Porträt-, Landschafts- und Dekorationsmaler sowie Architekt. Geboren am 23. Jänner 1898 in Innsbruck, gestorben am 11. März 1956 in Innsbruck. Tätig in Innsbruck ab dem Jahre 1921. Er erhielt seine erste Ausbildung von 1913 bis 1916 an der Staatsgewerbeschule in Innsbruck. Von 1916 bis 1918 leistete er als Offizier bei den Tiroler Kaiserjägern Kriegsdienst. Von 1918 bis 1921 studierte er an der Münchner Akademie bei Angelo Jank. 1920 war er Mitbegründer der Tiroler Künstlervereinigung "Die Waage". Im Jahre 1924 begann er mit Architekturarbeiten und war ab 1930 in der Hauptsache als Architekt tätig. Er leitete den Umbau des alten Rathauses in Innsbruck im Jahre 1937. Von 1932 bis 1935 unternahm er Reisen nach Italien, Böhmen und Deutschland. Von 1938 bis 1945 war er zum Militärdienst eingezogen. Gemälde seiner Hand wurden 1916, 1920, 1921 und 1945 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck ausgestellt. 1951 wurde eine Kollektivausstellung seiner Werke im Wiener Künstlerhaus veranstaltet. Er erhielt im Jahre 1936 den Österreichischen Staatspreis.
Heinrich Fuchs, Lexikon "Die österreichischen Maler"
Maße: 121 x 100 cm
Technik: Öl auf Leinwand
Signiert rechts unten: WILHELM PRACHENSKY INNSBRUCK
Das Bild zählt zu den wichtigsten Stadtansichten Prachenskys mit einem Motiv außerhalb Tirols. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg bildeten die Innstädte mit ihren mittelalterlichen Stadtkernen, die Altstädte entlang der Salzach und der Donau eine wichtige Anregungsquelle für die Entwicklung der spezifisch tirolerischen Interpretation des modernen Stadtbildes. Die offensichtliche Quelle dieses expressionistischen Stadtbildes sind Egon Schieles Krumau-Bilder der Zeit um 1910. Sie waren in Tirol durch die Verbindung Alfons Waldes mit Schiele bestens bekannt, und auch Prachensky rezipiert deutlich in den fleckigen Flächengestaltungen, den dunklen Konturen und dem strengen cloisonée (Aufteilung in geometrische Flächen) das große Vorbild. Für das expressionistische Formempfinden eignen sich besonders die historischen spitzwinkeligen Grabendächer der Inn-Donau-Region, wie sie in einem kleinen Detail auch auf diesem Bild erkennbar sind. Prachensky variierte sie mehrmals auch in Bildern aus Hall und Innsbruck und in der Architektur spielen sie insbesondere bei Prachenskys Freund Clemens Holzmeister eine wichtige Rolle. Er verwendete derartige expressiv erlebte Mittelalter-Motive plakativ und erfolgreich im Wiener Krematorium.
Matthias Boeckl in "Moderne Kunst IX" von Wienerroither & Kohlbacher GmbH, 2006, Bild Nr. 36.