Wöchentlicher BIP-Indikator der OeNB

17.02.2021

Lockerungen halbieren BIP-Lücke auf –5 %

Die Lockerung der gesundheitspolitischen Maßnahmen am 8. Februar 2021 haben zu der erwarteten merklichen Belebung der wirtschaftlichen Aktivität in Österreich geführt. In der Kalenderwoche 6/2021 (8.–14. Februar 2021) lag die Wirtschaftsleistung in Österreich nach ersten Schätzungen 4,8 % unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Ähnliche Werte wurden auch während des Teil-Lockdowns in der ersten Novemberhälfte 2020 verzeichnet, als vergleichbare Maßnahmen in Kraft waren. Damals war die BIP-Lücke mit –6,5 % sogar geringfügig höher. Der lange dritte Lockdown nach Weihnachten (26.Dezember 2020 bis 7. Februar 2021) dürfte zu einem Nachfragestau und entsprechend hohen Konsumausgaben im Einzelhandel nach Wiederöffnung der Geschäfte geführt haben. Die realen Konsumausgaben lagen in Kalenderwoche 6 trotz der weiterhin bestehenden Einschränkungen in der Gastronomie und bei tourismusnahen Dienstleistungen „nur“ 8 % unter dem Vorjahreswert. Während des dritten Lockdowns waren sie um rund ein Viertel eingebrochen. Die anderen nachfrageseitigen BIP-Komponenten haben sich im Vergleich zu den vorangegangenen Wochen hingegen nur wenig verändert.

Wöchentlicher BIP-Indikator der OeNB für die Kalenderwoche 6 (PDF, 0,2 MB)

Daten zum wöchentlichen BIP-Indikator für KW 6 (XLSX, 0,1 MB)

Weekly OeNB GDP indicator: data (XLSX, 0,1 MB)

Weekly OeNB GDP indicator: data (CSV, 0 MB)

    


Lesebeispiel:

  • In Kalenderwoche (KW) 50, welche am 7. Dezember begonnen hat, lag das österreichische BIP 6.5 % unter dem Niveau des BIP-Wertes in der Kalenderwoche 50 des Jahres 2019.
  • Der importbereinigte Beitrag des privaten Konsums zum BIP-Wachstum betrug in KW 50 –3.3 Prozentpunkte, jener der Tourismusexporte –3.6 Prozentpunkte.

Nächstes Update

Das nächste Update ist für Kalenderwoche 9 (5. März 2021) geplant.

Kurzbeschreibung Hintergrund und Methode

Für eine ausführlichere Beschreibung und Diskussion der Methode, siehe Monitoring the economy in real time with the weekly OeNB GDP indicator: background, experience and outlook (Fenz und Stix. Monetary Policy and the Economy, FIRST VIEW).

Die aktuelle COVID-19-Pandemie hat zu einem tiefen und abrupten Einbruch der Wirtschafts-leistung in Österreich geführt. Eine zeitnahe Schätzung der Stärke des Einbruchs und der folgen-den schrittweisen Erholung der österreichischen Wirtschaft stellt die Wirtschaftsforschung vor neue Herausforderungen. Traditionelle Konjunkturindikatoren sind oft nicht ausreichend rasch verfügbar und liegen häufig nur auf Monats- oder Quartalsebene vor. Die OeNB hat daher ein Set von Konjunkturindikatoren, die auf Tages- oder Wochenbasis erhoben werden und ohne Zeit-verzögerung zur Verfügung stehen, zusammengestellt, das laufend erweitert und evaluiert wird. Aktuell zählen zu den Indikatoren LKW-Fahrleistungsdaten (Quelle: ASFINAG), Zahlungsverkehrsdaten (mehrere Zahlungsdienstanbieter), Arbeitsmarktdaten (AMS), Stromverbrauchsdaten (E-Control, Austrian Power Grid – APG), Mobilitätsindikatoren (Google, Apple) und Finanzmarktdaten, die von den genannten Unternehmen mit großer Kooperationsbereitschaft zur Ver-fügung gestellt wurden.

Basierend auf diesen zeitnah verfügbaren Konjunkturindikatoren wurde ein neuer Aktivitäts-indikator berechnet, der die Entwicklung des realen BIP auf Wochenbasis abbildet. Dazu werden die nachfrageseitigen BIP-Komponenten mittels Brückengleichungen – das sind Prognosegleichungen, die Variablen mit unterschiedlicher Datenfrequenz verbinden – geschätzt.

Zur Schätzung der privaten Konsumausgaben wurden Informationen zu Zahlungskartenumsätzen im Inland sowie Bargeldeinlieferungen (in die OeNB) verwendet. Die LKW-Fahrleistungsdaten werden - wie im Rahmen des OeNB-Exportindikators - zur Bestimmung der Exportentwicklung verwendet. Gesondert geschätzt werden die Tourismusexporte mit Hilfe der Zahlungskartenumsätze von Ausländern im Inland. Die Entwicklung der Bauinvestitionen wird mittels der täglichen Zahlen zu den gemeldeten Arbeitslosen im Bausektor geschätzt. Die anderen Investitionen (Nicht-Bauinvestitionen) folgen mangels geeigneter tagesaktueller Indikatoren annahmegemäß dem gewichteten Durchschnitt der anderen Nachfragekomponenten. Für den öffentlichen Konsum und die Lagerveränderungen wird eine stabile Entwicklung unterstellt. Alle angeführten Nachfragekomponenten werden um ihre Importanteile gemäß Input-Output-Tabellen bereinigt, sodass die Summe der angeführten Nachfragekomponenten dem gesamten BIP entspricht. Andere tagesaktuelle Konjunkturindikatoren, die nicht direkt in die Schätzungen ein-fließen, wie Daten zum Stromverbrauch, zum Mobilitätsverhalten, zur Kurzarbeit und Finanz-marktvariable, werden für Plausibilitätsprüfungen verwendet.  

Die Schätzungen werden bis auf Weiteres zweiwöchentlich aktualisiert und auf der OeNB-Website publiziert. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine wöchentliche BIP-Schätzung mit großen Unsicherheiten verbunden ist. Die hier vorgestellten Zahlen bieten nur einen groben Anhaltspunkt für die wirtschaftliche Aktivität und können übliche modellgestützte makroökonomische Prognosen nicht ersetzen. Der Indikator wird laufend verbessert. Dadurch können sich auch rückwirkend Änderungen der Schätzergebnisse ergeben.