Trend steigender Wohnimmobilienpreise setzte sich im dritten Quartal 2020 fort

(, Wien)

Preistreibend wirkten vor allem Einfamilienhäuser

Die aktuelle Ausgabe der Immobilienmarktanalyse der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zeigt eine weitere Beschleunigung des Preisanstiegs für Wohnimmobilien im dritten Quartal 2020 österreichweit auf 9,5 %, nach einem Plus von 5,2 % im zweiten Quartal. In Wien wurde ebenfalls diese starke Preisdynamik mit +9,4 % nach 4,1% im Vorquartal verzeichnet. Im Bundesgebiet ohne Wien zeigt sich im Vorjahresvergleich ein Preisauftrieb von 9,7 % (nach 6,8 %). Dabei verfestigt sich die Vermutung, dass die Preissteigerungen bei Einfamilienhäusern durch die COVID-19-Krise (Trend zu Homeoffice) auf den verstärkten Wunsch nach Wohnen im Grünen bzw. mit Garten zurückzuführen sind.

Entwicklung der Wohnimmobilienpreise in Österreich  
  Q3 20 Q2 20 Q1 20 Q4 19 Q3 19 Q2 19 2019 2018 2017 2016 2015
 
Veränderung zum Vorjahr in %
Österreich  9,5  5,2  3,4  3,0  2,3  5,6 3,9 6,9 3,8 7,3 4,1
Österreich ohne Wien  9,7  6,8  2,8  1,2  1,7  3,6  2,6  8,5  4,9  9,1  5,1
Wien  9,4  4,1  3,9  4,3  2,7  7,0  4,9  5,2  1,5  3,8  2,2
 
Veränderung zum Vorquartal in %
Österreich  3,6  3,0  1,7  0,8  -0,4   1,2   x   x   x   x   x
Österreich ohne Wien   3,5   3,8  1,5  0,6  0,8   0,0   x   x   x   x   x
Wien   3,7   2,4  1,9  1,0  -1,2   2,2   x   x   x   x   x
 
Index (2000=100)
Österreich  227,5  219,5  213,1  209,5  207,8  208,6  208,0  200,1  187,2  180,4  168,1
Österreich ohne Wien  214,1  206,9  199,3  196,3  195,2  193,7  194,8  189,8  174,9  166,7  152,9
Wien  265,1  255,6  249,5  244,9  242,4  245,4  234,2  232,0  220,4  217,2  209,2
 

Abweichung der Preise von Fundamentalfaktoren beschleunigt sich

Der Fundamentalpreisindikator für Wohnimmobilien für Wien deutet für das dritte Quartal 2020 auf eine Abweichung der Preise von den Fundamentalfaktoren um +24 % hin. Österreichweit liegt dieser Wert bei +17 %.

Die COVID-19-Pandemie verstärkt die Konjunkturabkühlung im Wohnbau

Die Pandemie verstärkt die Abkühlung im Wohnbau. Bedingt durch die Einschränkungen während des ersten Lockdowns im Frühjahr sind die Wohnbauinvestitionen im ersten Halbjahr 2020 im Jahresabstand um 5,5 % gesunken. Die Zahl der Immobilientransaktionen hat im gleichen Zeitraum hingegen zugenommen.

Stabiles Wachstum der Wohnbaukredite an private Haushalte

Das Wachstum der Wohnbaukredite an private Haushalte hat sich im dritten Quartal 2020 wenig verändert und betrug im September 2020 im Vorjahresvergleich 6,0 %. Die durchschnittlichen Zinsen für Wohnbaukredite an private Haushalte in Euro waren im September 2020 mit 1,28 % um 29 Basispunkte niedriger als vor Jahresfrist. 

Ausmaß und Höhe der erwarteten Preisentwicklung ändern sich mit Alter und Bildungsgrad der Haushalte

Im zweiten und dritten Quartal 2020 wurde eine Sondererhebung der OeNB unter privaten Haushalten in Österreich durchgeführt. Die Befragten wurden einerseits um ihre Einschätzung zur Preisentwicklung für Häuser, Wohnungen und Grundstücke in der eigenen Wohngegend in den kommenden zwölf Monaten sowie andererseits zur Höhe der erwarteten Preisänderung ersucht. Dabei zeigt sich, dass Preissteigerungen mit zunehmendem Lebensalter erwartet werden. Der Anteil verdoppelt sich nahezu von 17 % bei den Unter-30-Jährigen auf 31 % bei den Über-60-Jährigen. Der Bildungsgrad hat ebenfalls einen Einfluss auf die Preiserwartung – bei höherer Bildung erwarten weniger Haushalte gleichbleibende Preise und mehr Haushalte geringfügige Preissteigerungen. Befinden sich Haushalte in Wien, Vorarlberg, Tirol und Salzburg – in Regionen mit überdurchschnittlichen Preissteigerungen in der Vergangenheit –, so erwarten mehr von ihnen deutlich steigende Preise als dies bei Haushalten im restlichen Bundesgebiet der Fall ist.