OeNB-Konjunkturindikator

Österreichs Wirtschaft wächst 2017 um 2¾ %

Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom August 2017

Die österreichische Konjunktur hat im ersten Halbjahr 2017 nochmals an Schwung gewonnen. Mit Wachstumsraten von jeweils 0,8 % wurde in den ersten beiden Quartalen das stärkste Wirtschaftswachstum seit sechs Jahren erreicht. Der breit aufgestellte Konjunkturaufschwung, zu dem sowohl die Inlands- als auch die Auslandsnachfrage beitragen, wird sich auch in der zweiten Jahreshälfte 2017 fortsetzen. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet im Rahmen ihrer vierteljährlichen Kurzfristprognose für das dritte und vierte Quartal 2017 ein Wachstum des realen BIP von 0,7 % bzw. 0,6 % (jeweils gegenüber dem Vorquartal). Für das Gesamtjahr 2017 ergibt sich damit ein Wachstum von 2¾ %. Damit revidiert die OeNB die BIP-Wachstumsaussichten für 2017 im Vergleich zur OeNB-Juni-Prognose um 0,5 Prozentpunkte nach oben. Deutlich höhere Wachstumsraten wurden zuletzt nur in der Hochkonjunkturphase der Jahre 2006 und 2007 mit 3½ % verzeichnet.

Die Aussichten für die Weltwirtschaft und den Welthandel haben sich weiter stabilisiert und verbessert. Insbesondere die Wachstumserwartungen für Osteuropa – ein wichtiger Absatzmarkt für in Österreich hergestellte Güter – wurden zuletzt nach oben revidiert. Zahlreiche Konjunkturrisiken, die in den letzten Jahren die Zuversicht und Investitionsbereitschaft der Unternehmen und Konsumenten gedrückt haben, sind in den vergangenen Monaten geringer geworden. So sind beispielsweise potentielle politische Risiken im Euroraum nicht schlagend geworden und negative Folgen des Brexit bis heute ausgeblieben.

Die österreichischen Exporteure konnten von dieser außenwirtschaftlichen Entwicklung profitieren. Nachdem die nominellen Güterexporte im Jahr 2016 stagnierten, sind sie in den ersten fünf Monaten um 9,6 % gewachsen. Die aktuellen Ergebnisse des auf LKW-Fahrleistungsdaten basierenden OeNB-Exportindikators signalisieren auch für die Jahresmitte 2017 eine kräftige Exportkonjunktur. Für den weiteren Jahresverlauf lässt die Einschätzung der Exportauftragseingänge durch die Unternehmen eine anhaltend starke Exportdynamik erwarten. Hinzu kommt die erfreuliche Entwicklung im österreichischen Tourismus. Mit über 72 Millionen Nächtigungen wurde in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 ein neues Rekordergebnis erzielt.

Die günstige Exportentwicklung liefert auch wichtige Impulse für die heimische Industrie, die zusätzlich von einer starken Inlandsnachfrage profitiert. Die Industrieproduktion stieg gemäß den Zahlen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im zweiten Quartal 2017 im Jahresabstand real um 5 % und damit doppelt so stark wie die österreichische Wirtschaft insgesamt. Das im Vergleich zur Gesamtwirtschaft überdurchschnittliche Wachstum ist typisch für Hochkonjunkturphasen. So wurden in den Jahren 2000 sowie 2006/2007 Wachstumsraten von rund 8 % verzeichnet. Für die zweite Jahreshälfte lassen die positiven Umfragewerte - sowohl der Einkaufsmanagerindex als auch das Industrievertrauen liegen nahe ihrer historischen Höchststände - auf eine Fortsetzung der starken Industriekonjunktur schließen.

Zur Steigerung des Produktionsniveaus sind zusätzliche Investitionen notwendig geworden. Die Investitionen in Maschinen und Fahrzeuge wurden bereits 2016 deutlich erhöht und im ersten Halbjahr nochmals kräftig gesteigert. Der aktuelle Zyklus der Ausrüstungsinvestitionen ist im historischen Vergleich damit bereits überdurchschnittlich stark und langanhaltend, sodass mit keiner weiteren Beschleunigung im zweiten Halbjahr gerechnet wird. Dem steht eine erwartete Beschleunigung bei den Bauinvestitionen gegenüber. Das Vertrauen im Bausektor erreichte im Juli den höchsten jemals gemessenen Wert und die Anzahl der Baubewilligungen pro Einwohner ist in Österreich so hoch wie in keinem anderen Land der Europäischen Union. Angesichts dieser positiven Nachrichten und der anhaltend guten Finanzierungsbedingungen sowie steigender Immobilienpreise war das Wachstum der Wohnbauinvestitionen im zweiten Quartal mit +1,0 % (real, im Vergleich zum Vorquartal) noch recht verhalten und Spielraum für eine stärkere Ausweitung der Bautätigkeit in den kommenden Quartalen scheint gegeben. Insgesamt wird die Investitionstätigkeit der Unternehmen angesichts der guten Industrie- und Baukonjunktur in den kommenden Monaten kräftig bleiben.

Konjunkturindikator

Neben der regen Investitionstätigkeit zeigt auch das stabile Konsumwachstum, dass der Aufschwung an Breite gewonnen hat. Mit dem Auslaufen der positiven Impulse der Anfang 2016 in Kraft getretenen Steuerreform und einem durch steigende Rohölpreise bedingten Anstieg der Inflation hat sich das Konsumwachstum im ersten Halbjahr etwas abgeschwächt.

Die ausgezeichnete konjunkturelle Lage zeigt sich auch deutlich am Arbeitsmarkt. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten stieg im ersten Halbjahr 2017 um mehr als 60.000 Personen. Das Beschäftigungswachstum ist sektoral breit gestreut. Besonders erfreulich ist die steigende Zahl der Arbeitsplätze in der Industrie und im Bausektor, werden in diesen Branchen doch überwiegend Vollzeitarbeitsplätze angeboten. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen ging im ersten Halbjahr um 11.000 Personen zurück. Die Arbeitslosenquote lt. Eurostat sank von 6 % im Jahr 2016 auf 5,2 % im Juni 2017. Die guten Konjunkturaussichten und der kräftige Anstieg der beim AMS gemeldeten offenen Stellen (+48 % im Juli) signalisieren für das zweite Halbjahr ein ähnlich starkes Beschäftigungswachstum wie in der ersten Jahreshälfte.

Das Konsumwachstum dürfte somit auch in den kommenden Monaten stabil bleiben und gemeinsam mit der guten Investitionskonjunktur für einen kräftigen Wachstumsbeitrag der Inlandsnachfrage im zweiten Halbjahr 2017 sorgen. In Verbindung mit den guten Aussichten für die Exportkonjunktur stehen die Chancen für ein sehr starkes Wachstum der österreichischen Wirtschaft im Jahr 2017 sehr gut. Die Oesterreichische Nationalbank erwartet im Rahmen ihres vierteljährlichen OeNB-Konjunkturindikators ein Wachstum des realen BIP für das Gesamtjahr 2017 von 2¾ %. Deutlich höhere Wachstumsraten wurden zuletzt nur in der Hochkonjunkturphase der Jahre 2006 und 2007 mit 3½ % verzeichnet.

Prognose für das reale Bruttoinlandsprodukt in Österreichfür das dritte und vierte Quartal 2017  (saison- und arbeitstägig bereinigte Trendreihe)
Q1 15 Q2 15 Q3 15 Q4 15 Q1 16 Q2 16 Q3 16 Q4 16 Q1 17 Q2 17 Q3 17 Q4 17
 
Veränderung zum Vorquartal in %
 +0,3  +0,3  +0,2  +0,3  +0,4  +0,3  +0,5  +0,6  +0,8  +0,8 +0,7 * +0,6 *
Veränderung zum Vorjahresquartal in %
 +0,6  +0,7  +0,9  +1,2  +1,2  +1,2  +1,5  +1,8  +2,2  +2,7 +2,9 * +2,9 *
2015 2016 2017
 +0,9  +1,5 +2,7 *
 

Der nächste OeNB-Konjunkturindikator wird im Oktober 2017 veröffentlicht werden.