Die geldpolitische Strategie des Eurosystems

Die geldpolitische Strategie des Eurosystems

Die Strategie einer Notenbank beschreibt das Rahmenwerk für geldpolitische Entscheidungen. Sie definiert, welche Zielsetzungen die Geldpolitik verfolgt, welche Instrumente zur Zielerreichung zur Verfügung stehen und welche Indikatoren die Grundlage für geldpolitische Entscheidungen bilden.

Ziel

  • Das vorrangige Ziel der Geldpolitik des Eurosystems ist die Gewährleistung von Preisstabilität, wobei Preisstabilität dann erreicht ist, wenn die Inflationsrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Euroraum mittelfristig unter, aber nahe 2% liegt.

    • Die Strategie soll ein klares und transparentes Rahmenwerk bilden, um der Öffentlichkeit die geldpolitischen Entscheidungen sowie die dahinter liegenden Überlegungen zu vermitteln. Damit soll sie eine vertrauensbildende Funktion ausüben und stabilisierend auf die Erwartungen an den Finanzmärkten wirken.
    • Die Strategie soll die Instrumente zur Zielerreichung klar darstellen. Sie soll vorwärts gerichtet und mittelfristig orientiert sein.
    • Die Strategie soll gewährleisten, dass die Entscheidungsgremien mit den notwendigen Informationen und Analysen ausgestattet werden.
    • Die Strategie soll keine mechanische Reaktion der Geldpolitik auf Veränderungen bei einzelnen Indikatoren vorsehen, sondern durch die Beobachtung einer Vielzahl von Indikatoren den Blick auf das Gesamtbild schärfen.
    • Die Strategie muss die Ausführung der Geldpolitik leichter beurteilbar machen und damit der Rechenschaftslegung dienlich sein.

Instrument

  • Der EZB-Rat setzt die geldpolitischen Leitzinssätze, um Preisstabilität mittelfristig zu gewährleisten.

    Um die Leitzinsen angemessen zu setzen, muss der EZB-Rat

    • wirtschaftliche Entwicklungen interpretieren,
    • deren Auswirkungen im Hinblick auf ihr Risiko für die Preisstabilität einschätzen,
    • berücksichtigen, wie die Zinsentscheidung an die Wirtschaft weitergegeben wird.

Indikatoren – Der Zwei-Säulen Ansatz

  • Um seinem Ziel, die Preisstabilität zu gewährleisten, bestmöglich gerecht zu werden, beurteilt der EZB-Rat regelmäßig die diesbezüglichen Risiken. Sein Ansatz zur Aufbereitung, Bewertung und Gegenprüfung der Informationen, die für die Einschätzung der Preisstabilitätsrisiken von Bedeutung sind, stützt sich auf zwei analytische Perspektiven („Säulen“): die wirtschaftliche und die monetäre Analyse.

    Der Zwei-Säulen-Ansatz gibt einen Rahmen vor, der sicherstellt, dass der EZB-Rat alle relevanten Informationen und Analysen prüft, die er für vorausschauende und präventive geldpolitische Beschlüsse benötigt.

    Wirtschaftliche Analyse
    Die wirtschaftliche Analyse konzentriert sich vor allem auf die Beurteilung der aktuellen konjunkturellen und finanziellen Entwicklung. Auf Basis dieser Beurteilung werden so kurz- bis mittelfristige Risiken für die Preisstabilität abgewogen. Zu den Variablen, die dieser Analyse zugrunde liegen, zählen beispielsweise

    • die Prognose der gesamtwirtschaftlichen Produktion,
    • Kapitalmarkt- und Arbeitsmarktbedingungen,
    • eine breite Palette von Preis- und Kostenindikatoren
    • sowie die Entwicklung des Wechselkurses.

    Alle diese Faktoren sind hilfreich, um die Dynamik der realwirtschaftlichen Aktivität und die voraussichtliche Preisentwicklung über kürzere Zeithorizonte zu bewerten. Die Einschätzung erfolgt unter dem Gesichtspunkt des Zusammenspiels zwischen Angebot und Nachfrage an den Güter-, Dienstleistungs- und Faktormärkten.

    Monetäre Analyse
    In der monetären Analyse spiegelt sich die robuste Beziehung zwischen Geldmengenwachstum und Inflation wider. Auf mittlere bis lange Sicht entwickeln sich Geldmengenwachstum und Inflation in die gleiche Richtung. Dieser weithin anerkannte Zusammenhang stellt einen stabilen und verlässlichen Anker für die Durchführung der Geldpolitik dar. Damit können Inflationstrends auch über die Inflationsprognosen üblicherweise zugrunde liegenden Zeithorizonte hinaus erkannt werden. Die monetäre Analyse dient dazu, die mittelfristige Ausrichtung der Geldpolitik des Eurosystems zu untermauern.