Das Schokoladenmädchen von Jean-Étienne Liotard (Dresden)

28. September 2018 bis 06. Jänner 2019
Das Bildnis der Kaiserin Maria Theresia, 1743, Pastell auf Pergament.

In der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden ist vom 28. September 2018 bis 6. Jänner 2019 eine einzigartige Ausstellung über den bekannten Schweizer Künstler Jean-Étienne Liotard (1702 bis 1789) zu sehen. Im Zentrum dieser Schau steht eines der berühmtesten Werke der Dresdener Gemäldegalerie, „Das Schokoladenmädchen“, das Liotard in Wien geschaffen hat.

Nach einer mehrjährigen Reise durch Italien, Griechenland sowie nach Konstantinopel kam Jean-Étienne Liotard 1743, mit langem Bart und Turban bekleidet, nach Wien, wo er für Furore sorgte. „Le peintre turc“, wie er sich selbst nannte, fertigte mehrere Pastell-Porträts von Kaiserin Maria Theresia an. Sie war begeistert von seinen Arbeiten. Eines dieser Bildnisse von Maria Theresia ist Eigentum der Oesterreichische Nationalbank und derzeit als Leihgabe in der Dresdner Ausstellung zu bewundern. Normalerweise befindet sich das Gemälde als Leihgabe im Schloss Schönbrunn.
Gemäldegalerie Alte Meister)

Das Bildnis der Kaiserin Maria Theresia, 1743, Pastell auf Pergament.
© Sammlung Oesterreichische Nationalbank/© Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.; Fotograf: Alexander Eugen Koller.

„Das schönste Pastell, das man je gesehen hat.“

Bild
Das Schokoladenmädchen, Pastell, 1743/45
© SKD, Gemäldegalerie Alte Meister; Foto: Herbert Boswank

Das Schokoladenmädchen von Jean-Étienne Liotard war bereits zu seinen Lebzeiten hochgeschätzt, wie die Beschreibung der bekanntesten Pastellmalerin Rosalba Carriera als „schönstes Pastell“ zeigt. Dem Kunsthändler Algarotti, der die „Chocolatière“ 1745 direkt vom Künstler für das Dresdner Pastellkabinett ankaufte, war es zu verdanken, dass nun in der Galerie auch Werke zeitgenössischer Künstler präsentiert wurden.

Ganz dem Geschmack des Rokoko entsprach das Malen mit der Pastellkreide, das sich für lebensechte, brillante Porträts anbot: Liotard schuf makellose, porzellanhaft glatte Oberflächen. Der große Bekanntheitsgrad des Bildes aber beruht auf der Darstellung eines einfachen, unbekannten Stubenmädchens, einem bis dahin äußerst seltenen Motiv. Die Chocolatière serviert einer unbekannten Empfängerin zum Frühstück heißen Kakao: In dieser Form war das teure, exotische Genussmittel im 18. Jahrhundert insbesondere an den europäischen Höfen äußerst beliebt. Seine Exklusivität äußerte sich nicht zuletzt in den wertvollen Porzellanen mit silbernen und goldenen Untertassen, in denen das Getränk serviert wurde. Liotard nahm mit seiner präzisen Beobachtung die Kunst der Aufklärung und den Realismus des 19. Jahrhunderts vorweg.

Die Ausstellung ermöglicht erstmals, „Das Schokoladenmädchen“ als Teil von Liotards Gesamtwerk zu erfahren. Über 100 herausragende Werke, darunter etwa 40 Leihgaben aus großen, internationalen Sammlungen, aus Privatbesitz sowie aus zehn Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigen die Kunst Liotards. Über 40 Pastelle, Ölgemälde, Zeichnungen und Grafiken geben einen Einblick in das vielfältige Schaffen des Künstlers, das neben Porträts in Pastell, Genreszenen und Stillleben in Öl auch Miniaturen, Figuren und Kostümstudien, sowie Kupferstiche umfasst. (© Gemäldegalerie Alte Meister/Katalog)