Um möglichst verlässlich einschätzen zu können, durch welche Risiken die Stabilität des Euro gefährdet sein könnte, analysiert die geldpolitische Strategie des Eurosystems zwei Bereiche: Auf der einen Seite steht eine breit angelegte Analyse verschiedener gesamtwirtschaftlicher Indikatoren, wie etwa das Wirtschaftswachstum und seine Komponenten, Beschäftigung, Löhne und Preise, einschließlich deren Prognose. Der Zeithorizont der Projektionen ist kurz- bis mittelfristig, d. h. etwa, Wirtschaftswachstum und Inflation werden für das laufende und kommende Jahr prognostiziert. Auf der anderen Seite werden die Entwicklung der Geldmenge sowie die Kreditentwicklung genau analysiert. Diese „monetäre Analyse“ gibt vor allem über mittel- bis langfristige Inflationstendenzen Auskunft.
Abgeleitet aus den detaillierten Analysen der zwei Perspektiven der geldpolitischen Strategie entscheidet der EZB-Rat über die Geldpolitik. Zur Umsetzung der Geldpolitik verfügt das Eurosystem über eine Reihe spezieller geldpolitischer Instrumente.
Deren Zweck besteht darin,
die Geldversorgung des Bankensystems – und damit der Wirtschaft – sicherzustellen,
die Marktzinssätze zu beeinflussen und
die Ausrichtung der Geldpolitik zu signalisieren.
Zu den wichtigsten Instrumenten zählen
Offenmarktgeschäfte:
Bei Offenmarktgeschäften stellt das Eurosystem (in Österreich die OeNB) den Banken Zentralbankgeld-Kredite gegen entsprechende Sicherheiten zur Verfügung. Offenmarktgeschäfte können in Form von Standardtendern, Schnelltendern oder bilateralen Geschäften durchgeführt werden. Bei Offenmarktgeschäften geht die Initiative von der EZB aus, die auch über das einzusetzende Instrument und die Bedingungen für die Durchführung der Geschäfte entscheidet. Die Besicherung der Geschäfte erfolgt in Österreich in der Regel durch Verpfändung geeigneter Werte.
Ständige Fazilitäten:
Banken können bei der Zentralbank kurzfristig über Nacht Geld leihen (Spitzenrefinanzierungsfazilität).
Banken können bei der Zentralbank kurzfristig über Nacht Geld anlegen (Einlagefazilität).
Mindestreservepflicht:
Jedes Kreditinstitut muss einen bestimmten Prozentsatz seiner Kundeneinlagen auf einem Einlagenkonto einer Zentralbank halten, in Österreich bei der OeNB.
Flexible Maßnahmen im Zuge der Krise:
Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Geldpolitik des Eurosystems – oftmals in konzertierten Aktionen mit anderen wichtigen Notenbanken – auch außergewöhnliche Maßnahmen ergriffen. Dabei wurden neben einer raschen, flexiblen und erhöhten Liquiditätsversorgung sowie mehrmaligen Zinssenkungen auch längerfristige Refinanzierungsoperationen und andere Maßnahmen eingesetzt. Diese dienten der Stabilisierung des Finanzsystems und förderten die Wirtschaftsaktivitäten.
Was sind Leitzinsen?
Die Leitzinsen sind die vom EZB-Rat festgelegten Zinssätze, zu denen sich Kreditinstitute bei ihrer nationalen Zentralbank – im Rahmen der Offenmarktgeschäfte und ständigen Fazilitäten – Geld leihen können. Höhere Zinsen verteuern Kredite und dämpfen daher die Investitionen und den Konsum, Inflation und Wirtschaftswachstum gehen zurück. Bei niedrigen Zinsen ist es umgekehrt. Das Eurosystem steuert die Leitzinsen so, dass die gesamtwirtschaftliche Preisentwicklung mittelfristig im Einklang mit der Definition von Preisstabilität ist.
