Wöchentlicher BIP-Indikator der OeNB

06.05.2022

Leichter Rückgang der Industrieproduktion in den letzten Wochen

In den vergangenen vier Kalenderwochen 14 bis 17/2022 (4.4. bis 1.5. 2022) lag das reale BIP durchschnittlich 0,4 % über den Werten der entsprechenden Vorkrisenwochen und damit auf dem Niveau seit dem Ende des vierten Lockdowns. Insbesondere die zuletzt starke Industriekonjunktur hat in Folge des Ukrainekriegs in den letzten Wochen etwas an Dynamik eingebüßt. Für die Gesamtwirtschaft ergibt sich eine Seitwärtsbewegung. Die verfügbaren Indikatoren signalisieren jedoch keinen Rückgang der Wirtschaftsleistung in den ersten beiden Monaten nach Ausbruch des Ukrainekriegs.

Der Ukrainekrieg trifft die heimische Wirtschaft in erster Linie über höhere Energie- und Rohstoffpreise und Störungen der Lieferketten. Die exportorientierte heimische Industrie kann daher trotz guter Auftragslage ihre Produktion nicht wie gewünscht ausweiten. Die Daten zur LKW-Fahrleistung und zum Stromverbrauch signalisieren – ausgehend von einem hohen Niveau - einen leichten Rückgang der Industrieproduktion in den letzten Wochen.

Die privaten Haushalte spüren die Folgen des Ukrainekriegs unmittelbar über stark gestiegene Energie- und Rohstoffpreise. Die HVPI-Inflationsrate erreichte im April mit 7,2 % den höchsten Wert seit Beginn der Währungsunion und belastet die real verfügbaren Haushaltseinkommen. Trotzdem zeigen die Daten von Zahlungsdiensteanbietern und zur Bargeldnutzung, dass die realen Konsumausgaben in den letzten Wochen sogar leicht gestiegen sind. Dazu dürfte die positive Entwicklung am heimischen Arbeitsmarkt mit steigenden Beschäftigungs- und sinkenden Arbeitslosenzahlen ganz wesentlich beigetragen haben.

Im Vorjahresvergleich nahm die Wirtschaftsleistung in den vier Kalenderwochen 14 bis 17/2022 durchschnittlich um 6 % zu. Grund für das hohe Wachstum sind Basiseffekte im Zusammenhang mit den Lockdownmaßnahmen, die in der ersten Jahreshälfte 2021 in Kraft waren.  

Wöchentlicher BIP-Indikator der OeNB für die Kalenderwochen 14 bis 17 (PDF, 0,3 MB)

Daten zum wöchentlichen BIP-Indikator für KW 14 bis 17 (XLSX, 0,1 MB)

Weekly OeNB GDP indicator: data (XLSX, 0,1 MB)

Weekly OeNB GDP indicator: data (CSV, 0 MB)


Die interaktive Grafik ist durch die Auswahl eines zeitlichen Bereichs zoombar (mit gedrückter linker Maustaste einen Bereich auswählen). Die ursprüngliche Darstellung kann durch „Reset Zoom“ wiederhergestellt werden. Des Weiteren können einzelne Komponenten des BIP-Indikators durch Drücken des entsprechenden Legendeneintrags ein- bzw. ausgeblendet werden.

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Methodische Erläuterungen zur Vorkrisen- und Vorjahresdarstellung

Der wöchentliche BIP-Indikator der OeNB zeigte seit Ausbruch der COVID-19-Krise die Veränderung der Wirtschaftsleistung in Österreich in jeder Kalenderwoche im Vergleich zur entsprechenden Vorjahreswoche. Nachdem die COVID-19-Krise nun schon mehr als ein Jahr andauert, führt diese Darstellungsform am aktuellen Rand zu schwer interpretierbaren Ergebnissen. Nach Inkrafttreten des ersten Lockdowns am 16. März 2020 ist die Wirtschaftsleistung in den ersten Wochen um teilweise mehr als 20 % eingebrochen. Diese niedrigen Vorjahreswerte bilden aktuell den Ausgangswert für einen Vorjahresvergleich und führen zu stark positiven Wachstumsraten im Jahresabstand, die die tatsächliche ökonomische Situation – im Vergleich zur Situation vor der COVID-19-Krise - nicht adäquat widerspiegeln.

Beginnend mit Kalenderwoche 11/2021 (15.–21. März 2021) wird daher für jede Woche neben dem Vorjahresvergleich auch ein Vorkrisenvergleich dargestellt. Im Vorkrisenvergleich wird die Wirtschaftsleistung im Vergleich zur jeweiligen Kalenderwoche im Jahr vor Ausbruch der Krise dargestellt. Das entspricht gegenwärtig dem BIP-Niveau-Unterschied im Zweijahresabstand. Für diesen Vorkrisenvergleich werden auch weiterhin die Beiträge der wichtigsten nachfrageseitigen BIP-Komponenten dargestellt.

In der Grafik wird dieser Bruch in der Berechnungsweise durch einen Abstand zwischen den Kalenderwoche 10 (8.–14. März 2021) und 11 (15.–21. März 2021) zum Ausdruck gebracht.

Lesebeispiel:

In Kalenderwoche (KW) 12/2021 (22.–28.03.2021) lag das österreichische BIP

  • 28.4 % über dem Niveau des realen BIP in der entsprechenden Woche des Vorjahres (23.–29.03. 2020) sowie
  • 3,8 % unter dem Niveau des realen BIP in der entsprechenden Woche des Jahres 2019 (25.–31.03. 2019).

Dieser 3,8 % Rückgang erklärt sich wie folgt:
Der importbereinigte Beitrag des privaten Konsums zu dieser BIP-Veränderung betrug in KW 12 –2.5 Prozentpunkte, jener der Tourismusexporte –3.5 Prozentpunkte und der Exporte ohne Tourismus +1.9 Prozentpunkte.

Nächstes Update

Das nächste Update ist für Kalenderwoche 23/2022 (10. Juni 2022) geplant.

Kurzbeschreibung Hintergrund und Methode

Für eine ausführlichere Beschreibung und Diskussion der Methode, siehe Monitoring the economy in real time with the weekly OeNB GDP indicator: background, experience and outlook (Fenz und Stix. Monetary Policy and the Economy, Q4/20–Q1/21, S. 17–40).

Die aktuelle COVID-19-Pandemie hat zu einem tiefen und abrupten Einbruch der Wirtschaftsleistung in Österreich geführt. Eine zeitnahe Schätzung der Stärke des Einbruchs und der folgenden schrittweisen Erholung der österreichischen Wirtschaft stellt die Wirtschaftsforschung vor neue Herausforderungen. Traditionelle Konjunkturindikatoren sind oft nicht ausreichend rasch verfügbar und liegen häufig nur auf Monats- oder Quartalsebene vor. Die OeNB hat daher ein Set von Konjunkturindikatoren, die auf Tages- oder Wochenbasis erhoben werden und ohne Zeitverzögerung zur Verfügung stehen, zusammengestellt, das laufend erweitert und evaluiert wird. Aktuell zählen zu den Indikatoren LKW-Fahrleistungsdaten (Quelle: ASFINAG), Zahlungsverkehrsdaten (mehrere Zahlungsdienstanbieter), Arbeitsmarktdaten (AMS), Stromverbrauchsdaten (E-Control, Austrian Power Grid – APG), Mobilitätsindikatoren (Google, Apple) und Finanzmarktdaten, die von den genannten Unternehmen mit großer Kooperationsbereitschaft zur Verfügung gestellt wurden.

Basierend auf diesen zeitnah verfügbaren Konjunkturindikatoren wurde ein neuer Aktivitätsindikator berechnet, der die Entwicklung des realen BIP auf Wochenbasis abbildet. Dazu werden die nachfrageseitigen BIP-Komponenten mittels Brückengleichungen – das sind Prognosegleichungen, die Variablen mit unterschiedlicher Datenfrequenz verbinden – geschätzt.

Zur Schätzung der privaten Konsumausgaben wurden Informationen zu Zahlungskartenumsätzen im Inland sowie Bargeldeinlieferungen (in die OeNB) verwendet. Die LKW-Fahrleistungsdaten werden - wie im Rahmen des OeNB-Exportindikators - zur Bestimmung der Exportentwicklung verwendet. Gesondert geschätzt werden die Tourismusexporte mit Hilfe der Zahlungskartenumsätze von Ausländern im Inland. Die Entwicklung der Bauinvestitionen wird mittels der täglichen Zahlen zu den gemeldeten Arbeitslosen im Bausektor geschätzt. Die anderen Investitionen (Nicht-Bauinvestitionen) folgen mangels geeigneter tagesaktueller Indikatoren annahmegemäß dem gewichteten Durchschnitt der anderen Nachfragekomponenten. Für den öffentlichen Konsum und die Lagerveränderungen wird eine stabile Entwicklung unterstellt. Alle angeführten Nachfragekomponenten werden um ihre Importanteile gemäß Input-Output-Tabellen bereinigt, sodass die Summe der angeführten Nachfragekomponenten dem gesamten BIP entspricht. Andere tagesaktuelle Konjunkturindikatoren, die nicht direkt in die Schätzungen ein-fließen, wie Daten zum Stromverbrauch, zum Mobilitätsverhalten, zur Kurzarbeit und Finanzmarktvariable, werden für Plausibilitätsprüfungen verwendet.  

Die Schätzungen werden bis auf Weiteres zweiwöchentlich aktualisiert und auf der OeNB-Website publiziert. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine wöchentliche BIP-Schätzung mit großen Unsicherheiten verbunden ist. Die hier vorgestellten Zahlen bieten nur einen groben Anhaltspunkt für die wirtschaftliche Aktivität und können übliche modellgestützte makroökonomische Prognosen nicht ersetzen. Der Indikator wird laufend verbessert. Dadurch können sich auch rückwirkend Änderungen der Schätzergebnisse ergeben.