Ergebnis der Überprüfung der geldpolitischen Strategie

Die Wirtschaft des Euroraums und die Weltwirtschaft waren in den letzten Jahren mit tiefgreifenden strukturellen Veränderungen konfrontiert. Das schwache Wirtschaftswachstum in vielen Regionen aufgrund eines sich verlangsamenden Produktivitätswachstums und der Bevölkerungsalterung sowie die Nachwirkungen der Finanzkrise haben zu einem niedrigeren Zinsniveau geführt. Letzteres verringert den Spielraum der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderer Zentralbanken mit Blick auf eine geldpolitische Lockerung über herkömmliche geldpolitische Instrumente bei ungünstigen Konjunkturentwicklungen. Zudem stellt eine niedrige Inflation Zentralbanken vor andere Herausforderungen, als sie es aus historischer Perspektive von der Bewältigung hoher Inflation kennen. Die Bedrohung der Umwelt, die rasche Digitalisierung, die Globalisierung und sich wandelnde finanzielle Strukturen haben das Umfeld, in dem die Geldpolitik agiert, sowie die Dynamik der Inflation weiter verändert. Zuletzt ist auch noch die COVID-19-Pandemie als schwere Bürde hinzugekommen.

Die EZB und die nationalen Zentralbanken des Eurosystems haben deshalb ihre geldpolitische Strategie einer Überprüfung unterzogen, um sicherzustellen, dass sie heute und auch in Zukunft ihren Zweck erfüllt. Die wichtigsten Veränderungen der geldpolitischen Strategie auf einen Blick:

Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) bleibt die geeignete Messgröße, um zu bewerten, ob das Preisstabilitätsziel erfüllt ist. Er soll jedoch in den nächsten Jahren angepasst werden, um zusätzlich die Kosten für selbst genutztes Wohneigentum zu berücksichtigen.

Das neue Preisstabilitätsziel ist weiterhin mittelfristig definiert und strebt eine Inflationsrate von 2 % an. Der EZB-Rat versteht dieses Ziel als ein symmetrisches Ziel.

Das bedeutendste geldpolitische Instrument der EZB sind weiterhin ihre Leitzinsen. In Anbetracht der effektiven Zinsuntergrenze wird der EZB-Rat gegebenenfalls insbesondere auch Forward Guidance einsetzen oder auf Ankäufe von Vermögenswerten und längerfristige Refinanzierungsgeschäfte zurückgreifen.

Der Prüfung der Verhältnismäßigkeit der EZB-Ratsbeschlüsse sowie der Prüfung potenzieller Nebenwirkungen wird explizit Raum in der neuen Strategie eingeräumt.

In die Analysen – auf deren Basis geldpolitische Entscheidungen getroffen werden – werden zusätzlich zu den bisherigen Arbeiten nun auch verstärkt finanzielle Analyse einfließen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Funktionieren des geldpolitischen Transmissionsmechanismus und auf möglichen Risiken, die sich aus finanziellen Ungleichgewichten ergeben können. Auch makrofinanzielle Verflechtungen sollen stärker berücksichtigt werden.

Der EZB-Rat verpflichtet sich zu einem ambitionierten klimabezogenen Maßnahmenplan.
EZB präsentiert Maßnahmenplan zur Berücksichtigung von Klimaschutzaspekten in ihrer geldpolitischen Strategie (europa.eu)

Die Kommunikation zur Geldpolitik wird verbessert und um zielgruppengerechte und optisch ansprechende geldpolitische Kommunikationsformate ergänzt.

Im Jahr 2025 wird der EZB-Rat die nächste Überprüfung seiner Geldpolitischen Strategie durchführen.