint hoch und übermächtig, der Mensch wirkt klein und schutzlos. Man vermeint, die klirrende Kälte zu spüren.

Obwohl die Jahre um 1930 für den Künstler selbst recht erfolgreich waren – er zeigte seine Gemälde auf zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland, 1928 erhielt er die Silberne Medaille der Deutschen Kunstausstellung Nürnberg und 1932 den Österreichischen Staatspreis – fängt er in diesem Bild die allgemein vorherrschende pessimistische Stimmung auf berührende Weise ein. (GKE)