2 Notenbanken

Im Jahr 1923 gab es für einen Zeitraum von mehreren Monaten gleichzeitig zwei Notenbanken in Österreich.

Mit 1. Jänner 1923 nahm die neugegründete Oesterreichische Nationalbank (OeNB) ihren vollen Betrieb auf. Die davor für die Währungspolitik zuständige Oesterreichisch-ungarische Bank (OeUB) wurde aber erst im Juli 1923 aufgelöst. Allerdings bedeutete diese Überschneidung der Existenz von zwei Zentralbanken nicht auch ein gleichzeitiges Ausüben von notenbankspezifischen Tätigkeiten, wie z. B. die Ausgabe von Banknoten. Eine ordnungsgemäße Übergabe der Rechte und Pflichten von einer Institution auf die andere hatte bereits stattgefunden.

Der Grund für die späte Liquidation der Oesterreichisch-ungarischen Bank war, dass die Entschädigung ihrer Aktionäre noch offen war. In einem Übereinkommen zwischen den Nachfolgestaaten des ehemaligen Habsburgerreiches vom März 1922 wurden den Aktionären die in Österreich verbliebenen Immobilien der OeUB zugesprochen, die später von der OeNB abgelöst werden sollten.

Am 27. Juli 1923 fand die letzte Vollversammlung der Aktionäre der OeUB statt. Das offizielle Angebot der OeNB für die Entschädigung wurde, wenn auch unter heftigen Diskussionen, letztlich angenommen. Mit der Schließung der Versammlung endete an diesem Tag die langjährige Geschichte der Oesterreichisch-ungarischen Bank, die von 1878 an die Währungspolitik in der geografisch weitläufigen Habsburger-Monarchie gestaltet hatte.