

Oskar Kokoschka erhält seine Ausbildung 1904 bis 1909 an der Wiener Kunstgewerbeschule. Ab 1907 ist er für die Wiener Werkstätte tätig und verfasst expressionistische Literatur. 1908 und 1909 nimmt er an der „Kunstschau“ der Klimt-Gruppe teil. Sein Kontakt zu Adolf Loos verhilft ihm zu seinen ersten Porträtaufträgen; um 1910 entstehen zahlreiche „psychologische“ Porträts bekannter Persönlichkeiten, u. a. von Adolf Loos, Peter Altenberg und Karl Kraus. Bei seinem Aufenthalt 1910 in Berlin lernt er Herwarth Walden, den Herausgeber der expressionistischen Zeitschrift „Der Sturm“ kennen, für den er Zeichnungen und Texte macht. 1916 übersiedelt er nach Dresden, wo er von 1919 bis 1924 als Professor an der Akademie tätig ist. Ab 1924 unternimmt er ausgedehnte Reisen durch Europa, den Nahen Osten und Nordafrika, kehrt 1931 wieder nach Wien zurück, geht 1934 nach Prag und emigriert 1938 nach London. 1937 werden 417 Werke Kokoschkas als „entartete“ Kunst aus deutschen Museen entfernt und zum Teil vernichtet. 1953 gründet er in Salzburg „Die Schule des Sehens“ als internationale Sommerakademie und lässt sich in Villeneuve am Genfer See nieder. Mehrere Reisen führen ihn durch Europa und Amerika. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht zum einen der Mensch – im expressionistischen Porträt – zum anderen Landschaften und Stadtansichten. Kokoschka zählt mit Egon Schiele, Richard Gerstl und Max Oppenheimer zu den bedeutendsten Vertretern des Expressionismus in Österreich. Er wendet sich früh vom Jugendstil ab und entwickelt einen eigenständigen expressionistischen Malstil, der sich durch starke Farbigkeit, eine ausdrucksstarke, flotte Pinselführung sowie locker gefügte Kompositionen auszeichnet und ihn international bekannt macht. 1954 erhält Oskar Kokoschka den Großen Österreichischen Staatspreis. 1958 wird eine große Retrospektive in München, Wien und Den Haag gezeigt. Anlässlich seines 80., 85. und 90. Geburtstages finden zahlreiche Ehrungen und Ausstellungen in aller Welt statt.(BNO)

© VBK, Wien, 2005
Maße: 50,6 x 60,5 cm
Technik: Öl auf Leinwand
Signatur: monogrammiert links unten: OK
auf der Rückseite bezeichnet: Diese (durchgestrichen) This painting is my own work. O. Kokoschka 1934
Das 1934 datierte Bild müsste noch in Wien vor der Übersiedlung Oskar Kokoschkas nach Prag im September entstanden sein. In dem Brustbildnis von zwei dicht beieinander stehenden jungen Mädchen trägt das ältere der beiden einen mit Blumen verzierten Strohhut und wirkt aufgeregt, ihr Gesicht ist gerötet, ihre Augen sind weit geöffnet und sie scheint zu sprechen. Das jüngere Mädchen blickt den Betrachter ruhig und ernst an. Ausgeführt ist das Gemälde in einem für Kokoschka in den Dreißigerjahren typischen dynamischen Malstil mit dicht aneinander gesetzten Pinselstrichen in kräftigen Farben.
Das Gemälde ist im Werkverzeichnis von H.M. Wingler nicht erfasst, dürfte aber in einem Zusammenhang mit zwei anderen 1934 entstandenen Bildern stehen: „Mutter und Kind (im Garten)“ Nr. 281 und „Im Garten I (Der Besuch)“ Nr. 282.“1) Beide sind Halbbildnisse einer jungen Frau mit Sonnenhut und einem Säugling auf dem Arm. Im Bild „Im Garten I“ ist rechts neben ihr ein zweites, etwas jüngeres Mädchen dargestellt. Zwischen der jungen Frau auf diesen Bildern und dem Mädchen mit Strohhut auf unserem Bild besteht eine gewisse Ähnlichkeit. Da Wingler keinen konkreten Hinweis zu den dargestellten Personen gibt, bleibt die Identität der Porträtierten jedoch ungeklärt.
Das Porträt war mit der Landschaft eines der Hauptthemen im Werk Kokoschkas, von 1909 bis 1912 schuf er frühexpressionistische Bildnisse bekannter Zeitgenossen wie Adolf Loos, Peter Altenberg und Alma Mahler in dünnen, transparenten Farben und mit graphischen Elementen, später farbenkräftige Porträts in pastoser, dramatischer Malweise. Den Bildtypus des hier gewählten Doppelporträts verwendete Kokoschka immer wieder, u. a. 1909 im Bildnis von Hans Tietze und Erica Tietze-Conrat, 1919 im Porträt der Freunde Heise und Mardersteig und im 1948 beauftragten Doppelbildnis der Geschwister Louisa und Gabriela Wartmann. (BNO)

© VBK, Wien, 2005
Maße: 41 x 31 cm
Technik: Lithographie
Signatur: signiert rechts unten: O. Kokoschka
1) Wingler (1956, S. 323).