Warum Preisstabilität

Das Ziel der Preisstabilität bezieht sich auf das allgemeine Preisniveau in der Volkswirtschaft und bedeutet, dass sowohl andauernde und hohe Inflation als auch Deflation vermieden werden. Preisstabilität trägt auf verschiedene Weise zu einer lebhaften Wirtschaftsaktivität und einem hohen Beschäftigungsstand bei.

Die Vorrangigkeit des Ziels der Preisstabilität in der Geldpolitik reflektiert den breiten Konsens in der Ökonomie, dass Geldpolitik reale Größen in der Wirtschaft (wie zum Beispiel Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, etc.) nur kurzfristig beeinflussen kann, aber langfristig darauf keinen Einfluss hat. In der langen Frist kann Geldpolitik nur monetäre Größen beeinflussen und daher ist die Steuerung des Anstiegs der Preisniveaus (oder anders ausgedrückt, der Inflationsrate) eine natürliche Rolle für die Geldpolitik.

Vorteile von Preisstabilität

  • Preisstabilität hat zahlreiche Vorteile für die Wirtschaft:

    • Es wird einfacher, Preisänderungen einzelner Güter von Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus zu unterscheiden. Dies erlaubt dem Markt eine effizientere Ressourcenallokation.
    • Inflationsrisikoprämien an den Finanzmärkten werden reduziert, was zu geringeren Realzinsen führt. Diese wiederum sind ein Anreiz für Investitionen.
    • Unternehmen und andere Wirtschaftsakteure müssen sich nicht gegen Inflation absichern. Dadurch können vorhandene Ressourcen produktiv eingesetzt werden.
    • Die nominelle Ausrichtung der Steuer- und Sozialversicherungssysteme führt zu Verzerrungen in der Wirtschaft, die durch niedrige Inflation geringer gehalten werden können.
    • Preisstabilität verringert die willkürliche Umverteilung von Vermögen und Einkommen durch unerwartete Inflation bzw. Deflation.
    • Preisstabilität ist ein Beitrag zu Finanzstabilität.

Das Preisstabilitätsziel des Eurosystems

  • Das Eurosystem definiert Preisstabilität als eine Inflationsrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Euroraum von mittelfristig unter, aber nahe 2 %. Zur öffentlichen Bekanntgabe dieses quantitativen Ziels für Preisstabilität entschloss sich der EZB-Rat, das oberste Entscheidungsgremium der Europäischen Zentralbank (EZB), aus mehreren Gründen:

    • Die Klarstellung des Ziels trägt zu einem besseren Verständnis des geldpolitischen Handlungsrahmens bei und macht die Geldpolitik transparenter.
    • Die Definition von Preisstabilität liefert einen klaren objektiv nachprüfbaren Maßstab, an dem die Öffentlichkeit das Eurosystem messen kann.
    • Schließlich dient die Definition der Öffentlichkeit auch als Orientierungshilfe bei der Bildung von Erwartungen hinsichtlich der künftigen Preisentwicklung.

    Euroraum
    Die Geldpolitik des Eurosystems konzentriert sich auf das gesamte Euro-Währungsgebiet. Dementsprechend wird die Preisstabilität auf Basis der Preisentwicklung im Euroraum als Ganzem beurteilt, und stellt nicht auf die Preisentwicklung in einzelnen Ländern ab.

    Symmetrie
    Durch die Formulierung „Anstieg des HVPI von unter, aber nahe 2 %“ macht die Definition deutlich, dass nicht nur eine Inflation von über 2 %, sondern auch eine Deflation (d. h. ein sich selbst verstärkender Rückgang des allgemeinen Preisniveaus) nicht mit Preisstabilität vereinbar ist.

    Zeithorizont
    Die Übertragung geldpolitischer Impulse auf die Realwirtschaft schlägt in der Regel mit erheblicher zeitlicher Verzögerung auf die Preisentwicklung durch. Kurzfristig kann Geldpolitik die Inflationsrate nicht beeinflussen. Aus diesem Grund ist der mittelfristige Zeithorizont ein wichtiges Element in der Definition von Preisstabilität.

    HVPI-Inflationsrate
    Die Definition legt sich auf einen bestimmten Preisindex fest, nämlich den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet. Dieser Index wurde euroraumweit harmonisiert.