Wöchentlicher BIP-Indikator der OeNB

06.05.2021

BIP-Lücke in Gesamtösterreich während des harten Lockdowns in Ostösterreich bei –5,5 %

In den Kalenderwochen 16 und 17 (19. April bis 2. Mai 2021) lag die Wirtschaftsleistung in Österreich 6,5 % bzw. 5,4 % unter dem Vorkrisenniveau, d. h. unter dem Niveau der Vergleichswochen 2019. Damit schwankte die BIP-Lücke in den vergangenen vier Wochen, in denen in Ostösterreich ein harter Lockdown in Kraft war, um rund –5,5 %. Auch an der Zusammensetzung der BIP-Lücke hat sich in den vergangenen beiden Wochen wenig geändert. Die Tourismusexporte verzeichneten weiterhin einen beinahe Totalausfall und erklären mehr als die Hälfte der BIP-Lücke. Das restliche Minus entfällt im Wesentlichen auf den privaten Konsum und hier auf jene Bereiche die unmittelbar von Lockdown-Maßnahmen betroffen waren (Gastronomie, Veranstaltungen, Handel). Positive Wachstumsbeiträge kamen hingegen weiterhin von der exportorientierten Industrie, die schon Ende 2020 wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat. Trotz hervorragender Umfragewerte, die zuletzt teilweise neue historische Höchststände erreicht haben, ist aber in der Industrie in den letzten Wochen „nur“ eine Seitwärtsbewegung und keine weitere Produktionssteigerung zu beobachten gewesen.

Mit dem Ende des harten Lockdowns in Wien und Niederösterreich am 3. Mai 2021 und den angekündigten Öffnungsschritten am 19. Mai 2021 erwarten wir in den kommenden Wochen ausgehend von den privaten Konsumausgaben eine deutliche Verringerung der BIP-Lücke.

Wöchentlicher BIP-Indikator der OeNB für die Kalenderwochen 16 und 17 (PDF, 0,3 MB)

Daten zum wöchentlichen BIP-Indikator für KW 16 und 17 (XLSX, 0,1 MB)

Weekly OeNB GDP indicator: data (XLSX, 0,1 MB)

Weekly OeNB GDP indicator: data (CSV, 0 MB)

    

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Methodische Änderung mit Kalenderwoche 12/2021

In den Wochen nach Inkrafttreten des ersten Lockdowns am 16. März 2020 ist die Wirtschaftsleistung um teilweise mehr als 20 % eingebrochen. Diese niedrigen Vorjahreswerte bilden aktuell den Ausgangswert für einen Vorjahresvergleich und führen zu stark positiven Wachstumsraten im Jahresabstand, die die tatsächliche ökonomische Situation – im Vergleich zur Situation vor der COVID-19-Krise – nicht adäquat widerspiegeln.

Aus diesem Grund wird ab Kalenderwoche 11/2021 (15.–21. März 2021) für jede Woche neben dem Vorjahresvergleich auch ein Vorkrisenvergleich dargestellt. Im Vorkrisenvergleich wird die Wirtschaftsleistung im Vergleich zur jeweiligen Kalenderwoche im Jahr 2019 dargestellt und entspricht daher einer Wachstumsrate im Zweijahresabstand. Für diesen Vorkrisenvergleich werden auch weiterhin die Wachstumsbeiträge der wichtigsten nachfrageseitigen BIP-Komponenten dargestellt.

Lesebeispiel:

In Kalenderwoche (KW) 12/2021 (22.–28.03.2021) lag das österreichische BIP

  • 28.4 % über dem Niveau des realen BIP in der entsprechenden Woche des Vorjahres (23.–29.03. 2020) sowie
  • 3,8 % unter dem Niveau des realen BIP in der entsprechenden Woche des Jahres 2019 (25.–31.03. 2019).

Dieser 3,8 % Rückgang erklärt sich wie folgt:
Der importbereinigte Beitrag des privaten Konsums zu dieser BIP-Veränderung betrug in KW 12 –2.5 Prozentpunkte, jener der Tourismusexporte –3.5 Prozentpunkte und der Exporte ohne Tourismus +1.9 Prozentpunkte.

Nächstes Update

Das nächste Update ist für Kalenderwoche 20 (21. Mai 2021) geplant.

Kurzbeschreibung Hintergrund und Methode

Für eine ausführlichere Beschreibung und Diskussion der Methode, siehe Monitoring the economy in real time with the weekly OeNB GDP indicator: background, experience and outlook (Fenz und Stix. Monetary Policy and the Economy, Q4/20–Q1/21, S. 17–40).

Die aktuelle COVID-19-Pandemie hat zu einem tiefen und abrupten Einbruch der Wirtschafts-leistung in Österreich geführt. Eine zeitnahe Schätzung der Stärke des Einbruchs und der folgen-den schrittweisen Erholung der österreichischen Wirtschaft stellt die Wirtschaftsforschung vor neue Herausforderungen. Traditionelle Konjunkturindikatoren sind oft nicht ausreichend rasch verfügbar und liegen häufig nur auf Monats- oder Quartalsebene vor. Die OeNB hat daher ein Set von Konjunkturindikatoren, die auf Tages- oder Wochenbasis erhoben werden und ohne Zeit-verzögerung zur Verfügung stehen, zusammengestellt, das laufend erweitert und evaluiert wird. Aktuell zählen zu den Indikatoren LKW-Fahrleistungsdaten (Quelle: ASFINAG), Zahlungsverkehrsdaten (mehrere Zahlungsdienstanbieter), Arbeitsmarktdaten (AMS), Stromverbrauchsdaten (E-Control, Austrian Power Grid – APG), Mobilitätsindikatoren (Google, Apple) und Finanzmarktdaten, die von den genannten Unternehmen mit großer Kooperationsbereitschaft zur Ver-fügung gestellt wurden.

Basierend auf diesen zeitnah verfügbaren Konjunkturindikatoren wurde ein neuer Aktivitäts-indikator berechnet, der die Entwicklung des realen BIP auf Wochenbasis abbildet. Dazu werden die nachfrageseitigen BIP-Komponenten mittels Brückengleichungen – das sind Prognosegleichungen, die Variablen mit unterschiedlicher Datenfrequenz verbinden – geschätzt.

Zur Schätzung der privaten Konsumausgaben wurden Informationen zu Zahlungskartenumsätzen im Inland sowie Bargeldeinlieferungen (in die OeNB) verwendet. Die LKW-Fahrleistungsdaten werden - wie im Rahmen des OeNB-Exportindikators - zur Bestimmung der Exportentwicklung verwendet. Gesondert geschätzt werden die Tourismusexporte mit Hilfe der Zahlungskartenumsätze von Ausländern im Inland. Die Entwicklung der Bauinvestitionen wird mittels der täglichen Zahlen zu den gemeldeten Arbeitslosen im Bausektor geschätzt. Die anderen Investitionen (Nicht-Bauinvestitionen) folgen mangels geeigneter tagesaktueller Indikatoren annahmegemäß dem gewichteten Durchschnitt der anderen Nachfragekomponenten. Für den öffentlichen Konsum und die Lagerveränderungen wird eine stabile Entwicklung unterstellt. Alle angeführten Nachfragekomponenten werden um ihre Importanteile gemäß Input-Output-Tabellen bereinigt, sodass die Summe der angeführten Nachfragekomponenten dem gesamten BIP entspricht. Andere tagesaktuelle Konjunkturindikatoren, die nicht direkt in die Schätzungen ein-fließen, wie Daten zum Stromverbrauch, zum Mobilitätsverhalten, zur Kurzarbeit und Finanz-marktvariable, werden für Plausibilitätsprüfungen verwendet.  

Die Schätzungen werden bis auf Weiteres zweiwöchentlich aktualisiert und auf der OeNB-Website publiziert. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine wöchentliche BIP-Schätzung mit großen Unsicherheiten verbunden ist. Die hier vorgestellten Zahlen bieten nur einen groben Anhaltspunkt für die wirtschaftliche Aktivität und können übliche modellgestützte makroökonomische Prognosen nicht ersetzen. Der Indikator wird laufend verbessert. Dadurch können sich auch rückwirkend Änderungen der Schätzergebnisse ergeben.