Mindestreserve

Alle Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet müssen eine festgelegte Summe auf ihren Girokonten bei den nationalen Zentralbanken halten. Dieses Mindestreserve-Soll errechnet sich aus bestimmten Bilanzposten, wie z. B. Einlagen mit einer Laufzeit unter 2 Jahren. Diese werden mit dem Mindestreservesatz von derzeit 1 % multipliziert.

Die wichtigste Funktion des Mindestreservesystems ist die Stabilisierung der Geldmarktsätze. Die Kreditinstitute müssen ihre Mindestreservepflicht nämlich nicht täglich, sondern im Durchschnitt über einen längeren Zeitraum erfüllen. Dadurch können die Kreditinstitute temporär niedrigere Guthabenstände (z. B. aufgrund einer plötzlich höheren Nachfrage nach Banknoten) durch höhere Guthaben an anderen Tagen ausgleichen. Wären sie gezwungen die Mindestreservepflicht täglich zu erfüllen, so müssten sie am Geldmarkt Liquidität leihen oder borgen. Dadurch würden die Geldmarktzinssätze ansteigen oder absinken. Aufgrund der stabilisierenden Rolle der Mindestreserve muss das Eurosystem weniger oft am Geldmarkt intervenieren, um die Geldmarktzinsen nahe dem gewünschten Zinsniveau zu stabilisieren.

Das Mindestreservesystem soll weder dem Bankensystem Kosten verursachen noch den effizienten Ressourceneinsatz auf den Märkten behindern. Aus diesen Gründen werden die Mindestreserveguthaben der Kreditinstitute mit einem Zinssatz verzinst, der nahe dem Geldmarktzinssatz liegt.