Kreditbericht

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Juni 2015

Die Analyse der Daten zur Kreditentwicklung in Österreich zeigt sowohl bei Unternehmenskrediten als auch bei den Haushaltskrediten eine in den letzten Monaten kaum veränderte, verhaltene Wachstumsdynamik. Seit dem letzten Kreditbericht (der Daten bis einschließlich Oktober 2014 erfasste) hat sich das Jahreswachstum der Unternehmenskredite und der Haushaltskredite im Trend kaum verändert und bewegte sich in den letzten Monaten in beiden Bereichen auf einem Wert von knapp über 1 %. Diese Entwicklung ist in Zusammenhang mit der verhaltenen Konjunkturdynamik, begleitet von einem Rückgang der Investitionen, in den letzten Quartalen zu sehen, welche die Nachfrage nach Unternehmens- aber auch nach Haushaltskrediten derzeit bremst. In beiden Bereichen liegen die österreichischen Wachstumsraten jedoch nach wie vor deutlich über dem Euroraum-Durchschnitt, für den die aktuellen Zahlen einen leichten Rückgang der Unternehmenskredite bzw. eine Stagnation der Haushaltskredite zeigen.

Das Wachstum des aushaftenden Kreditvolumens der österreichischen Banken an die nichtfinanziellen Unternehmen hat sich nach einer stufenweisen Erholung ausgehend von 0,2 % im Juni 2014 auf 1,5 % im Dezember 2014 seither auf einem Niveau von etwas über 1 % eingependelt. Im letzten Berichtsmonat April 2015 lag die Jahreswachstumsrate wie in den beiden Monaten zuvor bei 1,2 %. Im Gegensatz dazu ist die Veränderungsrate der Unternehmenskredite im Euroraum bereits seit längerem negativ, hat sich aber in den letzten Monaten sukzessive verbessert und liegt nun im April 2015 bei –0,4 %. Nach Wirtschaftssektoren betrachtet zeigt sich in Österreich in der Warenerzeugung, im Sektor Verkehr und Lagerei sowie im Groß- und Einzelhandel bereits seit längerem ein Rückgang der Kreditvergabe. In den Sektoren Bauwesen, Grundstücks- und Wohnungswesen sowie in der Energieversorgung wurde hingegen eine Zunahme der Kreditvergabe verzeichnet. In der Beherbergung und Gastronomie hat sich die Kreditdynamik im September 2014 aufgrund eines Sondereffekts (Wegfall eines großen Meldeunternehmens) seither in den negativen Bereich bewegt.

Die Finanzierung österreichischer Unternehmen über Anleihen hat sich seit Anfang 2013 deutlich reduziert. In dieser Zeit ging die Jahreswachstumsrate ausgehend von 14 % im Jänner 2013 auf nunmehr –2 % im April 2015 deutlich zurück. In den vergangenen sechs Monaten seit dem letzten Kreditbericht (November 2014 bis April 2015) haben die österreichischen Unternehmen brutto Anleihen im Wert von 2,7 Mrd EUR emittiert, was angesichts von Tilgungen im Ausmaß von 2,5 Mrd EUR ein Netto- Emissionsvolumen von nur rund 200 Mio EUR bedeutet. In der Vergleichsperiode ein Jahr davor beliefen sich die Netto-Anleiheemissionen der österreichischen nichtfinanziellen Unternehmen noch auf 400 Mio EUR. Die Finanzierung der österreichischen Unternehmen über Aktienemissionen hat während des Jahres 2014 mit einem Anstieg des Jahreswachstums der Netto-Aktienemissionen von –0,6 % im März auf 4,5 % im Oktober stark zugenommen. Danach verharrte die Jahreswachstumsrate der Aktienemissionen in etwa auf diesem Niveau, bis im letzten Berichtsmonat April 2015 wieder ein leichter Abschwung auf 2,5 % registriert wurde.

Zusätzlich finanzieren sich inländische Unternehmen auch über Kredite aus dem Ausland und über konzerninterne Finanzierungsströme. Laut Gesamtwirtschaftlicher Finanzierungsrechnung waren die Netto-Kreditaufnahmen der österreichischen Unternehmen bei ausländischen Banken mit einem Finanzierungssaldo von –1,1 Mrd EUR für das gesamte Jahr 2014 negativ. Im Gegensatz dazu trugen konzerninterne Finanzierungen (aus dem In- und Ausland) im Jahr 2014 insgesamt rund 3 Mrd EUR zur Finanzierung der österreichischen Unternehmen bei. Die gesamte Außenfinanzierung der österreichischen nichtfinanziellen Unternehmen belief sich im Jahr 2014 kumuliert auf rund 9 Mrd EUR, was angesichts einer gesamten Geldvermögensbildung von ebenfalls 9 Mrd EUR einen fast ausgeglichenen Finanzierungssaldo des österreichischen Unternehmenssektors im Jahr 2014 bedeutet. Das Wachstum der Kredite österreichischer Banken an die privaten Haushalte war in der ersten Jahreshälfte des Vorjahres sukzessive über die 1 %-Marke geklettert und erreichte im November 2014 mit 1,7 % seinen bisherigen Höhepunkt. In den Monaten danach schwächte sich die Jahreswachstumsrate der Haushaltskredite wieder etwas ab und lag im jüngsten Berichtsmonat April 2015 bereits zum dritten mal in Folge bei 1,3 %. Ebenso wie bei den Unternehmenskrediten liegt Österreich damit aber weiterhin deutlich über dem Euroraum, der im April 2015 eine Jahreswachstumsrate der Haushaltskredite von 0 %
aufwies.

Laut Zinssatzstatistik haben sich die Zinssätze von Unternehmenskrediten im Lauf des Jahres 2012 parallel zu den Leitzinssenkungen deutlich zurückgebildet und verharren seither auf einem historisch niedrigen Niveau. In den letzten Monaten zeichnet sich neuerlich ein weiterer leichter Rückgang der Kundenzinsen ab, der in Zusammenhang mit den Leitzinssenkungen im Jahr 2014 und weiteren unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen seit der letzten Zinssenkung stehen dürfte. Inzwischen liegt der EURIBOR, der als Referenzzinssatz für viele Unternehmenskredite aber auch Haushaltskredite dient, bei kurzfristigen Laufzeiten sogar schon im negativen Bereich. Bei den neu begebenen Unternehmenskrediten mit einer Zinsbindungsfrist von bis zu einem Jahr und einem Volumen von mehr als 1 Mio EUR, die das Gros der Neukredite ausmachen, ging das Zinsniveau bis Februar 2015 auf 1,5 % – den historisch tiefsten Wert seit Beginn der WWU – zurück. Im April 2015 stieg der Durchschnittssatz der Kundenzinsen in diesem Bereich wieder geringfügig auf 1,6 %. Bei den neuen Unternehmenskrediten mit bis zu einjähriger Zinsbindungsfrist und einem Volumen von unter 1 Mio EUR steht das Zinsniveau bereits seit drei Monaten auf dem historischen Tiefstwert von 2,0 %. Bei den Kundenzinsen für Haushaltskredite beobachten wir seit etwa zwei Jahren einen unterschiedlichen Verlauf je Verwendungszweck. So sind die Zinsen von neuen Konsumkrediten im Jahr 2013 tendenziell gestiegen und verharren seit etwa einem Jahr auf einem Niveau von knapp 5 % (April 2015: 4,8 %), während die Zinssätze von Wohnbaukrediten in den letzten zwei Jahren auf einem Niveau von etwas über 2 % stagnierten und im letzten Berichtsmonat April 2015 schließlich auf den bisherigen Tiefstwert von 1,9 % gesunken sind. Die unterschiedliche Entwicklung der Kundenzinsen bei den Konsumkrediten dürfte auf eine geänderte Einschätzung des Kreditrisikos von Seiten der Banken in diesem Kreditsegment zurückzuführen sein.

Die vorliegenden Umfrageergebnisse (BLS, SAFE, WIFO-Konjunkturtest) legen nahe, dass die bis in die ersten Monate des Jahres 2015 schleppende Kreditdynamik sowohl angebots- als auch nachfrageseitige Gründe hatte. Zwar konstatierten die im Rahmen des BLS befragten Banken im ersten Quartal 2015 zum ersten Mal seit 2007 eine – wenn auch nur geringe – Zunahme der Kreditnachfrage der Unternehmen, die Unternehmen selbst schätzten jedoch ihren Finanzierungsbedarf insgesamt nach wie vor als rückläufig ein. Darüber hinaus dürften aber auch angebotsseitige Faktoren bei der verhaltenen Kreditentwicklung eine Rolle gespielt haben: Im Rahmen des SAFE berichteten die befragten KMUs von einer anhaltenden Verschlechterung der Verfügbarkeit von Bankkrediten, wofür sie als Hauptursache die allgemein schwache Wirtschaftslage nannten. Auch die Ergebnisse der WIFO-Umfrage zeigen, dass der Anteil jener Unternehmen an allen Unternehmen, die Kreditbedarf haben und auch einen Kredit von ihrer Bank bekommen, zuletzt rückläufig war. Dieses Bild wird durch die Angaben der Banken im Rahmen des BLS, wonach im ersten Quartal 2015 die Kreditrichtlinien im Firmenkundengeschäft wieder marginal verschärft wurden, im Großen und Ganzen bestätigt. Die vorsichtigere Kreditpolitik der Banken kommt nicht nur in der Entwicklung der Kreditvolumina zum Ausdruck, vielmehr berichteten die befragten Unternehmen, dass sich die Banken bei der Gestaltung von Sicherheitenerfordernissen und der Zusatz- und Nebenvereinbarungen zuletzt merklich restriktiver verhielten.

Sowohl aus den statistischen Daten zur Kreditentwicklung, die – entgegen dem europäischen Trend – ein zwar moderates aber doch persistentes Wachstum der Kreditvergabe in Österreich zeigen, als auch aus den jüngsten Umfrageergebnissen, die keine weitere Verschärfung der Kreditbedingungen anzeigen, lassen sich derzeit keine Anzeichen einer Kreditklemme der heimischen Wirtschaft ableiten.