Maximilian Reinitz

Wien 1872–1935 Wien



Maximilian Reinitz studiert von 1898 bis 1902 an der Münchner Kunstakademie bei Johann Herterich, Ludwig von Herterich, Carl von Marr und Peter von Halm. Anschließend ist er in Budapest, Dresden und Berlin tätig, ab 1914 in Wien. Er ist von 1922 bis zu seinem Tod im Jahr 1935 Ehrenmitglied des Hagenbundes. Er gilt als Vertreter des Kubismus in Österreich. (EOD)


Waidhofen an der Ybbs

1927

Maximilian Reinitz – Waidhofen an der Ybbs

 


Maße:      79,4 x 63,1 cm
Technik:  Öl auf Leinwand
Signatur: signiert links unten: M. REINITZ 27

 

Als Mitglied der Wiener Künstlervereinigung Hagenbund war Maximilian Reinitz einer der wenigen, die sich in Österreich mit dem Kubismus auseinander setzten. Darüber hinaus fand er zu einer Sprache, in der Stimmung und Technik den Intentionen der „Neuen Sachlichkeit“ entsprechen. Maximilian Reinitz veranschaulicht dabei deutlich, dass die Neue Sachlichkeit nicht nur als Gegenpol zum Expressionismus zu sehen ist. Das vorliegende Bild – sehr ähnlich dem bekannten Werk „Rote Dächer“ aus dem gleichen Jahr – verdankt seine einzigartige Wirkung beiden Richtungen. Die übereinander angeordneten Häuser werden durch gleichmäßige, geometrische Formen betont. Die Kuben der Stadtlandschaft werden im Vordergrund von dem breiten, in starken Blau- und Grüntönen gehaltenen Fluss Ybbs und im Hintergrund durch eine Hügelkette abgegrenzt. Das helle Licht auf den streng linearen Architekturformen suggeriert den Charakter des traumartig Irrealen und erzeugt eine ambivalente Stimmung. Das Gemälde beeindruckt durch seine intensive außergewöhnliche Farbakzentuierung. Maximilian Reinitz malte häufig niederösterreichische Städte mit Architekturlandschaften, die an einem Flussufer emporragen. (EOD) 


Einsame Straße

Maximilian Reinitz – Einsame Straße

 


Maße:      53,5 x 65,2 cm
Technik:  Öl auf Leinwand

 

Es ist kein herkömmliches Stadtmotiv im Sinne einer topographischen Aufnahme, das uns Maximilian Reinitz hier zeigt. Im Gegenteil, der Künstler hat alle individuellen Merkmale, alle Möglichkeiten der Identifikation weggelassen. Eine motivische Zuordnung ist nicht mehr möglich, und sie ist auch gar nicht beabsichtigt. Beabsichtigt ist auch hier das Festhalten des Idealtypischen, Beispielhaften, das mit Hilfe der ganz spezifischen Stimmung zum fast meditativen Innehalten einladen will. Die grünlich-blauen Farbtöne, das Spiel mit Licht und Schatten verleihen der Szenerie eine fast entrückte, jedenfalls eigenartige Atmosphäre, eine Atmosphäre und Stimmung, die wir auch in der zeitgleichen pittura metafisica finden können. Der Betrachter findet sich in einer Stadt wieder, die trotz ihrer scheinbaren Beschaulichkeit abweisend wirkt, gleichzeitig aber auf eigentümliche Art zu fesseln vermag. Diese ambivalente Empfindung ist die eigentliche Aussage Reinitzscher Städtebilder, die – so scheint es – dafür geschaffen wurden, den Menschen und das moderne Leben zu thematisieren.

"Gemälde österreichischer Meister des 19. und 20. Jahrhunderts", Giese & Schweiger, 2006/2007, Nr. 36