Geldpolitik

Warum ist Preisstabilität wichtig?


Die Geldpolitik des Eurosystems steuert die Leitzinsen so, dass der Geldwert erhalten bleibt und die Wirtschaft nachhaltig wachsen kann. Das sichert die Kaufkraft der Bevölkerung. Als Kaufkraft bezeichnet man die Mengen an Waren, die mit einem Einkommen erworben werden können. Sie ist also ein Maß für den Wert des Geldes. Die Kaufkraft ist dann gesichert, wenn mit dem Einkommen heute gleich viel wie gestern gekauft werden kann.

Preisstabilität nützt den Konsumenten, den Arbeitnehmern und der Wirtschaft. Sie ist Basis für nachhaltiges Wachstum, da Unternehmen und Haushalte dann ihre Zukunft besser planen können. Preisstabilität begünstigt daher langfristig Investitionen, Wachstum und Beschäftigung.

 

Ein stabiler Geldwert …

… erhält die Kaufkraftder Einkommen.

 

… schützt die Sparervor der Entwertung ihrer Spareinlagen.

 

… erleichtert finanzielle PlanungenPrivate Haushalte und Unternehmen können bei Preisstabilität bessere Entscheidungen über Investitionen und Konsum treffen.

 

… fördert das Wachstum der Wirtschaftund sichert bzw. schafft Arbeitsplätze.


Grafik Inflation

 

Welche Auswirkungen haben Inflation und Deflation? 

Steigt das gesamtwirtschaftliche Preisniveau in unserem Land, dann nimmt die Kaufkraft unseres Geldes ab – man spricht von Inflation. Je höher die Inflation ist, umso mehr verliert das Geld jährlich an Wert. Konsumenten können sich also für den gleichen Geldbetrag weniger Waren und Dienstleistungen kaufen. Auch Sparer merken die Geldentwertung, weil ihr Geldvermögen weniger wert ist und weil ihre Zinsen teilweise von der Geldentwertung aufgezehrt werden. Banken werden bei Inflation höhere Zinsen verlangen, um dem Geldwertverlust entgegenzuwirken.

 

Warum spricht man von Preisstabilität, obwohl manche Preise steigen oder sinken?

Um die Veränderung des Preisniveaus zu erfassen, wird ein „Warenkorb“ aus Gütern und Dienstleistungen gebildet. Dieser spiegelt die Konsumgewohnheiten wider und setzt sich aus zwölf Verbrauchsgruppen zusammen. Er enthält in Österreich rund 800 Güter und Dienstleistungen, deren Preise (insgesamt fast 40.000 Einzelpreise) monatlich beobachtet und mit den jeweiligen Ausgabenanteilen der Haushalte gewichtet werden. Preisstabilität ist dann gegeben, wenn sich der Preis dieses repräsentativen Warenkorbs nur wenig verändert. Das heißt aber nicht, dass sich Preise einzelner Waren und Dienstleistungen nicht ändern. Manche Güter werden billiger (z. B. Unterhaltungselektronik), andere steigen im Preis (z. B. Dienstleistungen). In Summe verändert sich aber der Preis des gesamten Warenkorbs nur wenig.

 

Das Gegenteil von Inflation ist Deflation. Bei Deflation sinkt das Preisniveau über einen längeren Zeitraum. Was auf den ersten Blick verlockend erscheint, kann äußerst unerwünschte Folgen haben: Weil viele Produkte in der Zukunft billiger als heute sein werden, werden Käufe aufgeschoben und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage geht zurück. Dies kann zu einem weiteren Preisverfallund zu einer Abwärtsspirale im Konjunkturzyklus führen. Die Unternehmen können ihre Waren und Dienstleistungen nicht mehr verkaufen und müssen Beschäftigte entlassen. Die Haushalte verfügen dann wiederum über weniger Einkommen, können deshalb weniger konsumieren und die Deflationsspirale dreht sich weiter.

Um sowohl einer Inflation als auch einer Deflation entgegenzuwirken, strebt das Eurosystem mittelfristig eine jährliche Preissteigerungsrate von unter, aber nahe 2 Prozent an. Damit werden schädliche Auswirkungen hoher Inflationsraten vermieden, gleichzeitig wird ein ausreichender Sicherheitsabstand zu einer Deflation gehalten. Als Maßstab für die Ermittlung der Preisänderung auf der Konsumentenebene dient der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI).

 

HVPI – Harmonisierter Verbraucherpreisindex

Damit die Entwicklung der Verbraucherpreise auch international vergleichbar ist, wurde der HVPI entwickelt. Er misst die Inflationsrate in allen EU-Staaten nach weitgehend gleichen Methoden und Warenkorbabgrenzungen. Der HVPI ist der maßgebliche Inflationsindikator für die Geldpolitik des Eurosystems.

 

„Geldentwertung (Inflation) bewirkt ebenso wie ein allgemeiner Preisrückgang (Deflation) wirtschaftliche und soziale Nachteile. Die Geldpolitik des Eurosystems hält die Kaufkraft stabil. Sie fördert damit auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Euroraums und damit auch die von Österreich.“