Wöchentlicher BIP-Indikator der OeNB

14.10.2021

Wirtschaftsleistung im September knapp über Vorkrisenniveau

Der Erholungsprozess der österreichischen Wirtschaft hat sich im September fortgesetzt. Das Tempo der Erholung wurde aber durch die globalen Lieferengpässe gedämpft. In den Kalenderwochen 36 bis 40 (6. September bis 10. Oktober 2021) lag die Wirtschaftsleistung erstmals seit Ausbruch der Krise während mehrerer Wochen über dem Vorkrisenniveau, im Durchschnitt um 0,2 Prozent.

Die exportorientierte Industrie leidet weiterhin unter den globalen Liefer- und Transportengpässen. Die Konjunkturdynamik in der Industrie hat sich aber im September nicht weiter abgeschwächt, sondern war im Wesentlichen von einer Seitwärtsbewegung gekennzeichnet. Dies spiegelt sich sowohl in den LKW-Fahrleistungsdaten als auch im Stromverbrauch wider. Das im Vergleich zur Produktion deutlich stärkere Wachstum der Auftragseingänge zeigt jedoch, dass angebotsseitige Beschränkungen weiterhin einer stärkeren Ausweitung der Produktion entgegenstehen.

Daten zu Bargeldeinlieferungen und Zahlungskartenumsätzen zeigen einen leichten Aufwärtstrend bei den realen Konsumausgaben der österreichischen Haushalte. Dieser wird durch die fortschreitende Erholung am Arbeitsmarkt gestützt. Die Zahl der Arbeitslosen ist in der zweiten Septemberhälfte erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder unter dem Vorkrisenniveau gelegen. Der jüngste Anstieg der Inflation auf knapp über 3 % hat jedoch dämpfend auf das Wachstum der realen Konsumausgaben im September gewirkt.

Positiv zur wirtschaftlichen Entwicklung hat der heimische Tourismus beigetragen. Wie schon im Vormonat zeigen die Schätzungen auf Basis von Zahlungskarten, dass die Zahl der Nächtigungen auch im September wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben. Insbesondere ein kräftiges Plus bei den Nächtigungen von Gästen aus Deutschland und den Niederlanden zeichnete für diese positive Entwicklung verantwortlich. Mit dem Ausklingen der Sommersaison gewinnt der Städtetourismus anteilsmäßig wieder an Bedeutung. Das wird die Tourismusentwicklungen in den kommenden Monaten tendenziell wieder dämpfen.

Beim Vergleich zur jeweiligen Vorjahreswoche ergaben sich im zweiten Quartal 2021 aufgrund eines ausgeprägten Basiseffektes stark positive Wachstumsraten (grüne Linie in der Grafik, siehe methodische Erläuterungen weiter unten). Die Basiseffekte werden wieder zunehmend schwächer und in Kalenderwoche 35 lag die Wirtschaftsleistung rund 4 % über dem Wert der entsprechenden Vorjahreswoche.

Wöchentlicher BIP-Indikator der OeNB für die Kalenderwochen 36 bis 40 (PDF, 0,3 MB)

Daten zum wöchentlichen BIP-Indikator für KW 36 bis 40 (XLSX, 0,1 MB)

Weekly OeNB GDP indicator: data (XLSX, 0,1 MB)

Weekly OeNB GDP indicator: data (CSV, 0 MB)


Die interaktive Grafik ist durch die Auswahl eines zeitlichen Bereichs zoombar (mit gedrückter linker Maustaste einen Bereich auswählen). Die ursprüngliche Darstellung kann durch „Reset Zoom“ wiederhergestellt werden. Des Weiteren können einzelne Komponenten des BIP-Indikators durch Drücken des entsprechenden Legendeneintrags ein- bzw. ausgeblendet werden.

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Methodische Erläuterungen zur Vorkrisen- und Vorjahresdarstellung

Der wöchentliche BIP-Indikator der OeNB zeigte seit Ausbruch der COVID-19-Krise die Veränderung der Wirtschaftsleistung in Österreich in jeder Kalenderwoche im Vergleich zur entsprechenden Vorjahreswoche. Nachdem die COVID-19-Krise nun schon mehr als ein Jahr andauert, führt diese Darstellungsform am aktuellen Rand zu schwer interpretierbaren Ergebnissen. Nach Inkrafttreten des ersten Lockdowns am 16. März 2020 ist die Wirtschaftsleistung in den ersten Wochen um teilweise mehr als 20 % eingebrochen. Diese niedrigen Vorjahreswerte bilden aktuell den Ausgangswert für einen Vorjahresvergleich und führen zu stark positiven Wachstumsraten im Jahresabstand, die die tatsächliche ökonomische Situation – im Vergleich zur Situation vor der COVID-19-Krise - nicht adäquat widerspiegeln.

Beginnend mit Kalenderwoche 11/2021 (15.–21. März 2021) wird daher für jede Woche neben dem Vorjahresvergleich auch ein Vorkrisenvergleich dargestellt. Im Vorkrisenvergleich wird die Wirtschaftsleistung im Vergleich zur jeweiligen Kalenderwoche im Jahr vor Ausbruch der Krise dargestellt. Das entspricht gegenwärtig dem BIP-Niveau-Unterschied im Zweijahresabstand. Für diesen Vorkrisenvergleich werden auch weiterhin die Beiträge der wichtigsten nachfrageseitigen BIP-Komponenten dargestellt.

In der Grafik wird dieser Bruch in der Berechnungsweise durch einen Abstand zwischen den Kalenderwoche 10 (8.–14. März 2021) und 11 (15.–21. März 2021) zum Ausdruck gebracht.

Lesebeispiel:

In Kalenderwoche (KW) 12/2021 (22.–28.03.2021) lag das österreichische BIP

  • 28.4 % über dem Niveau des realen BIP in der entsprechenden Woche des Vorjahres (23.–29.03. 2020) sowie
  • 3,8 % unter dem Niveau des realen BIP in der entsprechenden Woche des Jahres 2019 (25.–31.03. 2019).

Dieser 3,8 % Rückgang erklärt sich wie folgt:
Der importbereinigte Beitrag des privaten Konsums zu dieser BIP-Veränderung betrug in KW 12 –2.5 Prozentpunkte, jener der Tourismusexporte –3.5 Prozentpunkte und der Exporte ohne Tourismus +1.9 Prozentpunkte.

Nächstes Update

Das nächste Update ist für Kalenderwoche 46 (19. November 2021) geplant.

Kurzbeschreibung Hintergrund und Methode

Für eine ausführlichere Beschreibung und Diskussion der Methode, siehe Monitoring the economy in real time with the weekly OeNB GDP indicator: background, experience and outlook (Fenz und Stix. Monetary Policy and the Economy, Q4/20–Q1/21, S. 17–40).

Die aktuelle COVID-19-Pandemie hat zu einem tiefen und abrupten Einbruch der Wirtschaftsleistung in Österreich geführt. Eine zeitnahe Schätzung der Stärke des Einbruchs und der folgen-den schrittweisen Erholung der österreichischen Wirtschaft stellt die Wirtschaftsforschung vor neue Herausforderungen. Traditionelle Konjunkturindikatoren sind oft nicht ausreichend rasch verfügbar und liegen häufig nur auf Monats- oder Quartalsebene vor. Die OeNB hat daher ein Set von Konjunkturindikatoren, die auf Tages- oder Wochenbasis erhoben werden und ohne Zeitverzögerung zur Verfügung stehen, zusammengestellt, das laufend erweitert und evaluiert wird. Aktuell zählen zu den Indikatoren LKW-Fahrleistungsdaten (Quelle: ASFINAG), Zahlungsverkehrsdaten (mehrere Zahlungsdienstanbieter), Arbeitsmarktdaten (AMS), Stromverbrauchsdaten (E-Control, Austrian Power Grid – APG), Mobilitätsindikatoren (Google, Apple) und Finanzmarktdaten, die von den genannten Unternehmen mit großer Kooperationsbereitschaft zur Verfügung gestellt wurden.

Basierend auf diesen zeitnah verfügbaren Konjunkturindikatoren wurde ein neuer Aktivitätsindikator berechnet, der die Entwicklung des realen BIP auf Wochenbasis abbildet. Dazu werden die nachfrageseitigen BIP-Komponenten mittels Brückengleichungen – das sind Prognosegleichungen, die Variablen mit unterschiedlicher Datenfrequenz verbinden – geschätzt.

Zur Schätzung der privaten Konsumausgaben wurden Informationen zu Zahlungskartenumsätzen im Inland sowie Bargeldeinlieferungen (in die OeNB) verwendet. Die LKW-Fahrleistungsdaten werden - wie im Rahmen des OeNB-Exportindikators - zur Bestimmung der Exportentwicklung verwendet. Gesondert geschätzt werden die Tourismusexporte mit Hilfe der Zahlungskartenumsätze von Ausländern im Inland. Die Entwicklung der Bauinvestitionen wird mittels der täglichen Zahlen zu den gemeldeten Arbeitslosen im Bausektor geschätzt. Die anderen Investitionen (Nicht-Bauinvestitionen) folgen mangels geeigneter tagesaktueller Indikatoren annahmegemäß dem gewichteten Durchschnitt der anderen Nachfragekomponenten. Für den öffentlichen Konsum und die Lagerveränderungen wird eine stabile Entwicklung unterstellt. Alle angeführten Nachfragekomponenten werden um ihre Importanteile gemäß Input-Output-Tabellen bereinigt, sodass die Summe der angeführten Nachfragekomponenten dem gesamten BIP entspricht. Andere tagesaktuelle Konjunkturindikatoren, die nicht direkt in die Schätzungen ein-fließen, wie Daten zum Stromverbrauch, zum Mobilitätsverhalten, zur Kurzarbeit und Finanzmarktvariable, werden für Plausibilitätsprüfungen verwendet.  

Die Schätzungen werden bis auf Weiteres zweiwöchentlich aktualisiert und auf der OeNB-Website publiziert. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine wöchentliche BIP-Schätzung mit großen Unsicherheiten verbunden ist. Die hier vorgestellten Zahlen bieten nur einen groben Anhaltspunkt für die wirtschaftliche Aktivität und können übliche modellgestützte makroökonomische Prognosen nicht ersetzen. Der Indikator wird laufend verbessert. Dadurch können sich auch rückwirkend Änderungen der Schätzergebnisse ergeben.