Alfons Walde

Oberndorf 1891–1958 Kitzbühel



Alfons Walde studiert ab 1910 in Wien Architektur an der Technischen Hochschule, wo er zahlreiche Kurse für Zeichnen und Malen belegt und auch seine Ausbildung zum Maler erfolgt. Während seiner Studienzeit steht er in Kontakt mit Albin Egger-Lienz, Gustav Klimt und Egon Schiele. Nach dem Ersten Weltkrieg, den er im Einsatz bei den Tiroler Kaiserschützen verbringt, ist er in Kitzbühel als Maler tätig. Er malt Porträts, Stillleben, Genreszenen und Landschaften. Sein Frühwerk, pointillistische und secessionistisch-dekorative Arbeiten, ist noch sehr der Tradition der Wiener Secession verhaftet. Mitte der Zwanzigerjahre findet er seinen eigenen, für ihn so typischen Stil, der sich durch kräftige Farbe, eine dekorative Vereinfachung und eine malerisch-expressive Handschrift auszeichnet. Zu seinen wichtigsten Bildthemen gehören die Stadt Kitzbühel, die Tiroler Landschaft mit den Alpen, die Berg- und Bauernhäuser, die bäuerliche Bevölkerung und der moderne Wintersport. Als einer von wenigen österreichischen Malern wird Walde durch die in den Zwanziger- und Dreißigerjahren gestalteten Werbeplakate für den Tiroler Fremdenverkehr international bekannt. (BNO)


Sonntag

1920–1923

Alfons Walde – Sonntag

© VBK, Wien, 2005 


Maße:      76,5 x 72 cm
Technik:  Öl auf Karton
Signatur: monogrammiert links unten: W.

Auf diesem Bild zeigt uns Walde eine typische Szene in einer Tiroler Ortschaft. Die Gesichter der dargestellten Figuren sind nur grob skizziert, wodurch die Körperhaltung mehr an Bedeutung gewinnt. Die Komposition des Bildes besteht aus einer statischen Gruppe von drei Männern im Vordergrund und einer Frau im Festtagsgewand, die, als dynamischer Teil, im Hintergrund an den Männern vorbei schreitet. Die Männer waren offensichtlich zuvor in ein Gespräch vertieft, welches durch die Anwesenheit der Frau unterbrochen wurde.

Bemerkenswert ist, wie geschickt Walde unseren Blick auf diesem Bild lenkt. Der erste Blick des Betrachters fällt auf die dominierende Dreier-Gruppe im Vordergrund. Der Blick der drei Männer ist aber auf die Frauengestalt im Hintergrund gerichtet und lenkt somit unsere Aufmerksamkeit ebenfalls dieser Figur am Rand zu. Es ist auffallend, dass nur bei dem Mann in der Mitte des Bildes und der Frau ein Mund sichtbar ist und somit die Kommunikation zwischen den beiden verstärkt zum Ausdruck gebracht wird. Diese beiden Hauptfiguren sind, bei genauerer Betrachtung, auch mit mehr Attributen ausgestattet, wodurch sie thematisch noch weiter in den Vordergrund gestellt werden. Durch die Körperhaltung der Figuren wird zwischen der Männergruppe und der Frau eine Spannung spürbar, die das Bild beherrscht.

Walde war bemüht, ein unmanipuliertes, unverfälschtes Menschenbild darzustellen, ganz so wie er es gesehen hat. Die volkstümliche Kraft und Tradition der bäuerlichen und städtischen Bevölkerung Tirols hat Walde tief geprägt und findet sich als häufiges Thema in seinen Werken. (RH)


Einsamer Berghof

1933/1934

Alfons Walde – Einsamer Berghof

© VBK, Wien, 2005 


Maße:      33,3 x 52,5 cm
Technik:  Öl auf Karton
Signatur: signiert rechts unten: A. Walde

In diese Winterlandschaft eingebettet liegen ein Berghof und ein Nebengebäude, die sich an den Berg schmiegen. Die gedrungenen Gebäude sind der Umgebung angepasst und werden zu einem Teil der Landschaft. Die verschneiten Felsformationen der Berge ragen in den wolkenlosen, blauen Himmel, der das Gemälde nach oben hin abschließt.

Die Abgeschiedenheit, die Walde Zeit seines Lebens zu schätzen wusste, ist hier, verbunden mit der Romantik des Berglebens, das Kernthema. Sowohl die Tektonik der Landschaft als auch der Bezug des Menschen zur Natur wird hier gekonnt in Szene gesetzt. Von Walde stammen mehrere ähnliche Bilder, die sich diesem Themenkreis, der Abgeschiedenheit in den Bergen, widmen und uns ein Stück heile Welt zeigen.

Die Licht- und Schattenwirkung, wie auch die meisterhaften Farbschattierungen in Waldes Winterlandschaften sind besonders beeindruckend. Er verstand es, die Natur zwar in reduzierter Form, aber doch realistisch darzustellen. Bei der Betrachtung dieses Gemäldes hat man das Gefühl, als blicke man durch ein Fenster und nicht auf ein Bild. Waldes Bekanntheit ist nicht zuletzt auf seine Winterbilder zurückzuführen, die zu malen er so vortrefflich beherrschte. (RH)


Dorfstraße

1931

Alfons Walde – Dorfstraße

© VBK, Wien, 2005 


Maße:      75,3 x 120 cm
Technik:  Öl auf Leinwand
Signatur: signiert rechts unten: A. Walde

Dieses Bild zeigt uns vermutlich eine Dorfstraße in Oberndorf, dem Geburtsort Waldes. Die im Hintergrund aufragenden Berge dienen als untergeordnete Kulisse, wodurch die Gebäude dieser Ortschaft und das Geschehen auf der Straße mehr in den Vordergrund gerückt werden. Bei dem Haus im Zentrum des Bildes dürfte es sich um ein Wirtshaus handeln, welches öfters von Walde verewigt wurde.

Vor dem Wirtshaus ist eine Gruppe von drei Männern gerade in ein Gespräch vertieft, während eine Frau in Festtagstracht im Begriff ist, den Bereich vor dem Gasthaus zu überqueren. Im Vordergrund kommt ein Paar auf den Betrachter zu. Die Straße ist aus einer erhöhten Position dargestellt, wodurch die einzelnen Szenen, die sich auf ihr abspielen, sehr leicht überschaubar sind. Die markanten Figuren sind alle stark gegen den Hintergrund abgehoben. Einige der abgebildeten Personen und Szenen hat Walde auch in anderen Werken dargestellt. Viele Bilder Waldes ließen sich zu Geschichten aneinanderreihen, die uns vom Leben in dieser Tiroler Gegend erzählen könnten. (RH)


Bauern am Tisch

um 1928

Alfons Walde – Bauern am Tisch

© VBK, Wien, 2005 


Maße:      53,4 x 60,4 cm
Technik:  Öl auf Malkarton
Signatur: signiert rechts unten: A. Walde

An einem annähernd quadratischen Tisch sitzen vier Männer und eine Frau. Durch den erhöhten Blickwinkel wird die ansonsten alltägliche Szene aus einer unerwarteten Perspektive gezeigt. Diese Betrachtung von oben ist ein beliebtes Stilmittel Waldes, um Alltägliches ausgefallen wirken zu lassen und den dargestellten Szenen etwas Besonderes zu geben.

Die vier Männer, die sich im Zentrum des Werkes befinden, sind über den Tisch gebeugt, während die weibliche Figur etwas absentiert am Bildrand dargestellt wird. Die sitzenden Bauern dominieren dieses Bild eindeutig. Die Frau wird von Walde bewusst an den Bildrand gesetzt, wodurch er die untergeordnete, gesellschaftliche Stellung der Frau im bäuerlichen Milieu der damaligen Zeit zum Ausdruck bringt. Durch die fast durchgehende monochrome Farbgestaltung wird die Düsternis im Raum zur Geltung gebracht. Nur wenige Farbakzente unterbrechen die vorherrschenden Braun- und Grautöne. Die einfache Motivwahl setzt Walde bewusst ein, um den Betrachter nicht vom eigentlichen Inhalt des Bildes abzulenken.

Bei der Betrachtung des Bildes lassen sich zwei Gruppen erkennen: Einerseits zwei, in ein Gespräch vertiefte Bauern, die dem Betrachter am nächsten dargestellt sind und andererseits eine Gruppe, die aus den beiden anderen Männern und der Frau besteht, die sich miteinander zu unterhalten scheinen. Walde, der sich zunehmend selbst isolierte, zeigt uns diese Szene aus seiner Perspektive, der Perspektive des unbeteiligten Beobachters. Er differenziert die Geschlechter deutlich voneinander und erzeugt so zwischen ihnen eine Spannung, nicht zuletzt durch ein räumliches Abrücken der weiblichen Figur von den Männern. (RH)


Tiroler Bergstadt

1924

Alfons Walde – Tiroler Bergstadt

© VBK, Wien, 2005 


Maße:      100,7 x 120,5 cm
Technik:  Öl auf Leinwand
Signatur: signiert rechts unten: A. Walde

Diese Ansicht der Andreaskirche in Kitzbühel ist ein oft wiederholtes Motiv Waldes. Kitzbühel, seine Heimatstadt, hat er immer wieder zu den verschiedensten Jahreszeiten gemalt, oftmals aus dem gleichen Blickwinkel. In diesem Werk verbindet er die Darstellung der alpinen Tektonik Tirols mit jener der Architektur der Stadt. Die Stadt fügt sich harmonisch in das Landschaftsbild ein und wird dadurch Teil dieser Landschaft. Durch sein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Wien hat Walde sich auch intensiv mit der Darstellung von Gebäuden auseinander gesetzt, was ihm nicht zuletzt auch bei Stadtansichten von Nutzen war. Mit graphischer Sicherheit stellt er die beiden Türme in den Mittelpunkt des Bildes und es scheint so, als wollten die Turmspitzen mit den Bergspitzen konkurrieren.

Durch Waldes Bilder ist es dem Betrachter möglich, Kitzbühl mit seiner umgebenden Landschaft so zu erleben, wie der Künstler es gekannt und auch geliebt hat.

Kitzbühel hat sich ab 1900 wirtschaftlich und auch touristisch stark entwickelt. Von diesem Aufschwung hat Walde ebenfalls stark profitiert, da seine Bilder und Plakate damals in der Tourismuswerbung Verwendung fanden. Durch die Besucher aus der europäischen Oberschicht vergrößerte sich zudem auch Waldes Klientel. (RH)