Wöchentlicher BIP-Indikator der OeNB

25.06.2021

BIP Mitte Juni rund 1 % unter Vorkrisenniveau

In den Kalenderwochen 22 bis 24 (31. Mai bis 20. Juni 2021) lag die Wirtschaftsleistung in Österreich 1,9 %, 1,3 % bzw. 1,1 % unter dem Vorkrisenniveau, d. h. unter dem Niveau der Vergleichswochen 2019. Damit erreichte die BIP-Lücke in den vergangenen fünf Wochen die niedrigsten Werte seit Ausbruch der COVID-19-Krise im Frühjahr 2020, es kam allerdings in diesem Zeitraum zu keiner weiteren Verbesserung.  

Der Anstieg der privaten Konsumausgaben nach den Öffnungen in den Bereichen Gastronomie, Tourismus- und Freizeitbetriebe am 19. Mai hat sich in den letzten drei Wochen nicht weiter fortgesetzt, die Ausgaben der privaten Haushalte gingen sogar geringfügig zurück. Dafür dürften abklingende Nachholeffekte, wie sie auch schon in der Vergangenheit nach Öffnungsschritten zu beobachten waren, verantwortlich zeichnen. Im internationalen Tourismus hat sich der Aufwärtstrend hingegen fortgesetzt. Die Ausgaben ausländischer Gäste mit Zahlungskarten lagen in den beiden Wochen nach den Öffnungen am 19. Mai noch um rund zwei Drittel unter dem Vorkrisenniveau, in den vergangenen drei Wochen nur noch um die Hälfte. In der exportorientierten Industrie wurde das Vorkrisenniveau bereits Ende 2020 erreicht, danach kam es jedoch trotz ausgezeichneter Stimmungsindikatoren zu einer Seitwärtsbewegung. Für die letzten Wochen signalisieren die LKW-Fahrleistungsdaten wieder einen Aufwärtstrend. Noch ist es aber zu früh, um beurteilen zu können, ob die angebotsseitigen Engpässe bei Vormaterialien und Lieferengpässe, die seit einiger Zeit einer stärkeren Produktionsausweitung entgegenwirken, bereits im Abklingen sind.

Beim Vergleich zur jeweiligen Vorjahreswoche ergeben sich aktuell aufgrund eines ausgeprägten Basiseffektes stark positive Wachstumsraten (grüne Linie in der Grafik, siehe methodische Erläuterungen weiter unten). In Kalenderwoche 24 lag die Wirtschaftsleistung 7,5 % über dem Wert der entsprechenden Vorjahreswoche.

Wöchentlicher BIP-Indikator der OeNB für die Kalenderwochen 22 bis 24 (PDF, 0,3 MB)

Daten zum wöchentlichen BIP-Indikator für KW 22 bis 24 (XLSX, 0,1 MB)

Weekly OeNB GDP indicator: data (XLSX, 0,1 MB)

Weekly OeNB GDP indicator: data (CSV, 0 MB)

    

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Methodische Änderung mit Kalenderwoche 12/2021

In den Wochen nach Inkrafttreten des ersten Lockdowns am 16. März 2020 ist die Wirtschaftsleistung um teilweise mehr als 20 % eingebrochen. Diese niedrigen Vorjahreswerte bilden aktuell den Ausgangswert für einen Vorjahresvergleich und führen zu stark positiven Wachstumsraten im Jahresabstand, die die tatsächliche ökonomische Situation – im Vergleich zur Situation vor der COVID-19-Krise – nicht adäquat widerspiegeln.

Aus diesem Grund wird ab Kalenderwoche 11/2021 (15.–21. März 2021) für jede Woche neben dem Vorjahresvergleich auch ein Vorkrisenvergleich dargestellt. Im Vorkrisenvergleich wird die Wirtschaftsleistung im Vergleich zur jeweiligen Kalenderwoche im Jahr 2019 dargestellt und entspricht daher einer Wachstumsrate im Zweijahresabstand. Für diesen Vorkrisenvergleich werden auch weiterhin die Wachstumsbeiträge der wichtigsten nachfrageseitigen BIP-Komponenten dargestellt.

Lesebeispiel:

In Kalenderwoche (KW) 12/2021 (22.–28.03.2021) lag das österreichische BIP

  • 28.4 % über dem Niveau des realen BIP in der entsprechenden Woche des Vorjahres (23.–29.03. 2020) sowie
  • 3,8 % unter dem Niveau des realen BIP in der entsprechenden Woche des Jahres 2019 (25.–31.03. 2019).

Dieser 3,8 % Rückgang erklärt sich wie folgt:
Der importbereinigte Beitrag des privaten Konsums zu dieser BIP-Veränderung betrug in KW 12 –2.5 Prozentpunkte, jener der Tourismusexporte –3.5 Prozentpunkte und der Exporte ohne Tourismus +1.9 Prozentpunkte.

Nächstes Update

Das nächste Update ist für Kalenderwoche 30 (30. Juli 2021) geplant.

Kurzbeschreibung Hintergrund und Methode

Für eine ausführlichere Beschreibung und Diskussion der Methode, siehe Monitoring the economy in real time with the weekly OeNB GDP indicator: background, experience and outlook (Fenz und Stix. Monetary Policy and the Economy, Q4/20–Q1/21, S. 17–40).

Die aktuelle COVID-19-Pandemie hat zu einem tiefen und abrupten Einbruch der Wirtschaftsleistung in Österreich geführt. Eine zeitnahe Schätzung der Stärke des Einbruchs und der folgen-den schrittweisen Erholung der österreichischen Wirtschaft stellt die Wirtschaftsforschung vor neue Herausforderungen. Traditionelle Konjunkturindikatoren sind oft nicht ausreichend rasch verfügbar und liegen häufig nur auf Monats- oder Quartalsebene vor. Die OeNB hat daher ein Set von Konjunkturindikatoren, die auf Tages- oder Wochenbasis erhoben werden und ohne Zeitverzögerung zur Verfügung stehen, zusammengestellt, das laufend erweitert und evaluiert wird. Aktuell zählen zu den Indikatoren LKW-Fahrleistungsdaten (Quelle: ASFINAG), Zahlungsverkehrsdaten (mehrere Zahlungsdienstanbieter), Arbeitsmarktdaten (AMS), Stromverbrauchsdaten (E-Control, Austrian Power Grid – APG), Mobilitätsindikatoren (Google, Apple) und Finanzmarktdaten, die von den genannten Unternehmen mit großer Kooperationsbereitschaft zur Verfügung gestellt wurden.

Basierend auf diesen zeitnah verfügbaren Konjunkturindikatoren wurde ein neuer Aktivitätsindikator berechnet, der die Entwicklung des realen BIP auf Wochenbasis abbildet. Dazu werden die nachfrageseitigen BIP-Komponenten mittels Brückengleichungen – das sind Prognosegleichungen, die Variablen mit unterschiedlicher Datenfrequenz verbinden – geschätzt.

Zur Schätzung der privaten Konsumausgaben wurden Informationen zu Zahlungskartenumsätzen im Inland sowie Bargeldeinlieferungen (in die OeNB) verwendet. Die LKW-Fahrleistungsdaten werden - wie im Rahmen des OeNB-Exportindikators - zur Bestimmung der Exportentwicklung verwendet. Gesondert geschätzt werden die Tourismusexporte mit Hilfe der Zahlungskartenumsätze von Ausländern im Inland. Die Entwicklung der Bauinvestitionen wird mittels der täglichen Zahlen zu den gemeldeten Arbeitslosen im Bausektor geschätzt. Die anderen Investitionen (Nicht-Bauinvestitionen) folgen mangels geeigneter tagesaktueller Indikatoren annahmegemäß dem gewichteten Durchschnitt der anderen Nachfragekomponenten. Für den öffentlichen Konsum und die Lagerveränderungen wird eine stabile Entwicklung unterstellt. Alle angeführten Nachfragekomponenten werden um ihre Importanteile gemäß Input-Output-Tabellen bereinigt, sodass die Summe der angeführten Nachfragekomponenten dem gesamten BIP entspricht. Andere tagesaktuelle Konjunkturindikatoren, die nicht direkt in die Schätzungen ein-fließen, wie Daten zum Stromverbrauch, zum Mobilitätsverhalten, zur Kurzarbeit und Finanzmarktvariable, werden für Plausibilitätsprüfungen verwendet.  

Die Schätzungen werden bis auf Weiteres zweiwöchentlich aktualisiert und auf der OeNB-Website publiziert. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine wöchentliche BIP-Schätzung mit großen Unsicherheiten verbunden ist. Die hier vorgestellten Zahlen bieten nur einen groben Anhaltspunkt für die wirtschaftliche Aktivität und können übliche modellgestützte makroökonomische Prognosen nicht ersetzen. Der Indikator wird laufend verbessert. Dadurch können sich auch rückwirkend Änderungen der Schätzergebnisse ergeben.