200 Jahre

Gründung der „privilegirten oesterreichischen National-Bank“ am 1. Juni 1816

Die Wiederherstellung einer europäischen Balance am Ende der napoleonischen Kriege forderte den Vielvölkerstaat der Habsburger heraus. Die Neuordnung des transnationalen Territoriums konnte sich nicht bloß auf die bewährten Säulen des ancien régime – Kirche, Adel, Armee und Beamtenschaft – stützen. Die Integration des großen Reiches wollte auch wirtschaftlich gut fundiert sein. Im Wirtschaftsleben, am Markt, musste Vertrauen gewonnen werden. Die Gesetze von Angebot und Nachfrage waren nicht zu oktroyieren. Ihnen hatte sich auch der Monarch zu beugen. Von dieser Einsicht waren die zwei kaiserlichen Patente vom 1. Juni 1816, das „Finanzpatent“ und das „Bankpatent“, bestimmt, welche zur Gründung der „privilegirten oesterreichischen National-Bank“ führten.

Erst mit der Gründung der Nationalbank, die ein Emissionsmonopol besitzen sollte, trat eine Beruhigung im österreichischen Geldwesen ein. Die umsichtige Gebarung des Hauses ließ den Wert des Papiergeldes wieder steigen. Vorerst war das Ziel erreicht: Das im täglichen Wirtschaftsleben benötigte Papiergeld wurde von einer Institution begeben, die auf den Geldwert ihrer Papiere achtete; dies setzte Unabhängigkeit von den Ausgabeplänen der Staatsführung voraus. Die Eigenkapitelbasis der Bank wurde dabei durch eine Aktienemission geschaffen.